Zukunft H-Kennzeichen Heiko Wacker
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H-Kennzeichen für Wohnmobil-Oldtimer und -Gebrauchte

Historisches Kennzeichen bei alten Wohnmobilen Alles über H-Kennzeichen für Camper

Reisen mit Stil im Camping-Oldie? Na klar. Das ist entspannt und spannend. Aber was ist mit dem H-Kennzeichen? Für die Umweltzonen und die Steuer? Braucht's das und wie komme ich an eines ran?

Camping ist schwer angesagt! Heftige Lieferfristen und gesalzene Preise für Wohnmobil-Gebrauchte sind die zwangsläufige Folge. Manche trauern ihrem alten, in den Nullerjahren viel zu billig abgegebenen Gefährt nach. Denn: Speziell ältere, originale Camper sind Kult und erzielen aktuell Höchstpreise.

Alte Schätzchen sind gefragt

Nicht wenige Fernwehsüchtige schielen nach einem Camper-Oldie, vereinen sich hier doch Nutzwert und Stil zu einer wunderbaren Melange der Reise-Glückseligkeit. Und schon schiebt sich das Bild mit dem Pärchen im Sonnenuntergang vors innere Auge. Natürlich wird Händchen gehalten und das Lagerfeuer knistert, am Auto lehnt das Surfbrett.

Klar, diese Szenen gibt es wirklich, die Sehnsucht nach solchen Momenten wurde ja nicht aus dem Nichts geboren. Doch der Weg ist lang, und damit ist jetzt nicht die Holperpiste an die Küstenlinie gemeint, sondern die Sache mit dem Erwerb, dem Unterhalt und den Risiken der Technik. Und schließlich, und jetzt kommen wir vom Lagerfeuer weg zu den Fakten, steht da die Sache mit der H-Zulassung im Raum. Denn nur so wird aus dem Camper ein "rollendes Kulturgut".

Tipps zum H-Kennzeichen vom Experten

Thomas Schuster gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema. Er ist Prüfingenieur an der Bundesgeschäftsstelle der KÜS in Losheim am See, und macht selbst auch Schulungen zum Thema bei der "Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.".

Was macht ein Reisemobil zum Oldtimer?

"Zu einem Oldtimer wird es, wenn es der Begriffsbestimmung laut § 23 Nr. 22 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung entspricht. Dazu muss es vor mindestens 30 Jahren zum ersten Mal in den Verkehr gekommen sein, weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sein und der Pflege des kraftfahrtechnischen Kulturgutes dienen. Das Oldtimergutachten nach § 23 StVZO stuft den Camper letztendlich als kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut ein."

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Wacker
Jetzt ist es offiziell: Das „H“ klemmt auf dem Nummernschild, der Zusatz „Oldtimer“ in Zeile 14 der Zulassungsbescheinigung, der Camper ist ein anerkanntes Kulturgut!
Und wie komme ich an mein Oldtimer-Gutachten?

"Hierfür muss ich bei einem amtlich anerkannten Sachverständigen, einem Prüfer oder einem Prüfingenieur vorstellig werden, der dann eine umfassende Untersuchung auf Basis der Richtlinie für die Begutachtung von Oldtimern nach § 23 StVZO vornimmt, die letztmals zum 1. November 2011 vom zuständigen Bundesministerium aktualisiert wurde. Die Ergebnisse werden in dem Oldtimergutachten dokumentiert.

Mit einer ‚normalen‘ Hauptuntersuchung darf man das nicht verwechseln, auch wenn Oldiecamper natürlich genauso auf Bremsen, Ölundichtigkeiten, Rost oder Elektrik geprüft werden wie alle anderen Fahrzeuge auch. Je nach Situation umfasst die Begutachtung nach § 23 nämlich eine Untersuchung im Umfang einer Hauptuntersuchung nach § 29, oder, bei Importfahrzeugen beispielsweise, auch eine Vollabnahme. Alle Prüfpunkte und ihr jeweiliges Beurteilungsergebnis werden im Gutachten dokumentiert.

