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Wohnmobile privat vermieten

Mit dem Mobil 8.000 Euro pro Jahr verdienen?

Immer mehr Internet-Portale locken mit privatem Camper-Sharing Foto: Campanda, Goboony, Paul Camper, Shareacamper 14 Bilder

Immer mehr Internet-Portale locken mit privatem Camper-Sharing: Das eigene Mobil zu vermieten verkürzt Standzeiten und verringert Unterhaltskosten. Doch gibt es einen Haken an der Sache?

19.02.2017 Sophia Pfisterer

„Das eigene Wohnmobil und die Ehefrau – diese beiden würde ich niemals vermieten“, sagt Chris Möller, Gründer von Campanda, und muss lachen. „Das ist ein Argument vieler Kritiker.“ Er gründete 2013 erfolgreich eine Camper-Vermiet-Plattform im Internet, auf der gewerbliche und private Vermieter ihre Fahrzeuge anbieten können. Und damit ist er nicht alleine: Mittlerweile gibt es für Privatvermietungen zahlreiche Portale in Deutschland.

Um die Marktführerschaft buhlen derzeit neben Campanda auch Paul Camper und Shareacamper. Da es hierzulande den potenziell größten Markt für Vermietungen gibt, tauchten 2016 in Deutschland auch Anbieter aus dem Ausland auf. Zur internationalen Konkurrenz gehören Yescapa aus Frankreich und Goboony aus Holland.

Das Paul-Camper-Team ist seit der Gründung 2013 stark gewachsen. Foto: Campanda, Goboony, Paul Camper, Shareacamper
Das Paul-Camper-Team ist seit der Gründung 2013 stark gewachsen. In dem Berliner Start-up arbeiten Menschen, die selbst gerne campen.

Alle fünf Vermietportalen haben gemeinsam, dass sie Internet-basierte Start-ups sind und Investoren gefunden haben. Dass dahinter ein vielversprechendes Geschäft lauert, beweisen die hohen Summen, die ihre Investoren in die jungen Unternehmen stecken: Den größten Topf hat Campanda mit 5 Millionen Euro.

Private Wohnmobilvermietung: Vorteile für Mieter und Vermieter

Die Frage des Gewinns stellt sich beim Sharing auf jeden Fall. Alle Portale nennen unterschiedliche Summen, die ihre Vermieter durchschnittlich verdienen: Paul Camper gibt einen Durchschnittsverdienst von 6375 Euro an, Shareacamper verspricht Umsätze bis zu 15.000 und Campanda sogar bis zu 36.000 Euro.

Der Gewinn ist natürlich individuell davon abhängig, wie häufig man vermietet und wann man selbst mit dem Wohnmobil in den Urlaub fährt. So ist die Nachfrage in der Hauptsaison viel größer als in der Nebensaison. Laut Vermietportal-Betreiber liegt die durchschnittliche Vermietdauer zwischen 50 Tagen (Yescapa) und 100 Tagen (Shareacamper). Bei unseren Nachfragen bei Vermietern selbst (siehe Beispiele unten), hat sich keiner über zu wenig Nachfrage beklagt. Im Gegenteil: Innerhalb kürzester Zeit sind die Wohnmobile vermietet.

Ein weiterer Clou: Die Vermieter bei allen Portalen selbst den Preis für die Vermietung festlegen und so die Nachfrage steuern. Und dennoch sind die Preise für die privaten günstiger als bei den Profis. Vermieterin Heike Moers verlangt für ihren Teilintegrierten für vier Personen 99 Euro pro Tag, bei der ADAC-Vermietung zahlt man für ein ähnliches Mobil bis zu 160 Euro.

Was verdient man beim Vermieten?

Für Vermieter springt mit der richtig gewählten Versicherung (siehe unten) fast immer etwas dabei heraus. Eine Beispielrechnung: Chris Möller von Campanda selbst vermietet einen 15 Jahre alten Alkoven von Niesmann + Bischoff: „Im vergangenen Jahr habe ich innerhalb von 120 Vermiettagen 12.000 Euro umgesetzt. 3.800 Euro gingen für Versicherung, Service und Reparaturen drauf, also habe ich 8.200 Euro verdient.“

Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Vermiettätigkeit beim Finanzamt anzugeben. Allerdings muss nur der Gewinn versteuert werden. Einkommensteuer wird nicht fällig, solange die Vermieteinnahmen nur die laufenden Kosten decken wie Versicherung und Reparaturen. Ab einem jährlichen Reingewinn über 256 Euro sollten Vermieter sich aber den Rat eines Steuerberaters holen.

Oldtimer wie diesen Mercedes-Campingbus kann man bei Goboony mieten. Foto: Campanda, Goboony, Paul Camper, Shareacamper
Oldtimer wie diesen Mercedes-Campingbus kann man bei Goboony mieten.

