Bordbatterien, Ratgeber 11 Bilder Zoom

Praxis-Tipp Bordbatterien für Wohnmobile: Saft und Kraft

Radio, Heizung, Kühlschrank, Licht wollen vor allem eines: Strom. Dafür wird die Bordbatterie regelrecht ausgequetscht. promobil hat getestet, welche Wohnmobil-Batterie das am besten aushält.

So schnell kann`s gehen. Eben noch fristeten Batterien ein Aschenputteldasein als stille Helfer im Verborgenen. Doch kaum, dass die Diskussion um Elektromobilität richtig entfacht war, wurden sie kurzerhand zur Schlüsseltechnologie erkoren.

Der plötzliche Stellenwert der Batterie über ihre Funktion als Starterakkumulator hinaus ist für Reisemobilisten ein alter Hut. Sie wussten schon immer: Ohne Bordbatterie läuft nichts. Die neue Wahrnehmung hat aber etwas Gutes. Je größer das Interesse, desto höher der Druck auf die Industrie, neue Speichertechnologien zu erfinden, die dann irgendwann auch das Wohnmobil bereichern.

Lithium-Batterie-Technik

Mit der aktuellen Lithium-Batterie-Technik ist das nicht anders. Über Mobiltelefone, Laptops und Hybridautos findet sie den Weg ins Wohnmobil. Mit ihr wird ein Kapitel jenseits der Blei-Säure-Batterien aufgeschlagen. Was nicht heißt, die Entwicklung stünde hier still. Vor allem bei zyklenfesten Blei-Säure-Akkus, die als Bordbatterie genutzt werden, geht es voran. Sie sind im Unterschied zu Starterbatterien für häufiges und langfristiges Laden und Entladen geeignet.

Zur Auswahl stehen drei Varianten zyklenfester Blei-Säure-Akkus: Nass-, Gel- und AGM-Batterien. Mit sechs Zellen à zwei Volt ist ihr Aufbau ähnlich. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Elektrolyt.

Vor- und Nachteile von Nassbetterien

In Nassbatterien ist der Elektrolyt flüssig. Das haben sie mit Starterbatterien gemein, von denen sie sich hinsichtlich der Plattendicke unterscheiden. Anders ist auch die Legierung der Metallgitter, auf denen das Blei respektive Bleioxid aufgetragen ist.

Die Legierung beeinflusst die Batterieeigenschaften. Zyklenfeste Nassbatterien verfügen oft noch über eine Legierung mit Antimon. Nachteil: Sie fördert die Selbstentladung und den Wasserverbrauch. Daher muss man bei Nassbatterien den Säurestand regelmäßig kontrollieren - sie sind meist nicht wartungsfrei. Neben den dickeren Platten sorgt Antimon aber auch für Zyklenfestigkeit.

Die Dicke der Platten und ihr Abstand zueinander wirken sich auf den Innenwiderstand aus. Bei einer Nassbatterie ist er relativ hoch, der Akku ist daher weniger leistungsfähig. Zudem steigt der Widerstand mit dem Alter weiter an.

Batterien altern oder verschleißen, wenn sie zyklisch belastet werden. Je häufiger und tiefer ein Akku entladen wird, desto mehr altert er: Die Platten  beginnen zu bröckeln - auch Verschlammung genannt. Vor allem Nassbatterien leiden unter dieser Eigenschaft.

Entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer eines Akkus nimmt nicht nur der Entlade-, sondern auch der Ladevorgang. Bei der Energieentnahme bildet sich an den Platten Bleisulfat - Sulfatierung im Fachjargon. Beim Laden löst sich das Sulfat normalerweise auf - wenn der Akku richtig geladen wird. Deshalb ist es wichtig, eine Blei-Säure-Batterie nie entladen zu lagern. Sonst wachsen die Sulfatkristalle und lösen sich beim nächsten Laden nicht mehr auf. Folge: Die Akkukapazität sinkt.

Für eine Nassbatterie genügt im Prinzip simple Ladetechnik. Doch Vorsicht: Wird sie zu lange oder mit zu hoher  Spannung geladen, bildet sich im Gehäuse Gas, es muss entweichen können. Außerdem sind Nassbatterien nicht auslaufsicher. Sie dürfen nur mit Entlüftungsschlauch und säurefester Einbauwanne im Innenraum eingebaut werden.

Trotz dieser Nachteile haben Nassbatterien, wie sie praktisch alle namhaften Hersteller wie Banner, Bosch, Exide und Varta im Programm haben, ihre Berechtigung. Ihr Preis ist attraktiv. Und wer seinen Akku nur mit kleinen Verbrauchern belastet und ihn wieder rasch nachlädt, kommt mit einer Nassbatterie gut zurecht.

