Die Region Pays de la Loire hat rund 450 Kilometer Atlantikküste zu bieten. Ebbe und Flut kennzeichnen hier die Landschaft und verleihen dem Küstenstreifen eine ganz andere Atmosphäre. Wer mag, besucht noch die vorgelagerten Inseln Noirmoutier und Yeu. Insgesamt bieten sich in den Pays de la Loire 562 Campingplätze für den Urlaub mit dem Wohnwagen oder Camper an. Außer in den französischen Ferienmonaten Juli und August geht es hier angenehm ruhig zu.
Die berühmten Schlösser der Loire wie Chambord oder Chenonceau befinden sich indes weiter östlich an dem berühmten Fluss. Vielleicht ein idealer Stopp auf dem Heimweg nach Deutschland?
1. Kleine Städte mit Charakter
Exakt 47 Orte in den Pays de la Loire tragen den Titel "Petites Cités de Caractère". Diese kleinen Städte mit Charakter gelten als besonders sehenswert – ob ihrer schieren Anzahl scheint die Bezeichnung allerdings fast ein wenig inflationär verwendet zu werden. Aber nur drei dieser Charakter-Städte zählen auch zum illustren Kreis der schönsten Dörfer Frankreichs.
Eine davon ist das mittelalterliche Saint-Suzanne auf einem Hügel 70 Meter über dem Flusstal der Erve zwischen Laval und Le Mans. Es ist unbedingt einen Besuch wert. Dank ihrer festungsartigen Lage überstand die Stadt im 11. Jahrhundert die Belagerung durch Truppen von Wilhelm dem Eroberer. Noch heute führt ein Fußweg außen an der Stadtmauer entlang.

Der Fußweg entlang der Stadtmauer: Hier genießt man wunderbare Ausblicke auf das Tal der Erve und die umliegenden Hügel.
Die Altstadt innerhalb der Stadtmauern, die heute von rund 800 Menschen bewohnt wird, ist geprägt von engen Gassen, gesäumt von Häusern mit gepflegten Natursteinfassaden. Kleine Läden und Manufakturen entlang der Grand Rue machen mit farbenfrohen Schildern auf sich aufmerksam. Am zentralen Place Hubert II de Beaumont laden Cafés und Bistros zu einer Rast ein. Die Kirche des Ortes überrascht mit modernen Buntglasfenstern.
Fast noch einmal genauso groß wie die übrige Altstadt ist das Gelände des Schlosses von Saint-Suzanne. Der älteste erhaltene Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war die Stadtbefestigung massiv verstärkt worden. Auch von den Außenmauern des Schlosses, dessen weitläufiger Innenhof frei zugänglich ist, bietet sich ein fantastischer Ausblick.
Ein zweites Schlossgebäude im Stil der Renaissance entstand im 17. Jahrhundert. Es beherbergt heute eine Multimedia-Ausstellung über die Architektur und das kulturelle Erbe von Ort und Region. Ein kleiner Campingplatz befindet sich nur einen Kilometer südlich der Altstadt.
Der besondere Tipp
Faienceries d’art de Malicorne Kleine Manufakturen, in denen lokales Handwerk zelebriert wird, finden sich immer wieder in den Pays de la Loire. Eine ganz besondere ist die Töpferei von Stephane Deschang in Malicorne-sur-Sarthe. Produkte aus Porzellan werden hier von Hand mit der gleichen Technik wie vor 100 Jahren gefertigt und liebevoll bemalt. Bei der Arbeit lässt sich Stephane über die Schulter schauen. www.faiencerie-malicorne.com
2. Historisches Angers
Eine riesige Burg, gepflegte Altstadtgassen, eine gotische Kathedrale und dazu eine traumhafte Lage an den Ufern des Flusses Maine, der unweit der Stadt in die Loire mündet: Es fällt schwer, Angers nicht zu mögen. Trotz ihrer Schönheit verströmt die Stadt kein museales Flair, sondern wirkt höchst lebendig – auch dank rund 26.000 Studenten.
