Bis zur letzten Minute haben wir gehofft, dass das Wetter an Frankreichs Nordküste noch einmal umschlägt. Bereits seit Tagen toben dort schwere Unwetter mit Überflutungen und orkanartigen Böen. Wir sitzen abfahrbereit im gepackten Wohnmobil für einen Kurztrip durch die Normandie und die Bretagne. Es schüttet wie aus Eimern, der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren. Wir blicken uns enttäuscht und ratlos an. Keiner traut sich auszusprechen, dass es einfach keinen Sinn ergibt, unseren Plan auf Biegen und Brechen in die Tat umzusetzen. Ich steige noch mal aus, laufe durch den strömenden Regen zurück ins Haus und hole noch ein paar Shorts und Regenjacken aus dem Kleiderschrank. Gerüstet für alle Wetterlagen, fahren wir trotzdem erst mal Richtung Frankreich.
Unterwegs vergleiche ich verschiedene Wetter-Apps und wir kommen schnell zu dem Entschluss, dass wir besser nach Spanien fahren. Die Vorhersagen für Katalonien versprechen beinahe sommerliche Temperaturen und so fahren wir einfach der Sonne hinterher. Die Grenze überqueren wir auf der serpentinenreichen Küstenstraße, wo die östlichen Ausläufer der Pyrenäen auf das Mittelmeer treffen. Das alte, mit Graffiti besprühte Grenzhäuschen zwischen dem französischen Cerbère und Spaniens Portbou gleicht einem Lost Place. Die Sonne strahlt am wolkenfreien Himmel und die Aussicht über die sandfarbenen Klippen auf das tiefblaue Meer verspricht noch einmal Sommer.
Die wilde Küste
Ich öffne die Fensterscheibe, lehne den Kopf ein Stück hinaus und lasse mir den warmen Fahrtwind ins Gesicht wehen. Wir halten in einem der kleinen Hafenstädtchen und spazieren entlang der bunten Holzboote mit den Hunden zum Strand. Einen schönen Stellplatz für die Nacht finden wir an der Küste jedoch auch nach langem Suchen nicht. So landen wir am späten Abend auf dem kostenlosen Stellplatz in Besalú, im Hinterland der Costa Brava.

Durch Zufall landen wir bei der Stellplatzsuche in der mittelalterlichen Kleinstadt Besalú.
Die Abendrunde mit den Hunden führt uns entlang der mystisch angeleuchteten alten Burgmauer samt Brücke und wir sind total froh, doch noch so einen schönen Platz für die Nacht gefunden zu haben. Am nächsten Morgen machen wir uns direkt nach dem Frühstück auf, die mittelalterliche Kleinstadt zu Fuß zu erkunden. Über die alte Brücke gelangen wir durch ein riesiges Tor in die Altstadt von Besalú. Bei sommerlichen 20 Grad schlendern wir auf dem historischen Kopfsteinpflaster durch die schmalen Gassen. Wäre es hier nicht so belebt durch die Menschen und Geschäfte, würden wir glatt denken, wir wären in einer Filmkulisse unterwegs.
Wir bleiben eine weitere Nacht auf dem Stellplatz, der auf einer großen, ehemaligen Ackerfläche direkt am Stadtrand liegt. Entsorgen ist hier ebenfalls kostenlos, für eine Tankfüllung Frischwasser zahlen wir an der Touristeninformation drei Euro. Nicht weit entfernt liegt der Naturpark Vulkane der Garrotxa mit insgesamt 40 nicht mehr aktiven Vulkanen. Wir entscheiden uns für eine kleine Wanderung zum Vulkan Croscat. Der 160 Meter hohe Kegel verdankt seine Hufeisenform einer früheren Eruption und so stehen wir plötzlich mitten im schwarzsandigen Krater. Das Gestein der anderen, kleineren Nebenvulkane verläuft in unterschiedlichen Orangetönen. Überall am Rand wachsen kleine Büsche. Der Boden ist sehr fruchtbar und der Vulkanpark besteht zu einem Großteil sogar aus Buchenwald.
Schroffes Gebirge und traumhafte Strände
Wir halten uns weiter Richtung Süden im Landesinneren und umfahren die Küstenstadt Barcelona. Bereits drei Mal waren wir auf früheren Reisen in der Hauptstadt Kataloniens, die im Übrigen auch sehr sehenswert ist. Durch die gute Zuganbindung am Meer entlang lohnt sich auf jeden Fall ein Tagesausflug, wenn man an der "Wilden Küste", der Costa Brava, Campingurlaub macht. Jetzt wollen wir für uns neues Terrain erkunden und suchen einen weiteren Naturpark auf.

