Bei der Auswahl des neuen Traummobils stehen der Sitz- und Schlafkomfort nicht immer an erster Stelle. Zu Unrecht, denn die Entspannung, die wir im Urlaub suchen, ist umso wirksamer, je gesünder wir sitzen und liegen. Umgekehrt können minderwertige Schlafsysteme und Sitzpolster sogar das Gegenteil bewirken. Im schlechtesten Fall kehrt man verspannter von der Reise heim, als man dieselbe angetreten hat. Wer die wichtigsten Kriterien für guten Sitz- und Schlafkomfort kennt, kann beim Neukauf darauf achten oder im eigenen Fahrzeug entsprechende Anpassungen vornehmen.
Herausforderungen beim Fahren
Bei Wohnmobilen stellen sich hier besondere Herausforderungen. Die Cockpitsitze sollen ermüdungsfreies Fahren unterstützen, beim Einsatz vor Ort aber meist auch als bequeme Wohnzimmersessel etwa zum Fernsehen dienen. Auch die Bänke in der Sitzgruppe haben verschiedene Zwecke. Mal sitzt man aufrecht am Tisch, mal möchte man sich mit einem Buch in die Ecke lümmeln und entspannt die Füße hochlegen.
Ergonomische Sitzposition
Grundsätzlich gilt: "Der Sitz muss sich dem Fahrer anpassen." Das sagt Detlef Detjen, Geschäftsführer der Aktion Gesunder Rücken (AGR). Wichtig sind deshalb vielfältige Verstellmöglichkeiten wie etwa eine Neigungsverstellung oder ein Auszug für die Sitzfläche. "Die Proportionen müssen stimmen", sagt Detjen. Das tun sie dann, wenn der Hintern Kontakt zur Rückenlehne hat, die Oberschenkel auf der Sitzfläche aufliegen bis kurz vor die Knie und die Füße nicht in der Luft baumeln.
Der Experte empfiehlt zudem eine Vier-Wege-Lordosenstütze. So findet jeder Fahrer eine zu seiner Statur passende Unterstützung im Rückenbereich. Eine solche optimale Sitzposition trägt nicht nur zum ermüdungsfreien Fahren bei, sondern dient auch der Gesundheit des Rückens. Ist diese Sitzposition mit dem Standardgestühl im Camper nicht zu finden, können entsprechende Zusatzpolster oder Überzüge helfen.
Möglich, aber teuer: den kompletten Sitz tauschen. Auch eine zu hohe Sitzposition, wie sie vor allem großgewachsene Fahrer im Fiat Ducato beklagen, lässt sich eventuell auf diese Weise korrigieren. Im Vorteil sind oftmals Fahrer großer Liner, gibt es hier doch häufig gefederte Schwingsitze aus dem Lkw-Bereich – gemacht für Fernfahrer, die täglich Hunderte Kilometer hinterm Steuer sitzen.
Sitzkomfort beim Wohnen
Die Rücksitzbänke in vielen Kastenwagen verfügen über eine steile und wenig konturierte Lehne. Aus Detjens Sicht alles andere als optimal. Eine Konturierung im Beckenbereich hält er für sinnvoll, damit die Wirbelsäule beim Sitzen ihre natürliche Form behält. Die Lehne sollte zudem eine leichte Neigung aufweisen.

Eine ausziehbare Sitzfläche, wie im Dreamer D68 Up, hilft, eine entspannte Sitzposition zu finden.
Als optimale Sitzhöhe empfiehlt der Experte zwischen 44 und 50 Zentimeter, die Sitztiefe sollte 43 bis 48 Zentimeter betragen. Es gilt auch hier: Beim aufrechten Sitzen dürfen Beine und Oberschenkel nicht in der Luft hängen. Gerade unterschiedlich große Paare sollten ausgiebig Probesitzen, ob beide eine vernünftige Sitzposition finden. Allerdings: Kaum ein Camper sitzt durchgehend aufrecht in derselben Position auf der Sitzbank.
Wichtig ist deshalb, dass die Sitzbank auch bequeme Positionen zum Lümmeln ermöglicht – ähnlich wie auf dem Sofa zu Hause, vorausgesetzt, die Platzverhältnisse im Wohnmobil geben das her. Erreichen oder verbessern lässt sich das laut Detjen oft auch schon mit passenden Kissen. Das schafft auch Linderung bei einer zu wenig konturierten Rückenlehne. Daneben verbessert natürlich auch ein hochwertiger Polsterschaum den Sitzkomfort. Und die Bezüge sollten Feuchtigkeit gut abtransportieren sowie abnehmbar und waschbar sein.

