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6 Schutzwände im Vergleichstest

Wind- und Sichtschutz fürs Wohnmobil

Vergleich Wind- und Sichtschutz Foto: Ingolf Pompe 36 Bilder

Weht eine steife Brise, machen Windabweiser den Aufenthalt im Freien angenehmer. Der Test zeigt, welche Schutzwände sich leicht aufbauen lassen und wie hochwertig sie verarbeitet sind.

30.04.2017 Benjamin Köbler-Linsner

Schon früh im Jahr hat die Sonne an manchen Tagen richtig viel Kraft. Viele Wohnmobilisten zieht es dann hinaus. An der Küste ist es um diese Zeit besonders schön – wäre da nicht der pausenlose Wind, der die Temperatur gefühlt um zehn Grad herabsenkt. Glücklich ist, wer einen Windschutz sein Eigen nennt. Denn hinter dem Wall lässt es sich vor dem Wohnmobil gut aushalten.

Aufbau Windschutz Foto: Andreas Becker

Sechs verschiedene Schutzwände haben wir uns genau angesehen und miteinander verglichen – mit durchwachsenen Ergebnissen. So richtig komfortabel lässt sich keine der Wände aufstellen. Zwar liefern Fritz Berger, DWT und Isabella Aufbauanleitungen mit, deren Angaben beschränken sich aber weitestgehend auf einen Gestängeplan. Beim Abspannen tauchen immer wieder Ösen und Schlingen auf, deren Zweck sich nur erraten lässt.

Das Abspannen erfordert vom Wohnmobilisten zumindest rudimentäre Kenntnisse über Statik. Vor allem bei der sonst übersichtlich gestalteten Anleitung von Isabella ist Eigeninitiative gefragt.

Aufbau nach Anweisung

Will man den über 260 Euro teuren Windschutz Linea strikt nach Anweisung aufstellen, fällt dieser auch ohne Windböe direkt um. Laut der Zeichnung auf dem Plan sollen nämlich alle Schnüre in dieselbe Richtung gespannt werden.

Für alle getesteten Windabweiser gilt: Am stabilsten stehen sie, wenn zumindest die äußeren Stangen von zwei Seiten abgespannt sind. Die Schnüre der inneren Stangen können abwechselnd nach außen und innen gespannt werden. Sobald Isabellas Linea steht, macht der Windschutz dann auch eine gute Figur.

Mit 110 Zentimetern Höhe fällt diese Wand zwar am niedrigsten aus, Isabellas Know-how aus dem Vorzeltbau ist jedoch eindeutig an der Qualität erkennbar: Schwarz glänzendes Carbon-Gestänge und ein voluminöser Stoff aus PVC und Acryl sorgen für eine hochwertige Optik. Geliefert werden Gestänge und Plane in zwei getrennten Transportsäcken.

Verpackung und Transport

Getrennt verpackt auch DWT seinen „Tennis“ genannten Windschutz. Eine Tasche fehlt aber komplett, da die einzelnen Elemente nur mit Plastikfolien ummantelt sind. Leider findet sich die auf dünnem Papier gedruckte Anleitung in der gleichen Verpackung wie die Stahlstangen.

In unserem Fall bohrten sich diese während des Transports in den Faltzettel. Besser wäre es, die Montageanleitung in den Wandstoff einzuschlagen oder die Dokumentation in einer separaten Tasche unterzubringen. Der Produktname ist nicht zufällig gewählt: Das 450 x 130 Zentimeter große Tuch wirkt mit seiner siebartigen Textur tatsächlich wie ein engmaschiges Tennisnetz.

Positiv überrascht hat der Windschutz von Outwell. Mit knapp 70 Euro liegt der „Windscreen“ im unteren Preissegment – die Erwartungen der Tester waren daher nicht übermäßig hoch. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern verzichtet Outwell bei seinem Windabweiser auf Querstangen. Und Outwells minimalistisches Konzept geht auf. Ausreichend stabil steht der Schutz dennoch, denn der Stoff ist straff genug gespannt. Ein leichtes Flattern macht sich übrigens bei allen hier vorgestellten Windschutzwänden bemerkbar. Besonders stark ist es aber beim Eurotrail Sun Set. Der mit knapp 60 Euro günstigste Windschutz im Test basiert auf einer sehr dünnen PVC-Plane. Diese lässt sich nur mit Mühe spannen. Der Qualitätseindruck lässt befürchten, dass der Schutz wohl kaum mehr als einen Urlaub überstehen wird.

