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Hagelschaden am Wohnmobil

Fachgerechte Reparatur & Schutz vor neuem Schaden

Hagelschäden am Wohnmobil Foto: Nadine Maier 19 Bilder

Hagel kann einem Reisemobil immensen optischen Schaden zufügen. promobil zeigt, wie dieser fachgerecht repariert wird, und erklärt, welche Methoden vor Hagelschäden schützen können.

Der Klimawandel ist eine Tatsache unserer Zeit. In seinem Schlepptau bringt er nicht nur schmelzende Polkappen mit sich, sondern auch häufig extreme Wetterverhältnisse. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlichte 2011 dazu zusammen mit Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der Freien Universität Berlin und der Universität Köln eine wissenschaftliche Studie mit dem Titel „Auswirkungen des Klimawandels auf die Schadensituation in der deutschen Versicherungswirtschaft“.

Die Studie geht davon aus, dass die Sturm- und Hagelschäden bis 2040 um sieben Prozent ansteigen, in den darauffolgenden Jahrzehnten sogar noch deutlich mehr. Hagelschäden werden in Zukunft also noch häufiger auftreten. Gerolf Happel ist Inhaber eines unabhängigen Sachverständigenbüros im hessischen Bad Endbach, das sich auf die Begutachtung von Sonderfahrzeugen spezialisiert hat. Er hat Folgendes beobachtet: „Die Zunahme von schweren Unwettern mit Hagel hat dazu geführt, dass sich in den letzten sechs Jahren die Hagelschadenkosten an Freizeitfahrzeugen fast verdoppelt haben.“

Hagelschäden am Wohnmobil Foto: Happel
Hier wird die Einschlagtiefe gemessen. Je nach Wert spricht man von leichtem, mittlerem oder schwerem Hagelschaden.

Für die Reparatur ist die Schwere des Schadens maßgeblich. Man unterscheidet dabei je nach Einschlagstärke zwischen drei Kategorien: Als ein leichter Hagelschaden gilt ein durchschnittlicher Durchmesser des Einschlagkraterrands von 5 bis 10 mm mit einer Einschlagtiefe von 0,1 bis 0,5 mm. Von einem mittleren Hagelschaden spricht man bei einem durchschnittlichen Einschlagkraterrand von 10 bis 30 mm und einer Einschlagtiefe von 0,5 bis 1,5 mm. Ein schwerer Hagelschaden liegt vor, wenn der durchschnittliche Einschlagkrater 10 bis 50 mm groß ist und die Einschlagtiefe 1,5 bis 3,5 mm beträgt.

Nach der Erfahrung Gerolf Happels können „bei leichten bis mittleren Hagelschäden Reisemobile in Sandwichbauweise mit voll verklebtem Außenblech durcheine Reparaturlackierung wieder fachgerecht instand gesetzt werden. Bei Fahrzeugen mit lose aufliegendem Dachblech muss dieses in der Regel, unabhängig vom Schadensbild, erneuert werden.“

Austausch des kompletten Bauteils bei starken Schäden

Starke Hagelschäden führen meist dazu, dass das komplette Bauteil, also Dach oder Wand, ausgetauscht werden muss. Wie oft kommt das vor? Gerolf Happel: „Nach meiner Erfahrung muss bei zirka 30 Prozent aller festgestellten Hagelschäden das komplette Sandwichdach inklusive diverser Dachanbauteile erneuert werden. In solchen Fällen müssen nicht selten zusätzlich auch Aufbauwände mit instand gesetzt oder teilweise sogar mit ausgetauscht werden.“ Und das kann teuer werden. Bei einem Mittelklasse-Reisemobil liegen die Kosten bei durchschnittlich 10.000 Euro. Die Kosten für die Instandsetzung von hagelbeschädigten Aufbauwänden oder Dächern liegen laut Gerolf Happel 40 bis 50 Prozent unter den Austauschkosten.

Ein potenzielles Risiko für die Dichtigkeit des Reisemobil-Aufbaus spricht neben den hohen Kosten gegen einen Tausch von Dach oder Wand. Das gibt auch Jochen Vischer zu Bedenken, dessen Firma Vischer Karosseriebau in Stuttgart-Vaihingen des Öfteren Kunden mit Reisemobil betreut. Im November 2018 statteten wir ihm einen Besuch ab, um bei der Reparatur eines Hagelschadens an einem Alkovenmobil dabei zu sein. Das erst zwei Jahre alte Fahrzeug hatte bei einer Urlaubsfahrt einen großflächigen Hagelschaden an der rechten Aufbauwand davongetragen. Ein Tausch der Wand wäre aufgrund der Schwere des Schadens zwar gerechtfertigt, dennoch hat sich der Besitzer wegen möglicher Einbußen bei der Dichtigkeit gegen den Tausch und für eine Instandsetzung entschieden.

