Wer "Familien-Wohnmobil" hört, denkt oft automatisch an einen Alkoven. Das Bett über dem Fahrerhaus schafft zusätzliche Schlafplätze, ohne dass das Fahrzeug in die Länge wachsen muss. Klingt logisch – aber ist der Alkoven wirklich die beste Wahl für Familien? Oder hat sich das Konzept längst überholt?
Wir wollen es wissen. Deshalb haben wir uns den Ahorn Camp A 690 in die Redaktion geholt und schicken ihn in einen ausgedehnten Praxistest. Das Besondere: Nicht nur ein Tester, sondern gleich fünf verschiedene Familien werden das Wohnmobil unter Realbedingungen nutzen – vom Camping-Neuling bis zur erfahrenen Reisefamilie, vom Kleinkind bis zum Schulkind. So finden wir heraus, für wen der A 690 wirklich passt.
Ahorn Camp A 690: Basisinfos und Preis
- Basis: Renault Master
- Maße (L × B × H): 6,99 × 2,32 × 3,14 m
- Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Zuladung: 519 kg
- Sitz-/Schlafplätze: 4 (optional 5)
- Grundpreis: 62.500 Euro
Unser Testwagen ist umfangreich ausgestattet: Der 170-PS-Dieselmotor (125 kW) arbeitet mit einer 9-Gang-Automatik zusammen, das Winterpaket Diesel bringt die Truma Combi D6 Dieselheizung mit, dazu kommen Solaranlage, Markise, Isofix-Halterungen und zahlreiche Komfort- und Sicherheitsextras. Der Testwagenpreis liegt bei 79.300 Euro.
Grundriss-Besonderheiten
Der A 690 ist das mittlere Modell in der Alkoven-Baureihe von Ahorn Camp. Mit seinen 6,99 Metern setzt er auf ein Raumkonzept, das man sonst eher aus dem Teilintegrierten-Segment kennt: zwei Einzelbetten im Heck. Das ist ungewöhnlich. Denn die beiden Geschwistermodelle Ahorn-Alkoven A 595 und A 720 kommen mit klassischem Querbett daher.
Die Einzelbetten bieten Flexibilität, die ein Querbett nicht liefern kann. Für Kinder bedeuten zwei getrennte Betten: weniger Streit, mehr Privatsphäre, jeder hat seinen eigenen Bereich.
Ahorn Camp hat beim A 690 bewusst auf einen hohen Kühlschrank verzichtet. Stattdessen sitzt ein kompakter 89-Liter-Kühlschrank von Thetford im unteren Bereich der Küche. Das Ergebnis: eine freie Blickachse vom Fahrerhaus bis ins Schlafzimmer. Das Wohnmobil wirkt dadurch größer und luftiger, als es die Außenmaße vermuten lassen.
Schlafen im Ahorn Camp A 690 – genug Platz?
Vier Schlafplätze bietet der A 690 serienmäßig – verteilt auf Alkoven und Heck. Optional lässt sich ein fünfter Schlafplatz in der Sitzgruppe realisieren. Wer diese Möglichkeit nutzen möchte, sollte allerdings über eine Auflastung nachdenken – dazu später mehr.
Das Alkoven-Bett über dem Fahrerhaus misst großzügige 211 × 147 cm. Damit ist es breit genug für zwei Erwachsene – oder wird zur Abenteuerhöhle für die Kinder. Der Zugang erfolgt klassisch über eine Leiter.
Die beiden Einzelbetten im Heck bieten unterschiedliche Maße:
- Rechtes Bett: 199 × 80 cm
- Linkes Bett: 207 × 80 cm
Mit knapp zwei Metern Länge sind beide Betten auch für größere Erwachsene geeignet. Die Breite von 80 Zentimetern ist für Kinder sehr komfortabel, für Erwachsene funktional – wer sich gerne ausbreitet, könnte es etwas eng finden.

Als einziger Ahorn-Alkoven verfügt der A 690 über Einzelbetten.
Die beiden Einzelbetten lassen sich mit zwei Zusatzpolstern zu einer großen, durchgehenden Liegefläche verbinden. Praktisch für Familien mit Baby oder Kleinkind – die Kleinen können sicher in der Mitte schlafen, eingekuschelt zwischen den Eltern. Der Aufstieg erfolgt dann allerdings über eine Leiter. Im verbundenen Zustand sorgt ein Rausfallschutz am Fußende dafür, dass niemand im Schlaf herauskullert.
Für Familien stellt sich hier eine spannende Frage: Wer schläft oben? Übernehmen die Eltern den Alkoven und lassen die Kinder in den Einzelbetten im Heck? Oder ziehen die Kleinen nach oben, wo sie ihren eigenen kleinen Rückzugsort haben? Unser Praxistest wird zeigen, welche Variante besser funktioniert.
Zuladung: 519 Kilogramm – reicht das für Familien?
Ein kritischer Punkt, den wir nicht verschweigen wollen: Die Zuladung des A 690 beträgt 519 Kilogramm. Das klingt erstmal nach viel – aber rechnen wir einmal nach:
- Zwei Erwachsene: ca. 150 kg
- Zwei Kinder: ca. 50 kg
- Gepäck für vier Personen: ca. 100 kg
- Lebensmittel und Getränke: ca. 50 kg
- Campingmöbel, Spielzeug, Fahrräder: ???
Sie merken: Es wird eng. Für Familien, die gerne autark unterwegs sind und entsprechend viel Ausrüstung mitnehmen, könnte die Zuladung zum limitierenden Faktor werden.

