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Pössl vs. Van-Tourer vs. Westfalia im Test

Sechs-Meter-Campingbusse mit Einzelbetten

Vergleichstest Foto: Promobil 32 Bilder

Sitzgruppe, Küche, Bad und Einzelbetten. Und das alles auf lediglich sechs Meter Außenlänge. Kann das funktionieren? Der Vergleich von Pössl, Van-Tourer und Westfalia zeigt den Komfort-Kompromiss.

25.12.2016 Dominic Vierneisel

Den Alleskönner, wer wünschte sich den nicht. Also einen Campingbus, der mit sechs Meter Länge noch alltagstauglich ist, ohne dass man auf Reisen auf Komfort verzichten müsste. An diesem Spagat versuchen sich aktuell verschiedene Hersteller, darunter auch Pössl – nicht zuletzt deshalb Marktführer in der Ducato-Klasse, weil die Marke neben Modellklassikern fast jede Nische besetzt. Auch den neuen Trend der Einzelbetten-Busse auf sechs Meter Länge hat Pössl mit dem Roadstar 600 L mit angestoßen. In diesem Vergleich trifft die Marke auf zwei relevante Wettbewerber: Van-Tourer und Westfalia.

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promobil Campingbus Extra 2016 Wie viel Komfort passt auf 6 Meter?
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Pössl Roadstar 600 L

Beim Roadstar 600 L mixt Pössl Einrichtungsmodule aus bewährten Modellen und feilt an der einen oder anderen Stelle die nötigen Zentimeter weg. Die Sparmaßnahmen sind insgesamt so ausgewogen verteilt, dass der kompakte Reisebus keineswegs beengt wirkt.

Platz gewinnt der 600 L unter anderem im Bad durch ein klappbares Waschbecken. Um den Sanitärbereich zu nutzen, zieht man die beiden Rollotüren im mittleren Gang um sich herum und genießt dann eine üppige Bewegungsfreiheit. Systembedingt ist der Durchgang von vorn nach hinten dann blockiert, was im Urlaub aber selten zum Problem wird. Weniger schön ist die instabile und klapprige Rolloduschabtrennung. Clever dagegen: Der ausziehbare Brauseschlauch kann ebenso als Außendusche dienen.

Obwohl auch die Sitzgruppe der kurzen Fahrzeuglänge Tribut zollen muss, ist sie die großzügigste in diesem Vergleich. Unter dem erdbebensicheren Tisch herrschen 15 Zentimeter mehr Beinfreiheit. Hört sich nicht viel an, ist auf Reisen aber deutlich spürbar.

Den Einstieg in die Längsbetten erleichtert Pössl durch zwei Stufen in der Mitte. 1,89 Meter Liegelänge rechts und 1,77 Meter links machen klar, dass der 600 L kein Fall für Hünenhafte ist. Mit der Breite kommt man hingegen zurecht. Die Wände sind mit unempfindlichen, aber haptisch wenig schmeichelhaften Kunststoffteilen verkleidet.

Auf zwei Ebenen verteilt sich die Küche im Pössl. Dass die Spüle etwas höher liegt, ist bei der Benutzung von Vorteil. Stauraum ist rund um den 64-Liter-Kompressor-Kühlschrank nicht im Übermaß vorhanden, denn im Küchenblock muss auch der schmale Kleiderschrank Platz finden.

Einen zweiten gibt es unter dem Bett. Dazu kommen sechs Hängeschränke, die mit Trennwänden jedoch besser nutzbar wären. Macht insgesamt ausreichend Stauraum für Kleidung. Campingmöbel passen in den Bettkasten, der sich zudem – allerdings ziemlich umständlich – nach oben erweitern lässt, wenn man Lattenrost und Matratze auf den linken Möbelkasten stapelt. Zurrösen helfen bei der Ladungssicherung. Bei dem mit 125 Kilo Extras bestückten Testwagen ergeben 560 Kilo Zuladung ausreichend Reserven für das Reisegepäck.

