Mobil-Tour Bosnien und Herzegowina Rebecca Kluge-Steiner
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Wohnmobil-Tour Bosnien und Herzegowina

Wohnmobil-Tour Bosnien und Herzegowina Abstecher nach Osten

Als Urlaubsziel hat kaum jemand Bosnien und Herzegowina auf dem Zettel. Dabei liegt das südosteuropäische Land gar nicht weit entfernt von den beliebten Stränden in Kroatien. Unsere Tour führt in die Historie und die Natur des Balkans.

Während entspannter Strandtage in Kroatien, an der Riviera von Makarska, entstand die Idee: Wir wollten schon immer einmal die berühmte Brücke von Mostar sehen. Von Makarska aus liegt Mostar nur gut 100 Kilometer entfernt. Warum nicht einen kleinen Abstecher machen? Also auf nach Osten und ins Nachbarland Bosnien und Herzegowina. Serpentine für Serpentine schlängeln wir uns mit unserem Bulli das Biokovo-Gebirge hinauf und nähern uns einem kleinen Grenzübergang. Ein freundliches Winken des Grenzbeamten und sofort stellt sich das Gefühl ein, dass hier neue Abenteuer auf uns warten.

Um nicht völlig unvorbereitet zu sein, haben wir uns zuvor im Netz einen Campingplatz ausgesucht: River Camp Half Island in Buna. Winkend und mit einem Lächeln werden wir begrüßt, als wir auf die eingezäunte Wiese mit einem kleinen zweckmäßigen Sanitärhäuschen am Fluss Buna einbiegen. Mit Händen und Füßen vermittelt uns die ältere Dame, dass ihr Sohn Gaga, der Betreiber, in ein paar Minuten für uns da wäre. Wir suchen uns einen Platz direkt am Fluss und werden wenige Minuten später erneut herzlichst begrüßt. Von Gaga bekommen wir zahlreiche Informationen über Mostar und Umgebung sowie den Hinweis: Fühlt euch wie zu Hause – eine Botschaft, die man auf Campingplätzen sonst nicht so oft hört.

Berühmte Bogenbrücke von Mostar

Der Linienbus bringt uns in die Innenstadt nach Mostar. Seine Haltestelle liegt nur wenige hundert Meter vom Campingplatz entfernt. Vorbei an vielen Ecken, wo die Spuren des Jugoslawienkriegs noch erkennbar sind, machen wir uns auf ins Herzstück von Mostar, die Altstadt. Über Kopfsteinpflaster und entlang vieler Souvenirläden mit Kupferhandwerk, Stoffen und orientalischen Lampen folgen wir den Wegweisern "Stari most" zum berühmten Wahrzeichen der Stadt.

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Die Brücke von Mostar, Stari most, wurde 1993 im Bosnienkrieg zerstört und bis 2004 wieder aufgebaut.

Wir suchen uns ein etwas entfernteres Plätzchen, um die Bogenbrücke als Verbindungsstück zwischen dem bosnischen und dem kroatischen Teil der Stadt zu bestaunen. In der neueren Geschichte symbolisiert sie Wiederaufbau und Versöhnung und bietet Touristen dank der wagemutigen Brückenspringer ein spannendes Schauspiel. Wer sich ein wenig durch die Gassen treiben lässt, der findet nicht weit entfernt die Kriva Cuprija, die krumme Brücke, die laut Überlieferung als Miniaturmuster der originalen Bogenbrücke gedient hat. In einem der vielen kleinen Straßencafés lassen wir den Tag ausklingen.

Kleine Umwege nach Sarajevo

Nicht weit vom River Camp entfernt, in Blagaj, liegt die Karstquelle Vrelo Bune mit ihrer muslimischen Klosteranlage. Diese Kombination aus stahlblauem Wasser, religiöser Architektur und dem Felsmassiv, unter dem die Quelle entspringt, sollte man sich nicht entgehen lassen. Da uns die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen so begeistert und man uns förmlich drängt, die Hauptstadt Sarajevo zu besuchen, können wir eigentlich gar nicht anders: Wir fahren nicht zurück an die Küste, sondern weiter ins Landesinnere.

Unser Gastgeber Gaga empfiehlt uns außerdem, in Jablanica zu halten und uns Schauplätze und Museum der Schlacht an der Neretva anzuschauen, die für den Balkan im Zweiten Weltkrieg schicksalshaft war. Gerne nehmen wir den Tipp an, schauen uns die Außenanlagen des Museums und die zerstörte Eisenbahnbrücke an. Sie wurde einst von jugoslawischen Partisanen unter Tito gesprengt. Der dort stehende Zug erinnert uns ein wenig an den Hogwarts-Express von Harry Potter.

In Sarajevo entscheiden wir uns für den gleichnamigen Campingplatz und können Camping Sarajevo wärmstens empfehlen. Lasst euch von der Zufahrt, die vielleicht etwas befremdlich erscheint, nicht abschrecken. Nach der Begrüßung mit selbstgemachtem Apfelsaft oder Apfelschnaps wird man schnell ein Teil der Familie und will gar nicht mehr weg. Der kleine Familienplatz liegt etwas außerhalb der Stadt und ist in zwei Bereiche unterteilt: eine große Rasenfläche oder Stellplätze mit Kies. Jeder stellt sich dahin, wo er mag.

Okzident und Orient

Sarajevo ist mit dem Bus bis zum Busbahnhof und dann mit der Tram problemlos innerhalb von 30 Minuten zu erreichen. Unser erstes Highlight ist die Fahrt in den fast schon historischen Straßenbahnen, die Sarajevo aus Österreich, Deutschland und anderen Ländern erhalten hat. Wir starten unsere Erkundungstour an der Ewigen Flamme, die als Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs den Eingang zum westlichen Teil Sarajevos darstellt. Hier reihen sich Kaffeehäuser, Restaurants und westliche Einkaufsketten dicht an dicht. Nur ein paar Meter weiter, wenn ihr den Schriftzug "Sarajevo Meeting of Cultures" überschreitet, habt ihr dann das Gefühl, plötzlich im Morgenland zu sein.

