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Campingbus-Selbstausbau Fabian Dresler
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Do-it-yourself-Camper: Wasser & Elektrik

Do-it-yourself-Camper - Teil 3 Endlich autark dank Strom & Wasservorrat

Elektrizität und ein gewisser Wasservorrat sollten bei einem autarken Campingbus natürlich an Bord sein. Darum kümmern wir uns in Teil 3 der Selbstausbau-Serie. Bevor es losgeht, wird aber erst mal gerechnet.

Was macht einen Bus zum Campingbus? Genau, Strom und Wasser. Ohne elektrische Anlage und fließend Wasser für Bad und Küche wäre unser Selbstausbau nichts weiter als ein Transporter, in dem man auch schlafen kann. Nachdem wir im zweiten Teil der Serie den Rohbau abgeschlossen haben, folgen daher nun die Planung und der Einbau von Strom- und Wasserkreislauf. Ein sehr theoretisches, aber besonders wichtiges Kapitel. Für beide Installationen ist zunächst eine umfangreiche Recherche nötig, denn Fehler können besonders beim Strom schnell gefährlich werden.

Do-It-yourself-Camper

Darauf kommt es beim Stromkreislauf an

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Der Stromkreislauf im Campingbus.

Die Recherche sparen wir hier aus und widmen uns gleich den Ergebnissen, beginnend mit dem Stromnetz. Oder genauer: den beiden Stromkreisen. 12 Volt soll dauerhaft und 230 Volt bei Anschluss an den Landstrom verfügbar sein. Die Energie für unterwegs kommt dafür aus einer eigenen Wohnraumbatterie. Verschiedene Batterietypen stehen dafür zur Auswahl, von denen für uns nur zwei in Frage kommen: eine Blei-AGM- oder eine Lithium-Batterie.

Aus Preisgründen entscheiden wir uns für die günstigere, aber schwerere AGM-Batterie. Um die benötigte Kapazität zu ermitteln, berechnen wir unseren ungefähren Stromverbrauch und bestellen eine AGM-Batterie mit einer Kapazität von 180 Ah.

Berechnung der Batteriekapazität

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Die Bordbatterie verschwindet unter der vorderen Sitzbank – hier nur provisorisch untergeschoben, sie muss noch fixiert werden.

Eine Batterie mit großer Kapazität versorgt den Campingbus problemlos mehrere Tage. Doch je größer die Kapazität, desto teurer und schwerer auch die Batterie. Um die passende Kapazität zu ermitteln, sind zwei Fragen entscheidend. Erstens: Wie viel Strom verbrauche ich pro Tag? Zweitens: Wie viele Tage möchte ich autark stehen? Daher listen wir vorab alle potenziellen Verbraucher auf und schätzen deren tägliche Laufzeit ab.

Beispiel: Eine 12-Volt-LED-Leuchte ist 4 Stunden pro Tag eingeschaltet. Ihre Leistung wird in Watt (W) angegeben. Manchmal ist auf dem Typenschild aber nur die Stromstärke von zum Beispiel 0,2 A (Ampere) vermerkt.

Berechnung der Leistung: U*A= 12 V*0,2 A = 2,4 W

Berechnung der benötigten Kapazität: 2,4 W*4 Stunden = 9,6 Wh; 9,6 Wh/12V = 0,8 Ah

Die LED-Leuchte verbraucht in vier Stunden 0,8 Ah. Führt man diese Rechnung mit allen Verbrauchern durch und addiert die Werte, erhält man den täglichen Gesamtverbrauch. Bei uns sind es etwa 45 Ah. Weil wir zwei Tage lang autark stehen möchten, benötigen wir eine Batteriekapazität von 45 Ah*2 = 90 Ah.

Achtung: Das entspricht nicht der auf der Batterie angegebenen Kapazität. Je nach Typ können Batterien nämlich unterschiedlich stark entladen werden, ohne Schaden zu nehmen. Eine AGM-Batterie kann dauerhaft höchstens 50 Prozent ihrer Kapazität liefern. Wir rechnen also: 90 Ah/0,5 = 180 Ah

Diese Kapazität benötigt unsere AGM-Batterie.

