Tischler Trail 230 S (2020) Ingolf Pompe
Tischler Trail 230 S (2020)
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Tischler Trail 230 S (2020) 16 Bilder

Tischer Trail 230 S im Test (2020)

Der Mercedes-Pick-Up X 250 D als Basisfahrzeug

Die X-Klasse brachte neuen Schwung in die Pick-up-Szene. Wie schlägt sich der Mercedes unter den Pritschenwagen im Test, wenn man ihm eine komfortable Tischer-Wohnkabine aufsattelt?

Weltweit betrachtet stellen die Pick-ups eine der wichtigsten Fahrzeugkategorien dar. Kein Wunder, dass ein global agierender Hersteller wie Mercedes auch in diesem Segment mitmischen möchte. VW hat es mit dem Amarok vorgemacht – Ende 2017 präsentierte dann auch der schwäbische Autobauer seinen ersten Pick-up.

Um Entwicklungskosten zu sparen, wählte man für die X-Klasse ein Kooperationsmodell mit Renault und Pick-up-Spezialist Nissan. Trotz gleicher Grundkonstruktion ließen es sich die Mercedes-Ingenieure aber nicht nehmen, einige Baugruppen zu modifizieren. So bauen die Hinterachsspur und die Karosserie breiter als bei den Geschwistern Alaskan und Navara, und einen Sechszylinder-Top-Dieselmotor erhält die X-Klasse exklusiv.

Die X-Klasse als Basis für Wohnkabinen

Tischler Trail 230 S (2020)
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Einen großen Außenstauraum oder gar eine Garage sucht man bei Pick-up-Campern vergeblich. Fahrräder reisen auf einem Heckträger mit.

Im markentypischen Interieur werden sich Daimler-Fahrer schnell zurechtfinden. Neben nüchternen Nutzfahrzeug-Versionen, die vor allem für Landschaftsgärtner und Bauunternehmen interessant sind, gibt es auch schicke Varianten, die sich als Basis für eine Wohnkabine anbieten. Insbesondere für ein Modell aus der Tischer-Trail-Serie, die mit ihren abgeschrägten Dachkanten und den gerundeten GfK-Seitenteilen am Alkoven deutlich gefälliger daherkommt als die Kabinen aus der einfacheren und günstigeren Box-Reihe der gleichen Marke.

Auf die Pritsche des viertürigen Mercedes-Pick-ups passt die 230er-Kabine, die es wahlweise mit Heck- oder, wie in der getesteten S-Version, mit Seiteneinstieg gibt. Um die Trail-Kabine mit Spannschlössern sicher zu verzurren, werden in den Ecken der Ladefläche vier solide Ösen verschraubt. Eine dreizehnpolige Buchse wie für einen Anhänger sorgt für die korrekte Beleuchtung am Kabinenheck. Um die Ladeleistung der Aufbaubatterie während der Fahrt zu verbessern, verlegt Tischer ein zusätzliches Kabel.

Die Vorarbeiten am Pick-up sind damit eigentlich abgeschlossen, doch auch für die X-Klasse gilt wie für die meisten ihrer Art: Ohne zusätzliche Fahrwerksmodifikationen kommen sie mit der schweren hohen Last der Wohnkabine – hier gut 800 Kilo – nur schlecht zurecht.

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Die vorderen Stützen müssen zunächst eingesetzt werden. Zum Kurbeln nutzen erfahrene Pick-up-Camper Akkuschrauber.

Luftbälge von VB ersetzen an der Hinterachse die serienmäßigen Schraubenfedern. Sie halten Wankbewegungen besser im Zaum und ermöglichen eine Auflastung der Hinterachse von 1850 auf 2200 Kilo sowie eine Anhebung des Gesamtgewichts von 3250 auf 3500 Kilo. Damit bleiben in der getesteten Kombination nach Auffüllen der Wasser- und Gasvorräte noch 350 Kilo Zuladung. Das reicht für die typische Zwei-Personen-Besatzung – bei Maximalbelegung mit drei Reisenden wird es eng.

Angenehmes Fahrgefühl mit kleinen Macken

Der 190-PS-Vierzylinder im Testwagen – zweitstärkste Motorvariante im Programm – bringt die Fuhre zügig und ohne besonders angestrengt zu wirken in Bewegung. Dank sanft schaltender Siebengang-Automatik und zahlreicher Annehmlichkeiten aus dem Mercedes-Regal ist man mit diesem besonderen Alkovenmobil merklich komfortabler unterwegs als in einem gängigen Reisemobil auf Transporterbasis. Die typischen Pick-up-Nickbewegungen hat man der X-Klasse erfolgreich abgewöhnt.

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Der hohe Schwerpunkt lässt den Mercedes schon mal das „Beinchen heben“. Kleines Warnsignal – Kippgefahr droht aber längst nicht.

