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Tipps für kleine Camper auf Wohnmobil-Reise

Kleine Menschen mit großen Camping-Problemen

Zu klein für Womo Foto: T. Großhans 10 Bilder

Große Menschen haben große Probleme, kleine Menschen haben keine? Wir zeigen Tücken im Reisemobil und geben Tipps und Tricks für kurze Beine und hohe Sitze.

Ein launiger Einstieg, bevor‘s dann richtig ernst und nutzwertig wird. Ich bin nicht klein, ich bin ein Konzentrat, scherze ich, wenn mal wieder jemand seinen Arm auf meinem Kopf ablegt. 158 Zentimeter bedeuten also, eine Armlehne zu sein; Einkaufstaschen schleifen am Boden und Hosenbeine sind chronisch zu lang. Die kleinen Probleme im Alltag eben. Größer werden sie – nicht Sie, sondern die Probleme –, wenn sie uns einschränken. Zum Beispiel im Reisemobil. Begleiten Sie mich auf eine kleine Proberunde, beruhend auf einzelnen wahren Erlebnissen.

Probleme auf der Probefahrt

Vergleichstest Fiat Ducato Foto: Karl-Heinz Augustin
Auch beim Fahren kann es schon zu ersten Schwierigkeiten kommen.

10:02 Beginn der Probefahrt: Vor dem Einstieg noch einmal kurz die Hose hochgezogen, der erste Schritt geht hoch hinaus. Dann throne ich auf dem Fahrersitz. Nervös versuche ich, alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um das Gaspedal zu erreichen. Plötzlich kippe ich mit dem Sitz schlagartig nach hinten – der war es nicht. Also wieder runter. In Erwartung, der daneben liegende würde mich wiederum nach vorn katapultieren, bin ich auf diese Bewegung vorbereitet. Mit Erfolg. Durchaus nützlich, denn der Hebel, der den ganzen Sitz nach vorn schiebt – ihn hingegen kenne ich sehr gut –, genügt nicht wirklich, um bequem ans Gaspedal zu kommen. Der große Zeh ist zwar ordentlich trainiert, mit gestrecktem Bein und ohne Kontakt zum Boden gast es sich jedoch eher gefühllos. Also nutze ich den lieben Kippschalter, drehe die Lehne hingegen etwas nach hinten und befinde mich in einer eher lustigen als angenehmen Position direkt am Lenkrad. Okay, so kann ich fahren. Kurz tauche ich noch ab, um die Handbremse am Grund des Fahrerhauses zu lösen, dann lasse ich mich vom freundlichen Schnurren des Reisemobils auf die Straße schieben.

10:58 Mein Bein schläft ein: Ich brauche Kaffee. Oder etwas anderes, das es mir kurz erlaubt, vom heißen Stuhl aufzustehen. Also lasse ich mich mit dem Sitz wieder nach hinten gleiten. Für die geschmeidige Rechtsdrehung ziehe ich einen weiteren Hebel, den ich bereits vorher aus Versehen gefunden habe. Die Zeit auf dem Rastplatz nutze ich für einen kleinen Rundgang im Mobil – einmal alles anfassen und ausprobieren.

Mobil für Kleine Foto: Timo Großhans
Auch die Sitzgruppe ist zu hoch: Die Füße baumeln in der Luft.

11:15 Kaffee zu Tisch: Meinen Thermobecher aufgefüllt, nehme ich Platz an der Sitzgruppe. Ich lehne mich nach hinten und schüttle ernüchtert den Kopf: Meine Füße baumeln hilflos über dem Boden. Ein Heißgetränk lang versuche ich, eine bequeme Position zu finden. Ich probiere den Schneidersitz, es schmerzt im Sprunggelenk, ich lasse die Füße hängen, dann tut mein Rücken weh, ich lege die Beine hoch, dann zieht es in meinen Kniekehlen. Schließlich verschlucke ich mich am Rest Kaffee, den ich in meiner Eile, schnell aufzustehen, runterkippen will. Aua.

11:28 Die Horizontale: Vielleicht ist liegen ja besser als sitzen. Ein Hubbett und eines erhöht im Heck wollen erklommen werden. Letzteres kann ich durch einen Tritt in der Garagen-Trennwand und in Kombination mit einem vermutlich nicht sehr grazilen Sprung auf den Bauch erreichen. Ob sich so wohl gestrandete Wale fühlen? Platz zum Liegen finde ich natürlich in allen erdenklichen Lagen. Über die Leiter komme ich bequem in das Hubbett und kann es anschließend mit beiden Händen, erhöht durch das Podest der Sitzgruppe, wieder nach oben drücken.

Mobil für Kleine Foto: Timo Großhans
Zugstangen können beim Öffnen helfen.

