Große Integrierte im Vergleichstest Knaus Sun i 900 LEG

Wer den Knaus Sun I betritt, vermutet ihn nach dem optischen Eindruck nicht günstiger als seine teureren Konkurrenten von Carthago oder Niesmann+Bischoff.

Die Schokoladenseite zeigt der Knaus Sun I von hinten. Aus einem GfK-Formteil ist das Heck gefertigt. Die Wände sind mit XPS-Schaum hochwertig gedämmt, tragen auf der Innenseite aber nur foliertes Sperrholz, sind also etwas einfacher als E-Line und Arto mit Aluminium-Beplankung. Im Gegensatz zu den planen Rahmenfenstern sind die Seitenscheiben im Bug nicht doppelt verglast. Gegen geringen Aufpreis gibt es für die Frontscheibe ein elektrisches Plisseerollo.

Der Bug im Knaus Sun i ist wie beim Carthago leicht geneigt, die Scheibe reckt sich aber viel höher, so dass beim Fahren fast ein wenig Liner-Feeling aufkommt. Das abfallende Armaturenbrett schafft einen guten Blick auf die Straße. Die Weitwinkelfelder der Rückspiegel sind jedoch klein.

In dem 21 Zentimeter hoher Doppelboden ist die Bordtechnik untergebracht, Stauraum ist dort – vor allem unter der Sitzgruppe – ebenfalls vorhanden. Von innen zugänglich ist ein zentrales Bodenfach, dessen integrierte Kunststoff-Box sich für 1490 Euro sogar auf eine beladefreundliche Höhe anheben lässt. Die extrem wuchtige Metallkonstruktion drumherum kostet zwar viel Platz, doch Rückenpatienten dürften sich freuen. Die Außenklappen sind bequem mit einer Hand bedienbar. Ebenso die Türen der bestens zugänglichen, sehr gut beleuchteten und praktisch mit vielen Zusatzfächern eingerichteten Heckgarage.

Mit dem Wort weitläufig ist der Grundriss des Knaus Sun I 900 LEG treffend beschrieben. Im Bug gruppiert sich eine opulente Sitzgruppe mit abgesteppten, dicken Lederpolstern (Option). Der Einsäulentisch lässt sich zur großen Tafel erweitern. Von den gedrehten Fahrersitzen aus liegt der große Fernseher, der im Tresen zwischen Rückbank und Küche untergebracht elektrisch in die Höhe fährt, gut im Blick.

Das Hubbett gefällt mit einem leichtgängigen Mechanismus, ist aber etwas weniger breit als im Carthago. Gegen das perfekt durchgestylte Schlafzimmer im Heck lockt es jedoch vergeblich. Große Stufen sorgen für bequemen Einstieg, die Kopffreiheit ist ebenso großzügig wie Ablage- und Beleuchtungsmöglichkeiten. Der Liegekomfort der großen, Lattenrost-unterfederten Matratzen passt ebenfalls.

Nützlich sind die Wäscheschubladen unter dem Fußende des linken Betts. Der große Stauschrank gegenüber besitzt unpraktischerweise keine Unterteilung. Besser macht das der raumhohe Kleiderschrank, in den man hemmungslos einladen kann. Was auch deshalb gut ist, weil es darüber hinaus nur sechs Hängeschränke gibt.

Das Badezimmer nimmt über drei Quadratmeter in Anspruch. Die Bewegungsfreiheit ist geradezu traumhaft, was auch an der vorteilhaften Platzierung des Waschbeckens im Gang liegt. Vom Wohnraum lässt sich das Bad durch eine Schwenktür abtrennen, vom Schlafzimmer allerdings nicht. Davon abgesehen ist sich der Sanitärtrakt prima nutzbar, vom separaten WC mit der Banktoilette bis hin zur sehr gut zugänglichen und großen Dusche mit Echtglastüren und Massageduschkopf. Allerdings ragt der Radkasten ein kleines Stück in den Fußraum. Gegen die ästhetische Anmutung fällt die haptische etwas ab. Vor allem das Waschbeckenmaterial wirkt schlicht, die Wandarmatur ein wenig fragil.

Die Küche glänzt mit vielen praktischen Vorzügen. Das Edelstahl-Spülbecken ist sehr groß, der schicke Kocher lässt sich elektrisch zünden und gut reinigen. Reine Arbeitsfläche ist knapp, Ablagefächer gibt es en masse. Fünf Schubladen und zwei Hängeschränke nehmen Kochutensilien und Vorräte auf, ein Drahtkorbauszug Flaschen und eine beleuchtete Vitrine Gläser. Gekühlte Kost kommt in dem serienmäßigen 190-Liter-Absorber unter.

Wer den Knaus Sun I betritt, vermutet ihn nach dem optischen Eindruck nicht günstiger als E-Line oder Arto. Das Design ist effektvoll, und auch der Möbelbau selbst ist gut und solide gemacht. In Szene setzt alles eine geradezu verschwenderische, überwiegend dimmbare Beleuchtung. Die unpraktischen und billig wirkenden Folientaster wollen dazu allerdings nicht passen.

Standesgemäß hat der Knaus Sun I serienmäßig eine Warmwasserheizung und ist auf die Winternutzung gut eingestellt. Die Wassertanks sind kleiner als beim Wettbewerb, die Stromreserven größer. In Sachen Elektrik geht Knaus neue Wege. So lässt sich das CI-Bus-basierte Bordsystem auch über W-LAN per Tablet oder Smartphone steuern. Beim Testwagen war das System allerdings noch nicht einsatzfähig. Einwandfrei funktionierten die beiden optionalen Dachklimaanlagen. Das mag dekadent klingen, war angesichts der Sommerhitze jedoch sehr angenehm.

Knaus Sun i 900 LEG im Überblick

  • Gurte: 4
  • Schlafplätze: 4
  • Gesamtgewicht: 5000 kg
  • Länge: 8,82 m
  • Preis: ab 96.800 Euro

Technische Daten

Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Alko-Tiefrahmen mit Tandemachse, Frontantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, ab 96 kW/130 PS, Radstand 4480 + 800 mm

Leergewicht/Gesamtgewicht: 3950 kg/5000 kg

Länge/Breite/Höhe: 8820/2340/2900 mm

Bettenmaße: Heck: 1980/2000 x 750–1000 mm, Bug: 1930 x 1500 mm

Ausbau: Küche mit 3-Flammkocher, 190-L-Absorberkühlschrank, Bad mit separatem Dusch- und Toilettenraum, Kleiderschrank, 6 Hängeschränke,  Heckgarage 1170–1460 x 1220–1300 x 2170 mm, Stehhöhe 1990 mm

Aufbau: Alu-Sandwich-Bauweise, Dach und Boden GfK, Isoliermaterial XPS-Schaum, 6 Kunststoff-Isolierfenster mit Rahmen, 5 Dachhauben

Bordtechnik: Gas-Warmwasserheizung, Frischwasser-/Abwassertank 180/170 Liter, Bordbatterie 3 x 95 Ah (Serie 2 x 95 AH), Gasflaschen 2 x 11 kg

Übersicht: Knaus vs. Carthago vs. Niesmann+Bischoff
Das könnte Sie auch interessieren
Carthago C-Tourer I 148 LE (2021)
Einzeltest
Hymer B-MC 580 I (2021)
Einzeltest
Laika Ecovip H 3109
Einzeltest
Chausson Exaltis 6040 (2021)
Neuheiten