Nächster Schritt: Kabel verlegen

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Das Ladegerät wird mit 230 Volt betrieben und lädt die 12-Volt-Batterie.

Einen Stromspeicher haben wir jetzt, doch der will auch gefüllt werden. Wir möchten, dass die Batterie nicht nur bei Landstromanschluss, sondern auch während der Fahrt über die Lichtmaschine des Motors aufgeladen wird. Dafür verbinden wir die Wohnraum- mit der Starterbatterie. Damit Letztere aber nicht von Verbrauchern im Wohnraum leergesaugt werden kann – und dann der Motor nicht mehr startet –, schalten wir ein sogenanntes Trennrelais aus dem Zubehörhandel dazwischen.

Nun können wir uns mit der Weiterleitung des Stroms befassen. Die Wohnraumbatterie wird mit einem 12-Volt-Sicherungskasten verbunden, von dem aus die Leitungen zu den Verbrauchern führen. Weil bislang nur der Möbelrohbau fertiggestellt ist, können die Kabelkanäle einfach zwischen den Stützlatten verlegt und die Kabel durchgezogen werden. Wichtig: Kabel mit ausreichend Querschnitt verwenden und an den Enden jeweils beschriften. Sollte später ein Fehler auftreten, erleichtert das die Ursachenforschung immens.

Ebenfalls wichtig: Kabel kürzen ist viel einfacher als Kabel verlängern. Daher lieber etwas "Luft" lassen. Der Stromfluss zum Verbraucher kann zusätzlich mit einem Kippschalter geregelt werden, zum Beispiel bei der Beleuchtung, die man dann mit einem "Klick" komplett ausschalten kann. Wenn Kabel verbunden werden müssen, zum Beispiel beim Zusammenschalten mehrerer Lampen, sollte das im 12-Volt-Kreislauf wie auch im 230-Volt-Netz mit geeigneten vibrationsbeständigen Verbindern geschehen.

Berechnung des Kabelquerschnitts

Ein ausreichender Querschnitt ist wichtig, da zu dünne Leitungen sich erhitzen und im schlimmsten Fall Brände auslösen können. Außerdem bedeutet die Wärmeentwicklung einen Verlust an Leistung, den wir vermeiden wollen. Wir berechnen den Querschnitt für eine gängige Kupferleitung (da diese einen geringen spezifischen Widerstand von 0,0175 rho – Ohm • Quadratmillimeter pro Meter – besitzt und sich damit bes- tens eignet) am Beispiel eines 12-Volt-Notebook-Ladegeräts mit 120 Watt Leistung. Den maximalen Verlustfaktor legen wir mit fünf Prozent fest, was 0,6 Volt entspricht. Die Formel zur Berechnung lautet vereinfacht:

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Zum Notebook sollte ein Kabel mit einem Querschnitt von mindestens 1,75 mm² gelegt werden. Es empfiehlt sich, noch eine Stärke höher zu gehen.

Eigener Stromkasten für den 230-Volt-Kreislauf

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Der 230-Volt-Anschluss braucht einen eigenen Sicherungskasten.

Damit ist der Weg zu den 12-Volt-Verbrauchern wie Lampen, USB-Steckdosen oder Kühlbox bereitet. Fehlt noch der 230-Volt-Kreislauf. Dessen Kabel müssen in separaten Kanälen verlegt werden, und ein eigener Sicherungskasten, der über ein Schutzleiterkabel mit der Karosserie verbunden wird, ist Pflicht. Im Camping-Zubehör finden sich Sets aus Einspeisestecker und Sicherungskasten, die im Fahrzeug leicht zu montieren sind. Wir platzieren unseren Anschluss in der Heckgarage, das Anschlusskabel für die externe Versorgung passt nämlich locker durch den Spalt der etwas eingedellten Hecktür – endlich mal ein Schaden mit Vorteil!

