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Reisevorbereitung Gabriela Hummel/vanabundos
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8 Tipps für die Vorbereitung der Langzeitreise

So klappt die mehrmonatige Reise im Campervan

Von einer Langzeitreise im Wohnmobil träumen viele. Doch wie lässt sie sich konkret umsetzen? Unsere Autorin war selbst fast drei Jahre lang mit ihrem Campingbus unterwegs und weiß, was für die Vorbereitung unerlässlich ist.

Wenn wir erzählen, dass wir in den letzten Jahren im Campervan von Nord- nach Südamerika gefahren sind, hören wir oft: Das war schon immer unser Traum! Nun, damit der Wunsch auch die Chance hat, zur Realität zu werden, muss man irgendwann einmal mit der Planung beginnen. Sie kann noch ganz am Anfang stehen, aber wenn ihr von diesem Text nur einen Tipp mitnehmt, dann sollte es der folgende sein: Meint ihr es wirklich ernst mit eurer Traumreise im Campingmobil, dann fixiert noch heute ein Datum.

Schritt 1: Abreisedatum

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Gabriela Hummel/vanabundos
Der VW T3 mit Allradantrieb erwies sich als ideales Fahrzeug.

Die meisten Menschen schieben ihre Träume vor sich her, finden einen Grund nach dem nächsten, um noch ein Jahr abzuwarten, um zumindest mit dem Planen zu beginnen. Darum ist es wichtig, einen Termin vor Augen zu haben. Egal, wie weit er entfernt liegt. In unserem Fall lag das Ziel nicht ganz zweieinhalb Jahre vor uns. Wir hatten ausgerechnet, dass wir in etwa so viel Zeit benötigen würden, um genug Geld für die Anschaffung des Campervans und die Reise selbst zur Seite zu legen. Und dass ein Start in den USA im Juli wettertechnisch optimal sein würde. Es wäre übrigens egal gewesen, wenn sich das Datum ein wenig nach hinten verschoben hätte. Aber so eine Deadline ist ein wunderbarer Tritt in den Hintern, den viele nötig haben, um Träume Realität werden zu lassen.

Euch gehen beim Lesen dieser Zeilen all die Dinge durch den Kopf, die eine solche Reise gefühlt unmöglich machen? Wir haben unterwegs Menschen kennengelernt, die ihren Job nicht kündigen wollten und dafür unbezahlten Urlaub nahmen. Wir trafen auf Familien mit Kindern in jedem Alter. Wir sind heute mit Leuten befreundet, die mehr als fünf Jahre lang auf die große Reise sparen mussten. Jeder hat seinen eigenen Weg, und das ist völlig okay. Versucht einfach in Lösungen anstatt in Problemen zu denken.

Ihr habt nun ein Datum fixiert. Wie fühlt sich das an? Setzt schon der Stress ein? Gut! Denn auch wenn es noch Jahre dauert, bis ihr mit eurem Van die ersten Kilometer eurer Langzeitreise antretet, gibt es doch schon einiges, das ihr bereits heute tun könnt. Einen Plan aufstellen, um Geld zu sparen zum Beispiel.

Schritt 2: Geld

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Das Leben im Campervan verschlingt keine Unsummen, doch ein gewisses Budget sollte man schon haben. Für einen Monat auf der Panamericana sollte man beispielsweise rund 2000 Euro einkalkulieren.

Macht einen realistischen Plan davon, wie viel Geld ihr für eure Reise benötigt und wie viel ihr monatlich sparen könnt. Entlang der Panamericana reisen viele Paare mit einem Budget von ungefähr 2000 Euro im Monat inklusive allem. Habt ihr vor, euren Job vor der Abreise zu kündigen? Dann rechnet die Zeit nach der Heimreise mit ein. Denkt außerdem an die Kosten rundherum: Anschaffung, Vorbereitung und Verschiffung des Fahrzeugs, Flüge, Fixkosten zu Hause während der Abwesenheit.

Sparen fällt manchen leichter als anderen. Wir haben es so gemacht, dass wir vom Gehalt des Mehrverdieners gelebt und das zweite Gehalt jeweils komplett zur Seite gelegt haben. Praktisch sah das so aus, dass wir in dieser Zeit nur sehr wenig und in der Nähe Urlaub gemacht haben. Wir sind auch kaum noch auswärts essen gegangen. Die Zeit des Sparens hat uns rückblickend wunderbar auf die große Reise vorbereitet, in der man schließlich auch ein Budget einzuhalten hat.

Schritt 3: Fahrzeug

Die Wahl des Fahrzeugs ist ein ständiges Ringen mit Kompromissen. Als Reisende solltet ihr euch zuerst folgende Frage stellen: Was ist uns an einem Campingmobil wirklich wichtig? Worauf könnten wir auf keinen Fall verzichten? Werdet euch dessen bewusst und rechnet damit, dass ihr bei vielen anderen Punkten Kompromisse eingehen müsst. Aber – und das haben wir schon von vielen anderen Langzeitreisenden gehört – wenn man im richtigen Fahrzeug sitzt, dann spürt man es. Wir mussten Dutzende von Campern anschauen, bis wir unseren Syncro-Bulli gefunden hatten. Unser wichtigster Punkt: ein Hochdach, damit man immer darin stehen kann. So passt er zwar nicht in einen Schiffscontainer, aber wir waren bereit, diesen Kompromiss im Sinne der Lebensqualität einzugehen.

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Habt ihr ein Fahrzeug für den großen Trip gefunden? Dann gibt es einiges zu tun, bis es richtig eingerichtet ist.