Vor- und Nachteile von Gel-Akkus

Die Anzahl der Verbraucher im Wohnmobil aber steigt. Dafür sind die deutlich teureren Gel-Akkus aus mehreren Gründen besser gerüstet. Sie verfügen über sehr dicke Platten, die umgeben sind von einem in Gel gebundenem Elektrolyt. Der Ionenaustausch sowohl bei der Energieabgabe als auch bei der -aufnahme ist dadurch zwar träger - Gel-Batterien müssen lange geladen werden. Dafür kann über lange Zeit viel Strom bei konstanter Spannung bis weit unter 50 Prozent der Kapazität entnommen werden. Exide als Spezialist für Gel-Akkus nennt gar 100 Prozent.

Die Lebensdauer wird von Tiefenentladungen nicht arg beeinträchtigt. Aufgrund der Säureschichtung und der korrosionsfesten Calcium-Legierung sollen Schäden an den Platten - das Verschlammen - kaum auftreten.

Außerdem macht die Konsistenz des Elektrolyts eine Gel-Batterie robust gegen hohe Temperaturen. Andererseits sinkt die Leistungsfähigkeit bei Kälte, Stichwort: Wintercamping. Auch verhageln dicke Platten das Leistungsgewicht, sprich die Relation aus Amperestunden zu Gewicht. Und kurzzeitig hohe Ströme mögen Gel-Akkus nicht.

Vor- und Nachteile von AMG-Batterien

Den Spagat zwischen hochstromfähig und zyklenfest wagen AGM-Batterien. Sie gelten zwar als etwas weniger zyklenfest und sind nicht so tief entladbar wie Gel-Akkumulatoren. Dafür können sie in kurzer Zeit eine hohe Strommenge abgeben und eignen sich damit besonders gut für den Einsatz von Wechselrichtern.

Das kommt nicht von ungefähr. AGM-Akkus verfügen über dünne Platten. Obwohl der Elektrolyt flüssig ist, sind sie ebenso wie Gel-Batterien wartungsfrei, auslaufsicher und gasungsarm. 

Das Geheimnis liegt im Glasvlies, in dem der flüssige Schwefelsäureelektrolyt gebunden ist. Außerdem werden alle Komponenten mit Druck in das Gehäuse eingepresst. Der Plattenabstand ist minimal. All das bewirkt einen geringen Innenwiderstand, wenig Verschleiß und hohe Leistungsfähigkeit.

Diese Leistungsfähigkeit zeigt sich auch beim Laden. AGM-Akkus können im Vergleich zu Nass- und Gel-Batterien schneller und mit höherer Spannung geladen werden. Jedoch berücksichtigen dies bisher nur wenige Ladegeräte. Wichtig ist zudem ein Lader mit Temperatursensor: AGM-Batterien reagieren empfindlich auf Hitze, die unter anderem beim Laden entsteht. Kälte macht ihnen hingegen weniger aus.

Nicht nur temperaturbeständiger, sondern unter anderem auch vibrations- und zyklenfester und noch schneller aufladbar, das wollen die teureren AGM-Akkus mit Spiral- oder Wickelzellentechnologie sein. Exide oder Johnson Controls (Marke: Varta) bieten sie an.

Vor- und Nachteile von Lithium-Akkus

Noch überschaubarer ist das Angebot an Lithium-Akkus für Reisemobilfahrer. Vorreiter in diesem Bereich ist Mastervolt. Lithium vereint etliche Vorteile und ist Blei-Säure-Batterien in nahezu allen Belangen überlegen. Aus einer kleinen, leichten Batterie kann viel Energie geholt werden. Noch dazu ist sie langlebig, schnell zu laden, verzeiht Tiefenentladungen und erreicht einen hohen Wirkungsgrad. Doch die Technik ist nicht unkompliziert.

Lithium gehört zwar zu den Metallen, ist aber weich wie Gelatine und brennbar. Mastervolt bannt die Gefahr durch die Kombination mit Eisenoxid.

Anspruchsvoll ist daneben das integrierte, kapazitive Zellmanagement. Es sorgt für eine Ausgleichsladung der Zellen und damit für eine optimale Ausnutzung der Kapazität.
Auch schreckt der Preis. Wobei: Umgerechnet auf die Zahl möglicher Zyklen und die Kapazität relativiert er sich wieder. Nachteil: Es gibt bislang nur eine einsame 12-Volt-Variante. Doch weitere sind geplant, die Preise sinken.

Der Kauf einer Bordbatterie  will also gut überlegt sein. Zu beachten ist dabei neben dem eigenen Reiseverhalten auch die individuelle Energiebilanz. Wer sich zuvor Gedanken zur Stromversorgung macht, kann sie hinterher umso sorgloser nutzen. Und vielleicht fahren wir irgendwann alle auch noch mit Batteriestrom. Aber so schnell wird das nicht gehen.

Auf der nächsten Seite finden Sie nochmals alle Stromspeicher im Übersichts-Vergleich und Tipps, wie Sie die richtige Batterie für Ihr Wohnmobil finden.

Ratgeber: Experten-Tipps

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14. Dezember 2011
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