Zum Gutachten gehört außerdem entweder eine dort entsprechend dokumentierte Hauptuntersuchung oder es ist auf eine solche zu verweisen. Fahrzeuge ohne Nachweis einer gültigen Betriebserlaubnis benötigen außerdem noch ein separates Gutachten nach § 21 StVZO."

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Was sind meine Vorteile?

"Anerkannte Oldies genießen viele Vorteile, und fahren beispielsweise auch ohne Plakette in die bekannten Feinstaubzonen. Zudem liegt die Steuer, unabhängig von Motor oder Größe, pauschal bei 191 Euro im Jahr, günstige Versicherungstarife gibt es meist obendrein. Zudem gilt das ‚H‘ auf dem Nummernschild vielen als Prädikat und Auszeichnung, wertsteigernd ist es allemal."

Ist das Oldtimergutachten auch ein Wertgutachten?

"Nein, das darf man nicht verwechseln. Das Oldtimergutachten wird aber natürlich in einem Wertgutachten berücksichtigt, das bei teureren Reisemobilen auf jeden Fall Sinn macht, will ich einen seriösen und dem Wert entsprechenden Versicherungsschutz haben. Ein Wertgutachten kostet bei uns ab rund 100 Euro für eine Kurzbewertung für die Versicherung und steigert sich dann dementsprechend je nach Umfang und Aufwand."

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Was mache ich nach dem Oldtimer-Gutachten?

"Wenn ich für meinen Reiseklassiker die offizielle Anerkennung als Oldtimer habe, dann darf ich ihn auf der Zulassungsstelle entsprechend ummelden, im Normalfall wird an das bisherige Kennzeichen ein ‚H‘ angehängt, sofern der Platz ausreicht. Das ist bei vierstelligen Nummern in Landkreisen mit zwei oder drei Buchstaben mitunter schwierig ist. Dann brauche ich auch ein neues Kennzeichen. Neue Nummernschilder benötige ich ohnedies."

Und was hat es mit den roten 07er-Kennzeichen auf sich?

"Camper, die offiziell als Oldie anerkannt sind, können auch mit einem roten Wechselkennzeichen betrieben werden. Das ist jedoch vor allem für Sammler interessant, die mehrere Oldtimer besitzen, und diese abwechselnd und nur gelegentlich fahren. Allerdings dürfen diese Autos, im Gegensatz zu jenen mit H-Kennzeichen, nicht im normalen Alltag und generell nur mit einem Fahrtenbuch bewegt werden, für Oldtimertreffen beispielsweise. Für den normalen Urlaub sind solche Camper nicht geeignet."

Basiswissen
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Der (Hinter-)Grund fürs H-Kennzeichen

"Um ein Fahrzeug als Oldtimer und damit als kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut einzustufen, wird das Oldtimergutachten nach § 23 StVZO verlangt. Dabei werden nach der Fahrzeug-Zulassungsverordnung all jene Fahrzeuge, also auch Camper, als Oldtimer angesehen, wenn sie vor 30 oder mehr Jahren zum ersten Mal in den Verkehr kamen, sie weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, sie sich in einem guten, erhaltungswürdigen Zustand befinden und der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienlich sind", sagt Thomas Schuster in diesem Zusammenhang.

Dabei merkt er selbst, dass "ein Oldie für manche einfach nur ein günstiges Fahrzeug sein soll". Gerade ältere Wohnmobile im Gegensatz zu "klassischen" Oldies wie einem gediegenen Mercedes oder Opel werden mitunter nicht ganz so gut gewartet, dafür aber gerne mal überladen.

Die richtige Pflege für Oldtimer

Es ist die Krux mit den Autos, die die meiste Zeit abgestellt auf den nächsten Einsatz warten, um dann am Freitag im Stau über den Albaufstieg oder durch den Elbtunnel ins Wochenende gejagt zu werden. "Hier rächt es sich, wenn man nicht ständig nach dem Auto schaut!"

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Heiko P. Wacker
„Sooooo nicht!“ Flickwerk, das für eine „HU“ vielleicht noch reicht, wird beim „H“ durchfallen.