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Der Hagelschaden ist zwar schon an der Grenze des Machbaren, aber dank langjähriger Erfahrung auf diesem Gebiet traut sich die Firma die Reparatur zu. Der geplante Zeitaufwand ist mit sechs Wochen veranschlagt, was einerseits an den vielen Arbeitsschritten liegt, vor allem aber an der Verfügbarkeit von Ersatzteilen wie Dichtungen, Scharnieren oder auch der Folien-Beklebung, die der Hersteller liefern muss.

Im ersten Arbeitsschritt werden alle Anbauteile abmontiert. Dabei geht die eine oder andere Dichtung an Türen und Fenstern kaputt, was sich aber nicht vermeiden lässt. Anschließend wird der Lack abgeschliffen, die Dellen werden zugespachtelt, geschliffen und anschließend alles wieder lackiert und mit der Dekofolie beklebt. Der geplante Fertigstellungstermin im Januar 2019 kann wegen Lieferschwierigkeiten seitens des Herstellers zwar nicht gehalten werden, dafür holt der Besitzer Anfang März ein tadellos instand gesetztes Fahrzeug aus der Werkstatt ab.

PRC-Durabull-Dachbeschichtung

Einen Hagelschaden instand setzen kann man neben dieser klassischen Art der Reparatur auch noch anderweitig. Zum Beispiel mit einer PRC-Durabull-Dachbeschichtung –früher Durabed genannt – oder durch die Montage eines Waru-Schaumdachs. Gerolf Happel: „Im Reparaturfall haben sich diese Methoden als technisch einwandfreie Lösungen durchgesetzt.“ Ein weiteres Plus von Durabull und Waru-Schaumdach sind ihre wärme- und schalldämmenden Eigenschaften. Zwar kann man die meisten Hagelschäden heute reparieren, doch im besten Fall tritt erst gar keiner auf. Für den Schutz vor Hagel gibt es verschiedene Ansätze.

Hagelschäden am Wohnmobil Foto: Vierneisel
Die Durabed-Dachbeschichtung schützt vor Hagelschlag und ist zudem wärme- und schalldämmend.

Der Klassiker ist die GfK-Außenhaut. Bei leichter Hagelintensität schützt sie zuverlässig vor Schäden – aus diesem Grund erhalten Besitzer von Fahrzeugen mit GfK-Dach bei den meisten Versicherungen Rabatte. GfK ist allerdings kein Allheilmittel, denn bereits ab mittelschwerer Hagelintensität können auch an GfK-Dächern Schäden auftreten. Gerolf Happel: „Wird ein GfK-Dach durch Hagelschlag beschädigt, muss, um Folgeschäden wie zum Beispiel Undichtigkeiten zu vermeiden, die beschädigte GfK-Dachschicht zwingend instand gesetzt werden. In der GfK-Materialstruktur können sich sonst neben Beulen auch Spinnenrisse bilden. Diese können durch Umwelteinflüsse im Laufe der Zeit aufreißen, und das Dach wird undicht.“ Um einen rein optischen Schaden handelt es sich hingegen bei Beulen im Aluminium-Dach, die daher auch nicht zwingend repariert werden müssen.

Die Firma Lilie Mobiltechnik bietet eine weitere Dachbeschichtung namens Plas-T-Cote vom amerikanischen Hersteller Elixir an. Dabei handelt es sich um einen Alkydharz-Anstrich, der in Eigenregie auf das Fahrzeug aufgetragen wird. Man muss mit einem zusätzlichen Gewicht von etwa 1,2 Kilogramm pro Quadratmeter rechnen. promobil hat diesen Anstrich bereits in Ausgabe 5/2010 getestet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er maximal gegen leichten Hagelschlag hilft.

Einen anderen Weg beim Hagelschutz geht die Firma Waru mit ihrem Schaumdach. Dieses speziell für Reisemobile und Wohnwagen entwickelte Schutzdach besteht im Kern aus einem Schaummaterial, das von außen mit einer PVC-Plane verklebt ist. Das Schaumdach wird direkt mit einem Spezialkleber auf dem Reisemobildach fixiert. Vor der Montage werden Dachluken und sonstige Aufbauten abgebaut und neu abgedichtet. Das gilt allerdings nur bei Fahrzeugen, die keinen Original-Garantiepass auf Dichtigkeit vom Werk haben. Bei Neufahrzeugen wird daher die Hagelschutzfolie bis an die Leisten und Aufbauten verlegt und fest verklebt. Gerolf Happel: „Mit dem Schaumdach können auch vorhandene leichte bis mittelschwere Hagelschäden wieder einwandfrei beseitigt werden.“ Die Gewichtszunahme beträgt beim Waru-Schaumdach etwa 1,3 bis 1,5 Kilogramm pro Quadratmeter behandelter Fläche.