Wie im kürzeren A 595 hat der A 690 eine L-Sitzbank und einen kleinen Seitensitz neben dem Eingang
Wer den optionalen fünften Schlafplatz in der Sitzgruppe nutzen möchte, sollte eine Auflastung auf vier Tonnen ernsthaft in Betracht ziehen. Die zusätzliche Person plus Gepäck würde das Gewichtsbudget sonst sprengen.
Im Praxistest werden wir genau darauf achten: Wie schnell ist das zulässige Gesamtgewicht erreicht? Und welche Kompromisse müssen Familien eingehen?
Stauraum und Heckgarage
Wer mit Kindern reist, weiß: Gepäck vermehrt sich auf wundersame Weise. Buggy, Laufräder, Schwimmflügel, Sandspielzeug – alles muss irgendwo hin. Wie schlägt sich der A 690?
Ein echtes Highlight: Der A 690 verfügt über eine große Heckgarage, die von beiden Seiten zugänglich ist. Hier passen sperrige Gegenstände hinein, ohne dass Sie alles umräumen müssen, um an einen bestimmten Gegenstand zu kommen. Für Familien bedeutet das: Buggy rein, Campingstühle dazu, Laufräder obendrauf – und trotzdem bleibt alles griffbereit.
Zusätzlich bietet der A 690:
- Kleiderschränke unter den Einzelbetten
- Oberschränke und offene Ablagen am Kopfende
- Softclose-Schränke in der Küche
Ob das für eine mehrwöchige Familientour reicht, wird der Praxistest zeigen.
Küche – kompakt, aber familientauglich?
Die Küche im A 690 ist kompakt, aber solide ausgestattet. Die wichtigsten Elemente:
- Zweiflammen-Gaskocher: Für einfache Gerichte ausreichend, bei aufwendigeren Familienmahlzeiten könnte es eng werden
- Tiefe Rundspüle: Praktisch für größere Töpfe und Pfannen
- Softclose-Schränke: Schließen leise und kindersicher
- 89-Liter-Kühlschrank: Der Thetford-Absorberkühlschrank sitzt im unteren Bereich – reicht das Volumen für eine vierköpfige Familie?

Die Küche ist solide ausgestaltet.
Beim Design setzt Ahorn Camp auf eine freundliche Atmosphäre: helles Holzdekor, weiße Oberschrankklappen und schwarze Akzente bei Armaturen und Griffen. Modern, zeitlos und einladend.
Eine Frage, die uns besonders interessiert: Lässt sich in dieser Küche alltagstauglich für vier Personen kochen? Oder weicht die Familie im Urlaub doch lieber aufs Campingplatz-Restaurant aus?
Bad mit Schwenkwand – reicht das für Familien mit Kindern?
Im Bad setzt Ahorn Camp auf ein bewährtes Raumkonzept: Das Kombibad mit Schwenkwand. WC und Waschplatz bilden eine Einheit, bei Bedarf verwandelt die Schwenkwand den Raum in eine Dusche.

