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Ququq BusBox und ARB-Dachzelt im Test

So wird der Toyota Proace Verso zum Campervan

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker 43 Bilder

Der Toyota Proace Verso bietet als Van Platz für bis zu neun Personen. Seit neuestem kann man ihn vom Toyota-Händler mit dem Busbox-System von Ququq und dem Dachzelt von ARB als Campingbus ausstatten lassen. Wir haben's getestet.

08.11.2017 1 Kommentar

Wer weder Platz noch Geld für einen Pkw plus ein Wohnmobil hat, kommt früher oder später auf die Idee, sich einen günstigen Kleinbus zu kaufen, ihn auszubauen oder mit Zubehör als Camper auszurüsten. So geschieht das bereits seit Hippie-Zeiten mit dem VW-Bus. Heute im Jahr 2017 gibt es immer mehr Fans dieser kompakten Campervans.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Vanlife pur im Toyota Proace

Diesen Trend hat auch Toyota erkannt und vertreibt über sein Händlernetzwerk für seinen Van Proace die Ququq-Busbox und das ARB-Dachzelt. Dieses Zubehör soll aus der Großraum-Limousine ein Campingfahrzeug machen. Wir haben beides ausprobiert, um herauszufinden, wie praktikabel die cleveren Camping-Lösungen wirklich sind.

Toyota Proace – woher kommt er, was kann er?

Der Toyota Proace Verso ist eine Großraum Van, der sich mit seinen bis zu 9 Sitzplätzen perfekt für Familien eignet. Die Sitze lassen sich, vergleichbar wie im Pössl Campster, herausnehmen. Kein Wunder: Der Proace ist baugleich mit dem Campster-Basisfahrzeug Citroën Spacetourer. Beide Transporter (plus der Citroën Jumpy) werden im gleichen Werk in Frankreich gefertigt. Sind die Sitze draußen, entsteht hinten eine große Ladefläche, mit der man Sportgeräte transportieren oder einen Umzug meistern kann.

Vergleichstest Pössl Campster3 Kompaktbusse im Wettstreit

Der Familien-Van hat einen Grundpreis von 35.300 Euro. Beim Proace hat man die Wahl zwischen zwei Diesel-Motoren und drei Motor-Stärken: 116, 150 und 177 PS. Mit seinen kompakten Maßen von 4,96 m Länge und 1,92 Breite kommt der Toyota Van gut durch den Stadtverkehr. Mit 1,90 Metern Höhe passt er in jede Tiefgarage, mit dem Dachzelt allerdings nicht.

Wir testen die bestmotorisierte Version des Toyota Proace und sind recht schnell überzeugt von seinen soliden und angenehmen Fahreigenschaften. Obwohl das Dachzelt den Schwerpunkt und Luftwiderstand erhöht, fühlt sich der Van mehr wie ein Pkw als ein Transporter an. Ein Eindruck, den das automotive, wenn auch einfache Cockpit verstärkt.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Einfaches, aber automotiv wirkendes Cockpit

Das Sechsgang-Getriebe schaltet sich gutmütig. Rangieren ist dank Abstands-Warner und Rundum-Kamera selbst für ungeübte Fahrer unkompliziert. Allerdings benötigt die Birdview-Kamera immer etwas Zeit, um den ganzen Raum um das Fahrzeug zu erfassen. Zwar schaltet das Display auf Birdview-Ansicht, sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist. Jedoch muss man erst einige Zentimeter in die jeweilige Richtung rollen, bis etwas auf dem Display erscheint. Während des gesamten Tests konnten wir keine vollständige 360-Grad-Ansicht des Fahrzeugs sehen, die obere Ansicht des Fahrzeugs bleibt stets verpixelt. So kommt uns dieses Feature etwas mehr gut gemeint als gut gemacht vor.

Günstiger Campervan oder nur eine fixe Idee?

Die Ququq-Campingbox kostet 2.790 Euro und das Dachzelt mit Anbau 1.600 Euro. Für optimalen Sonnenschutz sorgt eine Markise von Sunseeker. Die Markise kostet je nach Ausführung 299 bzw. 309 Euro und kann mit Seitenwänden zum vollwertigen Vorzelt hochgerüstet werden. Als Befestigung für Dachzelt und Markise dienen Dach-Basisträger (309 Euro). Mit allem Camping-Zubehör kommt der Toyota Proace auf 41.499 Euro.

Bei unserem Test haben wir uns auf die zwei Schlafgelegenheiten in der Campingbox und dem Dachzelt konzentriert, und die Markise ausgelassen. Unsere Fragestellung: Welche Übernachtungs-Lösung schneidet besser ab und eignet sich für wen?

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Aufgrund der Ququq-Box bleibt recht wenig Platz für Gepäck.

Beim Beladen stellen wir schnell fest, dass der Stauraum mit der Ququq-Box im Heck begrenzt ist. Zwar bietet die Box hinten praktische Staufächer für Küchenutensilien, Wassertanks und Campingstühle. Für das persönliche Gepäck geschweige denn Sportgeräte steht dann aber tatsächlich nur noch der Raum zwischen Sitzbank und Box zur Verfügung. Ein Surfbrett oder ein Fahrrad im Fahrzeug unterbringen? Fehlanzeige. Für einen Wochenend-Kurztrip könnte der Stauraum für vier Personen eventuell reichen, bei längeren Touren wird es je nach Gepäckbedarf selbst bei zwei Personen knapp.

