Mercedes Sprinter 4x4 Andreas Becker
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Mercedes Sprinter 4x4 (2022) im Test

Im Test Mercedes Sprinter 4x4 (2022) Das kann der neue Allrad-Sprinter

Als Basis für Reisemobile mit Allradantrieb wird der Mercedes Sprinter gern genommen. Mit dem neuen Allrad-System macht er im Gelände eine gute Figur, zumal mit dem zwangsgekoppelten 190-PS-Diesel.

Vor gut einem Jahr testete promobil den Mercedes Sprinter schon einmal mit dem damals neuen, aus dem Pkw-Regal von Mercedes stammenden Ölmotor OM 654 und warf angesichts der damaligen Topleistung folgende Frage auf: Warum muss sich der Sprinter mit zwar kultivierten, aber keineswegs sportlichen 170 PS bescheiden, während dieselbe Maschine in der V-Klasse bis zu 237 PS mobilisiert?

Kürzlich legte Mercedes dann nach. Nun darf der Sprinter auf bis zu 190 PS zugreifen. Er ist damit immer noch kein Fall für übermotivierte Bleifußfahrer, aber die Kraftreserve tut in verschiedenen Lebenslagen einfach gut. Auf dem Beschleunigungsstreifen, an Autobahnsteigungen, beim Überholen. Und erst recht, wenn’s darum geht, einen schweren Reisemobilaufbau samt Besatzung und Gepäck ans Ziel zu bringen.

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Der neue OM 654 macht einen guten Job. Alle Servicepunkte im Motorraum – samt Abblue-Einfüllstutzen – sind vorbildlich erreichbar.

Ein stärkerer Motor

2,7 Sekunden nimmt der 190-PS-Sprinter der 50 Nm schwächeren 170-PS-Version von Null auf 100 ab. Klingt nicht spektakulär, doch 14,5 Sekunden für den Sprint sind absolut flott. Schließlich sprechen wir von einem Kastenwagen, der für den Test zudem auf 3,5 Tonnen Gewicht gebracht wurde. Umso bemerkenswerter sind solche Werte, als die Aerodynamik des roten Kastenwagens nicht unbedingt die allerbeste ist; die markante Höherlegung der Allradversion um rund zehn Zentimeter vergrößert natürlich auch die Stirnfläche. Effekt der Übung: deutlich mehr Bodenfreiheit als bei Heck- und Fronttrieblern.

Das hilft enorm, wenn’s unwegsam wird. Allerdings liegt auch der Einstieg mächtig hoch, was im Alltag eher mühsam ist. Am besten parkt man so, dass man den Bordstein als Aufstiegshilfe nutzen kann. An Bord stellt sich spontan ein sehr erhabenes Fahrgefühl ein. Die Übersicht ist erwartungsgemäß okay, wegen des ungewohnt großen Abstands zur Fahrbahn fühlt sich die Spur etwas schmaler an als sonst – Gewohnheitssache.

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Heftig hoher Einstieg, Grundfitness ist ein Muss.

Die 16-Zoll-Räder wirken in den weiten Radhäusern ein wenig verloren. Echte Offroadfans werden wohl etwas Grobstolligeres in 17 oder 18 Zoll nachrüsten lassen. Und sei es nur für die Optik, denn die Traktion des 4x4-Sprinter ist auch mit den aufgezogenen Winterreifen auf sehr hohem Niveau.

Sensoren regeln Allrad

Während der Allradantrieb des Sprinter bei der Vorgängerversion noch extra zugeschaltet werden musste, übernimmt dies jetzt eine ins Verteilergetriebe integrierte, elektronisch geregelte Lamellenkupplung. Das System treibt also nicht permanent alle vier Räder an, ist aber jederzeit bereit dazu. Im Normalbetrieb schieben ausschließlich die Hinterräder.

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Mit zusätzlichen 150 Kilogramm schlägt das Allradsystem zu Buche.

Erkennt die Sensorik nachlassenden Grip, schließt die Kupplung und schaltet automatisch die Vorderräder zu; so schnell und geschmeidig, dass der Fahrer davon praktisch nichts mitbekommt. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem früheren System: Das Antriebsmoment wird vollvariabel zwischen den Achsen verteilt. Situationsabhängig übernehmen also auch mal die Vorderräder 90 Prozent und die Hinterräder nur 10.

Der Allrad-Sprinter im Praxistest

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Lederlenkrad mit Bedientasten und großes Multimedia wirken edel, die übrigen Materialien eher etwas nüchtern. Praktisch: die vielen Ablagen.

Statt mechanischer Sperren verhindert die Elektronik mit gezielten Bremseingriffen das Durchdrehen einzelner Räder. Trotzdem kann es passieren, dass die Fuhre in extremen Fahrsituationen – wie im Test geschehen – mit einem oder zwei scharrenden Rädern nicht auf Anhieb vom Fleck kommt. Dann heißt es, den Rückwärts- bzw. Vorwärtsgang einlegen und unerschrocken aufs Gas. So kommt man wieder raus aus dem Schlamassel, in den man allerdings überhaupt nur selten hineingerät.

Technische Daten und Messwerte

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Wenn der Grip hinten nachlässt, schaltet die Lamellenkupplung die Vorderräder automatisch zu. Das Drehmoment wird flexibel verteilt.
  • Motor/Zylinder: Turbodiesel /4-Zylinder-ReiheHubraum: 1.950 cm3
  • Leistung: 140 kW/190 PS bei 3.800/min
  • Weitere Leistungsstufen: 84 kW/114 PS, 110 kW/150 PS, 125 kW/170 PS
  • Drehmoment: 400 Nm bei 1.700/min
  • Getriebe: 9-Gang-Wandlerautomatik
  • Antrieb: automatischer Allrad-Antrieb (Lamellenkupplung)
  • Drehmomentverteilung vorn/hinten: vollvariabel
  • Beschleunigung: 0–50/80/100 km/h4,8/9,6/14,5 s
  • Wiederbeschleunigung: 60–80/100 km/h4,5/10,1 s
  • Testverbrauch: 9,7 L/100 km
  • Leer-/Test-/zul. Gesamtgewicht: 2.900/3.500/3.500 kg

Fazit

Der neue Mercedes Sprinter 4x4 macht’s der Person am Steuer einfach, und dazu trägt auch die an den Allrad zwangsgekoppelte Automatik bei, die jetzt über neun Gänge und eine entsprechend weite Spreizung verfügt. 8390 Euro extra kostet diese Kombination, immerhin weniger als bisher. Unter dem Strich kommt der Testwagen auf 91.000 Euro Gesamtpreis. Der Lack heißt übrigens Jupiterrot und kostet anders als der gleichfalls in Rot erhältliche Tankdeckel keinen Aufpreis.

Vor kurzem haben wir Allradsysteme verschiedener Marken getestet. Klingt spannend? Den ganzen Test gibt es hier.

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