Nachdem die Wolken abgezogen sind, haben wir freien Blick auf die Gebirgskette Montserrat.
Das Montserrat-Gebirge liegt nur etwa 40 Kilometer im Hinterland von Barcelona. Die zehn Kilometer lange und fünf Kilometer breite Gebirgskette ist bereits von weitem gut sichtbar. Schroffe, graue Sandsteingipfel ragen bis zu 1236 Meter hoch empor. Bekannt ist das Gebirge vor allem durch sein gleichnamiges Kloster, das im östlichen Teil zu Füßen der hohen Felsen liegt. Wir parken auf einem Wanderparkplatz an den westlichen Ausläufern und entscheiden uns für eine kleine Rundwanderung mit niedrigem Schwierigkeitsgrad. An den teils steilen, sehr steinigen Passagen kommen wir trotz guter Wanderschuhe ins Rutschen. Langsam nähern wir uns den dicken Felskämmen, deren Spitzen heute immer wieder in dichten Wolken verschwinden. Erst als wir zum Wohnmobil zurückkehren, klart es allmählich auf. Die Sonne kommt raus und erlaubt uns zum Abschied doch noch freie Sicht auf den Gebirgskamm. Müde suchen wir uns einen Stellplatz in der Nähe.
Das Weingut Nadal liegt nur eine halbe Stunde entfernt und bietet fünf kostenlose Plätze direkt neben den Weinreben. Bei der netten Tochter des Gutsbesitzers erwerben wir eine Flasche Weißwein, die wir beim Sonnenuntergang mit Blick über die abgeernteten Rebstöcke natürlich sofort probieren müssen. Am frühen Morgen strahlt die Sonne bereits am wolkenfreien, blauen Himmel über uns und wir genießen unseren Kaffee draußen vor dem Wohnmobil. Jetzt ans Meer!
Warum eigentlich nicht? Bis zur "Goldenen Küste", der Costa Daurada, ist es keine Stunde Fahrt und so steuern wir einen für uns altbekannten Ort an. Die kleine Bucht von La Móra liegt zwischen zwei Felsenklippen kurz vor Tarragona. In der Nachsaison hat nur ein Restaurant an der kleinen Strandpromenade geöffnet, dadurch ist es gut besucht. Trotzdem gibt es draußen noch einen freien Tisch für uns und wir frühstücken mit Blick auf das Meer und die mit Pinien bewachsenen Felsen. Der Strand ist fast menschenleer und lädt zum Toben mit den Hunden ein. Nur in den Sommermonaten sind Hunde hier verboten, wie fast überall an Spaniens Stränden.
Campen direkt am Meer
In der Nachbarbucht Tamarit liegt das gleichnamige Beach Resort. Es hat das ganze Jahr über geöffnet und bietet Stellplätze direkt am Strand unter großen Palmen mit Blick auf das alte Castell. Wir entscheiden uns für den Eckplatz in erster Reihe und haben somit nicht nur freie Sicht aufs Meer nach vorne, sondern blicken auch seitlich auf den Strand. Der traumhafte Blick wird nur durch das etwas in die Jahre gekommene, verrostete Gitter getrübt, das die Stellflächen zum Strand hin absperrt.

Wir bekommen auf dem Tamarit Beach Resort den Eckplatz in der ersten Reihe. Von hier blickt man auf das Meer und das Castell de Tamarit.
Aber da sehen wir schnell drüber hinweg. Schließlich stehen wir gerade bei herrlichen 23 Grad unter der Sonne Spaniens mit den Rädern im Sand und das Meer liegt uns zu Füßen. Während uns von zu Hause Nachrichten über anhaltenden Regen und beinahe winterliche Temperaturen erreichen, genießen wir an den nächsten Tagen die Strandspaziergänge mit den Hunden oder liegen faul in der Sonne. Noch zwei Tage bleiben uns, bis wir uns langsam auf den Heimweg machen müssen. Eigentlich war noch ein Stopp in der Halbwüste Bardenas Reales geplant. Doch auch hier sind bereits Regenwolken eingezogen und so fahren wir lieber noch etwas weiter die Costa Daurada herunter und genießen noch etwas die Sonne.
