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Carthago C-Tourer und Hymer B-Klasse im Test

Kopf-an-Kopf-Rennen der Integrierten

Vergleichstest  Carthago C- Tourer I 141 LE, Hymer B-Klasse MC I 581 Foto: Jacek Bilski 26 Bilder

Das ewige Duell zwischen Carthago und Hymer ist 2019 auch eines zwischen Fiat und Mercedes. Wir vergleichen die Integrierten C-Tourer und B-Klasse Modern Comfort miteinander.

Wenn zwei Integrierte von Hymer und Carthago aufeinandertreffen, ist Spannung garantiert. Beide Hersteller gelten als Spezialisten für die Aufbauform, liefern sich in der oberen Mittelklasse ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen um die Gunst solventer Reisemobilkäufer.

Vergleichstest  Carthago C- Tourer I 141 LE, Hymer B-Klasse MC I 581 Foto: Jacek Bilski
Gerundete Aufbaukanten verleihen sowohl dem Carthago C-Tourer als auch der Hymer B-Klasse Modern Comfort ein modernes Erscheinungsbild.

In der neuen Saison gewinnt das Duell zusätzlich an Würze. Denn inzwischen haben Kunden die Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Basisfahrzeugen. Während Carthago beim facegelifteten C-Tourer dem Fiat Ducato treu bleibt, setzt Hymer die komplett neu entwickelte B-Klasse Modern Comfort auf den neuen Mercedes Sprinter.

Als erster Reisemobilhersteller überhaupt nutzt Hymer dabei die Frontantriebs-Plattform und adaptiert viele der für die Basis verfügbaren Fahrhilfen; sie werden teils serienmäßig (Seitenwindassistent), teils optional (z. B. aktiver Abstandstempomat 890 Euro) angeboten. Der C-Tourer muss dagegen mit einem konventionellen Tempomaten auskommen und ansonsten auf derlei Adjutanten verzichten. Immerhin: ESP und Airbags sind bei beiden Integrierten immer an Bord.

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Darüber hinaus lassen sich beide Basisfahrzeuge, je nach Leistungs-, Komfort- und Unterhaltungsbedürfnis, munter aufrüsten. Als Leistungsmaximum stehen beim Hymer B-MC für 1690 Euro 177 PS zur Verfügung (Serie 143 PS). Der Carthago C-Tourer hat mindestens 130 PS und lässt sich in zwei Stufen upgraden: mit 150 PS (1780 Euro) und 177 PS (4390 Euro). Ein Bonbon hat Mercedes für Automatik-Liebhaber in petto: Den Sprinter gibt es auf Wunsch mit einem weich schaltenden Wandlergetriebe mit neun Gängen. Für den Fiat ist dagegen nur die nicht restlos überzeugende Comfortmatic erhältlich, ein Sechsganggetriebe, bei dem Schalt- und Kuppelvorgang automatisiert und teils etwas träge ablaufen.

Für Navigation, Multimedia- und HiFi-Genuss stehen beim Fiat-Carthago mehrere Naviceiver zur Wahl, die sich auch nachrüsten lassen. Dagegen sollte man sich beim Mercedes gleich entscheiden. Die High-End-Lösung ist ein 10,25 Zoll großer Touch-Bildschirm mit allem Klimbim für stolze 3490 Euro. Rückfahrkamera, Lenkradtasten und die topmoderne MBUX-Sprachsteuerung sind aber schon beim kleineren 7’’-Touchscreen für 1990 Euro an Bord. Es sind vor allem diese Ausstattungsdetails, an denen man merkt, dass der Sprinter ein Basisfahrzeug nach aktuellem Stand der Technik ist, während der Ducato langsam, aber sicher in die Jahre kommt.

Das Fahrgefühl des C-Tourers und der B-Klasse

Carthago C-Tourer I 141 LE Foto: Jacek Bilski
Carthago C-Tourer: Fiat-Carthago-Cockpit. Steil abfallendes Armaturenbrett, gute Sicht auf die Straße.

Davon abgesehen überzeugt der Fiat aber nach wie vor durch sein straffes, aber sicheres Fahrverhalten. Beim C-Tourer kommt die Übersichtlichkeit hinzu, zu der die Cockpitgestaltung beiträgt. Das Armaturenbrett neigt sich steil nach unten, was einen guten Blick auf die Straße ermöglicht, zudem verjüngt sich die gesamte Front nach vorn, was das Peilen insbesondere in Kurven erleichtert. Eher wie in einer Kanzel und deshalb etwas entkoppelt sitzt man dagegen in der B-Klasse, dank einer Kabine, die bis zur A-Säule gerade, und einem Armaturenbrett, das waagrecht nach vorn zur Windschutzscheibe verläuft.