Die Burg stammt in ihren Ursprüngen aus dem 13. Jahrhundert. Erbaut aus schwarzem Schiefer und weißem Kalkstein, beeindruckt die Festung mit einer Umfassungsmauer von einem Kilometer Länge, gespickt mit nicht weniger als 17 Türmen. Vom Wehrgang genießen Besucher Panoramablicke über Stadt und Fluss.
Zudem birgt die Burg ein besonderes kulturhistorisches Kleinod: den Wandteppichzyklus der Apokalypse – ausgestellt in einem klimatisierten und fensterlosen Gebäude, um den wertvollen Stoff nicht zu schädigen. Es handelt sich um das älteste Wandteppichensemble dieser Größe, das heute noch existiert. 1375 vom Bruder König Karl V. in Auftrag gegeben, entstanden sechs Teppiche von je 23 Meter Länge und sechs Meter Höhe.
Die Bilder auf den Teppichen erzählen die Geschichte der Offenbarung des Johannes, des letzten Buchs des neuen Testaments. Dabei ist es erstaunlich, wie viele heute noch gebräuchliche Redewendungen dargestellt werden. Etwa wie ein Engel mit seinem Flügel den Apostel Johannes vor der Verführung schützt, ihn somit unter seine Fittiche nimmt.
Wenige Schritte sind es zur gotischen Kathedrale. Hier beeindrucken die riesige Orgel mit Holzschnitzereien (18. Jahrhundert) sowie wunderschöne alte Buntglasfenster.

Erhalten sind heute noch rund 100 Meter des Teppichensembles. Denn sein kulturhistorischer Wert wurde nicht immer erkannt: Im 18. Jahrhundert wurden die Stoffbahnen zerschnitten und dienten unter anderem als Decken für Pferde.
Der besondere Tipp
Flussfahrt auf der Maine Die Altstadt von Angers vom Wasser aus bestaunen – das geht bei einer Flussfahrt auf der Maine. Die alten Holzboote des Anbieters Vogue-en-Maine starten direkt gegenüber der Burg. Erstaunlich: Nach nur wenigen Minuten rückt die Stadt aus dem Blickfeld, dichtes Grün reicht bis ans Ufer. Die Standard-Tour dauert rund eineinhalb Stunden. Es gibt auch Touren, zu denen Wein und lokale Leckereien gereicht werden. www.vogue-en-maine.fr
3. Die Atlantikküste
Die Küste der Pays de la Loire eignet sich wunderbar für entspannten Campingurlaub. Zahlreiche Campingplätze finden sich direkt an der Küste, sodass reichlich Auswahl besteht und höchstens im französischen Hochsommer mit vollen Plätzen zu rechnen ist. Ebbe und Flut prägen den Küstenstreifen. Zum Strand geht es meist durch eine Dünenlandschaft. Auf langen Stegen ragen Holzhütten übers Wasser, von denen die Fischer ihre Netze ins Meer lassen – ein ganz besonderes Flair.
Eine Perle ist die Kleinstadt Pornic südlich der Loire-Mündung. Hier verbrachte einst sogar der russische Revolutionär Lenin seinen Urlaub. Das pittoreske Städtchen bietet sich zudem als idealer Ausgangspunkt für Aktivitäten am und auf dem Wasser an.
Eine Möglichkeit: ein Kanu leihen und die Region vom Meer aus erkunden. Eine andere: sich in den Fahrradsattel schwingen. Ein Radweg führt meist direkt an der Küste entlang, oder man rollt entspannt durch kleine Dörfer. Autoverkehr gibt es kaum. Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke von der Steilküste aufs Meer. Zudem lohnt es sich, zu einem der zahlreichen Strände hinabzufahren.

Die Orientierung auf dem Küstenradweg fällt denkbar einfach – neben einer klaren Beschilderung zeigen auch Radfahrpiktogramme auf der Straße an, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet.
