Trenntoiletten Campingbus Andreas Becker
Trenntoiletten Campingbus
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Trenntoilette Bio-Toi 42 Bilder

So funktioniert eine Trenntoilette

So funktioniert eine Trenntoilette Nachhaltig, chemiefrei und platzsparend

Nicht jeder Bus hat eine Kassettentoilette an Bord, und immer mehr wollen auf WC-Chemie verzichten. Das Zauberwort heißt "Trenntoilette".

Der letzte Schritt des menschlichen Stoffwechsels ist für viele noch immer ein Tabuthema. Jeder macht es, aber niemand redet gerne darüber. Vielleicht, weil wir sofort bestimmte Bilder im Kopf und Gerüche in der Nase haben, sobald sich die Gedanken in Richtung Toilette bewegen. Ein Grund mehr, endlich sowohl mit den optischen als auch olfaktorischen Vorurteilen gegenüber Trenn- oder Trockentoiletten aufzuräumen.

Trotzdem vorab ein Wort der Warnung: Da sich alles um das genaue Gegenteil von Nahrungsmitteln dreht, kann es – trotz aller Bemühungen um Sachlichkeit – hin und wieder etwas unappetitlich werden. Schlucken Sie also am besten jetzt den letzten Löffel Schokopudding herunter, und trinken Sie noch einen Schluck Apfelsaft, bevor Sie weiterlesen.

Hinzu kommt, dass die deutsche Sprache, so facettenreich sie auch sonst sein mag, im sanitären Themenbereich nur zwei Extreme kennt – abseits der biologisch korrekten Ausdrucksweise: derbe Fäkalsprache oder alberne Kinderausdrücke. Wir möchten auf beides verzichten, auch wenn es dadurch zu Wortwiederholungen kommen kann.

Und damit sind wir nun endlich beim Thema, schließlich brennen Sie schon darauf zu erfahren, warum Trenntoiletten im Campingbus eine umweltfreundliche, nachhaltige und tatsächlich oft sogar geruchsärmere Alternative zu den Sanitärzusatz-gefluteten Kassettentoiletten sind.

In unserer Marktübersicht haben wir die gängigsten Modelle zusammengestellt: 16 Trenntoiletten im Überblick

So funktionieren Trenntoiletten

Eine Trenn- oder Trockentoilette kommt, wie der Name schon sagt, ohne Wasserspülung aus und trennt die Ausscheidungen in Flüssig- und Feststoff. Urin und Kot werden in zwei separaten Behältern aufgefangen und kommen nicht miteinander in Kontakt. Diese Trennung ist der entscheidende Unterschied zum mittelalterlichen Abtrittanbieter, der mit großen Holzeimern durch die Straßen zog und diese seinen MitbürgerInnen für ihre Notdurft zur Verfügung stellte. Denn die unangenehmen Gerüche, die wir mit Exkrementen (und mitunter dem Mittelalter) in Verbindung bringen, entstehen erst, sobald sich Feststoff und Flüssigkeit vermischen oder mit Wasser in Berührung kommen.

Trocken an der Luft entstehen indes kaum Faulgase. Eine Geruchsbelästigung im Fahrzeug, die viele Trenntoiletten-Neulinge befürchten, wenn die Ausscheidungen in der Toilette zurückbleiben, ist also von vornherein größtenteils ausgeschlossen und muss nicht erst mit Toilettenzusätzen unterbunden werden, die man sich auf diese Weise spart.

Trenntoiletten Campingbus
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Sehr ergiebig: Die losen Kokosflocken in der Tüte sind nicht einmal die Hälfte des gepressten Ziegels daneben.

Zusätzlich zur Trennung vom Urin wird dem Feststoff mithilfe von Streu die Restfeuchtigkeit entzogen. Hierzu wird nach jedem Defäkieren eine Handvoll (ca. 25 Gramm) Bindemittel in den Feststoffbehälter gestreut. Die gängigsten sind Miscanthusstreu ("Elefantengras"), Strohpellets oder Kokosflocken. Letztere werden nicht aus dem Fruchtfleisch, sondern aus der weichen äußeren Schale der Kokosnuss gewonnen. Sie sind ein Abfallprodukt der Kokosmilchproduktion und damit besonders nachhaltig. Eine andere simple Lösung, falls das Streu im Urlaub einmal zur Neige geht, sind Sägespäne. Im Schnitt reicht ein Liter Streu für rund 20 Anwendungen.