Beispielhaft bei beiden Integrierten sind die Motorgeräusche gedämmt. Ohnehin liegt die Aufbauqualität bei Carthago und Hymer auf vergleichbar hohem Niveau. Beide haben sowohl innen wie außen mit Alu beplankte, sehr hochwertig gedämmte Sandwichwände sowie einen GfK-Boden. Das hagelresistente GfK-Dach kostet bei Hymer Aufpreis, ebenso die Fahrertür. Die Frontscheibe verdunkelt man bei der B-Klasse mit einem einfachen Faltvorhang, bei Carthago mit einem auch als Blickschutz nutzbaren Hohlwaben-Faltrollo.

Unterschiedliche Ausstattung

Hymer B-Klasse MC I 580 Foto: Jacek Bilski
Hymer B-Klasse MC: Das Schlafzimmer ist hübsch und stimmungsvoll beleuchtet. Die Betten sind ähnlich groß und komfortabel wie im C-Tourer.

Die größere Grundriss-Vielfalt verbucht der C-Tourer für sich. Hier stehen acht Varianten vier bei der neuen B-Klasse gegenüber. Ein interessanter Neuzugang im Carthago-Programm ist der I 141 LE. Mit 6,65 Meter Außenlänge liegt er gut 30 Zentimeter unter dem ähnlich aufgeteilten Hymer B-MC 580. Beide bieten Reisenden etwa gleich große Einzelbetten mit je knapp zwei Meter Länge.
Optional lässt sich beim Hymer das rechte Bett sogar auf rund 2,20 Meter verlängern; der Kleiderschrank wird dann entsprechend ausgespart. Unterschiede finden sich auch unter den Matratzen. Das Mittelpolster etwa hat beim Carthago einen Lattenrost, beim Hymer ist es nicht unterfedert. Ob das ein relevanter Produktvorteil ist, hängt indes davon ab, ob man die Betten öfter zu einer großen Liegefläche verbindet. Dann erleichtert in beiden Fällen ein fester Tritt – statt einer kippeligen Leiter – den Aufstieg: im Carthago als massive Treppe, im Hymer als Klappstufe.

Den meisten Platz spart Carthago durch ein neu entwickeltes Bad ein, bei dem sich die Tür über den Gang hinweg schließen lässt. Die Dusche entsteht, wenn man das Waschbecken samt Spiegelwand über die Toilette schwenkt und anschließend zwei Plexiglaswände um sich herumzieht. Bei passabler Schulterfreiheit bleibt allerdings eine störende Stufe in der Duschtasse, die beim Hymer nahezu vollständig im Doppelboden und dem kleinen Podest verschwindet – allerdings zu Lasten der etwas reduzierten Stehhöhe. Doch auch Hymer holt im Bad das Maximum aus der kleinen Grundfläche. Sogar für zwei Abstellflächen für Shampoo und Duschgel ist in der Dusche gesorgt, die mit drei Plexiglas-Elementen abgetrennt wird.

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Leichtere und neue Grundrisse

Die Küchen sind hier wie dort nahezu gleich groß. Als Abstellfläche dient im Hymer ein Klappbrett an der Stirnseite, bei Carthago die kleinere seitlich eingehängte Spülenabdeckung. Drei breite Schubladen im Hymer stehen sechs schmaleren im Carthago gegenüber. Der größere bauliche Aufwand hat auch einen praktischen Nutzen, denn so blockiert eine ausgezogene Lade nicht den Bewegungsraum vor dem Küchenblock. Obendrein spendiert Carthago Käufern ein Extra-Fach für die Kaffeemaschine. Wie zum Ausgleich sind Kühlschrank und Besteckeinsatz im Hymer größer.

Überhaupt ist der Möbelbau beim Hymer moderner; so haben auch die Hängeschrankklappen eine Anschlagdämpfung. Das Dekor ist freilich Geschmacksache. Eine dunklere und eine hellere Optik gibt es hier wie da. Effektvoller setzt Hymer sie ins rechte Licht, zumindest wenn man die Ambientebeleuchtung für 495 Euro mitbestellt; dann glimmen auch im Sockelbereich LED-Leuchtstreifen. Auch mit dem größeren 32-Zoll-TV kann der Modern Comfort dienen.

Carthago C-Tourer I 141 LE Foto: Jacek Bilski
Carthago C-Tourer: Klassische Wohnlichkeit und Gediegenheit strahlt der C-Tourer aus. Neu ist außer dem Grundriss das Dekor.

