Auflastung, Anhänger, Beladung Adobe
Auflastung, Anhänger, Beladung
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Auflastung, Anhänger, Beladung 20 Bilder

Mehr Gepäck im Wohnmobil: Auflastung oder Anhänger?

Mehr Zuladung fürs Reisemobil Auflastung oder Anhänger?

Wiegt das Reisemobil nach dem Beladen regelmäßig zu viel, gibt es zwei Möglichkeiten, um zu mehr Zuladung zu kommen: Auflastung oder Anhänger. promobil wägt die Vor- und Nachteile für Sie ab.

Der Proviant ist in der Küchenzeile verstaut, mit Taschen, Fahrrädern und Kabeltrommel in der Heckgarage erfolgreich Tetris gespielt – dann kann die Urlaubsfahrt losgehen. Naja, hoffentlich. Denn sehr viele Wohnmobile dürfen ein zulässiges Gesamtgewicht (zGG) von 3,5 Tonnen (t) nicht überschreiten. Wo genau die Gewichtsgrenzen für das jeweilige Reisemobil liegen – auch die erlaubten Achs- und Radlasten sind zu beachten –, verrät der Zulassungsschein oder eine Plakette, die meist im Motorraum angebracht ist. Die Reifentragfähigkeit findet sich zudem als Index auf der Reifenflanke.

Nicht wenige Reisemobile leiden aber unter chronischem Übergewicht. Kilos schon beim Bau der Modelle einzusparen gestaltet sich wegen der wachsenden Käuferansprüche an Ausstattung und Komfort schwierig. Höhere Sicherheitsanforderungen tun ein Übriges.

Anhängerkupplung nachrüsten

Wer nur ab und an mehr Zuladung braucht, ist mit dem Anhänger flexibler – nimmt ihn nur mit, wenn Gepäck und Reiseziel es sinnvoll erscheinen lassen. Wer auf dem Campingplatz sein "Basislager" einrichtet, kann den Hänger dort stehen lassen und mit dem Reisemobil Ausflüge machen. Zu Hause braucht der Hänger zwar Platz, ist aber auch für anderes nützlich.

 Nicht nur mehr Zuladung, sondern auch mehr Stauraum
 Anhänger wird nur bedarfsweise genutzt – das Wohnmobil bleibt ein 3,5-Tonner
 Anhänger kann auch für besonders sperrige Dinge wie Motorräder genutzt werden
 In Österreich: keine Vignettenpflicht für Anhänger
 Anhänger kann vor Ort abgekoppelt und geparkt werden
 Anhänger ist auch außerhalb des Urlaubs nutzbar

 Mehrkosten für die Nachrüstung der Anhängekupplung
 Für schwerere Anhänger über 750 kg braucht man meist den Anhängerführerschein BE
 Umgang und Fahren mit dem Gespann ist für viele erstmal gewöhnungsbedürftig
 Ohne Tempo-100-Zulassung nur 80 km/h erlaubt
 Schweiz: Vignettenpflicht für Anhänger
 Es gelten Überhol- und Durchfahrtsverbote für Gespanne

Auflastung fürs Reisemobil

Für die Gewichtserhöhung entscheidet sich am besten der, dem allein beim Gedanken ans Fahren mit Anhänger mulmig wird. Die Zuladung per Fahrwerksanpassung zu erhöhen empfiehlt sich auch dann, wenn man gleichzeitig den Fahrkomfort verbessern möchte. Fahrwerksspezialisten können nach Kundenwunsch oft gleich mehrere Ziele verwirklichen.

 Mehr Zuladung ohne Anhänger
 Mehr Tragfähigkeit für die einzelnen Achsen möglich
 Mehr Fahrkomfort durch modifiziertes Fahrwerk
 Mehr Fahrstabilität durch angepasstes Fahrwerk möglich
 Individuelle Anpassung nach Kundenwunsch möglich
 Optimierte Federung schont Auf- und Ausbau und trägt damit zur Langlebigkeit bei
 Weniger Gewöhnung nötig als beim Umgang mit Gespann

 Vergleichsweise hohe Kosten für Einbau durch Profi
 Kleiner Lkw-Führerschein C1 nötig (außer bei Klasse 3)
 In Österreich nur mit Go-Box auf Autobahnen, in der Schweiz Schwerlastabgabe
 Lkw-Überholverbot gilt auchfür Mobile über 3,5 t zGG
 Tempolimits: auf Autobahnen100 km/h, sonst 80 km/h
 HU steht ab dem siebten Zulassungsjahr für Mobile mit über 3,5 t zGG jährlich an

Achtung Kontrolle


Bei der Angabe des Fahrzeug-Leergewichts genehmigen sich die Hersteller in der Regel eine fünfprozentige Toleranz, die Materialschwankungen abdecken soll. Was nach wenig klingt, ist in der Praxis oft erheblich. Steht ein Modell zum Beispiel mit drei Tonnen im Prospekt, kann das ausgelieferte Fahrzeug 3150 Kilo wiegen – völlig legal. Die Zuladung eines 3,5-Tonners ist damit mal eben um 30 Prozent reduziert.