Einige Trenntoiletten sind mit einem Rührwerk ausgestattet, welches das Bindemittel unter den Kot hebt und ihn noch wirksamer trocknet. Die schwedische Firma Separett nutzt ein eigenes System, bei dem sich der Feststoffbehälter nach jeder Nutzung ein Stück weiterdreht. Das Bindemittel muss aber auch hier nach jeder Nutzung eingestreut werden, während bei Rührwerk-Systemen vorab eine größere Menge in den leeren Behälter gegeben wird. Neues Streu wird in diesem Fall erst nach der Leerung wieder zugegeben.

Wie häufig muss man die Trenntoilette leeren?

Ein Erwachsener scheidet im Schnitt pro Tag etwa 1,5 Liter Urin und 0,5 Liter (150 Gramm) Stuhl aus. Ein 10-Liter-Urintank reicht also bei zwei Personen für gut drei Tage. Entsorgt wird der keimfreie Urin entweder in der Kanalisation oder – verdünnt mit Wasser – als Stickstoff-Dünger in der Natur. Ein gleich großer Feststofftank muss im Schnitt alle zehn Tage geleert werden. Sein Inhalt kann im Hausmüll oder auf dem Kompost entsorgt werden. Letzteres natürlich nur, wenn kompostierbare Tüten verwendet werden, ansonsten gehört er ausschließlich in die Mülltonne. Dann können sogar andere Hygieneartikel wie feuchtes Toilettenpapier, Tampons oder Damenbinden mit in den Feststoffbehälter der Toilette – wenngleich es weniger ratsam ist, da es das Trocknen und Homogenisieren behindert. Soll der Feststoff kompostiert werden, haben die oben genannten Dinge ebenso wie Zigarettenstummel natürlich nichts in der Trenntoilette verloren. Lediglich normales Toilettenpapier kann bedenkenlos mit entsorgt werden, da es sich ebenfalls vollständig zersetzt.

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Erfreulich: Falls Feststoff- und Urinbehälter irgendwann unansehnlich werden, bekommt man Ersatz in fast jedem Bau- oder Großmarkt.

Zum Leeren lassen sich beide Behälter einzeln entnehmen. Dafür wird der Korpus der Toilette oben aufgeklappt, sodass die Toilette selbst an Ort und Stelle bleiben kann. Manche Modelle wie die Trobolo Bila-Bloem haben auch einen Ableitungsschlauch statt eines Urintanks, der dann wahlweise in die Botanik gelegt oder, bei Festeinbau, an den Abwassertank des Fahrzeugs oder einen separaten Auffangbehälter angeschlossen wird. Der Feststoffbehälter muss dabei weiter wie gehabt entleert werden.

Kein Anstehen an Entsorgungsstationen mehr

Im ersten Moment mag die Nutzung einer Trenntoilette nach doppeltem Entsorgungsaufwand klingen, verglichen mit einer Kassettentoilette. Dafür spart man sich in der Regel den Weg zu und das Anstehen an der Entsorgungsstation – die es außerhalb von Stell- und Campingplätzen auch nur selten gibt. Zudem ist bei der getrennten Entsorgung meist klarer, was mit den Exkrementen passiert. Vor eineinhalb Jahren gab es in Kroatien den Fall, dass eine Entsorgungsstelle für Chemie-Toiletten ihre Inhalte direkt ins Meer leitete, wo sie die Strömung in die Badebucht des Campingplatzes trieb.

Aber auch fernab solcher Schauergeschichten gewinnt die Trenntoilette für viele Bus-CamperInnen an Attraktivität. Nicht zuletzt dank der gesteigerten Autarkie, die ohne Wassereinsatz möglich ist. Erscheint es schon in den eigenen vier Wänden etwas skurril, die Stoffwechselendprodukte mit sauberem Trinkwasser wegzuspülen, so ist es in einem Campingbus mit oft nur 10, 20 oder vielleicht 40 Liter Frischwasservorrat schlichtweg Verschwendung, da die kostbare Flüssigkeit begrenzt und Nachschub je nach Ort nur mühsam zu beschaffen ist.

Trenntoiletten Campingbus
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Kompostierbare Plastiktüten lassen sich samt Inhalt im Hausmüll entsorgen.

