Elektrischer Camper von Eifelland ‒ die Praxistauglichkeit bleibt zweifelhaft

Eifelland Relax auf Nissan Interstar-e
Ist dieser Elektro-Camper praxistauglich?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.08.2026
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Wohnmobil und Elektroantrieb – das passt bislang nicht so recht zusammen. Zu gering die Reichweiten der verfügbaren E-Basisfahrzeuge, zu hoch das Gewicht wegen der schweren Akkus und dazu in der Anschaffung noch viel teurer als ein Diesel. Ende der Geschichte.

Doch es tut sich was. Im kleinen Segment machten jüngst Alpincamper mit einem Ausbau des Kia PV5 und Wavecamper mit einem Ford E-Transit Custom auf sich aufmerksam. Bei großen Campingbussen ist das Angebot elektrischer Camper nach wie vor sehr überschaubar, doch mit dem Eifelland Relax auf Basis des 6,40 Meter langen Nissan Interstar-e tritt nun erstmals ein solches Mobil bei promobil zum Test an.

Die Eckdaten klingen vielversprechend. Der Akku des elektrischen Nissan – weitgehend baugleich mit dem Renault Master – bunkert immerhin 87 Kilowattstunden (kWh) Energie. Laut WLTP-Norm reicht das für 410 Kilometer. Geladen wird der Akku mit bis zu 130 kW – im Vergleich zu modernen Elektro-Pkw bestenfalls unterer Durchschnitt, doch weit besser als bei vielen Transportern, die auf innerstädtischen Lieferverkehr optimiert sind.

Der E-Camper hält die 3,5-Tonnen

Dem Thema Gewicht begegnet Eifelland mit einem reduzierten Ausbau ohne festes Bad. So liegt das im Test ermittelte Leergewicht inklusive gefülltem Frischwassertank bei 3.053 Kilogramm. Für zwei Urlauber bietet der Campingbus damit ausreichend Zuladung als 3,5-Tonner.

Und der Preis? Der bleibt hoch, vor allem angesichts des reduzierten Ausbaus. 65.224 Euro kostet allein das Basisfahrzeug, rund 13.000 Euro mehr als der vergleichbare 150-PS-Diesel mit Automatik. Preis für den Testwagen mit Ausbau und ein paar wenigen Basisfahrzeug-Extras wie Sitzheizung, Allwetterreifen, Frontscheibenheizung und Anhängekupplung: 89.900 Euro.

Genug der Theorie, es geht auf die Straße. Kurios: Auch die Elektroversion des Interstar hat einen klassischen Zündschlüssel, den man drehen muss, um das Fahrzeug in Fahrbereitschaft zu versetzen. Dann den Automatik-Wählhebel hinterm Lenkrad nach unten ziehen, Fahrstufe D ist eingelegt und der Kastenwagen rollt los.

Bei 120 km/h ist Schluss

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Andreas Becker

105 kW (143 PS) leistet der E-Motor. Klingt nach nicht besonders viel, doch typisch Elektro zieht der Interstar von der Ampel flott los, fühlt sich auch auf der Landstraße ausreichend kräftig an. Auf der Autobahn wird das Fahrzeug bei 120 km/h abgeregelt – aus gutem Grund, denn der digitale Balken für den Momentan-Verbrauch verharrt bei diesem Tempo knapp unter der Marke von 40 kWh je 100 Kilometer. Das heißt: nach rund 200 Kilometern wäre ein zu 100 Prozent gefüllter Akku nahezu vollständig entleert.

Also lieber etwas Geschwindigkeit rausnehmen, Tempomat auf 100 oder 105 km/h erweist sich rasch als gutes Reisetempo. Autobahnetappen absolviert der Interstar im Test so mit 26 bis 28 kWh je 100 Kilometer. Im Gesamtschnitt inklusive Stadt- und Überlandfahrten vermeldet der Bordcomputer zum Testende rund 24 kWh je 100 Kilometer. Angesichts der großen Stirnfläche kein schlechter Wert, der immerhin etwas mehr als 300 Kilometer Praxis-Reichweite verspricht.

Ordentlich: Reichweite und Ladetempo

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Simon Ribnitzky

Allerdings: In der Praxis fährt man den Akku nicht von 100 auf 0 Prozent herunter. Spätestens bei 10 Prozent Akkustand sucht man die nächste Ladesäule. Elektroauto-Kenner wissen zudem: Unterwegs am Schnelllader sinkt das Ladetempo ab 80 Prozent Füllstand drastisch. Heißt: Auch bei moderat gefahrenen Autobahnetappen wird man alle 200 bis 250 Kilometer zum Laden stoppen.