11:43 Luftnummer: Dann versuchen wir mal zu lüften. Mittig befindet sich ein großes Heki. Auf Zehenspitzen tippelnd versuche ich, den Bügel zu erwischen, und muss mich mit einer flüchtigen Berührung zufrieden geben. Das war wohl nichts. Doch noch gebe ich mich nicht geschlagen. Ein Bein stelle ich auf die Kante der Sitzgruppe, ein Arm hält sich wagemutig an deren Kopfteil und ich erreiche den Mechanismus der Dachluke. Geht doch, aber nur ohne Schuhe.

11:49 Himmelspforte: Ordentlich aufgewärmt durch die kleine Akrobatik-Einlage, werfe ich nun einen Blick ins Bad. Sehr gut, im Spiegel kann ich jedenfalls meinen ganzen Kopf sehen. Ich trete in die Dusche und merke: Dort, wo Lüften am wichtigsten ist, scheitert es an meinem Kurzformat. Eine kleine Dachhaube dreht mir von oben eine lange Nase und beobachtet mich, wie mir selbst mit größter Mühe und trotz Langziehen sämtlicher Gliedmaßen gute zehn Zentimeter fehlen, um auch nur an das Öffnen zu denken.

11:52 Pizza oder auch nicht: Dann reißt mich eine Überraschung aus dem Frust: Dieses Gefährt hat einen Mini-Ofen über der Küche. Eine extra Taste für Pizza – Wahnsinn. Aber auch hier verlässt mich schnell die anfängliche Euphorie. Die Klappe wird von oben nach unten geöffnet und hat ihren Anschlag in der Waagerechten. Wie soll ich denn hier meine Pizza rausbekommen? Keine Chance.

11:57 Hunger, schnell zurück : Der Gedanke an italienische Backwaren treibt mich zurück ans Steuer. Also wieder die Hebel-Prozedur, großer Zeh gestreckt und es geht zurück zur Basis, nur raus aus diesem Riesen. Mit einem großen Sprung verabschiede ich mich, schließe die Tür nicht ganz so sanft, wie es sich gehört.

Tipps für kleine Menschen bei der Wohnmobil-Suche

Nun beiseite mit dem Spaß und hin zum angenehmen Urlaub für kleinere Camper. Wer gerade auf der Suche nach einem neuen Wohnmobil ist, hat es hier natürlich deutlich leichter. Die Türen zu uneingeschränktem Probesitzen und Ausprobieren stehen weit offen. Ob beim Kauf allein oder zu zweit, das Wohnmobil muss zu Ihnen, Ihren Bedürfnissen und auch zu Ihrer Größe passen. Dabei ist es nicht nur die Liegefläche der Betten, die viele Camper beschäftigen sollte, sondern besonders die Details, die im Camping-Alltag auffallen.

Setzen Sie sich an den Tisch. Können diesen beide Personen bequem erreichen? Baumeln Ihre Füße über dem Boden? Ist die Kopflehne auch auf Kopfhöhe? Passt die Länge der Sitzfläche zu der Ihrer Oberschenkel? Ist diese nämlich zu lang, schweben die Füße bei angelehntem Rücken entweder über dem Boden, oder aber sie müssen so weit nach vorn rutschen, dass der Rücken nur in Hohlposition angelehnt werden kann. Wer viel probiert, merkt jedoch schnell: Kurze Beine sind hier einfach im Nachteil. Ein niedriger Hocker unter dem Tisch entlastet Beine und Rücken, wenn er auch nicht die ideale Lösung ist.

Kaufberatung kompakte Camper
Welcher Campingbus passt zu wem?

Das Schlafen ist der nächste wichtige Aspekt im Reisemobil. Als kleiner Camper haben Sie selten Probleme mit der Liegefläche, eher mit dem Erreichen des Bettes. Da hilft nur Probeklettern. Auch das Runterziehen und Entern des Hubbettes sollte ohne Sprünge und zweite Person machbar sein.

Bleiben noch einige weitere Details, die sie auf ihre Körpergröße passend checken sollten: Die Fenster, Dachluken oder Hekis, Staufächer, die Dusche, Schränke, Kontrollpanele, Sat-Anlagen sowie die Höhe der Küchenzeile.

Und wohl das Wichtigste: den Fahrersitz. Jeder, der das Wohnmobil in Zukunft fahren möchte, sollte bequem und uneingeschränkt am Steuer Platz nehmen können. Als kleiner Camper beginnt also meist das Hebelspiel. Fahren Sie den Sitz hierzu, wenn nötig, ganz nach vorn. Können Sie nun zwar die Pedale erreichen, ihre Ferse schwebt aber noch immer über dem Boden, kann, sofern möglich, das Kippen des ganzen Sitzes nach vorn helfen. Viele Hersteller haben diese Funktion mittlerweile seitlich am Sitz eingebaut; manchmal kostet sie Aufpreis.

