Hymer Exsis im Gebrauchtcheck Ulrich Kohstall
Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Hymer Exsis im Gebrauchtcheck 10 Bilder

Gebrauchtcheck Hymer Exsis 2003: Originelles Unikum

Hymer Exsis im Gebrauchtcheck Originelles Unikum aus dem Jahr 2003

Große Marken können nur Mainstream? Der Exsis von Hymer bewies im Sommer 2003 das Gegenteil. Als besonderes Exemplar fand er viele Freunde. Lohnt sich heute die Suche nach einem Gebrauchten?

Dieser Hymer passt in keine Schublade. Ist die erste Generation des Exsis vielleicht ein Integrierter? Schließlich hat er ein eigenständiges Fahrerhaus mit einer nach vorne versetzten Windschutzscheibe. Oder doch ein Teilintegrierter? Behält der Exsis doch die Original-Fahrerhaustüren des Fiat Ducato und baut auf das Plattform-Chassis, das erst mit dieser Aufbauform populär wurde? Am Ende könnte er aber auch ein Campingbus sein, denn nur von diesem Reisemobiltyp kennt man aufgesetzte Hochdächer mit einem Bett darunter.

Auf jeden Fall hatte Hymer die Freunde ausgebauter Kastenwagen als Zielgruppe im Blick, als der Exsis im Sommer 2003 überraschend auf die Bühne trat. Mit einem Grundpreis von 39.990 Euro galt er als erschwinglich. Seine Außenlänge von nur 5,45 Meter macht ihn zu einem überzeugenden Kompakten, der jedoch viel mehr kann als Kastenwagen.

Gerade Wände nutzen die Grundfläche deutlich besser aus, was dem Exsis zu entscheidenden Raumvorteilen etwa im Bett und im Bad verhilft. Kein Wunder, dass er bis heute eine feste Fangemeinde hat.

Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Ulrich Kohstall
Das Fahrerhaus ist nicht breiter als im serienmäßigen Ducato, doch die Frontscheibe sitzt weiter vorne. Etwas klein fällt das Wischerfeld aus.

In unserer Befragung unter Besitzern eines Hymer Exsis bekunden 86 Prozent von ihnen, dass sie sich wieder für das gleiche Modell entscheiden würden – obwohl es bereits seit fast 15 Jahren Geschichte ist. 36 Prozent der Befragten haben ihren Exsis noch als Neufahrzeug erworben und sind ihm bis heute treu.

Viele Kommentare in der Umfrage unterstreichen die Begeisterung der Besitzer: "kompakt, wendig, hohe Zuladung, konnten bis dato keine vernünftige Alternative finden", "ein tolles Wohnmobil mit einem sehr guten Raumgefühl, besonders auch für große Menschen geeignet" oder: "Es ist uns völlig unverständlich, dass der Wagen so nicht mehr gebaut wird." Man erfährt hier aber auch, warum manche einen Wechsel planen: "Der Grund ist einzig, dass wir mittlerweile eine separate Dusche bevorzugen und das Bett nicht mehr über eine Leiter erklettern möchten."

Auf diese Stellen beim Auf- und Ausbau sollten Käufer achten

Zum Sympathieträger wurde der Exsis sicher nicht zuletzt wegen seiner oft gewählten bunten Außenfarben, die ihn vom weißen Einerlei abheben. Als heutiger Gebrauchter steht er mit Metalliclackierung nicht immer glanzvoll da: Abgeblätterter Klarlack, oft um die Frontscheibe herum, macht optische Kompromisse oder teure Nacharbeiten nötig. Weiße GfK-Dächer ermatten und zeigen so den Materialmix des Exsis-Aufbaus. Manchmal auch etwas unschön: Unebenheiten an den Alu-Seitenwänden. Sonst schlägt sich der ungewöhnliche Aufbau tapfer. Undichtigkeiten bleiben die Ausnahme.

Eher gewöhnlich für Reisemobile dieses Alters ist dagegen der Ärger mit Anbauteilen aller Art: Dachhauben, Fenster, Aufbautür, Trittstufe und die Außenklappen für die Bordtechnik sollten von Gebrauchtmobilkäufern gründlich unter die Lupe genommen und ausprobiert werden. Ebenfalls typisch für die damalige Reisemobilgeneration: spröde, rissige Kunststoffteile im Bad.

Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Ulrich Kohstall
Ein Kaufgrund könnte das über 1,60 Meter breite Dachbett sein.

Zu den Eigenheiten des Exsis gehört wiederum, dass hier der Abwasserschlauch des schwenkbaren Waschbeckens leicht durchscheuern kann und die Mechanik des Hubbetts mitunter Probleme bereitet. An den Möbeln bemängeln die Besitzer hingegen nur ganz selten Alterserscheinungen. Die damals ungewöhnlich zahlreichen Kunststoffteile im Wohnraum halten problemlos durch. Kein Ruhmesblatt für einen großen Hersteller ist es jedoch, dass einzelne Ersatzteile wie etwa das Waschbecken nicht mehr lieferbar sind.

Solides Basisfahrzeug

Der Exsis fordert seine Basis nicht über Gebühr. Mit einem Leergewicht von deutlich unter drei Tonnen gehört er zu den leichten Reisemobilen, was der Zuladung zugutekommt. Unpassend abgestimmt erschien vielen Besitzern wohl die Hinterachse des Fiat Ducato, denn einige von ihnen ließen eine Luftfederung nachrüsten.

Die Auflistung der aufgetretenen Mängel birgt sonst wenig Überraschungen: Hier und da verschlissen die vorderen Radlager, seltener die Kupplung. Manchmal machte die Wegfahrsperre Probleme. Zwei damals noch wenig gängige Extras sorgten dagegen mitunter für teure Reparaturen: die Klimaanlage und das Automatikgetriebe.

Viel häufiger taucht das Thema Rost in der Befragung auf. Betroffen ist dabei vor allem der aus Blech bestehende Unterboden, der beim Plattformfahrgestell zu den tragenden Elementen gehört. Auch von durchgerosteten Kraftstofftanks wird berichtet.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Für durchweg über 15 Jahre alte Fahrzeuge hat sich die Antriebsmechanik in der Regel gut gehalten. Die Ersatzteillage erweist sich für den Fiat Ducato dieser Baujahre ebenfalls als unproblematisch. Eine große Mehrheit urteilt positiv über Verfügbarkeit, Lieferzeit und Preise.

Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Ulrich Kohstall
Hinter der nicht allzu großen Klappe verbirgt sich ein noch etwas kleinerer Außenstauraum, nutzbar ist nur das mittlere Fach in der unteren Hälfte.

Die Marktlage

Hymer Exsis der ersten Generation sind selten auf Höfen der Reisemobilhändler zu finden. Das liegt vielleicht daran, dass sich überzeugte Besitzer nicht so oft von ihren ungewöhnlichen Fahrzeugen trennen wollen. Ganz sicher hat es aber damit zu tun, dass der erste Exsis gerade einmal drei Jahre lang gebaut wurde und schon deshalb keine großen Stückzahlen entstanden. Hinzu kommt, dass der starke Nachfrageschub der Saison 2020 ohnehin nahezu leergefegte Händlerhöfe zurücklässt.

Man ahnt schon, was das für die Preise bedeutet. Während ein Pkw nach drei Jahren oft schon die Hälfte seines Wertes eingebüßt hat, dauert das beim Hymer Exsis schon einmal mehr als 15 Jahre. Wenn man also ein passendes Exemplar findet, muss man je nach Laufleistung mit Preisen zwischen 20.000 und 30.000 Euro rechnen.

Auf der Habenseite steht in aller Regel eine üppige Ausstattung. Meist trifft man auf SK-Modelle mit Längsbänken. Wer auch einmal eine dritte oder vierte Person mitnehmen will, muss darauf achten, dass der Erstkäufer hintere Gurte mitbestellt hat. Seltener sind die SG-Varianten mit Halbdinette zu finden.

So oder so kann die Ursprungsidee des Exsis immer noch gefallen. Das lässt auch für die Zukunft gehobene Preise und damit den nötigen Werterhalt für Gebrauchtmobilkäufer erwarten.

