Campingstühle im Test

Die besten Faltstühle für kompakte Wohnmobile

Campingstühle sind essentiel für jeden Wohnmobil-Urlaub. Neben Klappstühlen mit Hochlehner haben wir auch etwas kompaktere Faltstühle getestet. Hier die besten Faltstühle.

Faltstühle im Test

Obwohl kleiner, ist das Testfeld bei den Faltstühlen deutlich inhomogener als bei den Klappstühlen. Das liegt an den verschiedenen Macharten. Jeweils vier der insgesamt acht Testkandidaten verfügen über feste Armlehnen. Bei den übrigen vier sind sie flexibel.

Ähnlich wie bei den Klappgilt auch für die Faltstühle: Je großzügiger die Sitzmaße, desto üppiger das Packmaß. Letzteres ist nicht einfach zu bestimmen, da sich die Stühle jedes Mal etwas anders zusammenfalten.

Dennoch fallen drei Stühle auf. Die kompaktesten Maße haben die weitgehend baugleichen Easy Camp (Arm Chair) und Outwell (Woodland Hills Black). Der Coleman Sling Chair verwandelt sich dagegen in ein extrem schlankes, dafür aber sehr langes Päckchen.

Groß die Unterschiede auch beim Thema Gewicht: Mit 5,3 Kilo wiegt der Brunner Raptor mehr als doppelt so viel wie der Outwell, der mit 2,4 Kilo mit Abstand am leichtesten ist.

Dagegen rückt das Testfeld in der Disziplin Stabilität enger zusammen. Einen kapitalen Ausreißer gibt es allerdings: Beim Bel Sol Tension Seat geben die hinteren horizontalen Querstreben bereits bei einem Gewicht knapp unter seiner Belastungsgrenze nach und knicken ein. Er wird dadurch zwar nicht gänzlich unbrauchbar, jedoch muss man danach genau achtgeben, wie man ihn belastet.

Von den übrigen Faltstühlen ist der Euro Trail Corsica hervorzuheben. Sicherungshaken rechts und links verleihen ihm einerseits besondere Stabilität. Andererseits sind sie ein Grund für die Note ausreichend bei der Handhabung. So fummelig wie der Corsica ließ sich sonst kein Faltstuhl aufstellen.

Neben dem Gewicht stehen in der Transportwertung vor allem die Packtaschen im Fokus. Herausragend die von Bel Sol. Sie ist aus demselben Material wie der Bezug des Tension Seat. Mithalten können da am ehesten Coleman, Fritz Berger und Outwell. Bei Brunners Tasche dehnte sich früh die Naht. Richtig spannend wurde es beim Sitzkomfort. Bei der reinen Durchschnittsbewertung der Tester liegen Brunner Raptor und Euro Trail Corsica gleichauf.

Beide wurden zudem viermal auf Rang eins gehoben. Erst die höhere Anzahl zweiter Plätze – drei zu zwei – machte den Brunner Raptor zum Komfortsieger. Damit avancierte er auch zu einem heißen Testsieg-Kandidaten. In der Gesamtschau der Ergebnisse muss er sich letztlich aber doch dem Fritz Berger Merida geschlagen geben.

Grund ist nicht nur das (zu) hohe Gewicht des Brunner Raptor. Der Merida ist belastbarer und außerdem der gelungenere Kompromiss zwischen einem Relaxstuhl auf der einen und auf der anderen Seite einem Stuhl, mit dem man bequem am Tisch sitzen kann. Auch in diesem Punkt waren sich die Tester einig.

Der Stoff zum Sitzen

Textilene, Syntex, Multifiber. Fast jeder Stuhlhersteller nennt seinen Bezugsstoff anders. Dahinter verbirgt sich jedoch meist eine kunststoffummantelte Polyesterfaser. Unterschiedlich ist mitunter die Webart: Ein engmaschiges Gewebe führt zu einer strafferen Sitzfläche.

Vorteil des Materials: Es ist widerstandsfähig, UV-beständig und wetterfest. Stühle, die nur damit bezogen sind, wie im Test zum Beispiel Bel Sol, Crespo oder Dukdalf, trocknen nach einem Schauer schnell wieder. Bei ganz oder teilweise gepolsterten Stühlen lautet die Empfehlung, sie nicht unbedingt einem Regenguss auszusetzen. Oder man entfernt, falls möglich, die Polsterungen, was mit den Kopfkissen bei Brunner, Euro Trail und Outwell funktioniert.

Besondere Beachtung verdient der Bezug von Lafuma. Er ist dreischichtig. Oberste Schicht ist eine Art Polyester-Gewirke - Mesh genannt. Es folgt eine Polsterung und unten eine Schicht aus Polyesterfaser. Vorteil: Wasser und Luft strömen fast eins zu eins hindurch.

Faltstühle sollte man generell vor Regen schützen; der Stoff ist oft nicht wasserabweisend ummantelt. Bei einigen ist der Bezug zudem gepolstert.

Nachgefragt beim Profi…

... bei Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) zum Thema Campingstühle und richtig Sitzen.

Woran erkennt man einen guten Campingstuhl?

Detjen: Ein guter Campingstuhl passt zum Nutzer. Er hat eine ergonomische Grundform und eine hohe Rückenlehne. Er passt von der Bemaßung (Sitzhöhe und -tiefe), verfügt über eine Nacken- und Lordosenstütze und ermöglicht komfortables Sitzen und Liegen. Letzteres erfordert eine Beinhochlagerung oder einen Hocker.

Sind Komfort und Ergonomie ein Widerspruch?

Detjen: Nein. Vielmehr ist komfortables Sitzen in der Regel nur dann möglich, wenn ergonomische Grundregeln beachtet werden. Dazu gehört etwa, dass für eine optimale Sitztiefe zwischen Sitzfläche und Kniekehle zwei bis drei Fingerbreit Platz ist. Oder, dass der Winkel zwischen Unter- und Oberschenkel im Sitzen 90 Grad betragen sollte. Aber auch eine leicht nach hinten geneigte Sitzfläche, eine lange Rückenlehne und gute Verstellmöglichkeiten bis zur Liegeposition machen die Ergonomie eines Campingstuhls aus.

Wie sitzt man richtig in einem Campingstuhl?

Detjen: Gesundes Sitzen ist bewegtes Sitzen. Das heißt mal zurückgelehnt, mal aufrecht, mal liegend. Belastungswechsel und Dynamik sind wichtig. Generelle Tipps findet man auch im Internet unter www.agr-ev.de

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