Campingbus-AusbauerInnen bestätigen, dass die KäuferInnen zunehmend Wert legen auf eine Trenntoilette, sei es aus Umweltschutz- oder Unabhängigkeitsgründen. Flowcamper aus Hagen stattet seit drei Jahren nahezu alle seine Fahrzeuge mit den wasser- und chemiefreien Klos aus, portablen sowie fest installierten. "Seit wir die Trockentoiletten anbieten, liegt das Porta-Potti wie Blei", schildert Geschäftsführer Martin Hemp seine Erfahrungen. "Außerdem hat man neben ein paar Euro für Tüten und Streugut quasi keine Betriebskosten. Ein Liter Sanitärflüssigkeit für die Kassettentoilette kostet dagegen 20 Euro."

Für jeden Campingbus die richtige Toilette

Das Nachrüsten einer Trockentoilette sowie der Einbau in den selbstgeschreinerten Bus sind in der Regel einigermaßen problemlos machbar. Nur wenn eine bereits installierte Kassettentoilette ersetzt werden soll, wird es etwas komplizierter – aber auch das ist durchaus machbar. Im schlimmsten Fall leidet die Optik ein wenig, weil zum Beispiel Verkleidungsteile im Bad nicht mehr passen. Lässt man sich einen Kastenwagen ausbauen oder legt selbst Hand an, steht der Verwendung einer Trenntoilette im Grunde nichts im Weg. Die meisten AusbauerInnen installieren eine angelieferte Toilette oder bauen eine passende Vorrichtung dafür ein.

Die wichtigste Frage vorab ist die: Soll die Toilette entnehmbar und damit auch außerhalb des Fahrzeugs nutzbar sein oder fest in einem Sanitärraum installiert werden? Bei kleineren Campern in VW-Bus-Größe empfiehlt sich die portable Variante schon aus Platzgründen, während bei größeren Modellen im Ducato-Format die fest eingebaute Variante deutlich mehr Komfort bietet.

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Flowcamper
Ideal für kleine Busse: Ein Rahmen auf dem Fahrzeugboden hält die portable Trockentoilette während der Fahrt in Position.

Die meisten AnbieterInnen von Trenntoiletten haben zumindest ein Modell im Sortiment, das auch für die Festinstallation im Kastenwagen geeignet ist. Mit etwas handwerklichem Verständnis lässt sich aber praktisch jede der Trenntoiletten an einen externen Tank anschließen, auch die portablen. Trobolo und Kildwick bieten auch Zubehör wie Siphons und Schläuche an, um die kleineren Modelle umzurüsten. Selbst wenn der Platz im Campingbus nur für eine Indi-Bloem, Mini-Loo oder Trelino ausreicht, lässt sich so ein Zugang zum Abwassertank legen. Dafür muss allerdings ein Loch in den Korpus gebohrt werden. Möchte man den Camper-Ausbau komplett nach eigenen Wünschen gestalten, sind auch Trenneinsätze einzeln erhältlich, um sich seine individuelle Trenntoilette zu bauen.

Inzwischen ist die Nachfrage nach den chemiefreien Aborten so groß, dass sogar passgenaue Modelle für bestimmte, gängige Campingbusse auf den Markt kommen. Die Bio-Toi ist genau so dimensioniert, dass sie in das Fach unter dem Kleiderschrank im Ford Nugget passt. Die für Februar angekündigte neue Kildwick Micro-Loo ist speziell so konstruiert, dass sie auch im VW California Platz findet. Ebenfalls praktisch für beengte Platzverhältnisse: die zerlegbare Separett Rescue Camping 25. Sie eignet sich sogar auch für Musikfestivalbesuche mit dem Pkw.

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Flowcamper
Saubere Sache: Nature’s-Head-Prototyp im Flowcamper Max mit Elektro-Rührwerk.

Das andere Ende der finanziellen wie konstruktiven Fahnenstange zeigt ein Prototyp des US-amerikanischen Herstellers Nature’s Head. Nach der Serienreife möchte Flowcamper dieses Luxusklo in sein Topmodell Max auf Sprinter-Basis einbauen. Mit elektrischem Rührwerk, Lüfter zur schnelleren Trocknung und Vermeidung von Kondenswasser sowie Anschluss an den Tank ist es laut Martin Hemp gängigen Chemie-Toiletten in mancher Hinsicht überlegen: "Objektiv betrachtet gibt es keinen Grund mehr für Kassettentoiletten."

Fazit

Das Einzige, was derzeit noch gegen Trenntoiletten spricht, ist der Preis. Der macht momentan meist einen mittleren dreistelligen Betrag aus. Das wiederum liegt hauptsächlich an den noch kleinen Stückzahlen. Doch mit steigenden Produktionsserien sollten die Preise zunehmend sinken.

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