Bei der Sitzgruppe punktet Carthago mit einem kleinen Seitenhocker hinter dem Beifahrer. Der taugt zwar nur provisorisch als Sitzplatz, doch legt man hier gern die Füße hoch, bindet sich Schuhe oder steigt darüber ins Hubbett ein, wofür beim Hymer eine Leiter nötig ist. Das Doppelbett im Bug ist bei beiden Serie, im Carthago 15 Zentimeter breiter, im Hymer optional sogar zu Einzelbetten umbaubar.
Dass der Modern Comfort als Zugeständnis an die schmalere Spur des Sprinter acht Zentimeter weniger breit ist, kaschiert Hymer durch eine geschickte Anordnung der Möbelelemente. Nur nach dem direkten Umstieg merkt man, dass an der hinteren Bank ein paar Zentimeter fehlen.

Carthago C-Tourer I 141 LE Foto: Jacek Bilski
Carthago C-Tourer: Die zwei großen Kleiderschränke sind von vorn und von oben erreichbar, reichen für mehr Hängehöhe bis in den Doppelboden.

Einfacher beim Carthago klappt die Tischverstellung. Die Arretierung für den Schlitten der Tischplatte lässt sich via Fußpedal (statt mittels Handhebel) lösen. Stauraum ist hier wie da ausreichend vorhanden. Dass der Carthago mehr Hängeschränke aufweist, kontert der Hymer mit einem raumhohen Kleiderschrank. Ein dickes Plus bei beiden ist der von innen und außen zugängliche Doppelboden – raffiniert beim Hymer mit integriertem Fahrgestell, bis in den letzten Winkel nutzbar im Carthago. Und die Garage: im einen wie im anderen Fall fahrrad- bis rollertauglich, etwas höher im Hymer, etwas breiter im Carthago.

Preisunterschiede der Reisemobile

Und pekuniär? Tatsächlich liegt der Grundpreis des B-MC I 580 fast 2000 Euro unter dem des C-Tourer I 141 LE. Gegenüber dem gleich langen 143 LE ist der MC sogar über 2500 Euro günstiger. Mit Fahrertür, einem vernünftigen 92-Liter-Dieseltank und einigen anderen, bei Carthago serienmäßigen Extras lässt sich das zwar fast egalisieren und mit vielen weiteren Verlockungen aus der Mercedes-Preisliste sogar spielend leicht toppen, doch bemerkenswert ist es dennoch. Hymer hat große Ziele mit dem B-MC. Der Wettbewerb ist neu eröffnet.

Testwertung

Carthago C-Tourer I 141 LE

Der Neue im Angebot gefällt trotz kompakter Länge durch gute Bewegungsfreiheit. Zu verdanken ist sie dem ausgeklügelten Bad. Funktionale Details machen den Carthago zu einem praktischen Urlaubsbegleiter, an dem sich auch Hymer messen muss. Das milde Facelift hat daran nichts geändert.

 solider Aufbau
 gute Übersichtlichkeit beim Fahren
 komfortable Einzelbetten
 gutes Raumgefühl
 kompakte Außenabmessungen
 Seitenhocker
 große Modellvielfalt
 wenige Fahrerassistenzsysteme
 weniger Ablagen im Cockpit

Hymer B-Klasse MC I 580

Hymer ist mit der neuen B-Klasse ein starker Aufschlag gelungen. Sowohl optisch als auch technisch präsentiert sich der Modern Comfort anspruchsvoll und attraktiv. Das SLC-Chassis mit integriertem Doppelboden ergänzt den Triebkopf des Mercedes Sprinter denkbar gut. Der Aufbau rangiert inzwischen auf Carthago-Niveau.

 modernes Basisfahrzeug
 viele (optionale) Assistenzsysteme
 viele Cockpit-Ablagen
 komfortable Einzelbetten
 solider Aufbau
 aufwendiges Doppelboden-Chassis
 weniger übersichtlich und handlich zu fahren
 Verdunklung via Vorhang

Fazit

Ungleiches Basis-Duell: Der Mercedes Sprinter ist ein schweres Pfund, das Hymer beim neuen Modern Comfort in die Waagschale werfen kann. Das hohe Entwicklungsniveau der Basis überzeugt umso mehr, als es den Integrierten noch nicht einmal viel teurer macht. Dagegen kann der C-Tourer vor allem mit der guten Übersichtlichkeit, durchdachten Details in Auf- und Ausbau sowie dem hohen Wohnkomfort punkten.

Technische Daten
Hymer B-Klasse
Grundpreis 81.990,00 €
Aufbau Teilintegriert
MaßeL x B x H 699 x 229 x 296 mm
Leistung 105 kW / 143 PS
Motor 314 CDI 2,2 l
Sitze mit Gurt 4 bis 4
Schlafplätze 4 bis 4
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