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Hymer-Car und Knaus im Vergleichstest

Knaus Box-Star Road 540 gegen Hymer-Car Ayers Rock

Hymer vs. Knaus Foto: Ingolf Pompe 27 Bilder

Hymer und Knaus preisen ihre 5,41 Meter kurzen Kastenwagen in den Katalogen als wahre Alleskönner an. Wir hatten den Hymer Ayers Rock und den Knaus Box-Star Road 540 im Vergleichstest und zeigen, was sie können.

Es gibt Situationen – zum Beispiel im Sport –, da kann die Differenz von einem Zehntel als ganz enge Kiste gelten. Zieht man vom sechs Meter langen Standardmaß für Campingbusse ein Zehntel ab, entspricht das zwar immerhin 60 Zentimetern. Übrig bleibt jedoch? Richtig, eine ganz enge Kiste. Könnte man meinen. Spaß beiseite, immerhin gibt es gute Gründe, sich für ein 5,41 Meter kurzes Exemplar zu entscheiden. Sie sind günstiger, im Verkehr handlicher und wendiger und können zudem in Pkw-Buchten parken. Das Raumangebot reicht dennoch für einen vollwertigen Grundriss mit festem Zwei-Personen-Bett, geschlossenem Sanitärraum mit Dusche und einer durchgehenden Stehhöhe. Gute Voraussetzungen also, um den Campingbus nicht nur zum Urlaubmachen, sondern auch im Alltag als Erst- oder Zweitwagen zu nutzen.

Wohnen

Aus der Kastenwagen-Schmiede von Knaus wirbt der Box-Star 540 Road mit besagten Allround-Eigenschaften. Hymer schickt seit 2015 Konkurrent Ayers Rock in die Nische. Beide Hersteller verpassen dem Ducato mit mittellangem Radstand einen Querbett-Grundriss mit abgeschlossener Nasszelle, die Busse sind sich daher konzeptbedingt sehr nah. Ungleichheiten gibt es nur wenige. Die vorhandenen können aber den Unterschied machen.

Hymer-Car Ayers Rock Foto: Ingolf Pompe
Hymer-Car Ayers Rock: Einmaliges Ausklappen verdoppelt die Tischfläche. Der Beifahrerplatz ist allerdings nicht gut angebunden.

Trotz der geschrumpften Außenlänge bringen beide Fahrzeuge hinter den Vordersitzen eine Rückbank mit zwei Drei-Punkt-Gurten und einen links angeschlagenen Klapptisch unter. In der Sitzgruppe finden daher bis zu vier Personen Platz. Theoretisch. Denn sowohl im Hymer als auch im Knaus ist unter den jeweils recht schmalen Tischflächen nur wenig Platz für die Beine Erwachsener. Hier zeigt sich der Knaus etwas funktionaler. Sein Tisch erweitert sich zumindest in dem Maße, dass auch der Beifahrerplatz gut eingebunden wird. Zudem rückt der gangseitige Einzelsitz der Rückbank bei Bedarf nach außen, was mehr Bewegungsfreiheit schafft und vor allem im Fahrbetrieb für mehr Komfort sorgt.

Schlafplätze für bis zu vier Personen bietet dagegen nur der Hymer – sofern Käufer das optionale Aufstelldach für 3.490 Euro Aufpreis dazuordern. Lohnen wird sich diese Investition vor allem für Großgewachsene. Paaren, die nächtlichem Kuscheln mehr Bewegungsfreiheit vorziehen, bietet es darüber hinaus eine prima Ausweichmöglichkeit – einer schläft unten, der andere oben. Das Bett unter dem aus GfK gefertigten und mit weichem Stoff innenverkleideten Aufstelldach ist im Vergleich zum Heckbett deutlich länger, aber nicht breiter. Den besseren Federungskomfort bietet dennoch das untere Bett aus einer vierteiligen Kaltschaummatratze auf Tellerfedern.

Knaus Box-Star Road 540 Foto: Ingolf Pompe
Knaus Box-Star Road 540: Hinten längere und breitere Liegefläche als im Hymer. Allerdings mit Lattenrost anstelle von Tellerfedern.

