Auf Tour im Oldie Ford Transit Hymercar Frank Ratering
Auf Tour im Oldie Ford Transit Hymercar
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Auf Tour im Oldie Ford Transit Hymercar 12 Bilder

Campingtrip im Oldie Ford Transit Hymercar

Campingtrip im Oldie Ford Transit Hymercar Campen wie vor 40 Jahren

Kompakte Campervans gab es schon lange vor der hippen Vanlife-Bloggerei. Vorn dabei: der Ford Transit Hymercar, eine coole Socke mit Nutzwert. Auf Tour mit dem Hymercar und seinem aktuellen Enkel Nugget Plus.Welcher Campingbus macht mehr Spaß?

Kaum biegt der Hymercar auf Transit-Basis um die Ecke und dieselt mit ein, zwei Selbstzünder-Nagelschlägen ganz gelassen aus, da kannst du es auch schon hören. Das Gelächter. Schallend. Von weit oben. Ganz weit oben. Dort, wo es sich Henry Ford seit 1947 gut gehen lässt. Und es ist mehrstimmig. Logisch, schließlich hing Ford senior schon zu Lebzeiten am liebsten mit seinen Kumpels Firestone, Edison und Burroughs ab. Sie nannten sich die Vagabunden und tourten Anfang der Zwanziger des vorigen Jahrhunderts durch die USA. West Virginia, Tennessee, Michigan, North Carolina, Massachusetts.

Die ersten ungewöhnlichen Ford-Camper

Ein Konvoi aus bis zu 50 Fahrzeugen, unter anderem zwei von Ford umgebaute Klein-Lkw mit Küche, Eisschrank und allem, was man unterwegs so braucht. Die großen Jungs hatten ihren Spaß und stoppten die Reiserei erst 1924, als ihnen das Aufsehen zu groß wurde. Aufsehen ist schließlich das Letzte, was du als Camper brauchst. Also machen wir Henry Ford und uns die Freude, stellen uns an den Freilinger See in der Eifel. Momentan ist hier nix los, genug Muße also, die beiden Ford-Camper zu erkunden.

Die beiden? Das sind der Ford Transit Hymercar von 1982 und sein aktueller Urenkel, dessen Namensnennung fast länger braucht als ein frisch gezapftes Kölsch: Ford Transit Custom Nugget Plus. Okay, er ist ja auch ein Stück länger als der Standard-Nugget, kommt mit Ausklappwaschbecken und Kassettentoilette im Heck. Was ihn zum vollwertigen Wohnmobil bei überschaubaren Dimensionen macht. 2,07 Meter hoch, 5,34 Meter lang.

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Bonanza-Fahrräder passen perfekt zum Hymercar mit dem extrovertierten Auftritt.

Einer vom alten, einer vom neuen Schlag

Das kann kaum ein anderer. Gerade bei Kurztrips auf Stellplätzen oder in der Stadt ist die Sanitärabteilung klasse. Sanitär? Da lachen nicht nur Henry und die Vagabunden, sondern auch unser Oldie aus den Achtzigern. Hach, was war das für eine Zeit. Okay, der Bonanza-Rad-Trend war schon durch, im Ersten hielt sich "Auf Achse", und: Brauntöne waren der Knaller. Die zu mögen hilft, denn der Hymer-Ausbau schwelgt in dieser Farbwelt.

Besitzer Achim ebenfalls. Der Dritthand-Transit lebte lange bei einem Camper, der mit ihm nur einmal pro Jahr nach Kroatien und zurück fuhr, deshalb der gute Zustand. "Ich musste nicht viel machen: ein bisschen Korrosion im Spritzwasserbereich vorn und hinten an den Radläufen ausbessern, Neulack, neue Aufkleber und Sportstahlräder drauf, fertig. Okay, der Schaltknauf stammt aus dem 3-D-Drucker, der Taster fürs drehzahlreduzierende Vorgelege ist Eigenbau." Ihr seht schon, Achim weiß ganz genau, was er tut.

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Hinter der steilen Frontscheibe genügen 62 PS für entschleunigenden Fahrspaß. Alternativ gab es seinerzeit einen 75 PS starken Benziner. Bis 1983 wurde der Hymercar auf Ford-Basis gebaut. Es entstanden knapp 500 Exemplare.

Aber wisst ihr auch, warum den alten Transit nicht nur ein Hymer-Schriftzug ziert, sondern auch ein rundes Eriba-Logo am Bug? In der Gründerzeit des heutigen Hymer-Konzerns, also in den 1950er Jahren, spielte neben Erwin Hymer auch Erich Bachem eine maßgebliche Rolle. Von ihm leitet sich der Name Eriba ab, den man heute nur als Wohnwagenmarke kennt.