Thomas Schuster kennt auch die ewige Diskussion um die "Patina" eines Fahrzeugs. Soll der mäßige, aber eben originale Lack erhalten bleiben? Oder soll eine neue Lackierung drüber, die dann die Historie zerstört? "Grundsätzlich wurde die Begrifflichkeit ‚Patina‘ in den letzten Jahren etwas schludrig gehandhabt, das muss heute strenger gesehen werden", bringt er es auf den Punkt. "Es geht hier auch gar nicht darum, ob mir etwas gefällt, oder nicht. Sondern einzig darum, was der Gesetzgeber vorschreibt." Schleifstellen oder gar Durchrostungen sind somit ein Killerargument, "ist ein Auto restaurierungswürdig, dann muss ich es eben restaurieren".

Innenraum und Technik in Schuss halten

Letzteres gilt für alle Oldies, für alte Camper aber noch mehr, nicht nur die reine Technik von Antrieb bis Bremse oder Beleuchtung muss funktionieren, auch der Wohnbereich wird in die Bewertung mit einbezogen, speziell bei GFK-Aufbauten kann dies knifflig sein.

Wenn ein Teilintegrierter über Jahre im Freien stand, dann schaut schon die Optik morbide aus, ein undichtes Dach und eine vermoderte Innenausstattung sind weitere Punkte, die eine H-Zulassung ausschließen. Einfach mit einer alten Möhre in den H-Olymp rollen, das ist Wunschdenken. Hier erfahren Sie mehr über die Dichtigkeitsprüfung bei Wohnmobilen.

Am Unterboden können Undichtigkeiten entstehen, zur Vorbeugung kommt ein Dichtmittel zum Einsatz.
Ratgeber

Auf der anderen Seite gibt es im Bereich der Camper oder Reisemobile gehegte und gepflegte Schätzchen, die über Jahrzehnte innerhalb der Familie weitergegeben wurden: Gut erhaltene Bullis der ersten Generation mit einem tadellosen, originalen Westfalia-Ausbau liegen durchaus in sechsstelligen Bereichen, wie beispielsweise dieser VW T3 für 356.000 Euro.

Günstiger rollt man mit ausgebauten Kastenwagen vom Schlage eines Sven Hedin oder einem Hymer 540 in die Ferne, reizvoll sind auch individuelle Ausbauten aus Tischlerhand, gerade die Versionen der 1950er- oder 1960er-Jahre haben mitunter das Flair einer Yacht.

Das sehnliche Warten auf den 30. Geburtstag

Ebenfalls denkbar und oft praktiziert: Der Erwerb eines Campers, der nur noch wenige Jahre bis zum 30. Geburtstag hat, und mit dem sich dann das Reisen mit dem allmählichen Restaurieren kombinieren lässt.

Perfekt ist es, die letzten Hauptuntersuchungen vor dem "H" zum Gespräch mit dem Prüfingenieur zu nutzen. Das erspart im Normalfall böse Überraschungen.

Vorteile des H-Kennzeichens

Doch warum will ich eigentlich eine H-Zulassung? Weil die jährliche Steuer pauschal bei rund 190 Euro liegt, und die Versicherung vergleichsweise günstig ist. Gesellschaften wie die OCC, die sich ganz auf Oldies spezialisiert haben, gehen davon aus, dass Oldies nicht im harten Alltag oder gar im Winter genutzt, sondern schonend behandelt und eher wenig bewegt werden.

Zudem lockt die freie Fahrt durch Feinstaubzonen. Denn Oldies erreichen in den seltensten Fällen eine "grüne"Plakette, das gilt vor allem für ältere Dieselmotoren, wie sie in Teil- oder Vollintegrierten verbaut sind, oder natürlich in alten Reisebussen.

"Die sind ein ganz eigenes Thema", betont der Experte, denn streng genommen dürfte man einen Bus, der alleine für die Personenbeförderung gebaut wurde, gar nicht zum Camper umfrickeln, denn das verändert die Optik.

Andererseits: Was will ich als Privatmensch mit einem restaurierten Reisebus aus den 1950er-Jahren anfangen? Ein Busunternehmer kann immerhin noch seine Werbung auf die Flanke pinseln und Klassikerfahrten durch die Alpen oder zu mittelalterlichen Städten anbieten, ein Privatier hingegen bräuchte eine Lizenz zur Personenbeförderung. Indes stellt ein Campingausbau sicher, dass das Fahrzeug, Stichwort "kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut", auch erhalten bleibt.