Für den Box-Star wird werksseitig kein Aufstelldach angeboten. Die Anzahl der Schlafplätze ist daher auf zwei limitiert. Das Notbett an der mit einem Zusatzpolster umgebauten Sitzgruppe taugt nur für Menschen mit sehr geringen Ansprüchen an den Schlafkomfort. Knaus ist es jedoch gelungen, in den kurzen Box-Star ein im Vergleich spürbar größeres Heckbett einzubauen. Und trotz der einfacheren Unterfederung mit einem Lattenrost macht sich kein Komfortverlust bemerkbar. Da bei der Bewertung nicht die Anzahl, sondern auch die Größe der Betten die tragende Rolle spielt, liegt der 540 Road in diesem Punkt hauchdünn vor dem Ayers Rock.

Auch in der Küche holt der Knaus mit den besseren Verstaumöglichkeiten in den Hängeschränken und den zusätzlichen Ablagen einen kleinen Punkte-Vorsprung heraus. Außerdem gibt es auf dem rechtsseitig angebundenen Kleiderschrank auch noch mehr Arbeitsfläche als in der Hymer-Küche. Die fällt insgesamt zwar schmaler aus, dafür ist der Einstieg über die Schiebetür etwas breiter. Zudem ist die Ausstattung in Details wie der vorhandenen Piezo-Zündung hochwertiger. Als praktisch erweist sich darüber hinaus die Position des Kühlschranks an der Stirnseite des Küchenblocks. Hier ist er nicht nur von außen, sondern auch innen bequemer zu erreichen.

Roadcar R 600 vs. Knaus Box Star
Welcher bietet mehr?

Die deutlichsten Unterschiede bei der Grundriss-Gestaltung sind an den Bädern zu erkennen. Knaus schafft mit dem in den Mittelgang hineinragenden Raumbad eine recht große Duschkabine, allerdings fehlen hier Verstaumöglichkeiten in Form von Schränken und Ablagen. Spürbar enger geht es – trotz der platzsparenden Rolloschiebetür – im Hymer-Bad zu, woran auch das hochklappbare Waschbecken kaum etwas ändert. Die Ausstattung mit einem Spiegelschrank, den offenen Ablagen und der breiten Trocknungsstange für Handtücher ist dagegen praktischer. Letztere dient natürlich auch dazu, Kleiderbügel aufzuhängen, um den Sanitärraum kurzerhand zum Kleiderschrank umzufunktionieren – eine nützliche Stauraumergänzung. Beim Möbelbau verwenden beide Hersteller stabile Beschläge und setzen an Klappen und Schubladen Einzugsdämpfer ein. Insgesamt kann man beiden solide, ordentlich verarbeitete Möbel attestieren.

Beladen

Hymer-Car Ayers Rock Foto: Ingolf Pompe
Das Hymer-Aufstelldach kann stets in Wagenfarbe geordert werden.

Trotz der kurzen Karosserie sind die Heckstauräume sowohl im Hymer als auch im Knaus nur geringfügig kleiner als in den nächstgrößeren Sechs-Meter-Modellen. Für Sperriges klappt man die Bettauflage nach oben. Das gelingt im Ayers Rock besser, denn der mittlere Matratzenteil ist faltbar, und für den Bettrost gibt es eine praktische Arretierung an der Wand zum Bad. Es fehlt allerdings eine Abtrennung in den Wohnbereich, so dass lose Gegenstände beim Bremsen leicht nach vorne rutschen können.

Knaus dagegen baut hier eine solide Schottwand ein. Zudem hat der Box-Star einen echten, wenn auch schmalen Kleiderschrank. Laut Preisliste sind weitere Auflastungsoptionen nicht im Angebot. Besitzer müssen mit dem 3,3-Tonnen-Chassis vorlieb nehmen, das im Testwagen zwar eine guteGesamtzuladung bietet, speziell an der Vorderachse aber nur wenig Spielraum lässt. Hymer bietet Auflastungen bis 3,85 Tonnen. Selbst ausstattungsbereinigt ist der Ayers Rock aber auch schwerer der Road.