Sitzüberzüge können den Komfort verbessern.
Hilft bei älteren und durchgesessenen Polstern kein Kissen mehr, sollte man den kompletten Polstertausch nicht scheuen – der Rücken wird es einem danken.
Schlafkomfort
Das gilt erst recht bei alten und durchgelegenen Matratzen. "Da hilft nur neu", sagt AGR-Geschäftsführer Detjen. Beim Schlafkomfort gibt der Experte die Zielsetzung aus: "Möglichst nah am häuslichen Bett."
Abmessungen und Ergonomie
Schlafkomfort im Wohnmobil beginnt deshalb mit ausreichenden Abmessungen der Liegefläche. Aus medizinischer Sicht ist laut Detjen für die Länge des Betts das Maß "Körpergröße plus 20 Zentimeter" ideal. Gerade für Großgewachsene ist das im Wohnmobil nur selten möglich. Auch eine ordentliche Breite der Liegefläche ist wichtig. "Wenn man da wie in der Konserve liegt, im Urlaub, das geht nicht", sagt Detjen. Bei den Tests von promobil spielen die Abmessungen daher bei der Bewertung der Betten eine wichtige Rolle.
Matratze und Unterbau
Ergonomische Schlafsysteme geben gezielt nach, wo es erforderlich ist. Liegt man beispielsweise auf der Seite, müssen Becken und Schulter einsinken können. Die Wirbelsäule sollte in ihrer natürlichen Form gelagert werden. "Sonst hat man morgens sofort Schmerzen", sagt Detjen.
Zudem ist wichtig, dass das Bett die natürlichen Bewegungen unterstützt. Denn diese Bewegung – jeder Mensch verändert seine Schlafposition durchschnittlich 40 bis 60 Mal pro Nacht – regt Durchblutung sowie Zell- und Bandscheibenregeneration an. Das ist laut dem Experten die Grundlage für eine dauerhafte Rückengesundheit.

Bei geteilten Matratzen kann ein aufgelegter Topper helfen.
Weniger entscheidend ist – Detjen zufolge –, wie dick die Matratze ist. Auch eine relativ dünne Matratze von nur sechs Zentimeter Stärke kann guten Schlafkomfort bieten – wenn die Unterfederung stimmt. Hier rät der Experte zu einem System mit flexiblen Tellerfedern, das einem herkömmlichen Lattenrost deutlich überlegen sei. Bei Matratzen zudem sinnvoll: ein guter Abtransport von Feuchtigkeit sowie im Idealfall ein abnehmbarer Bezug zum Reinigen.
Die optimale Schlafumgebung
Jenseits von Matratze, Unterfederung und Abmessungen spielen weitere Faktoren eine Rolle. Ausreichend Kopffreiheit sowie ein komfortabler Ein- und Ausstieg sind ebenso wichtig wie eine ausreichende Belüftung und ein angenehmes Raumklima. Geräuschempfindliche Menschen sollten darauf achten, dass die Heizung nicht unterm Bett und ein Kompressorkühlschrank möglichst nicht in Bettnähe eingebaut sind. Wer gerne in dunkler Umgebung schläft, richtet das Augenmerk auf dicht schließende Plissees an Fenstern und Luken. Auch ein nachts ständig leuchtendes Bedienpanel kann empfindlich stören.
Aktion Gesunder Rücken
Die "Aktion Gesunder Rücken" wurde als Verein 1995 gegründet. Ihr Ziel: die Rückengesundheit zu fördern. Dazu hat die AGR das Gütesiegel "Geprüft & empfohlen" entwickelt, mit dem regelmäßig Produkte ausgezeichnet werden, die als "rückenfreundlich" eingestuft werden. Als Prüfer kommen Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachgebiete zum Einsatz. Ein komplettes Wohnmobil ist bislang nicht unter den ausgezeichneten Produkten. "Ich würde gern das erste rückenfreundliche Reisemobil auszeichnen", sagt Detlef Detjen. Der AGR-Geschäftsführer hofft, dass der Sitz- und Schlafkomfort künftig noch stärker in den Fokus rückt.
So testet promobil Ergonomie im Wohnmobil

Genau nachgemessen: Die Ermittlung der exakten Matratzenmaße gehört zum Standardrepertoire eines jeden promobil-Tests.
Die Bewertung des Sitz- und Schlafkomforts ist ein wichtiges Element der promobil-Tests von Wohnmobilen und Campingbussen. Für jeden Wertungsaspekt vergeben wir maximal fünf Punkte. Bewertet werden die Abmessungen des Betts, die Qualität von Matratze und Unterfederung, die Bequemlichkeit der Sitzpolster und einiges mehr. Ein Überblick über die wichtigsten Bewertungskategorien:
Schlafkomfort
- Bettlänge: volle Punktzahl ab 210 Zentimetern (bei Kastenwagen bereits ab 200 Zentimetern)
- Bettbreite: volle Punktzahl bei Doppelbetten ab 160 Zentimetern (Kastenwagen: ab 150 Zentimetern), bei Einzelbetten ab 95 Zentimetern
- Kopffreiheit: volle Punktzahl ab 100 Zentimetern
- Matratze/Rost: drei Punkte für Standardmatratze auf Lattenrost. Volle Punktzahl für Top-Schlafsystem, individuell einstellbar.
- Weitere Kriterien: Zugänglichkeit, Verdunkelung und Belüftung, Ablagen, Leseleuchten, Abtrennung zum Wohnraum
Sitzkomfort
- Sitzkomfort, -ausstattung und -ergonomie: volle Punktzahl, wenn Sitzmöbel sehr bequem und ergonomisch sowie mit zusätzlicher Ausstattung (Kopfstützen, sinnvolle Verstellmöglichkeiten etc.)
- Weitere Kriterien: Platzangebot, Raumgefühl, Anmutung, Einbeziehung Fahrerhaussitze, Ablagen, Beleuchtung