Daten & Fakten

Baureihe Hymer Exsis

  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato mit Plattformchassis
  • Bauweise: Integrierter mit Alu-Außenhaut und GfK-Dach, PU-Schaum-Isolierung
  • Sitz-/Schlafplätze: 2–4/3–4

Vorgestelltes Modell Hymer Exsis SK (128 PS)

  • Erstzulassung: 6/2004
  • Kilometerstand laut Händler: 145.500
  • Preis: 22.999 Euro
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Gesehen bei: Reisemobile Nürnberg, 90441 Nürnberg

Darauf müssen Sie achten

Sanitärbereich: Risse im Kunststoff machen bei vielen Exsis den Austausch des Waschbeckens nötig. Auch die Armaturen sind nicht gerade für die Ewigkeit gemacht. Der Wechsel ist durch die Enge etwas umständlich. Einfacher gelingt ein Tausch der verschleißfreudigen Tauchpumpe.

Stauraum: Die kleine Heckklappe erlaubt zwar einen passablen Zugang zur Toilettenkassette und den Gasflaschen, doch für Gepäck bleibt nur ein flaches und schmales Fach. Getränkekisten finden keinen Platz. Dank einer Durchlademöglichkeit bis in den Wohnraum kann man immerhin lange Gegenstände gut einpacken.

Fenster und Hauben: Im sonst solide verarbeiteten Aufbau fallen die Anbauteile negativ auf. Am großen Panoramafenster im Dach kommt es zu altersbedingten Rissen. Undicht werden aber manchmal auch die kleineren Luken und Seitenfenster. Selten, aber möglich ist das Eindringen von Feuchtigkeit an den Rändern der Frontscheibe.

Lackierung: Die Außenhaut des Exsis besteht je nach Karosserieteil aus Stahlblech, Aluminium oder GfK. Das kann das optische Erscheinungsbild in höherem Alter beeinträchtigen, etwa durch deutlich sichtbare Unebenheiten und abblätternden Klarlack von Metalliclackierungen. Weiße Exsis mit unlackiertem GfK-Dach leiden an dieser Stelle oft unter Auskreidungen und einem entsprechend matten Erscheinungsbild.

Fahrgestell: Der Exsis basiert auf dem blechernen Plattformchassis des Fiat Ducato – und das kann rosten. Selbst wenn die Karosserie rundum einen unversehrten Eindruck macht, kommt es vor, dass die Längsholme unter dem Fahrzeug stark von Korrosion betroffen sind. Durchrostungen können zu Problemen bei der nächsten Hauptuntersuchung führen.

Hymer Exsis im Gebrauchtcheck
Archiv
Mit Lackierungen in Rot, Blau oder Silber bewies Hymer Mut zur Farbe.

Drei Jahre am Markt:
Ein kurzes Vergnügen

Anders als sonst bei Hymer üblich, braucht der Exsis in der ersten Saison keine lange Modellbezeichnung. Es gibt nur einen einzigen Grundriss, der Längsbänke hat – sehr viele Einrichtungsmöglichkeiten erlaubt die ungewöhnliche Aufbaukonstruktion mit Hochdach ohnehin nicht. Dennoch stellte Hymer im Sommer 2004 einen zweiten Grundriss vor: Der Hymer Exsis SG variiert das Thema Sitzgruppe ein wenig und hat eine Halbdinette auf der Fahrerseite. Hinter dem Beifahrerplatz bleibt es bei einer Längsbank.

Zur Unterscheidung heißt das Urmodell seitdem Hymer Exsis SK. Ein Jahr später baut Hymer im SK auf Wunsch gegen Aufpreis drehbare Einzelsitze statt Bänke ein. Das war’s auch schon mit der Modellpflege, denn im Sommer 2006 steht ein grundlegender Wechsel beim Basisfahrzeug Fiat Ducato an. Weil der Aufwand für eine Anpassung zu groß erscheint, verschwindet der Exsis zugunsten des konventioneller gebauten Exsis-i.

Hymer Exsis
Artikel 0 Tests 0 Videos 0
Alles über Hymer Exsis