Technik

Vielfach Bewährtes finden Käufer in beiden Modellen vor. Dazu zählen zum Beispiel die Seitz-Isolierfenster mit Aluminiumrahmen und Kassettenrollos, die sowohl Hymer als auch Knaus serienmäßig einbauen. Oder die Gas-Gebläseheizung von Truma, die Hymer unter der Sitztruhe, Knaus dagegen unter dem Bett auf der linken Fahrzeugseite installiert. Wohlige Temperaturen sind mit der jeweils 4000 Watt starken Variante hier wie dort zügig erreicht. Im Hymer gefällt, dass ein Ausströmer direkt am Fußende des Heckbetts platziert wurde. Schlafende in der Oberetage profitieren an kalten Tagen nicht nur von einem Thermovorhang für den Stoffbalg des Aufstelldachs, sondern auch vom Warmluftschlauch, der mit dem Heizungsausströmer im Einstiegsbereich verbunden wird und so etwas warme Luft nach oben leitet. Beides findet allerdings erst gegen Aufpreis den Weg an Bord.

Auf annähernd gleichem Niveau zeigen sich die Kontrahenten bei der Versorgung. Beide bringen den Frischwassertank unter dem Heckbett auf der rechten Fahrzeugseite unter und sammeln Abwasser serienmäßig isoliert unterflur. Der Knaus hat zwar den etwas größeren Frischwasser-, gleichzeitig aber auch den kleineren Abwassertank. Relevanter für viele ist aber, dass er im Gaskasten im Heck zwei 11-kg-Flaschen unterbringt. Das Fach im Hymer schluckt dagegen nur einen 11-kg-Behälter und eine 5-kg-Flasche. Sicherheitsrelevantes wie die Absperrventile positioniert Hymer griffbereit hinter einer Klappe in der Küche, Knaus umständlich zu erreichen im Fach der Truma-Heizung. Wieder identisch ist die serienmäßige Akkukapazität. Beide beziehen Landstrom über einen Anschluss hinter der Fahrertür. Akku und Ladegerät packt Hymer unter die Vordersitze, Knaus pflanzt sie in das Fach im Podest unter der Sitzgruppe. Anzahl und Platzierung der Steckdosen sind in beiden Fahrzeugen praxisgerecht. Einen Stromanschluss im Bad gibt es allerdings nur im Ayers Rock.

Knaus Box-Star Road 540 Foto: Ingolf Pompe
Knaus Box-Star Road 540: Lediglich aufgesetzte LED-Leisten unter den Hängeschränken.

Bei der Beleuchtung geht Hymer einen aufwendigeren Weg und integriert die dimmbaren LED-Lichtleisten in die Möblierung. Das wirkt im Vergleich zu den aufgesetzten Lichtleisten im Box-Stareleganter und hochwertiger. Die zusätzlichen Einzelspots im Knaus, die an Sitzgruppe und Bett in einer Leiste variabel einsetzbar sind, taugen aber besser als Leselampen. Auch eine praktische Lampe im Einstiegsbereich der Schiebetür gibt es nur im Box-Star. Die schlichtere Integration der Lampen gleicht der Knaus durch die etwas hellere Gesamtausleuchtung wieder aus. Auch tagsüber ist es dank der zwei serienmäßigen Dachfensternheller.

Aufgrund der geringen Fahrzeuggröße bündeln beide Hersteller die Schalter für die Lichtsteuerung – Hymer an der Stirnseite der Küche, Knaus oberhalb des Kleiderschranks zwischen Schlafbereich und Küche. Die Lampen sind damit entweder von der Sitzgruppe oder vom Bett aus bequemer zu erreichen. Spots und LED-Leisten haben jeweils aber auch noch einen eigenen Schalter.

Kontrollbord und Bedienelement der Truma-Heizung sind im Ayers Rock hochwertiger. Zwar informieren in beiden Bussen lediglich Leuchtdioden über den Status von Tanks und Akku, mit dem Truma-Bedienteil mit Display kann die Temperatur aber exakter eingestellt werden.

Preis & Service

Mit einem Grundpreis von 47.000 Euro rangiert der Ayers Rock im Feld der 5,41-Meter-Busse am oberen Ende der Preisskala. Günstigere Modelle gibt es bei Adria, Bürstner, Karmann, Van Tourer und eben Knaus. Bei genauerer Betrachtung der Preisliste relativiert sich der Abstand speziell zum Box-Starallerdings etwas. Im Hymer ist beinahe Obligatorisches wie das ESP, die Klimaanlage sowie die Faltverdunkelung im Fahrerhaus und eine elektrische Einstiegsstufe serienmäßig an Bord. Knaus berechnet für das Aufgezählte jeweils Aufschlag, bietet es aber auch in sinnvoll gebündelten Paketen an.