Im Nachhinein betrachtet würden wir wohl alles daran setzen, das Gefährt so früh wie möglich zu finden. Oft wird empfohlen, das Fahrzeug etwa zwei Jahre vor der Abreise anzuschaffen. So habt ihr genügend Zeit, um alles vorzubereiten, Ersatzteile zu organisieren und, ganz wichtig: so oft wie möglich loszufahren. Nur so lernt man den Camper mit all seinen Vorteilen und Macken kennen. Ihr könnt gegebenenfalls Anpassungen vornehmen und werdet auf der großen Reise nicht überrascht. Wir selbst kauften unseren VW T3 im Oktober vor der Abreise im Juli. Damit hatten wir vor Wintereinbruch nur ein paar Tage Zeit für einen einzigen Ausflug. Am Ende wurde unser Mechaniker erst kurz vor Verschiffung mit den Arbeiten fertig und wir mussten unseren Bulli nach der Ankunft in Seattle erst einmal richtig kennenlernen. Mit allem, was wir heute wissen, ist für uns Folgendes für die große Reise unabdingbar: Hochdach, Trinkwasserfilter, Solarpanels, Bodenfreiheit.

Schritt 4: Verschiffung planen

Solltet ihr das Fahrzeug verschiffen wollen, so müsst ihr ungefähr sechs Monate vorher reservieren. Dabei habt ihr zwei Möglichkeiten: Container oder Ro-Ro-Verfahren (roll on, roll off). Beide Transportvarianten haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, die ihr am besten mit einer Verschiffungsagentur besprecht. Achtung: Die fixen Verschiffungsdaten werden erst drei Monate vorher bekannt gegeben und können sich auch noch kurz vorher verschieben. Auf einigen Frachtschiffen sind übrigens auch Passagiere erlaubt. Wir haben viele Reisende kennengelernt, die ihren Trip auf dem Containerschiff starteten, und sie berichteten nur Gutes davon.

Schritt 5: Gesundheit

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Auf halber Strecke zwischen Seattle und Feuerland: freie Übernachtung am Strand von Costa Rica. Anlässe für Sicherheitsbedenken gab es hier nicht.

Informiert euch frühzeitig darüber, welche Impfungen ihr benötigt, damit ihr sie vor der Abfahrt alle vornehmen könnt. Fragt bei eurer Krankenkasse nach, inwiefern und wie lange Auslandsaufenthalte gedeckt sind. Schließt ansonsten eine passende Reisekrankenversicherung ab.

Klärt ab, ob Medikamente und Hygieneartikel in euren Zielländern geläufig sind. Sucht ansonsten nach Alternativen oder packt sie in ausreichender Menge ein. Aus eigener Erfahrung: In Sachen Hygieneartikel lohnt es sich für die Frauen, sich eine Menstruationstasse anzuschaffen. So muss man im Ausland nie nach Tampons suchen, und es fällt viel weniger Müll an. Wir hatten zudem immer Kontaktlinsen für mehrere Monate dabei.

Schritt 6: Bürokratie

Einige Monate vor der Abreise solltet ihr all eure Dokumente fotografieren oder scannen und in einer Cloud ablegen, damit ihr von überall aus Zugang dazu habt.

Stellt sicher, dass eure Post während der Abwesenheit umgeleitet und geöffnet wird. Bei uns haben dies Familienmitglieder erledigt. Ihnen haben wir zudem Vollmachten für unsere Bankkonten ausgestellt – für den Notfall. Recherchiert schon einmal, wie und wann ihr Handy-, TV- und Internetverträge kündigen müsst. Storniert Zeitungsabos und Ähnliches.

Schritt 7: Packen

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Bis alle Dinge ihren Platz an Bord gefunden haben, dauert es eine Weile.

Jetzt wird es ernst! Nehmt euch hierfür mindestens einen Tag Zeit. Legt alles, was ihr im Camper und im persönlichen Gepäck mitnehmen wollt, vor das Fahrzeug. Jetzt heißt es ausmisten und noch mal ausmisten. Nehmt anschließend jeden Gegenstand in die Hand und fragt euch, ob ihr ihn wirklich benötigt. Dann verstaut ihn schließlich an einem sinnvollen Ort.

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr einen Gegenstand wirklich braucht, dann lasst ihn besser gleich zu Hause. Unterwegs kann man so gut wie alles besorgen. Hat es sich für uns gelohnt, drei Jahre lang Regenponchos umherzufahren für eine einzige verregnete Wanderung in Costa Rica? Wohl eher nicht. Ruft euch in Erinnerung: Alles, was man an einem Ort wirklich benötigt, wird dort üblicherweise angeboten. Ich spreche von Moskitonetzen, Regensachen, Kleidung für sehr kalte Temperaturen. Ihr müsst nicht für jede Eventualität gewappnet sein.

Teilt euren Verwandten und Freunden mit, dass ihr wirklich, wirklich nichts mehr braucht, und haltet sie davon ab, euch Materielles zum Abschied zu schenken. Wir haben von einer Freundin eine Roadtrip-Playlist geschenkt bekommen – perfekt.

Schritt 8: Abfahrt

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Lohn mancher Mühen vor der Tour sind später unvergessliche Augenblicke.

Macht euch darauf gefasst, dass wenig so laufen wird, wie ihr es euch vorgestellt habt. Probleme, Verzögerungen, Schwierigkeiten wird es immer geben. Lasst euch darauf ein, übt euch in Geduld und seid offen gegenüber Neuem. Dann kann es nur gut werden. Viel Freude beim Planen und Umsetzen!

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