Interview David Niese Caravan-Händler NIESE CARAVAN
Interview David Niese Caravan-Händler
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Interview mit Caravan-Händler David Niese

Warum Niese Caravan nur noch Gebrauchte verkauft

Das Geschäft mit neuen Wohnmobilen und Caravans boomt. Doch ein Händler verabschiedet sich von Neuwagen und verkauft nur noch Gebrauchte. Warum eigentlich? Wir haben mit David Niese gesprochen.

Ein Caravan-Handel fernab der großen Zentren wäre an dieser Stelle eigentlich kaum eine Erwähnung wert – wenn er es nicht wiederholt in das Ranking der Top 1000 unter den am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa geschafft hätte. Niese Caravan liegt im südlichen Sachsen. Seit 1974 besteht der Betrieb als kleines Familienunternehmen und entwickelt sich seit Kurzem wie ein junges Start-up. Der Chef, David Niese, zählt außerdem zu den Nominierten für die Auszeichnung „Sachsens Unternehmer des Jahres“. Er setzt auf den Handel mit gebrauchten Wohnmobilen und Caravans. Damit beweist er den richtigen Riecher, denn in den ersten beiden Quartalen 2019 wuchs der Anteil der Besitzumschreibungen bei Freizeitfahrzeugen um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ihr Betrieb ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gewachsen, worin liegt Ihr Erfolgsgeheimnis?

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NIESE CARAVAN
David Niese hat seinen früher kleinen Handel komplett umgekrempelt.

Das Offensichtliche liegt oft vor uns – wir müssen es nur sehen. Der Betrieb wurde im Zuge der Unternehmensnachfolge vor fünf Jahren konsequent umstrukturiert – jeder Geschäftszweig des bisherigen Unternehmensbildes wurde nach ökonomischen Gesichtspunkten durchleuchtet und es wurde sich zum Beispiel von beratungsintensiven Bereichen wie Zubehör-Shop oder Vermietung getrennt. Vermietung erfährt zwar auch eine hohe Nachfrage, aber wir können nicht gleichzeitig überall wachsen. Die Spezialisierung ist, glaube ich, das Geheimnis.

Was hat Ihnen denn vorher am Handel mit Neufahrzeugen nicht gefallen?

Keine Frage, der Neuwagen-Boom ist stark und anhaltend. Genau deswegen legen meine Kollegen den Fokus auf diesen Bereich. Dafür bleibt für Niese Caravan der Gebrauchtwagenmarkt, der von den Kollegen und Herstellern eher belächelt, auf jeden Fall vernachlässigt wird.

Worin liegt der Reiz am Handel mit gebrauchten Wohnmobilen und Caravans?

Wir haben damit eine echte Alleinstellung in der Region. Eine professionelle Bearbeitung dieses besonderen Marktes bietet neue Chancen. In gewisser Weise tragen wir auch einen ökologischen Gedanken. Wir sanieren ältere Gebrauchte, damit sie in den zweiten Frühling starten können, und schonen damit Ressourcen der Neuwagenproduktion. Wichtig ist, es gibt zwei Märkte: Neu und Gebraucht. Wir bedienen den zweiten Markt und helfen unseren Neuwagen-Kollegen, damit sie einfacher einen Neuen verkaufen können. Eine Win-win-Situation für alle.

Wie war die Resonanz bei den Käufern beim Angebotswechsel von neuen zu gebrauchten Freizeitfahrzeugen?

Überwältigend. Rankings im „Focus Business“ und in der „Financial Times“ in den letzten Jahren belegen das recht eindrucksvoll. Niese Caravan ist neben Ahorn Reisemobile als Herstellermarke als einziger Vertreter der Handelsbranche Caravaning im Ranking der 1000 wachstumsstärksten Unternehmen in Europa vertreten. Darauf sind wir stolz.

Ist die Lage Ihres Betriebs am Rande des Erzgebirges nicht ein Standortnachteil?

Die Caravaner und Wohnmobilisten sind mobil. Unser Motto: Mach die Not zur Tugend und biete dafür echte Auswahl in jedem Preissegment. Dann kommen sie von überall her. Camper sind trotzdem preis- und qualitätsbewusste Käufer. Ein weiterer Weg lohnt sich, wenn man potenziell für den Interessenten mehr als einen Favoriten auf dem Platz hat.