Sieben Ausstellfenster lassen reichlich Licht in den Innenraum des Roadstar. Die klassenüblichen vorgehängten Scheiben haben aber keine Druckknopfverriegelung. Einen echten und exklusiven Mehrwert bekommen Pössl-Käufer durch die praktische Zuziehhilfe der Schiebetür. Die abnehmbaren und deshalb etwas zerbrechlich wirkenden LED-Spots sorgen an der Sitzgruppe und im Heck für eine punktuelle Beleuchtung. Klassisch wird mit Gas geheizt, die Combi-Heizung nimmt es leicht mit dem kompakten Innenraum auf. 100 Liter Frischwasser sind guter Durchschnitt. Der Abwassertank ist optional beheizt.

Pössl Foto: Promobil

Van-Tourer 600 L Activ

Besonders günstig ist der Van-Tourer als Activ auf Peugeot-Boxer-Basis. Obwohl es im Innenraum an nichts fehlt, wirkt der 600 L sogar vergleichsweise luftig geschnitten.

Ein Grund ist auch hier das platzsparend arrangierte Bad. Die festen, halbrunden Plexiglastrenntüren machen einen hochwertigen Eindruck und bieten – über den Gang geschlossen – am meisten Platz für die ausgiebige Körperpflege. WC und das stabile Waschbecken sind komfortabel nutzbar, und die ausführliche LED-Beleuchtung zeigt sich schick und praktisch zugleich.

Zudem ist die Bewegungsfreiheit vor dem Küchenblock, der wie beim Pössl zweistufig ausgeführt ist, sehr üppig. Bei der Anzahl der Kocherflammen liegt der Van-Tourer exakt, beim Stauraum knapp auf Augenhöhe. Zum tief eingebauten Kühlschrank muss man sich hinunterbücken. Ein praktisches Klappbrett schafft zusätzliche Abstellfläche.

Wer mehr braucht, bestellt zusätzlich den Tisch mit einer schwenkbaren Platte, die auch den Beifahrersitz besser einbindet. An der Sitzgruppe selbst geht es beengt zu – ein Zugeständnis an die kurze Außenlänge. Sitzt man sich gegenüber, müssen Knie und Beine gut aufeinander abgestimmt einsortiert werden.

Dafür bietet der Van-Tourer 600 L als Einziger zumindest ein fast zwei Meter langes Bett. Nur knappe 1,77 Meter misst das linke. Die Gestaltung mit den v-förmig ausgeschnittenen Matratzen, die auf der ganzen Breite Lattenrost-unterfedert sind, der bequemen Trittstufe davor sowie den angenehm mit Stoff kaschierten Wänden gefällt.

Ein schmaler Kleiderschrank findet sich zwischen Bett und Küche. Die Kleidung verteilt sich auf immerhin neun Hängeschränke. Der klassenüblich große Stauraum unter dem Bett ist wie beim Pössl durch Möbelblöcke links und rechts in der Breite eingeschränkt. Zur Vergrößerung klappen die Betten nach links und rechts zur Seite. Klasse: So kann ein Bett noch genutzt werden, während daneben – vorschriftsmäßig fixiert – ein Fahrrad parkt. Und die Zuladung? 580 Kilo beim 3,5-t-Testwagen. Das sollte reichen.

Aufgeräumt und gut erreichbar ist die Elektrikzentrale samt Sicherungskasten in der Sitzbank. Direkt daneben steckt beim Van-Tourer die Dieselheizung, deren Abwärme so bestens ausgenutzt wird. Wer stattdessen die Gasheizung bestellt, sollte bedenken, dass der Gasvorrat nur elf Kilo beträgt. Durch eine Außenklappe kann man die Flasche übrigens leicht tauschen. Ebenso gut sind die 110 Liter Frischwasser, mehr bietet im Vergleich keiner. Auch beim Van-Tourer sind vorgehängte Fenster montiert, deren Riegel jedoch durch einen Sperrknopf gesichert sind.

