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Ratgeber

Zehn Jahre Flair

Er schuf eine neue Reisemobilklasse, setzte den Doppelboden durch. Jetzt feiert der Flair Jubiläum.

Der Flair trat zur Saison 1994 an, eine Lücke zu schließen. Die hatte sich aufgetan zwischen Reisemobilen der Mittelklasse und Supermobilen vom Schlage Clou Trend und Clou Liner, mit denen Niesmann + Bischoff in immer höhere Preisregionen abdriftete. Solvente Reisemobilkäufer mit Anspruch an Technik und Design aber sollten nicht die Tür gewiesen bekommen, nur weil sie sich keine Mobilie im Wert eines Hauses kaufen wollten oder konnten. Also besann man sich auf einen Technologietransfer, auf geringere Gewichte sowie billigere Basisfahrzeuge: Der Flair debütierte auf Fiat Ducato mit Alko-Tiefrahmen. Die Ur-Version gab es lediglich mit vier Aufbau- und Grundrissvarianten; die Möbel lieferte der italienische Branchenprimus Tecnoform zu, heute stammen sie aus Slowenien.

Sitzgruppe vorn, ein Funktionstrakt aus Kleiderschrank, Küche, Bad und einer separaten Duschkabine in der Mitte, hinten entweder eine Sitzgruppe, ein Einzel- oder ein Doppelbett über einer Heckgarage – was heute gängig ist, bedeutete damals eine Sensation. Besucher des Caravan-Salons 1993 erlebten den Flair als Aufschneider: Ein vollständiges, der Länge nach aufgeklapptes Reisemobil demonstrierte die Vorzüge. Bordtechnik und viel Stauraum tief unten im Doppelboden, die Heckgarage als Fahrradparkplatz – das bot kaum ein anderes Reisemobil. Vom Clou stammten die Wände aus einem Vollaluminium-Sandwich ab, ebenso die Warmwasserheizung. Der keck angespitzte Alkoven trennte den Flair optisch von anderen Reisemobilen. Doch so gut das Raumgefühl im Innern auch war, so sehr schieden sich am Äußeren die Geister.

Inzwischen ist die an einen Schiffsbug erinnernde, scharf geschnittene Alkovennase Geschichte, wie überhaupt die Alkovenmobile, gemessen an der Stückzahl, nur noch eine geringe Rolle spielen. Die reisemobile Welt hat sich in den zehn Flair-Jahren weitergedreht: 1994 gesellte sich zum Alkovenmobil der Flair i als Integrierter hinzu. Bereits ein Jahr später bekam der Flair mit dem Flair Life erneut Nachwuchs, der Vorläufer des heutigen Arto war ohne vollwertigen Doppelboden unterhalb des Flair angesiedelt. Seinen nächsten Entwicklungsschub erhielt der Flair im Jahr 2000: Premiere hatten erst die runde, knubbelige Alkovennase, später ein neues Gesicht, das die Integrierten weitgehend unverändert bis heute ziert. Alternativ zum Fiat Ducato gesellte sich als Basis erst der Iveco Daily, später der Mercedes Sprinter hinzu. Ohnehin ist der Flair vielseitig: Aus den vier Anfangsmodellen sind 18 Varianten geworden. Ein Ende der Entwicklung ist indes nicht in Sicht: Zum Jubiläumsjahr spendierte Niesmann + Bischoff neue, elegante Möbel.

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