Zu den Pays de la Loire zählt auch die langgestreckte Insel Noirmoutier, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Kleiner und abgeschiedener ist die Ile d’Yeu etwas weiter südlich, die man vom Festland auch gut für einen Tagesausflug mit der Fähre ansteuern kann. Die für ihre unberührte Natur und wilde Strände bekannte Insel verfügt aber auch über einen Campingplatz.
Der besondere Tipp
Meeresfrüchte auf dem Fischkutter Was wäre Urlaub am Atlantik ohne Meeresfrüchte auf dem Teller: Frische Austern, Garnelen und Wellhornschnecken isst man auf dem zum Restaurant umfunktionierten Fischkutter "Fleur des Ondes" im Hafen von Pornic. Gespeist wird an rustikalen Holztischen mit Blick über den Hafen. Bei Ebbe steht der Kutter im Schlick – so besteht zumindest keine Gefahr, seekrank zu werden.
Campingplatz-Tipps für Pays de la Loire
Diese Plätze können wir für eine Tour durch die Region empfehlen.
F-53200 Château-Gontier – Camping du Parc
Einfacher, ruhig gelegener Platz am Ufer des Flusses Mayenne. Großteils parzellierte Stellplätze auf teils leicht unebenem Wiesengelände mit dichtem Baumbestand. Am Platz: Spielplatz, Fernsehraum, Grillplatz, Mini-Markt. Ins Zentrum von Château-Gontier ca. 1,5 km. In der Nähe: Château de Craon aus dem 18. Jahrhundert im Stil von Versailles. Bis Angers ca. 50 km.
F-44760 Les Moutiers-en-Retz – Camping Domaine du Collet
4-Sterne-Campingplatz nahe Pornic, nur durch einen schmalen Zufahrtsweg von Dünen/Strand getrennt. Parzellierte Stellplätze auf Sand/Wiese. Am Platz: beheizter Pool, Restaurant, Fitnessraum, Tennisplätze, Angeln am platzeigenen Fischteich. Im Sommer diverse Wassersport-Angebote (Segeln, Tauchen, Wakeboarden). Nach Pornic ca. 15 km.
F-49190 Rochefort-sur-Loire – Camping Seasonova Les Plages de L.
3-Sterne-Campingplatz nahe der Loire und unweit von Angers. Parzellierte Stellplätze auf Sand/Wiese. Am Platz: Mini-Markt, Tapas-Bar, Grillplatz, Bibliothek. Nach Angers ca. 20 km. 3,8 ha, 116 Stellplätze, 20 Mietunterkünfte. Geöffnet von April bis November.
Info: Rte de Savennières, GPS 47°21’28”N, 0°39’18”W, Telefon 0033/241685591, www.vacances-seasonova.com
F-72300 Sablé-sur-Sarthe – Camping Municipal de l’Hippodrome
Einfacher und ruhiger kommunaler Campingplatz am Ufer des Flusses Sarthe. Parzellierte Stellplätze auf meist ebenem Wiesengelände. Am Platz: Pool (unbeheizt), Fernsehraum, Mini-Markt, Grillplätze.
F-85160 Saint-Jean-de-Monts – Flower Camping La Davière Plage
Gehobener Campingplatz an der südlichen Atlantikküste der Pays de la Loire, unweit der Inseln Noirmoutier und Yeu. 900 Meter zum Strand. Parzellierte Stellplätze auf Sand/Wiese mit Baumbestand. Am Platz: beheizter Pool, Spielplatz, Fahrradverleih, Mini-Markt. 3 ha, 171 Stellplätze, 80 Mietunterkünfte, 29 Dauercamper. Geöffnet von Mai bis September.
Info: 197 Chemin de la Davière, GPS 46°48’20”N, 02°06’03”W, Telefon 0033/251582799, www.daviereplage.com