Immerhin gewährt auch die Polizei bei Wiegeaktionen hierzulande eine Toleranz in gleicher Höhe – darin enthalten ist allerdings auch die Toleranz der eingesetzten Waagen. Und im Ausland gelten teilweise geringere Grenzen. Vor der Reise vergewissert man sich also am besten selbst. Baustoff- und Raiffeisenmärkte haben oft Bodenwaagen, auf denen das ganze Fahrzeug und auch die Achsen einzeln gewogen werden können. Noch exakter und teils Rad für Rad gelingt es bei größeren Prüfstellen von TÜV oder Dekra. Kostenpunkt: zehn bis 20 Euro. Gut investiertes Geld, denn bei einer Kontrolle erwartet einen neben der deutlich höheren Strafe auch noch die Verpflichtung, das Gewicht vor Ort bis auf den zulässigen Wert zu reduzieren.

Bei einem Packversuch kamen wir auf 184 Kilo reines Reisegepäck. Mit dem verbauten Zubehör wie Markise, Flachbildschirm und Co. Plus EIgengewicht (je 75 Kilo) macht das insgesamt 483 Kilo Zuladungsbedarf.

Als Lösung bietet sich die Erhöhung des zGG des Fahrzeugs an – kurz Auflastung genannt. Die Alternative: einen Anhänger an den Haken nehmen. So oder so sind technische Änderungen am Wohnmobil nötig. Außer, das Basisfahrzeug ist von Grund auf für eine höhere Tonnage ausgelegt, aber nur als 3,5-Tonner zugelassen.

Beispiel Fiat Ducato

Oft sind hier ohne Änderung 3650 Kilo Gesamtgewicht drin. Diese zusätzlichen 150 Kilo können die Gewichtssituation entspannen. Ob sie reichen und die Nachteile der Zulassung über 3,5 t zGG aufwiegen, muss jeder selbst entscheiden. Zur Orientierung: In einem Packversuch für zwei Personen kam promobil auf 184 Kilo reines Reisegepäck. Zwangsläufig hinzuzurechnen war verbautes Zubehör wie Markise, Flachbildschirm und Co., das heißt nochmal 149 Kilo obendrauf. Plus das Gewicht der beiden Personen (je 75 Kilo) macht das insgesamt 483 Kilo Zuladungsbedarf.

Mit diversen Modifizierungen am Fahrwerk geht man auf Nummer sicher. Je nach den technischen Voraussetzungen und gewünschtem Zuladungsplus montiert man zusätzliche Blatt-, Schrauben- oder Luftfedern oder tauscht die vorhandenen Federn gegen ein Vollluftfedersystem (beispielsweise Goldschmitt Camperplus). Der Fokus liegt meist auf der Hinterachse. Manchmal ergibt es auch Sinn, Veränderungen an der Vorderachse vorzunehmen und die Rad-Reifen-Kombination anzupassen. Alle Aspekte unter einen Hut zu bekommen erfordert eine professionelle Beratung samt Einbau.

Was kostet die Auflastung?

Das hängt vom Modell und von den individuellen Wünschen ab. Wer zum Beispiel bei Goldschmitt ein Wohnmobil auf Basis des Fiat Ducato (mit Light-Chassis) von 3,3 auf 4,0 t zGG auflasten lässt, der zahlt 3.576 Euro. Das Komplettpaket beinhaltet dann Schraubenfedern an der Vorder- sowie Zusatzluftfedern an der Hinterachse und Räder mit Bereifung plus Montage. Auflastungsgutachten und TÜV-Eintrag sind inklusive.

Maximal ist bei Ducato-Modellen (mit Maxi-Chassis) eine Auflastung von 4,0 auf 4,8 t zGG drin – übrigens zum selben Preis. Wer tiefer in die Tasche greift (ab ca. 6.000 Euro), ordert eine Vollluftfederung, bekommt so neben dem Zuladungsplus noch eine Extraportion Fahrkomfort. Letztere bleibt beim Anhänger verwehrt – ein technischer Umbau ist aber ebenfalls nötig, zumindest wenn man die Anhängerkupplung nicht ab Werk mitbestellt hat.

Was kostet die Anhängerkupplung?

Mit Schablonen prüfen die Techniker, welcher der fünf Kugelhälse am besten passt. Um einen Ausschnitt in der Schürze zu vermeiden (Kundenwunsch), hängt diese Kupplung tief.

Auch die Anschaffungskosten für den Anhänger selbst müssen bedacht werden. Brauchbare Exemplare mit 750 Kilo zGG gibt es ab rund 700 Euro. Ebenfalls zu berücksichtigen: das Eigengewicht des Hängers. Selbst leichte Modelle wiegen schon um die 150 Kilo, welche logischerweise von der nutzbaren Zuladung abgehen.