Van-Tourer/Westfalia/Pössl Foto: Promobil

Westfalia Amundsen 600 E

Wohl zum letzten Mal sehen wir den Westfalia Amundsen in dieser Form. Der Ducato-Ausbau steht kurz vor einer Überarbeitung im Innenbereich. Mit dem lichthellen, etwas kühlen Weiß des Möbeldekors hat es indes nichts zu tun, dass der Amundsen 600 E im Vergleich zur Konkurrenz etwas beengter wirkt. Das liegt am Bad, das als abgeschlossener Raum samt integrierter Dusche, WC und Waschbecken gestaltet ist. Dies verengt nicht nur den Gang, sondern führt auch dazu, dass auf 72 mal 82 Zentimetern Grundfläche die Bewegungsfreiheit fühlbar eingeschränkt ist.

Dahingegen glänzt die Küche mit einer durchgängigen Arbeitsplatte samt Abstellfläche und hochwertigen Details wie den Schubladen mit Soft-Einzügen. Clever ist der zum Eingang hin platzierte Kühlschrank, den man praktischerweise auch von außen erreicht. Von der Sitzgruppe ist ein kühles Bier ebenso nur eine Armlänge entfernt.

Rund um die vier Sitzplätze hat Westfalia so viel Platz eingespart, dass die Bequemlichkeit darunter durchaus bemerkbar leidet. Der Tisch ist obendrein klein und wackelig, und sein Standfuß rutscht leicht über die Kante des Sitzgruppenpodests.

Bequem gelöst ist beim Amundsen der breite Einstieg in die Längsbetten über eine breite Trittstufe. Auch der Schlafkomfort verdient dank hochwertiger Matratzen und punktelastischer Tellerfedern großes Lob. Aber die Maße: 1,88 Meter Länge rechts und 1,71 Meter links reichen sicher nicht für jeden aus.

Auch beim Amundsen 600 E sitzt ein schmaler Kleiderschrank zwischen Bett und Küche. Zusätzlich bietet sich Urlaubern eine zweite Kleiderstange über dem Bett als offene Garderobe an. Sechs Hängeschränke stehen zur Verfügung. Im Heck schluckt der Westfalia am meisten Gepäck in diesem Vergleich: Partiell kann die ganze Innenbreite genutzt werden, wenn man die hinteren Bettelemente über die vorderen schiebt. Die Zuladung beträgt beim Testwagen mit gut 80 Kilo Extras 640 Kilo. Das ist stattlich und stellt Westfalia außerdem auch in Sachen Leichtbau ein gutes Zeugnis aus.

Zumal das einhergeht mit einer sehr guten Verarbeitung und Materialqualität, die erklärt, warum der Amundsen einige tausend Euro teurer ist als seine Wettbewerber. Wer nach weiteren Gründen dafür sucht, findet sie in der ansprechenden Beleuchtung mit integrierten LED-Leuchtstreifen und -Spots in den Dachstaukästen, die im Elektropaket 1158 Euro extra kosten. Geheizt wird wie beim Van-Tourer mit Diesel. Der Kompressorkühlschrank holt seine Energie aus der Batterie; so werden die meisten Nutzer mit der 2,8-kg-Gasflasche für den Kocher auskommen.

Für den etwas kleineren Frischwassertank mit 90 Litern mag das ebenfalls gelten. Ungeschickt ist jedoch der unter der Fahrzeugmitte platzierte Abwassertankablauf, der die Entsorgung zum Rangiergeduldsspiel werden lässt. Lob verdient hingegen das breite Außenfach, durch das sich die WC-Kassette relativ bequem entnehmen lässt und das zusätzlich Stauraum für eine Kabeltrommel bietet.

Testfazit der drei Einzelbetten-Busse von Van-Tourer, Westfalia und Pössl

Van-Tourer 600 L Activ

Der Newcomer schafft beim 600 L einen gelungenen Kompromiss. Er holt bei den Betten das meiste aus dem kurzen Kastenwagen heraus, und auch das Badkonzept mit der im Gang platzierten Dusche setzt der Van-Tourer besser um als der Pössl. Zudem machen die einzeln hochklappbaren Liegeflächen den Heckstauraum sehr flexibel nutzbar. Die serienmäßige Dieselheizung spart eine Gasflasche. Mit der kleinen Sitzgruppe muss man allerdings zurechtkommen können.