Für die 230-Volt-Verbraucher verlegen wir vom Sicherungskasten Kabel zu handelsüblichen Steckdosen, die später in den Möbelbau integriert werden. Ein zusätzliches Kabel versorgt das Ladegerät der Wohnraumbatterie, das direkt mit den Polen der Batterie verbunden wird, sodass sie bei Landstromanschluss aufgeladen wird – fertig.

Berechnung der Sicherungsstärke

Die passende Stärke der Sicherung ergibt sich aus der maximalen Stromstärke der angeschlossenen Verbraucher, errechnet sich also für ein Notebook-Ladegerät mit 120 Watt Leistung wie folgt:

120 Watt / 12 Volt = 10 Ampere

Es sollte also eine 10-Ampere- Sicherung eingesteckt werden. Wenn die Maximalleistung eines Verbrauchers diesen Wert mehr als kurzzeitig übersteigt, brennt die Sicherung durch. In einem solchen Fall sollte die nächstgrößere Sicherung (in diesem Fall 15 Ampere) eingesetzt werden

So klappt's mit dem Frischwasser im Wohnmobil

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Der Wasserkreislauf im Campingbus.

Die Wasseranlage ist vergleichsweise einfach aufgebaut: Eine Pumpe fördert Frischwasser aus dem Tank zum Wasserhahn. Nachdem es im Abfluss des Waschbeckens verschwunden ist, fließt es über Abwasserleitungen in einen Grauwassertank. Wir bestellen also einen 90-Liter-Frischwassertank, der passend geformt ist, um ihn über dem linken hinteren Radkasten zu platzieren, und fixieren den Tank mit einer Eigenkonstruktion aus Holz. In der Nähe wird auch die Druckwasserpumpe installiert. Sie pumpt später im Betrieb so lange Wasser aus dem Tank in die Leitungen, bis ein voreingestellter Druckwert erreicht ist.

Im Vergleich zur Tauchpumpe, die erst beim Öffnen eines Wasserhahns aktiv wird, hat sie den Vorteil, dass keine Armaturen mit Mikroschalter und entsprechender Verkabelung nötig sind und dass das Wasser verzögerungsfrei fließt. Schlauchleitungen für Warm- und Kaltwasser, Verbinder und Schlauchschellen finden sich ebenso im Zubehörhandel wie ein Ablassventil, Wasserhähne sowie Wasch- und Spülbecken.

Das Zusammenfügen aller Teile ist relativ simpel: Von der Pumpe aus führen Kaltwasserleitungen direkt zu den beiden Wasserhähnen in Küche und Bad. Wir befestigen die flexiblen Schläuche so an den Holzstreben des Möbelrohbaus, dass sie später hinter den Holzverkleidungen verschwinden.

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Der Frischwassertank wird über dem Hinterrad mit einer Eigenbau-Holzkonstruktion befestigt.

Über ein T-Stück wird zudem ein Warmwasserboiler angeschlossen. Von dort führen zwei Warmwasserleitungen gleichfalls zu den Wasserhähnen. In Bad und Küche müssen Löcher in den Fahrzeugboden gebohrt werden um die Abwasserleitungen mit dem Grauwassertank unterflur zu verbinden. Tank und Leitungen finden sich ebenfalls im Zubehörhandel. Für die Tankbefestigung ist Kreativität gefragt. Was man dazu braucht, gibt es aber im Baumarkt um die Ecke.

Zwischenbilanz zum Campingbus-Ausbau

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Nachdem alle Leitungen verlegt und auf Dichtigkeit geprüft sind, ist das Kapitel "Licht und Wasser" beendet und wir können Zwischenbilanz ziehen. In Gedanken planen wir schon die nächsten Schritte: Neben Küche und Bad fehlen noch Gasanlage und Heizung, bevor es an den Möbelbau geht.

Im nächsten Teil der Serie geht es unter anderem um den Einbau von Küche und Bad.

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