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Interview mit dem Herstellerverband CIVD

Herstellerverband CIVD im Interview CIVD sorgt sich um Camping-Infrastruktur

Caravan Salon 2021

Der Herstellerverband Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) will sich aktuell für die Schaffung von mehr Stellplätzen in Deutschland einsetzen. promobil fragte nach, wie das Engagement konkret aussieht.

Die seit Jahren steigenden Verkaufszahlen von Reisemobilen stellen die Camping-Infrastruktur in Deutschland vor neue Herausforderungen. Wachsen die Kapazitäten von Reisemobilstellplätzen nicht entsprechend, drohen mancherorts Engpässe. Dem will der Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) entgegenwirken.

Unter anderem veranstaltete der CIVD den 1. Deutschen Stellplatztag am 30. August 2021 auf dem Caravan Salon Düsseldorf. Dazu hat der CIVD sein Team mit Thomas Nitsch erweitert. Er hat seit 1. Juli als Referent für Technik und Infrastruktur neben anderem auch die Stellplatzberatung für private und kommunale Betreiber übernommen. Von ihm und Jost Krüger, dem Referatsleiter Technik und Umwelt beim CIVD, wollte promobil wissen, was der Verband kurz- und mittelfristig plant und wie dramatisch er die Situation wirklich einschätzt.

Der Reisemobilbestand ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, die Stellplatz-Infrastruktur allerdings hält mit diesem Wachstum bei Weitem nicht Schritt. Was plant der CIVD in Bezug auf Stellplätze?

Der CIVD begleitet schon seit Langem die Entwicklung dieser Urlaubsform. Gemeinsam mit anderen Organisationen hat der CIVD neben seiner technischen Expertise auch aktiv an Problemlösungsstrategien im Reisemobiltourismus mitgearbeitet. Aufgrund der anhaltenden Nachfrage an Freizeitfahrzeugen hat sich der Fokus noch mehr auf die Übernachtungsstätten geschärft. Der CIVD wird sich hier stärker als bisher um die touristische Infrastruktur kümmern.

Wie viele neue Stellflächen oder Stellplätze müssten entstehen, damit das Angebot aus Sicht des CIVD ausreichend wäre? Wo ist der Mangel nach Ansicht des CIVD besonders groß?

Diese Frage sollte man keinesfalls pauschal beantworten. Die wichtigste Frage ist meist, in welcher Region liegt denn der Platz? Wenn ich da an eine A-Destination wie etwa die Mosel oder das Weserbergland denke, kann man schon feststellen, dass trotz der vielen Stellplätze dort der Auslastungsgrad enorm hoch ist, und zwar nicht nur in der Hauptsaison. Wenn dann zu Urlaubszeiten oder an den Wochenenden auch noch Familien hinzukommen, reicht das Angebot oft nicht mehr aus. Etwas anders kann sich das in B-Destinationen verhalten, wo zumindest in Nachsaisonzeiten oder unter der Woche die Kapazitätsproblematik nicht so stark ist. Insofern ist es sehr schwierig, den Bedarf generell zu quantifizieren. Unabhängig davon lässt ein Blick auf die Stellplatzlandschaft Deutschland erkennen, dass es durchaus noch Bereiche gibt, in denen Stellplätze wünschenswert sind.

Wer waren denn die Ideengeber und/oder Initiatoren des 1. Deutschen Stellplatztages? Und an wen genau richtet er sich?

Nachdem der Fachausschuss Camping des Deutschen Tourismus Verbands 2018 aus strategischen Überlegungen eingestellt wurde, blieb für die Beteiligten der Wunsch nach einem Nachfolgeformat. Das war letztlich der Startschuss für den CIVD, unter seiner Schirmherrschaft den Arbeitskreis Reisemobiltourismus zu etablieren. Gemeinsam mit dem ADAC, dem Deutschen Tourismus Verband, dem Deutschen Caravaning Handels-Verband, Stellplatzführer TopPlatz, Thommsen Consult und Wangerland Touristik hat sich eine Gruppe gebildet, die sich zu reisemobiltouristischen Themen austauscht und Lobbyarbeit leistet. Und in diesem Umfeld wurde schließlich die Idee zum Deutschen Stellplatztag (DST) geboren. Der DST richtet sich an Kommunalpolitiker, Touristiker und Investoren, um sich den Herausforderungen und Entwicklungen im Bereich Tourismus zu stellen. In Vorträgen und Gruppenbefragungen werden wirtschaftliche und soziale Aspekte von Branchenexperten im Einzelnen erörtert, um für die Teilnehmer Entwicklungen zu benennen, Innovationen zu fördern und damit den Markt zielgerichtet zu entwickeln.