Auf dem Weg zum Konzern sammelte Erwin Hymer so einige Marken, darunter auch Bürstner, wo man heute wieder Ford Transit zu Campingbussen ausbaut. Klammer zu. Der neue Nugget Plus, der über Ford-Händler vertrieben wird, stammt nicht von dort. Er wird traditionell bei Westfalia zum Freizeitmobil verwandelt.

Freizeitspaß im Clubstil, dichtete die damalige Hymer-Pressemappe. Völlig zu Recht,

im Gegensatz zum sehr seltenen Clubvan, der eher als rollender Partyraum rüberkam, ist unser Transit ein Wohnmobil im Wortsinn. Auf 4,55 Metern mit vier Schlafplätzen, Stauräumen, kompletter Pantry mit Zweiflammen-Gaskocher, Edelstahlspüle und 45-Liter-Kühlschrank, dazu eine 60-Ah-Bordbatterie, 34 Liter Wasservorrat und Sitztruhe mit aufpreispflichtigem Porta-Potti-WC. Das Ganze unterm GfK-Aufstelldach mit einer Schaumstoffisolierung. Heizung? Klar. Trumatic SW 1800.

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Nicht nur äußerlich tritt der Hymercar im Stil eines US-Vans auf. Plüschige Polster und grob gemasertes Holzdekor setzen die Linie innen fort. Die Bordtechnik ist aber strikt europäisch.

Wohnmobilcharme aus den 80ern

Läuft also beim Transit, der mit seinem 2,4 Liter großen Wirbelkammer-Diesel wuchtig anschiebt. Wuchtig anschieben? Na ja, eher nicht. Der Entschleuniger braut ganze 130 Newtonmeter zusammen. Doch bevor wir die auf die Hinterachse loslassen, müssen wir uns den ganzen Apparat noch mal genau angucken, die Drehsitze probieren, auf den Liegen lümmeln oder am einsteckbaren Tisch rumnesteln. Das konnten sie halt, die Womos der 1980er Jahre.

Nugget Plus, ein Nachfolger für den Hymercar

Und der Neue natürlich auch. Schon wegen des schlauen Grundrisses mit der Küche im Heck, der großen Liegefläche im Aufstelldach und der kleineren unten auf der flachgelegten Bank. Die Farben tragen weniger auf, der Stil ist viel sachlicher, eher so Marke Flotten-Lkw und weniger Club-Style. Aber vorbildlich funktional und extrem geräumig bei einem überschaubaren Platzbedarf außen.

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Die pure Sachlichkeit prägt das Fahrerhaus des aktuellen Ford Transit Custom, was kein Nachteil sein muss, wenn es um die Bedienung geht – und es gibt wesentlich mehr zu bedienen als im Oldie der 1980er.

Angesichts der plüschigen Höhle des Alten vermissen wir bei ihm Kristallgläser für den Whisky und Aschenbecher. Schließlich waren es die großen Zeiten der Kristallgläser und der Schmökerei.

Wie fährt sich ein 40ig Jahre alter Camper?

Wir bleiben Nichtraucher und Nichttrinker, gehen mit den beiden Ford-Brüdern auf Tour, lassen höchstens den Diesel ein wenig räuchern. Also den ollen. Ab hinters Lenkrad, den seitlichen Vorhang vorziehen und go. Der 62 PS starke Ford-Diesel legt sachte an Schwung zu, knorrig, nagelnd,der Hymercar ist ein echter Kumpel mit Viergang- Automat. Bei Tempo 80 mahnt der anschwellende Sound den per Schalter aktivierbaren Overdrive an, was die Drehzahl runterbringt. Beim neuen Zweiliter-Ecoblue-Diesel erledigt das die Sechsgang-Automatik, und die hat einen lauen Job; angesichts 415 Newtonmeter Drehmoment muss nicht jeder Schaltpunkt exakt sitzen. Sitzen, genau: Natürlich ergonomischer, moderner und umfassender informiert als im Oldie.[Link auf Container 22693044]

Fazit

Der moderne Transit legt die Hürde für Pkw-Umsteiger tief. Wobei das beim Oldie nicht sooo anders ist, im Vergleich zu zeitgenössischem Auto-Material. Für uns Touchscreen-Gewöhnte liefert er jedenfalls perfektes Digital-Detox. Die Zeit läuft vom ersten Moment an anders. Langsamer. Entspannter. Luftiger. Und lustiger. Ach, einfach Transit. Damals wie heute.

Mehr moderene Camper auf Ford Transit-Basis gibt es bei promobil.de. Zum Beispiel den ersten Test des Southvan Campers hier. Eine aktuelle Übersicht zu Kompakt-Modellen auf Ford Transit finden Sie hier.

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