Zudem erforderlich: Übung beim Fahren, vor allem beim Rückwärtsrangieren. Hinter dem breiten Aufbau verschwindet der schmale Hänger und kommt erst wieder zum Vorschein, wenn er fast quer steht. Eine Rückfahrkamera ist hier quasi ein Muss.

Was darf ich fahren?

Und die Fahrerlaubnis? Mit der Standard-Pkw-Lizenz Klasse B kommt man ja nicht weit, die endet bei Fahrzeugen mit 3,5 t zGG. Fein raus ist, wer die Pappe bis zum Jahr 1999 erworben hat. Mit der alten Klasse 3 darf man weiterhin Fahrzeuge bis 7,5 t zGG lenken und mit Anhänger Züge bis 12 t, in bestimmten Fällen sogar bis 18,5 t. Hatte man den Führerschein erst nach 1999 in der Tasche, ist man auch beim Anhänger limitierter. Höchstens 750 Kilo dürfen dann an den Haken.

Die Ziffer 7.1 im Fahrzeugschein zeigt wie viel die Vorderachse tragen darf, die Ziffer 7.2 bei der Hinterachse.

Mit dem einfach zu erlangenden Zusatzführerschein B96 sind zwar schwerere Hänger erlaubt, das Gespann-Gesamtgewicht ist aber auf 4,25 t begrenzt. Mehr Zuggesamtgewicht, nämlich bis zu sieben Tonnen, ermöglicht die Anhänger-Lizenz BE. Damit kann man einen bis zu 3,5 t schweren Anhänger an einem ebenso schweren Fahrzeug ziehen.

Und wann darf man mit dem B-Führerschein ein aufgelastetes Reisemobil mit mehr als 3,5 t steuern? Wer nicht gleich den "echten" Lkw-Führerschein der Klasse C machen will, kann auch den "kleinen Bruder", die Führerscheinklasse C1, in Angriff nehmen, der – wie bei der alten Klasse 3 – das Limit auf 7,5 t zGG hebt. Beim Anhänger bleibt es allerdings bei maximal 750 Kilo.

Vignette & Co. für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen

Doch nicht nur dafür können Zusatzkosten anfallen. Beispielsweise reicht auf österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen für Fahrzeuge über 3,5 t zGG die normale Vignette nicht aus. Stattdessen benötigen schwerere Reisemobile die Go-Box, ein elektronisches Kästchen, das an der Windschutzscheibe befestigt wird. Es korrespondiert mit den Sensoren an der Autobahn und verrechnet pro Kilometer automatisch Gebühren.

Weiteres Beispiel: In der Schweiz steht für Fahrzeuge über 3,5 t zGG auf allen Straßen eine Schwerlastabgabe an den Zoll an. Bei Durchfahrten oder Kurzurlauben kommt man mit zehn freiwählbaren Tagen für 32,50 CHF relativ günstig davon. Ist man länger und häufiger in der Schweiz unterwegs, geht das ziemlich ins Geld. Bleibt das Wohnmobil unter 3,5 t zGG, reicht die Pkw-Vignette (40 CHF) aus. Wer mit einem Anhänger fährt, braucht aber gleich zwei der Aufkleber. Ein Vorteil in Österreich: Hier genügt es, wenn man nur das Zugfahrzeug mit dem sogenannten Pickerl versieht.

Mehr über Mautsysteme in Europa lesen Sie hier.

Geänderte Verkehrsregeln beachten

So beträgt das Tempolimit in Deutschland für Wohnmobile über 3,5 t zGG außerorts 80 km/h wie beim Gespann. Auf Autobahnen sind immerhin 100 km/h erlaubt. Auch mit Anhänger? Ja, aber nur mit einer Tempo-100-Zulassung, die bestimmten Voraussetzungen unterliegt. Sonst bleibt das Limit für Gespanne bei 80 km/h.


Schwere Wohnmobile müssen sich zudem an das "Lkw-Überholverbot" (Verkehrszeichen 276) halten, denn außer für Reisebusse gilt es für alle Fahrzeuge mit über 3,5 t zGG. Andererseits gibt es teils auch Überholverbote für Gespanne. Übrigens: Wohnmobile mit mehr als 3,5 t zGG müssen ab dem siebten Zulassungsjahr jährlich statt nur alle 24 Monate zur Hauptuntersuchung.

Ist einem das zu mühsam, setzt man besser auf den Anhänger. Weiterer Vorteil dabei: Man nimmt ihn nur mit, wenn man ihn wirklich braucht und genießt ansonsten die Freiheit des 3,5-t-Mobils. Und: Auf dem Stellplatz angekommen, lässt man ihn einfach stehen, während man Ausflüge unternimmt oder Einkäufe erledigt.


Jedoch braucht der Hänger nicht nur im Urlaub einen Platz, sondern auch daheim, denn er darf maximal 14 Tage an derselben Stelle parken. Dafür steht er noch für andere Aufgaben parat – etwa um Brennholz für den Winter heranzuschaffen. Am wärmenden Kaminfeuer kann man dann neue Reisepläne schmieden.