Warum kommt man verbandsintern erst jetzt auf die Idee, sich mehr um Stellplätze zu kümmern? Was war der Auslöser dafür?

Wie schon erwähnt ist es für den CIVD nicht neu, sich für die Angebotsperspektive an Übernachtungsstätten aktiv einzubringen. 2019 hat der Arbeitskreis Reisemobiltourismus auf dem Caravan Salon das Fachforum "Reisemobiltourismus – quo vadis" organisiert. Im letzten Jahr dann den sehr gut besuchten Musterstellplatz im Freigelände, auf dem eine Vielzahl neuer Stellplatzprojekte angestoßen wurde. Letztlich aber verpflichtet Erfolg auch. Die positiven Wachstumszahlen im Absatz von Reisemobilen haben uns angespornt, unsere Bemühungen für mehr Reisemobilstellplätze noch aktiver anzugehen und sichtbarer zu machen, schließlich haben auch Fachmagazine wie promobil diesen Wunsch deutlich gemacht. Ein glücklicher Umstand führte dann auch dazu, dass wir mit Thomas Nitsch als neuem Referenten für Technik und Infrastruktur einen ausgewiesenen Experten für das CIVD-Team gewinnen konnten.

Sieht der CIVD im Stellplatz-Engpass ein Risiko für den Fahrzeugabsatz?

Grundsätzlich sehen wir derzeit noch kein drastisches Dilemma, auch wenn die Stellplatzsituation in begehrten Reisezielen zu bestimmten Wochentagen und Perioden akut erscheint. Wichtig ist für uns, den tatsächlichen Bedarf kontinuierlich zu überprüfen und das Platzangebot dort, wo die Nachfrage besonders hoch ist, weiterzuentwickeln, aber auch Regionen zu begeistern, die ihr eigenes touristisches Potenzial bisher noch nicht einschätzen konnten. Wenn wir im engen Schulterschluss mit anderen Institutionen hier gute Arbeit leisten, wird der erfreuliche Fahrzeugabsatz auch weiterhin auf ein interessantes Übernachtungsangebot stoßen.

Bauen die Hersteller jetzt eigene Stellplätze?

Das ist eine Frage der Definition, wenn Sie so wollen. Dethleffs hat zum Beispiel vor drei Jahren mit Landsichten eine bundesweite Aktion gestartet, um Landwirte bei der Errichtung von Stellplätzen zu unterstützen. Und freilich ist es nichts Neues, dass Hymer etwa in Bad Waldsee oder Hobby in Rendsburg den Stellplatzbau unterstützt haben. Trend oder Marketingaktion? Wir werden sehen.

Wie und mit welchen Mitteln will die Caravaning-Industrie die Stellplatz-Infrastruktur verbessern?

Unsererseits werden wir jetzt noch stärker als vorher durch Stellplatzberatung und Fachveranstaltungen dafür sorgen, gezielt neue Investoren und Betreiber für Stellplätze zu begeistern, damit auch zukünftige Käufer von Reisemobilen ein ausreichendes Angebot zum Übernachten finden.

Hat der CIVD vor, bei der Verbesserung der Infrastruktur für Reisemobile auch mit Campingplätzen bzw. Campingplatzverbänden zusammenzuarbeiten?

Im Arbeitskreis Reisemobiltourismus des CIVD agieren mit Wangerland-Touristik und Thommsen Consult Vertreter einer touristischen Destination, die gleichermaßen die Camping- und Reisemobilstellplatz-Brille aufhaben und in beiden Welten in der Praxis tätig sind. Das war uns wichtig und wird es auch weiterhin bleiben. Und freilich stehen wir nach wie vor in engem Kontakt mit Campingplatzverbänden oder einzelnen Campingplatzbetreibern.

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