Für Platz im Innenraum sorgt das flächenmäßig überschaubare Kombibad. Die Schwenkwand verwandelt die Nasszelle in eine Dusche.
Das spart Platz – der A 690 ist schließlich keine sieben Meter lang. Allerdings gibt es auch Nachteile: Ein Seitenfenster fehlt, und nach dem Duschen steht das gesamte Bad unter Wasser.
Für Familien stellt sich die Frage: Wie praktisch ist dieses Konzept im Alltag mit Kindern? Wenn morgens alle fertig gemacht werden müssen, könnte das Kombibad zum Flaschenhals werden. Unsere Testfamilien werden berichten.
Heizung und Technik – für kühle Nächte gerüstet?
Unser Testwagen ist für Ganzjahreseinsatz ausgerüstet. Das Winterpaket Diesel bringt:
- Truma Combi D6 Dieselheizung: Heizt unabhängig vom Gas und liefert ordentlich Wärme
- Warmwasserboiler: Warmes Wasser auf Knopfdruck
- Abwassertankheizung: Verhindert Einfrieren bei Minusgraden
Dazu kommt eine 120-Watt-Solaranlage, die zusammen mit der 95-Ah-Aufbaubatterie und dem Ladebooster für autarke Stromversorgung sorgt.
In der Serienausstattung liefert Ahorn Camp die Truma Combi 4 mit – für den Sommerurlaub völlig ausreichend.
Sicherheit für Familien – Isofix und Assistenzsysteme
Ein wichtiges Thema für Familien mit kleinen Kindern: Wie sicher ist das Wohnmobil?
Unser Testwagen verfügt über Isofix-Halterungen (390 Euro Aufpreis). Im Praxistest interessiert uns: Wie gut sind die Isofix-Punkte erreichbar? Passt der Kindersitz problemlos, oder wird es fummelig?
Das Assistance Pack Renault (390 Euro) bringt moderne Assistenzsysteme:
- Müdigkeitswarner
- Notrufassistent
- Spurhalteassistent
- Notbremsassistent
Gerade auf langen Fahrten mit unruhigen Kindern im Fond können diese Systeme wertvolle Unterstützung bieten. 2027 ist das Safety Paket mit diesen Assistenzsystemen übrigens serienmäßig an Bord, da es Teil der GSR II Verordnung für Wohnmobile ist.
Ahorn Camp A 690 Preis – was kostet das Familienmobil?
Der Grundpreis des Ahorn Camp A 690 liegt bei 62.500 Euro. Damit positioniert er sich im Mittelfeld der Alkoven-Klasse – weder Schnäppchen noch Premium.

Der A 690 ist ein altbekannter, mit dem neuen Renault-Master-Chassis und dem Ausbau aus dem EHG-Werk in Italien komplett neu aufgelegt.
Allerdings zeigt unser Testwagen, wie schnell Extras ins Geld gehen:
Abwicklungspauschale 2.450 €, Renault Chassis Pack 1.900 €, Design Pack 690 €, Assistance Pack 390 €, Multimediapaket 990 €, Comfort Pack 1.490 €, Isofix 390 €, Markise 4 m 1.290 €, Winterpaket Diesel 1.250 €, 170 PS Motorisierung 1.990 €, 9-Gang-Automatik 1.990 €, Solaranlage 120 W 1.190 €, SmartTV 22" 790 €
Testwagenpreis: 79.300 Euro
Der Aufpreis von knapp 17.000 Euro zeigt: Wer familientauglich ausstatten will, muss tiefer in die Tasche greifen. Allerdings sind Extras wie Isofix, Automatikgetriebe und Sicherheitsassistenten für Familien kaum verzichtbar. Die 9-Gang-Automatik allein dürfte auf langen Urlaubsfahrten viele Nerven sparen.
Fünf Familien, fünf Fragen – unser Praxistest-Konzept
Das Herzstück unseres Tests: Fünf Familien mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen nehmen den A 690 unter die Lupe.
- Familie 1: Eltern mit drei Kindern (6 bis 11 Jahre), zum allerersten Mal im Wohnmobil – ist der Alkoven ein guter Einstieg?
- Familie 2: Paar ohne Kinder – lohnt sich der Alkovenkauf schon vor dem Nachwuchs oder für gelegentliche Gäste?
- Familie 3: Eltern mit zwei Kindern (5 und 9 Jahre) – funktioniert das Einzelbetten-Konzept für zwei Kinder?
- Familie 4: Eltern mit Kleinkind (2 Jahre) – kommt ein Zweijähriges sicher unter?
- Familie 5: Eltern mit zwei Kindern (5 und 7 Jahre) – kann der Alkoven eine erfahrene Campingfamilie überzeugen?
Darauf sind wir im Praxistest besonders gespannt
Neben den individuellen Fragen unserer Testfamilien gibt es übergreifende Aspekte, die uns interessieren:
- Alltagstauglichkeit: Funktioniert das Einzelbetten-Konzept mit Kindern so flexibel wie erhofft?
- Schlafkomfort: Wer schläft wo am besten – Eltern oder Kinder im Alkoven?
- Platzangebot: Reichen 6,99 Meter für eine vierköpfige Familie, ohne dass man sich auf die Füße tritt?
- Zuladung: Wie schnell sind die 519 Kilogramm ausgereizt?
- Fahreigenschaften: Wie fährt sich der Alkoven mit 170 PS und Automatik? Ist er wendig genug für enge Campingplätze?
- Stauraum: Passt das komplette Familiengepäck in Heckgarage und Schränke?
- Raumbad: Praxistauglich mit Kindern – oder jeden Morgen Stress?
- Kochen: Genügen Zweiflammen-Gaskocher und 89-Liter-Kühlschrank für Familienmahlzeiten?