Die Geräuschkulisse erreicht fast Pkw-Niveau, und auch die Federung arbeitet angenehm sensibel, trotz der Last auf der Pritsche. Auf Landstraßen und Autobahn sind erstaunliche Tempi möglich, die man sich aber nicht nur zugunsten des Spritverbrauchs besser verkneifen sollte. Zügig gefahrene Wechselkurven oder Ausweichmanöver treiben schon mal den Schweiß auf die Stirn und erinnern unmissverständlich daran, dass man ein Fahrzeug mit hohem Schwerpunkt bewegt. Kleines Warnsignal ist das Heben des kurveninneren Vorderrads – Kippgefahr droht aber längst nicht.

Das Absetzen der Kabine wird durch die Hinterachsluftfeder erleichtert. Nach dem Lösen der mechanischen und elektrischen Verbindungen und dem Befestigen der vorderen Stützfüße – die hinteren sind in die Kabine integriert – muss man die Beine nur noch bis auf den Boden herunterkurbeln, dann reicht es, die Luft aus den Bälgen abzulassen und der Mercedes kann sich von der Pritschenlast befreien und solo zu Unternehmungen starten.

Die Wohnkabine Trail 230 S im Überblick

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Zwei bis drei Personen fühlen sich in der Längsbank-Sitzgruppe wohl. Der Tisch kommt ohne Fuß aus.

Die Kabine ist derweil autark nutzbar. Für einen stabilen Stand und einen leichteren Einstieg sollte man sie soweit wie möglich herunterkurbeln. Verglichen mit einem typischen Sechs-Meter-Kastenwagen – die Tischer-Mercedes-Kombination ist auch nur 6,03 Meter lang – hat die Kabine für zwei Personen ein großzügiges Platzangebot. Besonders das Alkovenbett mit 1,96 mal 1,48 Meter und hohem Liegekomfort kann hier punkten. Tischer bietet zudem noch eine klappbare Bettverlängerung an, die sogar noch komfortableres Schlafen in Längsrichtung ermöglicht. Die Sitzgruppe davor ist u-förmig mit einer kürzeren und einer längeren Längsbank, auf der drei Personen bequem, aber auch mal vier zusammensitzen können. Vorn im Querteil ist in der Truhe die Bordtechnik mit Frischwassertank, Pumpe, Batterie und Ladegerät untergebracht.

Rechts hinten folgt der kompakte Küchenblock, der allerdings nur wenig Arbeitsfläche und Stauraum bietet, denn im Unterschrank ist auch der Gaskasten integriert. Zum Gemüseschnibbeln lässt sich aber auch der höhenverstellbare Tisch rekrutieren, und zusätzliche Küchengeräte können im großen Hängeschrank über der rechten Längsbank untergebracht werden. Der immerhin 90 Liter große Kühlschrank ist in griffgünstiger Höhe gegenüber eingebaut. Im Fach darunter residiert die Truma-Combi-Heizung. Praktisch: ein Zwischenboden lässt darüber ein Fach entstehen, das zum Trocknen klammer Handschuhe und Ähnlichem ideal ist.

Tischler Trail 230 S (2020)
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Grundriss der Wohnkabine Trail 230 S von Tischer.

Die Nasszelle nimmt die linke hintere Kabinenecke in Beschlag. Die Gliederschiebetür öffnet allerdings nur einen schmalen, nicht für jeden bequem passierbaren Zugang. Um den kleinen Raum effektiv zu nutzen, gibt es ein Klappwaschbecken über der Banktoilette. Das ist zwar eher von schlichter Machart, aber groß genug, um auch mal die Haare zu waschen. Zumal nach dem Duschen der ganze Raum getrocknet werden muss.

Mittig im Heck nimmt ein raumhoher Schrank mit sechs Fächern einiges an Wäsche auf. Das ist auch nötig, denn einen Kleiderschrank gibt es nicht. Auch einen Stauraum für Sperrgut wie Campingmöbel sucht man vergeblich. Hier muss die Rückbank der Pick-up-Doppelkabine aushelfen.

Teures Komplettpaket

Als preiswertes Reisemobil kann der Pick-up-Camper allerdings nur für den gelten, der die X-Klasse sowieso im Alltag einsetzen kann und will. Ab 40.000 Euro geht es beim Mercedes X 250 D los. Die Tischer Trail 230 S schlägt nochmal mit gut 32.000 Euro zu Buche.

Grundpreis: 73.054 Euro
(Mercedes X 250 D 4matic mit Tischer Trail 230 S) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
Testwagenpreis: 93.171 Euro

Kimbo Camper 6 (2019)
Neuheiten

Tischer Trail 230 S / Mercedes X 250 D

Gurte/Schlafplätze: 5/2-3
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge/Breite/Höhe: 6,03/2,10/3,10 m
Grundpreis ab: 72.564 Euro

Wertung

Wohnen
Beladen
Technik
Fahren
Preise

Fazit

Verglichen mit anderen Pick-ups macht die Mercedes X-Klasse ihre Sache echt gut, kommt mit der wuchtigen Tischer-Trail-Kabine passabel zurecht. Dennoch darf man die Fahrdynamik auch hier nicht überreizen. Der Fahrkomfort liegt auf hohem Niveau – auch der Wohnkomfort in der Tischer-Kabine. Der hohe Preis dieser Kombination relativiert sich dann, wenn man den Pick-up auch im Alltag nutzt.

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