Die Lehne können sie nun wieder etwas nach hinten stellen, um eine aufrechte Sitzposition zu erreichen. Achten Sie zusätzlich darauf, dass der Gurt am Hals nicht einschneidet, Sie das Lenkrad in allen Positionen gut erreichen können und Ihre Knie möglichst nicht anstoßen. Und nun die Frage: Sitzen Sie bequem genug, um mehrere Hundert Kilometer fahren zu können? Wenn sich jetzt schon ein klares Nein auf diese Frage abzeichnet, sollten Sie sich nach alternativen Ausstattungsvarianten erkundigen oder aber durchaus andere Fahrzeuge probieren.

Kauf-Tipp Reisemobile für große Menschen
Camper mit Gardemaß

Wie kann ich mein Wohnmobil nachrüsten?

Was aber kann man tun, wenn das treue, eigene Wohnmobil Probleme macht oder ein neuer Mitcamper nicht an das Gaspedal kommt? Wir haben mit verschiedenen Polstermanufakturen gesprochen, die Antwort: einiges. Vom Abpolstern des Sitzes bis hin zur niedrigeren Drehkonsole gibt es durchaus Spielräume für diese Anbieter – wenn auch begrenzt. So dürfen beispielsweise Sitze mit integriertem Gurt nicht ohne Weiteres getauscht werden. Veränderungen sind nur innerhalb der Herstellerspezifikationen zulässig. Im Zweifelsfall gilt: Halten Sie Rücksprache mit einem Fachbetrieb.

Neu bezogene Sitze Sitzplätze im Wohnmobil aufmöbeln So erneuern Sie Sitzpolster und Bezüge

Spezialisten wie die Firma G+S nehmen sich solcher heiklen Themen an. Die Sitz- oder Fahrzeughersteller selbst sind in Sachen Nachrüsten oder Umbauen eher wenig aktiv. Oft bieten sie jedoch komfortablere Pilotensitze in ihrer Ausstattungsliste, die zwar bequemer, aber nicht unbedingt niedriger sind. Einen individuellen Lösungsansatz bieten Polstereien wie M&S aus Wolfegg. Je nach Sitz und Basisfahrzeug können Anpassungen am Sitzkasten und dem Schaumstoff der Polster gemacht, oder gar eine niedrigere Drehkonsole eingebaut werden. Der Eigentümer Willi Miller ist zuversichtlich, für fast jeden Sitz eine Lösung zu finden.

Schwierig wird es eher mit den neueren Modellen, da viel Elektronik im Sitz und dem Sitzkasten jede Modifikation erschwert. Ein Absenken des Sitzkastens kostet hier ab 150 Euro, Veränderung am Schaumstoff mit neuem Bezug ab 200 Euro. Für angenehmes Fahren mit kurzen Beinen durchaus eine praktische Lösung. Und sollte es nur das eine unerreichbare Heki sein, das sie ärgert, hilft in erster Instanz ein praktischer Tritthocker schon mal weiter.

Vier Helferlein

  • Zugstange: Die Zugstange von KCT Dachluken (spezialisiert auf Offroadmobile) ermöglicht kurzen Armen den Griff an den Hebel. Sie wird normalerweise mitgeliefert, kann aber auch nachbestellt werden. Auch für Dauchhauben von Dometic und Remis gibt es solche Stangen, die auch als Schuhlöffel dienen.
  • Der Klassiker von Berger: Die Trittstufe aus Kunststoff ist klappbar und punktet so mit einem extrem schmalen Packmaß. Sie ist mit einer rutschfesten Oberfläche versehen, trägt bis zu 130 Kilogramm und ist für 14,99 Euro erhältlich.
  • Carbest Tritt: Der Aluminiumtritt lässt sich flach zusammenklappen und bringt 22 Zentimeter mehr Höhe. Bis 150 Kilogramm belastbar und für 58,95 Euro.
  • ADB Mini Workcentre: Unter dem Tritthocker verbirgt sich eine praktische Aufbewahrung. Er ist 30 Zentimeter hoch, belastbar bis 150 Kilogramm und erhältlich für 59,99 Euro.

Fahrersitz anpassen

Häufig lassen sich komfortable PILOTENSITZE MIT ARMLEHNEN NACHRÜSTEN. Pilotensitze im Reisemobil nachrüsten Mehr Sitzkomfort für lange Strecken
  1. Veränderung des Schaums Oft können durch das Abnehmen vom Schaumstoff der Sitzfläche einige Zentimeter gewonnen werden. Obacht nur bei Sitzen mit integriertem Gurt!
  2. Drehkonsolen können bei manchen Modellen durchaus gegen eine niedrigere ausgetauscht werden. Erkundigen Sie sich beim Hersteller oder im Fachhandel.
  3. Sitzkasten Auch die Sitzkonsole kann ein wenig abgesenkt werden. Kompliziert wird es hier erst bei neuen Modellen mit viel Elektronik.

Ansprechpartner zur Anpassung von Sitz und Polster

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