Wind- und Sichtschutz zugleich

Mit ihren schmalen Fensterschlitzen eignen sich der Outwell Windscreen und Eurotrails Sun Set außerdem als Sichtschutz. Denn nicht immer ist es der Wind, der die Laune auf dem Stellplatz vermiest. Auch neugierige Blicke von Nachbarn oder Passanten lassen sich mit vielen Wänden abwehren. Bedingt geht das auch mit dem DWT Tennis, dessen engmaschiges Netzgewebe den Blick trübt. Reimos Windschutz Föhr erlaubt den Durchblick nur im oberen Bereich. Das Sonnenbad in der Liege bleibt somit ungestört. Lediglich die beiden Wände von Isabella und Fritz Berger schützen mit ihren großen Fenstern ausschließlich vor dem Wind. Dafür hat man durch die transparenten Folien vom Liegestuhl aus klare Sicht.

Der Vergleich zeigt: Ein guter Windblocker muss nicht teuer sein. Die Qualitätsunterschiede sind jedoch groß. Nur der Outwell Windscreen erweist sich bei den Wänden unter 100 Euro als hochwertig. Das teure Modell von Isabella (268 Euro) wird seinen entsprechend großen Erwartungen gerecht, fällt aber mit nur 110 Zentimetern Höhe deutlich niedriger aus als die anderen Wände.

Die Alternative zu Windschutzwänden: Passend für ihre Markisen bieten Fiamma, Dometic und Thule auch Erweiterungsteile als Wind- und Sichtschutz an. Sie werden zwischen Standfuß und Fahrzeug eingehängt, wodurch aufwändiges Abspannen entfällt – und keine Stolperfallen in Form von Schnüren entstehen. Es sind höchstens einige Heringe nötig, welche die Wände am Boden fixieren.

Vorder- und Seitenwände können einzeln bestellt und angebracht werden. So lässt sich der „Vorgarten“ des Wohnmobils je nach Bedarf unterschiedlich stark abschotten.

Fritz Berger Deluxe Foto: Andreas Becker
Deluxe Windschutz von Fritz Berger.

6 Sichtschutzwände fürs Wohnmobil im Test:

  1. Fritz Berger: Gut sichtbar sind die neongrünen Spannleinen des Deluxe genannten Windschutzes. Das Gestänge lässt sich schnell aufbauen, da die Stangen innen mit Gummizügen verbunden sind. Wozu die lose beiliegenden Schlaufen mit abschließender Kunststoffkugel (siehe Bild) dienen, war nicht eindeutig erkennbar. Wir nutzten sie zur Befestigung der Ösen und Heringe.
  2. DWT: Das Netzgewebe sieht durchlässiger aus, als es ist. Denn die feinen Maschen halten den Wind sicher auf. Der Aufbau geht leicht, denn die beiden mittleren Stangen werden lediglich angeklettet. Am Boden fixieren Metallplatten und Heringe die Stützen. Ärgerlich ist allerdings, dass für den Preis von knapp 180 Euro kein Transportsack für den Windschutz Tennis mitgeliefert wird.
  3. Eurotrail: Der günstigste Windschutz im Test zeigte sich wenig standhaft. Die extrem dünne PVC-Plane sackte beim Aufbau in sich zusammen. Auch vollständig abgespannt, zeigten sich zahlreiche Falten. Das Stahlgestänge ist mit einfachen Metallfedern verbunden – diese machen keinen langlebigen Eindruck. Beim Abbau blieb die Spitze einer Längsstange im Boden stecken.
  4. Isabella: Nicht nur die Carbon-Stangen sorgen für eine glänzende Vorstellung des Windschutzes Linea. Der Aufbau gelingt dank Anleitung mit Piktogrammen leicht – wäre nicht die unlogische Anweisung zum Abspannen der Schnüre. Die Bodenverankerung mit Platten und Pflöcken ist eine sinnvolle Hilfe. Mit 110 Zentimetern ist die Wand leider ziemlich niedrig.
  5. Outwell: Mitgedacht haben die Macher bei der Konstruktion des Windscreen. Durch den Verzicht auf Querstangen fällt der Lieferumfang kompakt aus, was für die Stabilität kein Nachteil ist. Das Abspannen geht leicht von der Hand, denn die Schnüre sind bereits fest mit der PVC-Plane verbunden. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und somit ein klarer Kauftipp.
  6. Reimo: So richtig klappte es nicht mit dem Windschutz Föhr. Die mittlere Querstange ist zu lang und wollte selbst unter starkem Zug nicht einrasten. Ansonsten ist die 4,8 Meter lange Wand durchdacht: Kederleisten ermöglichen die Anbringung weiterer Elemente zur Verlängerung. Außerdem lassen sich alle Bauteile in einer Tragetasche verstauen.