Knaus Box-Star Road 540 Foto: Ingolf Pompe
Knaus Box-Star Road 540: Rahmenfenster rundum sind bei beiden Modellen serienmäßig.

Viel Sonderausstattung steht für beide Modelle zur Auswahl. Einige Optionen sind für den Knaus allerdings etwas teuerer. Einen Extra-Aufschlag gibt es unter anderem für die stärkeren Motor-Varianten (plus 70 Euro), die zweite Bordbatterie (plus 68 Euro) oder die Markise (plus 42 Euro) – viel ist das zwar nicht, kann bei entsprechendem Umfang aber mehrere hundert Euro ausmachen.

Dennoch bleibt der Road 540 im Vergleich der günstigere Campingbus. Dass der Testwagen-Preis für den Hymer aber gleich mehrere tausend Euro höher ausfällt, liegt im Groben an der 150-PS-Motorisierung und am Aufstelldach, das Knaus für den Road 540 werksseitig nicht anbietet.

Hymer-Car Ayers Rock
Grund-/ Testwagenpreis: 47.190/56.775 Euro
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 5,41 Meter
Schlafplätze: 4

Knaus Box-Star Road 540
Grund-/ Testwagenpreis: 43.960/48.820 Euro
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 5,41 Meter
Schlafplätze: 3

Fahren

Das Plus an Leistung macht sich subjektiv und auch in Zahlen bemerkbar. 20 PS mehr bescheren dem Ayers Rock beim Standard-Sprint einen Zeitvorsprung von einer guten Sekunde. Identisch ist auch die Differenz bei der Elastizitätsmessung von 60 bis 100 km/h im fünften Gang. Dabei hat der Hymer immerhin rund 200 kg mehr zu schleppen. Mit knapp unter 10 Litern Diesel blieb im Testverlauf zudem sein Verbrauch auf einem Niveau mit dem Knaus.

Hymer-Car Ayers Rock Foto: Ingolf Pompe
Hymer-Car Ayers Rock: Das Hymer-Aufstelldach kann stets in Wagenfarbe geordert werden.

Beim Fahren können beide wie erwartet mit handlichen Fahreigenschaften überzeugen. Positiv bemerkbar macht sich der im Vergleich zu Sechs-Meter-Modellen um knapp 60 Zentimeter kürzere Radstand vor allem beim Abbiegen, Einparken oder Rangieren. Beinahe uneingeschränkt bleibt der spursichere Geradeauslauf bei höheren Geschwindigkeiten. Hier bleibt der Ayers Rock allerdings spürbar komfortabler, was nicht am Fahrwerk, sondern an der zurückhaltenderen Geräuschentwicklung liegt. Im Knaus dringen die Motorgeräusche vor allem ab Tempo 100 spürbar lauter in das Fahrerhaus. Hinzu kommen nervige Windgeräusche vom Dachfenster über der Sitzgruppe.

Fazit

Urteil: Enge Kiste. So kompakt sie sind, so eng liegen die beiden Konkurrenten im Test beieinander. Spürbar handlicher als größere Ducato-Modelle, bieten sie im Gegensatz zu Campingbussen auf Basis von VW T6 und Co. auf Reisen dennoch den Komfort eines vollwertigen Kastenwagenausbaus mit durchgehender Stehhöhe. Der Hymer wirkt edler, hat bei Bedarf größere Zuladungsreserven und ist ab Werk besser ausgestattet. Der Knaus bietet das größere Heckbett, ist funktionaler und dabei günstiger. Eventuell kaufentscheidend: Nur für den Hymer gibt es ein Aufstelldach mit Bett, für den Knaus dafür ein Raumbad mit deutlich größerer Duschkabine.

Technische Daten
HymerCar HymerCar Knaus BoxStar
Grundpreis 47.190,00 € 43.960,00 €
Aufbau Kastenwagen Kastenwagen
MaßeL x B x H 541 x 205 x 258 mm
Leistung 110 kW / 150 PS bei 3600/min 96 kW / 130 PS bei 3600/min
Leergewicht 2.920 kg 2.720 kg
Zul. Gesamtgewicht 3.500 kg 3.300 kg
Sitze mit Dreipunktgurt / Zweipunktgurt 2 / – 2 / –
Schlafplätze 2 bis 3
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