Plus: In der Ausstattungsvariante Activ günstiger Preis. Großes rechtes Bett. Sehr aufgeräumt und sauber installierte Bordelektrik. Große Tanks. Guter Gaskastenzugang.
Minus: Beengte Platzverhältnisse an der Sitzgruppe. Kleiner Kleiderschrank. Vergleichsweise teurer 130-PS-Motor. Kleine Küche mit tief eingebautem Kühlschrank.

Westfalia Amundsen 600 E

Die Traditionsmarke Westfalia wirft bei der Ausbau- und Verarbeitungsqualität ihre ganze Erfahrung in den Ring. Auch die anspruchsvolle Beleuchtung kann sich sehen lassen. Allerdings wirkt der Amundsen 600 E insgesamt beengter als die Konkurrenz, was besonders am Sanitärraum mit integrierter Dusche liegt. Größenmäßig überzeugen auch die Betten und die Sitzgruppe nicht. Interessant und praktisch ist der eigene Ansatz zur Nutzung des Heckstauraums.

Plus: Sehr gute Verarbeitung. Tolle Beleuchtung. Bequemer Betteinstieg. Praktische Küche. Heckstauraum über die ganze Innenbreite nutzbar. Nützliches Außenstaufach.
Minus: Kleine Sitzgruppe mit wenig Beinfreiheit. Wackeliger kleinflächiger Tisch. Sehr kurze Betten. Bewegungsfreiheit im Bad eingeschränkt. Gehobener Anschaffungspreis.

Pössl Roadstar 600 L

Der Marktführer punktet einmal mehr auch über den Preis. Besonders die Citroën-Modelle sind verbraucherfreundlich günstig. Ein weiteres Plus: Pössl gesteht Campern an der Sitzgruppe mehr Raum zu als die Konkurrenten. Platz spart wie beim Van-Tourer das clevere Raumbad. Trotzdem sind auch hier die Betten nicht besonders lang. Eine sehr praktische Dreingabe ist die Zuziehhilfe der Schiebetür, die nicht zuletzt die Nerven der Stellplatznachbarn schont.

Plus: Günstigster Preis, auch ausstattungsbereinigt. Fliegenschutztür serienmäßig. Schiebetür-Zuziehhilfe exklusiv bei Pössl. Sitzgruppe und Bad verhältnismäßig groß.
Minus: Betten mit kurzen Liegeflächen. Klapprige Rolloduschabtrennung. Wenig Stauraum und Arbeitsfläche in der Küche. Einfache Beleuchtung. Kleiner Kleiderschrank.

Die Modelle im Überblick

Van-Tourer 600 L Activ
Gurt-/Schlafplätze: 4/2
Gesamtgewicht: 3300 kg
Länge: 5,99 m
Preis ab:
 36.990 Euro

Westfalia Amundsen 600 E
Gurt-/Schlafplätze: 4/2
Gesamtgewicht: 3300 kg
Länge: 5,99 m
Preis ab: 43.990 Euro

Pössl Roadstar 600 L
Gurt-/Schlafplätze: 4/2
Gesamtgewicht: 3300 kg
Länge: 5,99 m
Preis ab: 39.599 Euro

Fazit

Love it or
leave it – Es gibt Gründe, warum ein Bus nur sechs Meter lang sein sollte. Vielleicht erlaubt die Parkplatzsituation zu Hause nichts Größeres. Oder man will bei Fährüberfahrten partout sparen. Für solche Bedürfnisse sind die getesteten Sechs-Meter-Kastenwagen mit Einzelbetten ein passender Kompromiss, besonders wenn die Eigner auch mit kleineren Betten und Sitzgruppen zurechtkommen. Die hier und dort weggefeilten Zentimeter spürt man vor allem auf längeren Reisen. Sollte der Komfortbedarf doch größer sein, haben alle drei Hersteller aber auch die rund 40 Zentimeter längeren Einzelbetten-Busse im Programm. Und beim Fahren ist der Unterschied zwischen 5,99 oder 6,36 Meter Außenlänge marginal.

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