In Sarajevo trifft Okzident auf Orient, die moderne Neustadt auf die osmanische Altstadt. Wer genauer hinschaut, entdeckt auf der Sightseeingtour außerdem die sogenannten "Roten Rosen" auf dem Boden, die an die Opfer des Jugoslawienkriegs erinnern sollen. Nehmt euch Zeit, schlendert durch die engen Gassen der Altstadt, bestaunt das Kupferhandwerk, atmet den Duft von Cevapcici und Wasserpfeifenrauch ein und genießt die bosnische Kaffeekultur. Das schwarze Gold wird stilecht aus einem kleinen Kupferkännchen in die Mokkatassen gegossen und kann mit zahlreichen Baklava-Kreationen, dem zuckersüßen Gebäck, genossen werden.

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Der traditionelle bosnische Mokka wird in einem Kupferkännchen serviert, ein Stück der Landeskultur.

Weiter geht es für uns auf einen der besten Aussichtspunkte der Stadt: Žuta tabija, die gelbe Bastion. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick über den Talkessel von Sarajevo mit seinen zahlreichen Moscheen. Wir sind während der Zeit des Ramadans auf der Festung und erleben zum Sonnenuntergang eine tolle Atmosphäre: Die Rufe der Muezzins und Böllerschüsse sind zu hören, bevor alle Kulturen gemeinsam das Abendessen feiern.

Mahnmale treffen auf Lebensfreude

Was aus unserer Sicht im Besuchsprogramm nicht fehlen darf, ist der sogenannte Tunnel der Hoffnung. In der Nähe des internationalen Flughafens von Sarajevo befinden sich ein Museum und ein Teil des 800 Meter langen Tunnels, der die Versorgung während der 1425-tägigen Belagerung der Stadt sicherstellte. Natürlich versprüht dieser Ort keine Urlaubsstimmung, aber für uns gehört die Geschichte eines Landes immer mit dazu.

Wer kann sich noch an die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo erinnern? Hoch oben auf dem Trebevic, dem Hausberg Sarajevos, fanden einige Disziplinen statt. Uns interessiert besonders die alte Bobbahn. Nach 26 Jahren Stillstand kann man wieder mit der Seilbahn aus der Stadt hoch auf den Berg fahren und über die olympische Bobbahn hinunterwandern. Ein Bauwerk, das für uns ganz viel Geschichte spiegelt: die Erinnerung an Athleten und jubelnde Zuschauer während der Wettkämpfe sowie auf der anderen Seite sichtbare Zeichen des Bürgerkriegs in Jugoslawien. Heute sieht das Ganze mehr wie ein Lost Place aus. An vielen Stellen erobert sich die Natur das Gebiet wieder zurück. Für uns ein faszinierender Ort, der schon wegen der tollen Aussicht auf die Stadt empfehlenswert ist.

Wer noch nicht genug von olympischer Geschichte hat, dem empfehlen wir die 35 Kilometer lange Fahrt hinaus aus Sarajevo, hoch zum Igman. An dem 1500 Meter hohen Berg fanden 1984 die Skisprungwettkämpfe statt, mit einer Goldmedaille für Jens Weißflog. Hier hast du die Möglichkeit, die Sprungschanze zu erklimmen oder dich wie ein Olympiasieger auf dem Siegerpodest zu fühlen. Wer noch einen weiteren Lost Place erkunden möchte, ist hier oben ebenfalls richtig. Da wären das Igman-Hotel oder die Reporterkabinen direkt an der Sprungschanze. Wir empfehlen für die Erkundung des Areals der Sprungschanze unbedingt festes Schuhwerk. Unseren Weg kreuzte jedenfalls eine Viper.

Rafting in der Tara-Schlucht

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An der Grenze zum südlichen Nachbarland Montenegro liegt die wilde Tara-Schlucht, perfekt für eine Rafting-Tour.

Nach so viel Historie wollen wir wieder raus in die Natur und ein neues Abenteuer erleben. Von unseren Gastgebern in Sarajevo bekamen wir die Empfehlung zum Rafting in der Tara-Schlucht – mit stellenweise über 1300 Metern der tiefste Canyon Europas. Das klingt für uns perfekt und so wählen wir als nächstes Etappenziel Autocamp Drina in Foca, im serbischen Teil Bosniens. Auch hier handelt es sich um einen kleinen familiären Campingplatz, den wir empfehlen können. Tolles Gelände, schönes Sanitärgebäude und abends einheimisches Essen. Für kleines Geld könnt ihr direkt am Camp ein Rundum-sorglos-Paket zum Rafting im Tara Canyon buchen. Vom Equipment über die Abholung bis hin zum gemütlichen Abendessen im Camp am Lagerfeuer ist alles inbegriffen.

Für uns war es das erste Rafting-Erlebnis und wir können nur sagen: Was für ein geiles Abenteuer! Das Raften und das Land.

Campingplätze in Bosnien-Herzegowina

Camping Sarajevo 71215 Ilidža (BA) 7 Bewertungen 16 EUR/Nacht
Autocamp Drina 733 Foča (BA) 2 Bewertungen 17,50 EUR/Nacht
River Camp Half Island Hodbina (BA) 17 /Nacht

Fazit

Aus dem kleinen Abstecher nach Mostar wurden gut zwei spannende Wochen in Bosnien und Herzegowina. Man sollte das wenig bekannte Land mit dem sperrigen Namen nicht unterschätzen.