Dieses Wohnmobil war Luxus pur in den 80ern: Der Hymer 650 BS begeistert bis heute

Hymer 650 BS aus den 1980er Jahren
So fühlte sich Camping-Luxus damals an

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.06.2026
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Foto: kleinanzeigen.de/Marcus

Die 1980er waren das Jahrzehnt der großen Träume – auch auf vier Rädern. Während andere noch mit klapprigen Zeltanhängern oder spartanischen Kastenwagen unterwegs waren, rollte eine neue Ära des Campings heran: der Hymer 650 BS. Mit seinem cremefarbenen Mercedes-Chassis, dem markanten Kastendesign und einer Ausstattung, die damals als absoluter Luxus galt, setzte er Maßstäbe.

Plötzlich war Camping kein Verzicht mehr...

... sondern ein mobiles Wohngefühl mit Komfort. Kein improvisiertes Nachtlager auf der Sitzbank, keine kalten Nächte ohne Heizung, keine Waschschüssel als Dusche-Ersatz. Stattdessen: ein Festbett mit Panoramablick, eine echte Nasszelle mit Dusche und eine Küche, in der man nicht nur Kaffee kochen, sondern richtig kochen konnte. Der Hymer 650 BS war kein Wohnmobil – er war eine Einladung zur Freiheit, verpackt in Holzoptik, Gardinen und einem Hauch von Abenteuer. Und das Beste? Er ist heute noch zu haben – für einen Bruchteil seines Originalpreises.

Was heute auf Kleinanzeigen.de wie ein Oldtimer-Schnäppchen für 7.900 Euro wirkt, war vor 44 Jahren eine technische Revolution auf zwei Achsen – und kostete stolze 65.470 D-Mark (heute etwa 33.470 Euro). Doch was machte diesen Wohnmobil-Klassiker eigentlich so besonders? Und warum fühlten sich Camper:innen darin wie Könige?

Das Festbett

Heute ist ein Festbett im Heck Standard. Doch 1980? Eine Sensation! Der Hymer 650 BS bot ein 200 x 140 cm großes Bett – für damalige Verhältnisse riesig.

Und das Beste: Durch drei Fenster konnte man vom Kissen aus den Sternenhimmel oder den Sonnenaufgang über den Bergen genießen. Kein mühsames Umklappen von Sitzbänken, kein improvisiertes Nachtlager. Einfach hinlegen und träumen.

Die Nasszelle

Moderne Wohnmobile haben Walk-in-Duschen mit Regenwald-Duschköpfen. Der Hymer 650 BS? Eine kompakte, aber vollwertige Nasszelle mit: Stahlwaschbecken, Chemie-WC (damals ein echter Fortschritt) und echter Dusche.

Okay, Platz war knapp, und die Duschkabine hätte heute wohl keine Design-Awards gewonnen. Aber 1980 war das ein Traum – besonders für Camper, die sonst nur mit Campingtoilette und Waschschüssel vorliebnehmen mussten.

Die Küche

Heute surren Induktionskochfelder und Backöfen in Wohnmobilen. Damals reichte ein 73-Liter-Kühlschrank (für damalige Verhältnisse riesig!) und zwei Gaskocher, um die Camping-Kollegen neidisch zu machen. Dazu: eine Stahlspüle (kein Plastik, das nach drei Jahren bröckelt), ausreichend Stauraum für Töpfe, Geschirr und Vorräte und eine Arbeitsfläche, auf der man tatsächlich etwas zubereiten konnte.

Die Heizung

Heute regelt eine Truma Combi-Heizung mit Thermostat die Temperatur. Damals war die Truma-Gasheizung im Hymer 650 BS ein technisches Wunderwerk. Plötzlich mussten Camper nicht mehr frieren, wenn die Nächte kalt wurden. Ein Dreh am Regler – und schon wurde es mollig warm.

Autarkie: Zwei Wassertanks für Unabhängigkeit

Heute haben Wohnmobile Frischwasser- und Grauwassertanks mit Sensoren. Der Hymer 650 BS setzte 1980 auf zwei separate Wassertanks – einer für Frischwasser, einer für Abwasser. Das bedeutete: kein ständiges Nachfüllen an Campingplätzen. Kein lästiges Entleeren alle zwei Tage. Sondern: echte Freiheit – man konnte einfach losfahren, ohne sich um Infrastruktur zu sorgen

Das Design

Heutige Wohnmobile sehen aus wie weiße Klötze auf Rädern. Der Hymer 650 BS? Ein Statement. Mit seinem kastigen Mercedes-T1-Chassis, der cremefarbenen Lackierung und den markanten Linien war er unverwechselbar. Auf jedem Campingplatz drehte man sich um – und das nicht nur wegen des Designs, sondern weil man wusste: Hier fährt jemand, der es sich leisten kann.

Innen dann der Holzlook (echte Furniere, keine billige Folie!), farbige Gardinen (heute undenkbar, damals ein Muss) und Polster in wilden Mustern – das war Wohnen auf Rädern mit Stil. Kein steriler Minimalismus, sondern Gemütlichkeit pur.

Die Technik: 86 PS, 6 Sitzplätze – und ein Gefühl von Freiheit

Heute jagen 200-PS-Diesel durch die Alpen. Der Hymer 650 BS begnügte sich mit 86 PS – und war trotzdem ein Kraftpaket. Warum?

  • 6 Sitzplätze (heute oft nur 4)
  • Anhängerkupplung (für Fahrräder oder einen kleinen Anhänger)
  • ISRI-Pilotensitze (bequemer als so manche heutige Wohnmobil-Sitzbank)

Man fuhr nicht schnell, aber man fuhr mit Stil – und vor allem: mit allem, was man brauchte.

Fazit