Weniger Kosten – effizienter Nutzen von Ressourcen

Die Idee des Sharing gründet aber nicht nur auf Gewinn: Einerseits sollen Ressourcen effizienter genutzt werden, andererseits sollen Menschen sich Dinge leisten können, die jenseits ihres Budgets liegen, indem man sie sich teilt. In der sogenannten Share Economy tritt der Besitz in den Hintergrund, wichtiger ist der erschwingliche Zugang zu Waren und Dienstleistungen. Mark de Voos, der Gründer von Goboony, drückt es so aus: „Es ist doch der Wahnsinn, mit wie großem wirtschaftlichen und technischen Aufwand Wohnmobile gebaut werden. Und dann stehen sie die meiste Zeit nur herum. Außerdem wird Camping immer beliebter. Wo kommen wir denn hin, wenn sich jeder Einzelne ein Campingfahrzeug für ein paar Wochen Urlaub kauft.“

Vertrauen ist wichtig

Der Vorteil an Internetportalen sind die Bewertungen, die Mieter und Vermieter sich gegenseitig geben und die öffentlich sichtbar sind. So entsteht eine Art soziale Kontrolle im Netzwerk. Außerdem müssen Vermieter nicht jede Mietanfrage annehmen. Hat der Vermieter nach der ersten Kontaktaufnahme keinen guten Eindruck vom potenziellen Mieter, kann er die Vermietung absagen.

Wer noch mehr Sicherheit benötigt, kann beispielsweise bei Paul Camper eine Rechtsschutzversicherung für Vermieter abschließen. Die meisten Schadensfälle sind allerdings durch die bestehenden Versicherungen geklärt.

Die wichtigste Frage für potenzielle Vermieter ist: Welches Portal passt am besten zu den eigenen Bedürfnissen?

Verschiedene Vermietportale

  • Campanda hat laut eigenen Angaben die größte Privatvermietflotte in Deutschland. Insgesamt 45 Personen arbeiten an den Standorten Berlin, Bordeaux und Boston. Es gibt 17 Servicestationen in Deutschland, die technische Checks der Fahrzeuge und auch Übergaben für die Vermieter übernehmen können. Gründer Chris Möller: „Das ist perfekt für alle, die keine unangenehmen Gespräche führen wollen, wenn es darum geht, eine Kaution einzubehalten.“ Wer mag, kann das Wohnmobil das ganze Jahr über bei den Stationen für zwei Euro pro Tag unterstellen und das Fahrzeug nur für den eigenen Urlaub abholen.
  • Auch bei Share A Camper soll es ab dem Frühjahr 2017 ein Netzwerk mit Servicepartnern geben. Händler und professionelle Vermieter übernehmen für die Privatvermieter Service-Checks und wickeln die Vermietung ab. Bislang setzte das Kölner Portal bei der Fahrzeugübergabe auf Absprachen zwischen Mieter und Vermieter mit vorgedruckten Übergabeprotokollen. Laut Gründer Jan Bartel legt sein Portal viel Wert auf guten Service: „Wir sind für Mieter und Vermieter Sorgentelefon und Reisebüro in einem.“ Letzteres nehmen häufig deutsche Mieter in Anspruch, die via Shareacamper in Neuseeland buchen, das Land in dem Shareacamper bislang den größten Kundenstamm an Vermietern aufweist.
  • Bei Paul Camper übergeben und erklären die Besitzer ihre Fahrzeuge normalerweise persönlich. Das Portal ist ganz auf Privatleute spezialisiert und legt vor allem Wert auf seine Gemeinschaft, die Community. Aus den ursprünglich drei Leuten im Wohnzimmer wurde ein Büro in Berlin mit über 20 Personen. „Unser Support kann sich in viele Situationen hineinversetzen, denn wir sind alle selbst Camper“, sagt Gründer Dirk Fehse. Außerdem bieten sie regelmäßig Vermietertreffen an. Ihr Credo: „Die Vermietung soll dich nicht stressen. Daher geht es bei uns auch nicht um die letzten 50 Cent Gewinn.“ Hier sind Vermieter gut aufgehoben, die gerne ihre Leidenschaft teilen.
  • Und was ist der Vorteil der internationalen Portale? Mit Yescapa und Goboony können Vermieter den Mieterkreis um potenzielle Kunden aus den Niederlanden, Frankreich und Spanien erweitern.

Fazit: Lohnt sich das Geschäft?

Die private Vermietung eignet sich, um die Haltungskosten zu decken und eventuell die Reisekasse etwas aufzubessern. Somit bieten die Portale tatsächlich eine gute Chance, um sich Hobby und Wohnmobil zu finanzieren, denn die Nachfrage nach Mietmobilen ist hoch.

Wer sich in der Gastgeberrolle wohlfühlt und das Fahrzeug als Gebrauchsgegenstand sieht, kann dank der Zusatzversicherungen das Vermieterdasein einfach ausprobieren. Allen, denen ihr Wohnmobil heilig ist und die Schweißausbrüche bekommen, wenn andere Fahrer am Steuer sitzen, raten wir aber vom Vermieten ab.