Campingausbau als Kulturgut-Förderung

"Wurde der Ausbau vor 30 oder mehr Jahren ausgeführt, dann ist das kein Problem, dann ist der Ausbau selbst schon historisch", meint Thomas Schuster. Die meisten Ausbauten jüngeren Datums allerdings wurden so angegangen, dass sie nicht von dem zu unterscheiden sind, was vor 30 Jahren machbar gewesen wäre.

"Vor zehn Jahren noch wären die Umbauten alle als unzulässig gesehen worden. Wenn aber heute so ein Fahrzeug vorgeführt wird, und der Besitzer auch noch Dokumente oder Zeitschriftenbeiträge vorlegen kann, die beweisen, dass solche Umbauten einst ‚nicht unüblich‘ waren, also nicht nur als Einzelstück existierten, dann steht dem H nichts im Wege."

Thomas Schuster hält kurz inne: "Warum sollte ich einem historischen Fahrzeug keine neue Funktion im Sinne des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts geben? Und die alten Setras sind ja auch schöne Autos!" (Auch Prüfingenieure sind Menschen, hier wäre der Beweis!)

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Becker
Fließende Formen vergangener Zeiten: Als Camper wird dieser Setra S6 von 1956 seiner Aufgabe als rollendes Kulturgut vollkommen gerecht.

Generell empfehlen Fachleute und Kenner der Szene, frühzeitig das Gespräch mit dem späteren Prüfer zu suchen, um bereits im Vorfeld abzuklären, welche Umbauten oder Restaurierungen sinnig, notwendig oder schlicht verboten sind. "Einem alten Camper ein robustes Metallgerüst unter den Wohnbereich zu verbauen, das den vermoderten Holzrahmen ersetzt, das kann technisch sinnvoll sein, es stört ja auch die Optik nicht. Auch eine Umrüstung von sechs auf zwölf Volt oder H4-Lampen an Stelle alter Bilux-Lichter einzubauen, das macht uns keine Sorgen."

Die Finger lassen sollte man dafür von LED-Lightbars, fest verbauten Solaranlagen oder Satellitenantennen. Doch auch hier gibt es Grauzonen: "Wenn ich es klar als Ladung erkennen kann, dann stört sich auch die H-Zulassung nicht daran. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der wählt faltbare Solarpaneele, die vors Auto oder aufs Armaturenbrett gelegt werden, oder frei aufstellbare Satellitenschüsseln."

Nachteile der Oldtimer-Camper

Einschränkungen gegenüber modernen Reisemobilen muss ich natürlich auch in Sachen Komfort und Sicherheit in Kauf nehmen: ABS, Spurhalteassistent, Abstandsradar oder Klimaanlage darf ich genauso wenig erwarten wie eine Smartphone-Anbindung, ein fest verbautes Navi oder potente Motoren für mondäne Reisegeschwindigkeiten in dreistelligen Bereichen.

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Wendiges Multitalent für Bäcker & Polizei, „der“ Estafette wurde in drei Generationen allen gerecht. 1980 schickte Renault mit Trafic & Master die Ablösung.

Und auch der Wartungsaufwand der alten Schätzchen darf nicht unterschätzt werden, hier sind handwerklich begabte Zeitgenossen im Vorteil – wie auch jene, die ein trockenes Plätzchen für den Oldie haben, den man nun wahrlich nicht in Schnee und Regen stehen lassen sollte.

Fazit

Eines ist klar: Wer einen Camping-Oldtimer besitzt, muss mehr Aufmerksamkeit und Zeit ins Fahrzeug investieren als bei einem Neuwagen. Dafür beginnt das Vergnügen beim Drehen des Zündschlüssels, für echte Fans ist die Fahrt im Klassiker mehr als nur Urlaub. Es ist die gelebte Pflege automobiltechnischen Kulturguts.

Und damit wird die Reise zu einem hehren Unterfangen mit gewichtigem Anspruch. Und das hat ja nun wirklich Stil!

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