Als weitere Hagelschutzmaßnahme wird am Markt die PRC-Durabull-Dachbeschichtung von PPG Industries angeboten. Gerolf Happel ist von dieser Methode überzeugt: „Für die Durchführung der Dachbeschichtung fallen keine kostenaufwendigen Nebenarbeiten wie der Ausbau von Dachluken und Fenstern, Dachleisten, Sat- und Klimaanlagen an. Sie eignet sich sehr gut als Reparaturmethode für die Beseitigung von Hagelschäden an Reisemobilen und Wohnwagen.“

Laut Siegel des TÜV-Rheinland soll die Durabull-Dachbeschichtung Fahrzeugdächer gegen mechanische Belastungen, zum Beispiel Hagelschlag mit einer Fallgeschwindigkeit bis 90–100 km/h, schützen. Die Gewichtszunahme liegt bei dieser Methode bei etwa 1 bis 1,5 Kilogramm pro Quadratmeter bei einer Materialstärke von 1,5 bis 2,0 Millimeter. Das PRC-Durabull-Beschichtungsmaterial kann auch mit größeren Schichtdickenaufgetragen werden: Je dicker das Material, desto größer ist der Hagelschutz. Bei einem erneuten Schadenfall kann das Durabull-PRC-Material auch lokal instand gesetzt werden.

Vor Hagelschäden kann man sich auf vielfältige Weise schützen, einen hundertprozentigen Schutz liefert aber bisher keine Methode. In der Vergangenheit wurden viele Hagelschäden fiktiv abgerechnet, heute tendieren aber immer mehr Reisemobilbesitzer dazu, Hagelschäden professionell instand setzen zu lassen.

Tipps für die Versicherung

Hagelschäden am Wohnmobil Foto: Adobe Stock/Grecaud Paul
„Fiktive“ Abrechnung: Schadensersatz in bar ohne Reparatur.

Ein Hagelschaden ist ein Fall für die Versicherung. Die Beurteilung des Schadens durch einen Gutachter ist für die Regulierung meist Standard. Der Gutachter legt einen realistischen Betrag für die Reparaturkosten fest. Die Versicherung übernimmt dann bis zu dieser Summe abzüglich des Selbstbehalts die Werkstattkosten. Manche Versicherungen legen für Hagelschäden Höchstentschädigungsgrenzen oder auch eine gesonderte Selbstbeteiligungsgrenze fest, darauf sollte man bereits bei Versicherungsabschluss achten. Wer sich an den Hageldellen nicht stört, kann auch auf eine sogenannte „fiktive Abrechnung“ zurückgreifen. Das bedeutet, dass man bis zu einer festgelegten Höchstentschädigungsgrenze auch dann Geld von der Versicherung erhält, wenn man den Schaden nicht, nicht vollständig oder nicht fachgerecht reparieren lässt. Für die Höhe der Entschädigung ist das Gutachten die Grundlage. Nimmt man die fiktive Abrechnung in Anspruch, wird das in einer zentralen Datenbank gespeichert, so dass man auch bei einem Versicherungswechsel denselben Hagelschaden nicht noch einmal abrechnen kann. Grundsätzlich muss die Versicherung bei einem erneuten Hagelschaden – einer sogenannten Schadenserweiterung – wieder einspringen, in der Praxis ist es jedoch schwer festzustellen, was alter und was neuer Schaden ist.

So wird ein Hagelschaden professionell repariert

  1. Bei Karosseriebau Vischer in Stuttgart-Vaihingen wird dieser Alkoven mit Hagelschaden repariert. Zuerst werden die Anbauteile abmontiert, dann der Lack ...
  2. ... abgeschliffen und die Dellen ausgespachtelt. Mit dieser Methode kann man leichte bis mittelschwere Schäden reparieren.
  3. Da er um die Dichtigkeit seines Fahrzeugs fürchtet, hat sich der Besitzer des zwei Jahre alten Mobils gegen den Tausch der Wände entschieden.
  4. Nach dem Ausspachteln der Dellen und erneutem Schleifen wird das Fahrzeug grundiert und für den neuen Lack vorbereitet.
  5. Wie aus dem Ei gepellt steht der Alkoven mit seinem neuen Lack da. Für alle Arbeitsschritte veranschlagt die Werkstatt vier bis sechs Wochen.
  6. Dichtungen und Scharniere werden beim Abmontieren beschädigt. Da in diesem Fall der Hersteller Lieferschwierigkeiten hat, verzögert sich die Fertigstellung.
  7. Nachdem die Außenbeklebung erneuert wurde, können die Werkstatt-Mitarbeiter Stromanschlüsse und Verkleidungen wieder anbringen.
  8. Dazu gehört auch das erneute Abdichten der Anbauteile, damit etwa an Klappenrahmen kein Wasser eindringen kann.
  9. Die Montage der Heckleuchten ist einer der letzten Handgriffe, bevor der Besitzer sein Reisemobil wieder in Empfang nehmen kann.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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