Erweiterungen für die Markise

Wer eine Markise besitzt, kann diese mit Hilfe von Seiten- und Frontteilen zum Sicht- und Windschutz umfunktionieren. Der Auf- und Abbau ist durch die kleinere Zahl an Einzelteilen noch unkomplizierter als bei den freistehenden Wänden. Alle bekannten Markisenhersteller bieten passende Erweiterungsteile an. Eine Auswahl.

DometicRainprotect heißen die Erweiterungen für Front und Seiten der Perfect-Wall-Markisen. Neben Regen halten die Wände aber auch Wind ab. Die Seitenteile (ab 189 Euro) können sowohl links als auch rechts verwendet werden. Das große Panoramafenster ermöglicht freie Sicht nach draußen. Die Frontteile (ab 93 Euro) sind für Markisenbreiten von 2,6 bis 6 Metern erhältlich. Die Höhe beträgt bei allen Ausführungen 1,4 Meter. 

Fiamma: Mit einem Verdunkelungsrollo können die Panoramafenster der Seitenwand Side W Pro Shade abgeschottet werden. Eine Bodenschürze soll den Wind auch knapp oberhalb des Bodens abhalten. Für rechts und links werden zwei verschiedene Versionen zu je 221 Euro angeboten. Die Vorderwand Blocker dichtet am Boden nicht ganz so weit ab, ist aber weitestgehend blickdicht. Die Preise beginnen bei rund 90 Euro (3 Meter Länge).

Thule: Per Auszug lassen sich die Seitenwände für Omnistor-Markisen ausrollen. Eine Seite des Elements wird mit Klettbändern am Stützfuß der Markise befestigt, das andere Ende rastet am Fahrzeug ein. Der 169 Euro teure „Windscreen“ ist 155 Zentimeter hoch. Dagegen schließt die Seitenwand View Blocker G2 (184 Euro) vollständig mit der Markise ab. Beide Schutzwände können an beliebiger Seite der Markise befestigt werden. 

Dural-Nagel mit Achtkant-Profil
Der Dural-Nagel

Kleine Heringskunde

  • Das Achtkant-Profil macht den Dural-Nagel stabiler als die ähnlich aussehenden Standardheringe. Geeignet für Gras und Erde. Das 5er-Pack kostet 5,85 Euro.
  • Wie ein Nagel bohrt sich der Felsenhering Tarzan durch Geröll. Das T-Profil aus Stahl ist 23 Zentimeter lang. Lieferung im 5er-Pack für 7,80 Euro.
  • In Form einer Speerspitze dringt der Aluminiumhering in Sand und Schnee. Die breite Auflagefläche bietet Halt in nachgiebigen Böden. 3,95 Euro/Stück.
  • Gebogene Flanken sorgen für geringen Widerstand und bieten dennoch Auflagefläche. Der Eisenhering Tirol hält in durchmischten Böden. 5er-Pack für 4,85 Euro.

Standard-Heringe sind selten besonders langlebig. Kunststoffpflöcke brechen manchmal bereits bei der ersten Verwendung und die dünnen Metallheringe sind schnell verbogen und lassen sich dann kein weiteres Mal verwenden. Unterschiedliche Heringe werden im Fachhandel, beispielsweise bei frankana.de, angeboten. Übrigens: Woher der Hering seinen Namen hat, ist unbekannt. Sprachforscher vermuten, die Ähnlichkeit zu dem schlanken Fisch sei für die Namensgebung verantwortlich.

Der Stärkere gibt nach gilt insbesondere für Heringe. Denn durch die Federwirkung absorbiert dieser Spezial-Hering die Zugkraft – und der Erdnagel reißt nicht so schnell aus. Für Gras und steinige Böden gleichermaßen geeignet. Der Federhering ist für 80 Cent erhältlich.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
pro 04/2017
Heft 04 / 2017 15. März 2017 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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