Wie schnell das geht? Im Test haben wir bei einem Ladevorgang von 15 bis 80 Prozent 31 Minuten gemessen. In Anbetracht der überschaubaren Ladeleistung von 130 kW eine ordentliche Zeit, der Interstar hält die 130 kW relativ lange konstant durch. Moderne E-Pkw laden inzwischen aber locker zehn Minuten fixer. Gerade auf längeren Strecken bleibt das Reisen mit dem Eifelland Interstar-e also kompromissbehaftet.

Gut: Wechselstrom lädt der Eifelland mit 22 kW statt der sonst oft üblichen 11 kW. Es genügen also rund vier Stunden, um den Akku komplett zu füllen. Steht mal kein Schnelllader (Gleichstrom) bereit, bunkert der Interstar so auch während eines ausgiebigen Statdtbummels ausreichend Energie.

Leise unterwegs

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Andreas Becker

Unbestreitbarer Vorteil des E-Transporters ist hingegen das geringe Geräuschniveau, auch weil die wenigen Möbel keinen Mucks machen. Lediglich Windgeräusche von der Dachhaube sind bei höherem Tempo deutlich vernehmbar. Auf dem Campingplatz macht das nahezu lautlose Rangieren Spaß. Nahezu deshalb, weil der Interstar bis ca. 20 km/h einen gesetzlich vorgeschriebenen Warnton für Fußgänger produziert. Witzig: Hier hat man die Wahl zwischen "neutral", "ausdrucksstark" und einer Komposition des französischen Elektromusik-Vordenkers Jean-Michel Jarre.

Anders als die meisten E-Pkw hat der Interstar kein integriertes Navi und damit auch keine automatische Planung von Ladestopps bei längeren Reisen. Hier muss man sich via Android Auto oder Apple Carplay mit einer App auf dem Smartphone behelfen – auch das eine merkliche Komfort-Einbuße im Vergleich zum Elektro-Pkw. Das Einstellen der Rekuperation – also wie stark das Fahrzeug verzögert, wenn man den Fuß vom Fahrpedal nimmt – erlaubt der Interstar in zwei Stufen nur sehr grob. Einen sogenannten Ein-Pedal-Modus hat der Nissan nicht.

Mehr Multifunktionsmobil denn Camper

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Andreas Becker

Und was taugt der Eifelland als Camper? Ohne festes Bad bietet der Relax ein tolles Raumgefühl, die Stehhöhe fällt mit 1,83 Meter aber ziemlich gering aus. Das große Längsbett im Heck misst 190 mal 164 Zentimeter und punktet mit sehr bequemer Matratze. Unter dem Bett, das an Gasdruckdämpfern aufstellbar ist, befindet sich ein riesiger Stauraum. Fliegengitter für die Schiebetür und elektrische Trittstufe fehlen jedoch.

Die beiden Einzelsitze im Wohnraum kommen vom Spezialisten Schnierle und lassen sich in Schienen verschieben oder ganz ausbauen. Ein Tisch wird bei Bedarf in eine Halterung am Küchenblock hinter dem Fahrersitz geschoben. Im Testwagen funktionierten Induktionskocher und Elektro-Heizung (Truma Eezy) nur mit Landstrom. Für die Serie verspricht Nissan, dass beide Geräte auch autark aus der Fahrzeugbatterie des Interstar gespeist werden können – definitiv ein wichtiger Punkt bei einem Elektro-Camper.

Ein kleiner Wassertank (20 Liter) steckt im Küchenmöbel, ebenso ein Kompressor-Kühlschrank. Eine mobile Toilette kann im Heckstauraum transportiert werden. Kein vollständiger Campingausbau also, eher ein Multifunktionsmobil mit Platz für viel sperriges (Sport-)Gepäck.

Technische Daten Eifelland Relax auf Interstar-e

  • Länge/Breite/Höhe: 6,41/2,08/2,50 Meter
  • promobil-Leergewicht: 3.053 kg
  • Zulässige Gesamtmasse: 3.500 kg
  • Leistung E-Motor: 105 kW (143 PS)
  • Batteriekapazität: 87 kWh
  • Reichweite WLTP: 410 km
  • Max. Ladeleistung AC/DC: 22/130 kW
  • Preis Testwagen: 89.900 Euro

Fazit