Der Campingplatz Cala d’Oques bietet ebenfalls Stellflächen direkt am Meer. Außerdem gibt es auf dem naturbelassenen Platz keine Parzelleneinteilung, was wir sehr mögen, und auch kein Gitter zum Strand hin. Wir entscheiden uns für ein schattiges Plätzchen auf einem kleinen Plateau mit Meerblick unter einer großen Pinie. Hier sind wir etwas ungestörter und auch meine geliebte Hängematte kommt so wieder zum Einsatz. Am letzten Morgen stehen wir besonders früh auf, um noch einmal vom Strand aus die aufgehende Sonne über dem Meer zu sehen. Mit jedem Zentimeter, den sie über den Horizont kommt, werden die Sonnenstrahlen im Gesicht etwas wärmer. Im Nachbarort Miami Platja toben wir ein letztes Mal mit den Hunden durch den Sand und machen noch ein Abschiedsfoto am Strand. Dann müssen wir uns endgültig vom Sommer verabschieden und es geht für uns zurück ins Schmuddelwetter.
10 Campingplatz-Tipps in der Region
Welche Plätze sind geöffnet? An der nördlichen Mittelmeerküste in Spanien herrscht grundsätzlich kein Mangel an Campingplätzen. Wer hier aber in den Wintermonaten Urlaub machen will, stellt bald fest, dass praktisch alle Anlagen eine längere Saisonpause einlegen. Wir haben zehn Plätze zusammengestellt, die höchstens mit kurzen Ruhezeiten nahezu ganzjährig geöffnet haben.
Camping Les Medes
Zwar liegt dieser Platz nicht unmittelbar am Strand, doch steht neben dem im Sommer geöffneten Pool auch ein kleines Hallenbad zur Verfügung. Lob bekommt er auch für seine familiäre Atmosphäre.
- Bewertung: 4,7 von 5 Sternen aus 26 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Camping Blanes
Über eine Strandpromenade ist der Platz mit dem Ort verbunden. Die Stellflächen liegen unter Pinien und haben einen eigenen Wasser- und Abwasseranschluss. Auch für Sat-TV ist hier gesorgt.
- Bewertung: 4,5 von 5 Sternen aus 14 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Tamarit Beach Resort
Eine überdurchschnittliche Ausstattung trägt zum gehobenen Komfort bei. Es gibt ein breites gastronomisches Angebot und einen Spa-Bereich. Je nach Kategorie haben die Standflächen ein Privatbad.
- Bewertung: 4,4 von 5 Sternen aus 26 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Taiga Delta de l’Ebre
Ein kurzer Spaziergang führt hier zum Badestrand. Nicht weit entfernt ist außerdem das Naturschutzgebiet Ebrodelta. Abhängig von der gewählten Kategorie sind die Stellflächen bis 100 m2 groß.
- Bewertung: 4,2 von 5 Sternen aus 4 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Alannia Els Prats
Im Sommer ist der Platz ganz auf das Leben am Pool und am Strand ausgerichtet. Darüber hinaus stehen weitere Einrichtungen zur Verfügung wie Fitnessstudio, Spa, Supermarkt, Bars und Restaurants.
- Bewertung: 4,1 von 5 Sternen aus 30 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Camping Joan
Zum Jahreswechsel legt der Platz eine kurze Pause ein. Sonst genießt man ganzjährig die Nähe zur Strandpromenade und die Platzausstattung mit mehreren Restaurants, Wellness- und Fitnessbereich.
- Bewertung: 4,1 von 5 Sternen aus 9 Rezensionen
- Öffnungszeiten: 13. Januar–14. Dezember
Camping Bellsol
Nur eine Straße trennt das Campinggelände vom Sandstrand. Die Standflächen sind etwa 60 m2 groß. Für Tagesausflüge bietet sich Barcelona an, das man mit dem Bus in anderthalb Stunden erreicht.
- Bewertung: 4,1 von 5 Sternen aus 7 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Camping Cala d’Oques
Der Platz liegt an einem mehr als zwei Kilometer langen Sandstrand, wobei auch ein FKK-Bereich in der Nähe ist. Auf dem zum Teil terrassierten Gelände wird auf eine Parzellierung verzichtet.
- Bewertung: 3,4 von 5 Sternen aus 15 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig
Camping Salatà
Von seiner Nähe zum touristisch attraktiven Ort Roses und zur Badebucht profitiert dieser Platz. Die Stellflächen teilen sich in fünf verschiedene Kategorien. Sie sind zwischen 60 und 160 m2 groß.
- Bewertung: 3,4 von 5 Sternen aus 9 Rezensionen
- Öffnungszeiten: 14. Februar–2. Januar
Camping L’Albera
Dieser Platz ist eine beliebte Zwischenstation auf dem Weg in den Süden. Er liegt nahe der Autobahn und eignet sich auch als Ausgangspunkt für Ausflüge ins Hinterland wie beispielsweise nach Figueres.
- Bewertung: 3,1 von 5 Sternen aus 14 Rezensionen
- Öffnungszeiten: ganzjährig