Erfahrungsberichte von Privatvermietern

Mirco Dinkel: Sehr gute Erfahrungen hat der 44-jährige Versicherungsmakler mit der Vermietung seines VW T5 Multivan via Paul Camper gemacht. „Wir haben unseren Knut 2015 knapp vor der Saison eingestellt, und in Kürze rasselten die ersten Anfragen ein. Seitdem ist der Bus fast immer ausgebucht.“ Das Mieterspektrum reiche dabei vom Neuling bis zum Wiederholungstäter. Worauf er bei den Vermietungen Wert legt, ist, dass nicht allzu viele Kilometer bei den Touren gefahren werden. „Ich mache meistens mit den Mietern aus, dass sie maximal 200–250 km pro Tag fahren dürfen.“ Ob schon einmal etwas schiefgelaufen ist? „Ja, ein Nudelsieb und ein Glas gingen mal kaputt. Und als der Camper in Schottland unterwegs war, haben Schafe Kratzer ins Fahrzeug gemacht. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Aber dank Lackstift war der Schaden schnell behoben.“

Seit April 2014 sind die 61-jährige Finanzbuchhalterin und ihr Mann bei Paul Camper angemeldet. Foto: Campanda, Goboony, Paul Camper, Shareacamper
Seit April 2014 sind die 61-jährige Finanzbuchhalterin Heike Moers und ihr Mann bei Paul Camper angemeldet.

Heike Moers: Seit April 2014 sind die 61-jährige Finanzbuchhalterin und ihr Mann bei Paul Camper angemeldet. Ihr Carado T 348 ist seitdem sehr gut ausgebucht: „Dieses Jahr hatten wir aber 'nur' 110 Vermiettage, weil wir selbst viel unterwegs waren.“ Beispielsweise auf den regelmäßigen Vermietertreffen von Paul Camper. Dort haben sie „das tolle Team“ kennengelernt. Außerdem tauschen sich dort die Vermieter untereinander aus, und es entstanden bereits Freundschaften. Bei den Mietern haben sie bislang Glück gehabt: „Bei den insgesamt 36 Vermietungen waren nur vier dabei, wo ich sagen würde, die bekommen das Fahrzeug nicht mehr. Ich bin nicht pingelig, was kleine Beulen oder einen Steinschlag angeht, aber im Stehen pinkeln und dann nicht sauber machen, das geht nicht.“ Ihr Trost: Trotz teurer Selbstfahrervermietversicherung von 1.900 Euro im Jahr bleibe immer ein sehr guter Gewinn übrig.

Jörg Stange: Der Elektroinstallateur-Meister hat lange mit der Idee gespielt, eine Wohnmobilvermietung neben seinem Job aufzubauen. Doch schnell wurde ihm klar: „Wenn man keine Fahrzeugflotte besitzt, macht es wirtschaftlich keinen Sinn, ohne ein Sharing-Portal zu vermieten.“ 2016 stellte er seinen frisch gekauften Laika Ecovip 309 bei Share A Camper ein und ist mittlerweile einer der erfolgreichsten Kunden des Portals mit über 160 Vermiettagen. Wie unkompliziert die Schadensabwicklung läuft, erfuhr er, als er von einer Mieterin einen Anruf aus Kroatien erhielt: „Sie hatte einen Spiegel abgefahren, aber dank Shareacamper hatte ich nichts mit der Reparatur zu tun.“ Sehr zufrieden ist er mit dem Rundumservice: „Gründer Jan kam ganz am Anfang persönlich bei mir vorbei, um sich mein Fahrzeug anzuschauen.“ Derzeit überlegt er, ob er noch ein zweites Mobil kaufen und vermieten will.

Das sollten Sie über Vermiet-Versicherungen wissen

Eine Möglichkeit für die Fahrzeuge privater Vermieter ist die Selbstfahrer-Vermietversicherung. Ihr Nachteil: Die jährliche Versicherungssumme kann bis zu 2.500 Euro kosten. Außerdem müssen die Mobile dann jährlich zur Hauptuntersuchung. Daher lohnt sie sich erst, wenn die Anzahl an Vermiettagen pro Jahr etwa 100 übersteigt.

Seit Frühjahr 2016 bieten einige der großen Vermietportale eine taggenaue Zusatzversicherung an, ähnlich wie bei den geläufigen Portalen für privates Car-Sharing. Der Versicherungsbeitrag dafür wird bei der Mietbuchung von Portal meist direkt vom Mieter einkassiert. Der Besitzer behält seine normale Versicherung, die auch im Schadensfall während der Vermietung nicht steigt. Nachteil: Wird der Mietzeitraum überschritten, ist das Fahrzeug nicht versichert. Je nach Portal beinhalten die umfangreichen Versicherungspakete mit Vollkaskoversicherung auch weitere Sicherheiten wie Schutzbrief, Veruntreuungs-, Reise- und Gepäckversicherungen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 02/2017
Heft 02 / 2017 11. Januar 2017 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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