Wie finden potenzielle Käufer trotz der weiten Wege zu Ihrem Handelsbetrieb?

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Niese Caravan ist in Frauenstein nahe Dresden zu Hause. Vom Hinterhof-Look, den man von manchen Gebrauchtwagenhändlern kennt, distanziert sich der Betrieb deutlich.

Heutzutage entscheidet als Erstes der Preis. Platz 1 bis 3 bei der Internetplattform „mobile.de“ ist ausschlaggebend, um von Käufern überhaupt wahrgenommen zu werden. Dann geht der Vergleich ins Detail. Spätestens dann kommen die Bewertungen anderer Kunden ins Spiel. Wir sind froh, dass etwa der Marktführer „mobile.de“ eine hohe Manipulationsfestigkeit in den Bewertungen eingebaut hat, es sich hier also ein realistisches Bild für den Kunden ergibt. Kein Händler kann sich heutzutage negative Bewertungen leisten. Das ist unser großer Ansporn. Deshalb nehmen wir Reklamationen sehr ernst und versuchen schnell zu reagieren.

Aus welcher Region kommen die Käufer?

Aus ganz Deutschland. Sogar einige Händler kaufen bei uns. Außerdem liegt der Exportanteil bei rund zehn Prozent.

Müssen die Kunden bei Gewährleistungsfällen weite Strecken in Kauf nehmen?

Nein, nicht unbedingt. Ein Qualitätsmanagement sorgt vor Auslieferung für einen gründlichen Check. Im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung wird auch ein kundenfreundliches After-Sales-Managing angestrebt. Wir arbeiten mit Servicepartnern an verschiedenen Punkten in Deutschland lösungsorientiert zusammen.

Wie klappt es mit Service und Ersatzteileversorgung ohne eine Markenbindung?

Hervorragend. Wir Händler kooperieren untereinander sehr gut. Es ist ein kollegiales „Jeder hilft jedem“. Schwerer wird es mit exotischen Marken und/oder älteren Baujahren. Da ist Improvisation gefragt. Aber in jedem Camper steckt auch ein bisschen ein Bastler.

Nehmen Sie auch Fahrzeuge in Zahlung?

Natürlich. Wir versuchen, jeden Gebrauchten am Markt zu kaufen. Eine faire Bewertung und schnelle, professionelle und seriöse Abwicklung ist Grundlage dafür.

Welche Modell- und Preisspanne haben die angebotenen Gebrauchten bei Ihnen?

Unser Anspruch ist es, gute, geprüfte Fahrzeuge für wirklich jeden Geldbeutel anzubieten. Die Wohnwagen liegen zwischen rund 5000 Euro und 25.000 Euro, Wohnmobile gibt es bei uns von etwa 20.000 Euro bis 120.000 Euro.

Gibt es bestimmte Marken und Modelle, die Sie nicht im Angebot haben wollen?

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Die Werkstatt ist auf Fahrzeugchecks und Nachrüstungen spezialisiert.

Grundsätzlich können wir eine sehr breite Palette an Marken anbieten, bis zu 25 verschiedene europäische Hersteller, auch Exoten. Wir sagen nicht grundsätzlich „nein“ zu einem Modell. Beispielsweise haben wir Wohnwagen von Elnagh und Rimor im Angebot, davon gibt es nur eine Handvoll im Netz. Sowas finden wir toll und spannend. Natürlich spielen bei uns die großen Marken die Hauptmusik: Hobby, Knaus, Hymer und bei den Wohnmobilen Carthago, Concorde usw.

Was spricht überhaupt für den Gebrauchtkauf beim Händler? Von privat könnte man doch günstiger kaufen, oder?

Ich würde sagen, dass wir als Händler sogar oft günstiger sind als private Anbieter. Für uns gilt eine schnelle „Drehzahl“ – günstige Preise durch kurze Standzeiten. Da kommt für den Käufer die gesetzliche Gewährleistung, die er bei einem Händler bekommt, als Bonus obendrauf. Die Bewertungen im Netz bestätigen dies. Camping boomt, auch wir profitieren davon.

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