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Wohnmobil-Tour Harz/Thüringer Wald

Tour durch Deutschlands Mitte

Statt Lärm und Trubel gibt es eine Vielzahl idyllischer Plätze 21 Bilder

Spannende Ziele mitten in Deutschland: Zwischen Harz und Thüringer Wald gibt es einige schöne Stellplätze. Plus: 16 sehenswerte deutsche Städte in der geographischen Mitte Deutschlands.

Mit der Mitte ist das so eine Sache: Mal versteckt sie sich wie der Kern einer Frucht, mal strahlt sie hell wie ein Zentralgestirn. Genauso erging es uns auf der Suche nach der Mitte Deutschlands. Unsere Reise beginnt in einem Zentrum der Macht. Zumindest wurde von der Kaiserpfalz in Goslar aus über 200 Jahre lang die Geschichte der deutschen Politik gelenkt.

Noch heute gilt die Stadt als Ort des Rechts, dazu sichern mehr als 1500 Fachwerkhäuser diverser Epochen der Stadt die Aufnahme ins Welterbe der Unesco. Am Markt erinnert ein Glockenspiel an die Bergbautradition. Allgegenwärtig künden Hexen und Besen von der Nähe zum Brocken, und auch uns lockt es in den Harz. Die Straße windet sich durch endlos scheinende Wälder, ab und zu glitzert ein See durchs Geäst. Eine wunderbare Region zum Wandern, etwa auf dem Liebestorpfad, der gleich am Stellplatz Hahnenklee beginnt. Gleich um die Ecke überrascht die Gustav-Adolf-Kirche, eine der wenigen Stabkirchen Norddeutschlands. 

Schild
Diese 16 Städte liegen auf der Tour durch die Mitte von Deutschland.

Strahlt Goslar den Glanz vergangener Tage aus, so tauchen wir in Clausthal-Zellerfeld in die Welt der Arbeit ein. Holzfassadenbestimmen das Bild der Stadt, in der über 400 Jahre lang Erz gefördert wurde. Sagen von Schätzen hortenden Zwergen werden lebendig, einen Abstecher in das Oberharzer Bergbaumuseum lassen wir uns nicht entgehen. Auf dem Weg nach Osterode weichen die Wälder Äckern und Streublumenwiesen. Der Weizen wird eingefahren, gelb hängt der Mais an den Stauden. 

Die Frage, wo denn nun der Mittelpunkt der um fünf neue Länder erweiterten Bundesrepublik zu finden ist, beschäftigt die Gemüter seit der Wiedervereinigung. Das Dorf Krebeck gilt als der nördlichste Mittelpunkt Deutschlands. Am Denkmal für die Helden von ‘14/‘18 ragt ein Gedenkstein mit eingelassener Tafel empor, gleich daneben befindet sich die Bushaltestelle. Laut Fahrplan braucht es nur sechs Minuten bis Ebergötzen, wo dem Dichter Wilhelm Busch ein Museum gewidmet ist. 

Ganz in der Nähe des Seeburger Sees, immerhin des größten Natursees Südniedersachsens, rollen wir auf den dortigen Campingplatz und finden uns erneut in der Mitte wieder. Liegt der Ort doch ziemlich genau auf halber Strecke zwischen der alten Bundeshauptstadt Bonn und der neuen Hauptstadt Berlin. Ganz im Zeichen der deutsch-deutschen Geschichte steht auch Duderstadt und hat dabei so viel mehr zu bieten. Das von drei Erkertürmen gekrönte Rathaus gehört zu den ältesten Deutschlands. Dass es hier nicht immer so friedfertig zuging wie heute, bestätigt ein Blick in die Folterkammer des Rathauses, die sogar besichtigt werden kann. 

Entlang der Grenze zwischen Niedersachsen und Thüringen führt uns der Weg nach Heiligenstadt, der Hauptstadt des Eichsfelds. Eine erste Gelegenheit, sich die Thüringer Bratwurst im Original schmecken zu lassen. Im Ortsteil Flinsberg steuern wir dann den nächsten Mittelpunkt der Republik an. Etwas abseits des Dorfes unterstreichen Findling, Eiche und Bodengrafik die Bedeutung dieses Platzes. Eine Bank erinnert daran, dass auch der Papst schon hier war. 

Nach einem Abstecher zur Quelle der Unstrut geht es über kleine Landstraßen weiter nach Dingelstedt. Der Ortsteil Silberhausen wird ebenfalls als einer der Mittelpunkte Deutschlands gezählt, doch macht man in dieser ländlichen Idylle nicht viel Aufhebens darum. Kein Stein, kein Baum, keine Gedenkplatte. Das Leben geht seinen normalen Gang.

Hoch über Eisenach ragt die Wartburg als symbolischer Mittelpunkt Deutschlands empor.
Hoch über Eisenach ragt die Wartburg als symbolischer Mittelpunkt Deutschlands empor.

Nicht entgehen lassen wollen wir uns Mühlhausen mit seinen mittelalterlichen Fassaden. Fast vollständig erhalten ist die Stadtmauer, der Wehrgang ist teilweise begehbar. Gut möglich, dass hier bereits Johann Sebastian Bach oder der Reformator Thomas Müntzer entlanggegangen sind. 

Wenige Kilometer entfernt legt Niederdorla seit 1990 Wert darauf, als erster Mittelpunkt der Bundesrepublik benannt worden zu sein. Zumindest gibt es hier das bislang bestbesuchte Memorial. Besuchergruppen kommen und gehen. 

Stille jedoch umfängt uns, als wir kurz darauf in Richtung Hainich abbiegen. Uns erwartet ein Wald im Urzustand, ein echter Urwald auf deutschem Boden – weswegen auch er als Weltnaturerbe geschützt wird. Wer die Wildnis von oben erleben möchte, dem sei der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich empfohlen. Allerdings sollte man schwindelfrei sein. 

Ganz gepflegt dagegen geht es in der über 1000 Jahre alten Färberstadt Bad Langensalza zu, die auch als Stadt der Gärten bezeichnet wird. Wo sonst sind zehn verschiedene Parkanlagen per Fußweg miteinander verbunden? 

Auch Landstreit, vor den Toren Eisenachs gelegen, gehört zu den erklärten Mittelpunkten Deutschlands. Gleichzeitig ist der Flecken ein Beweis dafür, dass die Mitte nicht immer erreichbar ist. Wir respektieren die Durchfahrtsverbote und drehen ab zur Wartburg, die stattdessen zum Zentrum der Republik erkoren wurde. Dort lassen wir die Tour Revue passieren: drei anerkannte Stätten des Weltkulturerbes; Orte, in denen die Zeit stillzustehen scheint und die doch so lebendig sind. Wo immer die Mitte auch ist – hier ist man mittendrin.

promobil will's wissen: Wo liegt die Mitte Deutschlands?

Gleich fünf Orte nehmen für sich in Anspruch, der wahre Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland zu sein. Die Unterschiede in der Verortung ergeben sich aus verschiedenen Berechnungsmethoden. Das niedersächsische Krebeck sowie Flinsberg und Niederdorla in Thüringen würdigen ihre Lage durch Gedenkplätze, Silberhausen hingegen verzichtet bislang darauf. Statt Landstreit wurde im Jahr 1997 die berühmte, nur zehn Kilometer entfernte Eisenacher Wartburg zum symbolischen Mittelpunkt Deutschlands erklärt.

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