Heckflossen wie ein Raumschiff: Wohnwagen von 1962 fährt immer noch 5000 km im Jahr

Italcaravan Diana – Caravan mit Heckflossen
Diana, der Caravan mit Heckflossen

vom Campingprofi seit 1959
ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.08.2026
Als Favorit speichern

Dass man schon in den 60er Jahren mit Polyester zu spielen wusste, das ist kein Geheimnis. Was aber Italcaravan baute, das war und ist mehr als außergewöhnlich. Leicht und doch voluminös steht sie da, die Diana. Ein Heck wie ein Raumschiff, ein Hüftschwung wie die Borgward Isabella. "Und von der stammen ja auch die Rücklichter, das passt also", meint Siegfried Rosenkranz zum Schmuckstück, das ihn und Gattin Maria seit 25 Jahren begleitet. "So fünftausend Kilometer fahren wir mindestens in der Saison", erklärt sie. "Wir nutzen den richtig. Aber dafür wurde er ja auch gebaut."

Der Anfang der "Diana"

Dies geschah 1962 in San Martino Buon Albergo bei Verona, die Erstzulassung erfolgte am 22. Mai bei Hannover. "Erstbesitzer war ein Herr Netsch, das Kennzeichen war BU-P 645. Vielleicht erinnert sich noch jemand in Burgdorf an den Caravan. Der war ja schon damals außergewöhnlich. Falls ja, Infos bitte an die Redaktion. Geht doch, oder?" Zu Familie Rosenkranz kam der Caravan indes erst nach weiteren Besitzerwechseln, "er tauchte vor 28 Jahren in der Nähe von Paderborn auf, da haben wir nicht lange überlegt – auch wenn der Zustand nicht eben super war". Indes erschien der leer nur 550 Kilo wiegende Wagen als ideal für den Opel Rekord C, der sehr oft, und auch für die Langstrecke, als Zugfahrzeug ran muss. "Wir hatten schon einige Erfahrungen, mit einem Kip waren wir besonders glücklich. Außerdem haben wir ja noch den Orion II als Reisemobil. Die Diana aber, die hat es uns nicht nur wegen der inneren Stehhöhe angetan. Es ist einfach das gesamte Erscheinungsbild."

Italcaravan, Caravan, Diana, Heck, Heckflossen
Bernd Thissen

Der große Umbau des Italcaravans

Das indes war beim Kauf nicht so proper: "Das Dach war undicht, die Struktur angegriffen, und auch innen war er nicht so toll. Viele Kleinigkeiten eben, die am Ende drei Jahre verschlungen haben." Während Siegfried sich um den aus Holz, Stahl und Polyester gebauten Korpus kümmerte, machte Maria das Innere wohnlich. "Das markante Grün der Spüle und des Tischs übernahmen wir, auch für Komponenten mit neuem Innenleben wie beim Kühlschrank." Eine Heizung gab und gibt es nicht, gekocht wird mit Landstrom. "Ursprünglich war im Schrank Platz für zwei 5-Kilo-Gasflaschen, aber der Stauraum war nicht mehr zulässig." Und einen Kasten am Bug akzeptierten die beiden nicht, "das hätte diese charakteristische Form zerstört, das wollten wir auf keinen Fall".

Und die Leuchten? "Die stammen tatsächlich von der Isabella, die habe ich aber nachgerüstet, weil die originalen so funzelig waren. Die hat man kaum gesehen, das war uns zu riskant." Dass nun aber das Geleucht der Isabella so perfekt auf die Rundung passt, ist ein Glücksfall – und würde eigentlich zu solch einem Zugfahrzeug inspirieren. Hier aber schlägt Siegfrieds Herz für den Rüsselsheimer Blitz, "die lange Tour im Sommer 2024 quer durch Europa haben wir mit dem Opel Rekord E von 1983 unternommen, der zieht den Caravan eben doch lässiger über die Alpen als der C-Rekord. Der passt dafür als weißes Coupé ganz besonders stilsicher zum Italcaravan".

Italcaravan, Caravan, Diana, Interior, Küche, Bett
Bernd Thissen

Maria hat derweil das Doppelbett zur Sitzgruppe umgebaut, fünf Leute finden Platz, "einer muss eben im Mitteldurchgang auf den Klappstuhl, wirklich beengt ist das aber nicht". Die hier zu sehende Variante ist übrigens die mittlere der damals produzierten Versionen: "Der kleinere Bruder wiegt leer nur 390 Kilo, so einen sanieren wir gerade, den kann dann Maria an ihren Käfer hängen." Der "Große" hingegen macht einen gewichtigen Schritt, "mit seinen 1,5 Tonnen hätte es auch wieder ein anderes Zugfahrzeug gebraucht, den haben wir deshalb nach zwei Jahren wieder verkauft, ohne ihn wirklich gefahren zu haben".

Ein Rendezvous mit Diana

Mit der Diana indes sind beide glücklich. Die Maße passen, die während der Restaurierung eingebaute Nasszelle sorgt für Autarkie, und die Form immer wieder für Gespräche auf dem Campingplatz. "Die allermeisten schauen erst einmal – und warten, bis wir aufgebaut haben. Manche aber stürzen sich regelrecht auf einen, noch bevor man abgekuppelt hat."

Es will eben jeder ein "Rendezvous mit Diana" haben, und so war auch der originale Prospekt betitelt, der ebenfalls mit der grünen Innenausstattung jongliert. Die Generalvertretung für die Bundesrepublik und West-Berlin saß in Langen bei Frankfurt, der Neupreis ab 5.950 Mark lag auf dem Niveau eines Käfer Cabrio. Bei Italcaravan wusste man jedoch den Preis mit der Qualität zu rechtfertigen, die Diana "ist einer der formschönsten und technisch vollendetsten Wohnwagen auf dem europäischen Markt". Was soll man da noch hinzufügen? "Außer vielleicht die Rückleuchten der Isabella", merkt Siegfried an. Stimmt!

Technische Daten – Italcaravan (San Martino Buon Albergo, Provinz Verona)

  • Modell: Diana
  • Baujahr: 1962
  • Aufbaulänge: 3,80 m
  • Länge mit Deichsel: 5,00 m
  • Breite: 1,93 m
  • Höhe: 2,25 m
  • Leergewicht: 550 kg
  • zul. Gesamtgewicht: 720 kg
  • Größe Bett: 1,55 x 1,9 m
  • Küche: Kühlschrank, 2-Flamm-Elektrokocher (Landstrom)

Fazit