Das verstärkt unsere Test-These: Dachzelt versus Campingbox. Als Urlaubsfahrzeug für längere Reisen ist es vielleicht tatsächlich besser, sich für eine der beiden Möglichkeiten zu entscheiden und nur zu zweit zu verreisen. Nun denn: Auf zum Test!

Die Ququq-Box im Test

Die Ququq Midibox ist eine flexible Lösung, mit der der Kleinbus zum kompakten Reisemobil wird. Die Ququq BusBox wurde speziell für Kleinbusse, Hochdach-Kombis und Transporter entwickelt. Doch sogar Geländewagen wie der Landrover oder die Mercedes G-Klasse werden so im Handumdrehen zum Wohnmobil. Innerhalb weniger Minuten wird so aus fast jedem Fahrzeug ein Reisemobil.

Ququq G-Box für GeländewagenSo wird die Mercedes G-Klasse zum Wohnmobil

In den Campingmöbel-Boxen von Ququq verbergen sich ein ausklappbares Doppelbett, ein Kocher, je zwei Wasserkanister und Schüsseln sowie Stauraum für Campingmöbel wie Faltstühle und einen Rolltisch. Das Camping-Set mit Tisch und zwei Stühlen ist für 99 Euro erhältlich. Die Ququq Midibox eignet sich für die fünf- und neun-sitzigen Varianten des Toyota Proace Verso. Bei letzterer Version empfiehlt es sich die dritte Sitzreihe auszubauen, bevor die Box benutzt wird.

Küche und Bett bilden ein Modul und kommen ganz fix in das Fahrzeug und wieder heraus – verspricht der Hersteller. Im Test wagen wir es nicht allein oder zu zweit, die sehr schwere Box aus dem Fahrzeug zu hieven. Zwar ist die Box selbst nur 60 Kilo schwer, mit Kocher und Matratze kommt sie uns allerdings sehr schwer vor. Hier ist also Teamwork gefragt.

Aufbau: Anders als der Einbau der Box ist der Betten-Aufbau tatsächlich kinderleicht. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Liegefläche über die Sitzbank hinweg schwenken, Füße ausklappen, fertig.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Liegefläche im Fahrzeug

Liegefläche: Das Bett hat Liegefläche von 126/111 x 195 Zentimeter und kann zwei Personen Platz bieten. Sehr große Menschen können sich mit dem Kopfende ans Heck legen, dann baumeln die Füße noch gemütlich in dem Spielraum zwischen Matratzenende und Fahrersitz. Ist das Kopfende an den Sitzen, baumeln im Sommer die Füße heraus und man genießt gleichzeitig den Blick aus der vielleicht geöffneten Heckklappe. Die zehn Zentimeter starke Kaltschaum-Matratze erweist sich als sehr gemütlich.

Campinggefühl: Das Feeling ist Bulli-Typisch und rustikal-bedarfsgerecht. Zum großen Campingglück fehlen ein Außenstrom-Anschluss bzw. eine eigene Bordbatterie für eine Kühlbox oder ähnliches und eine Verdunklung in Form von Gardinen, sodass nicht jeder reinschauen kann.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Im Toyota ist (fast) nichts unmöglich: Kochen mit Ququq-Box

Zusätzlicher Nutzen: Die Box eignet sich nicht nur zum Schlafen, sondern auch als Küche. Ohne Umbau ist die Küchenzeile am Heck jederzeit zugänglich und einsatzbereit. Sie beinhaltet einen gasbetriebenen Zweiflamm-Kocher plus Windschutz, 20 Liter Frischwasser, Spülbecken, Abstell- und Arbeitsfläche und Stauraum. Im mittleren Staufach kann man optional eine Kühlbox auf einem Teleskopauszug unterbringen.

Zwischenfazit: Wer vom Zelt oder Pkw auf die Ququq-Box umsteigt, wird sehr zufrieden sein. Wer den Komfort eines ausgebauten Campingbus oder Caravans gewohnt ist, eher weniger.

ARB-Dachzelt für den Toyota Proace Verso

Wer mit mehr als zwei Urlaubern unterwegs ist, kann den Toyota Van mit dem Dachzelt ARB Simpson III zwei weitere Schlafplätze schaffen. Für Transport und Befestigung des Dachzelts ist ein Original Dach-Basisträger (2 Stück) zum Preis von 398 Euro erforderlich.

Aufbau: Der Zeltaufbau ist vom Hersteller mit rund 15 bis 20 Minuten veranschlagt. Zu zweit benötigen wir beim ersten Mal tatsächlich etwas länger als eine halbe Stunde bis alles steht – allerdings schauen wir auch nicht in die Betriebsanleitung. Test unter Realbedingungen quasi, wie intuitiv das Dachzelt ist.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Die Leiter zum Aufklappen erreichen nur große Menschen.

Unser größtes Problem ist, wie man die Schutzhülle entfernt, ohne auf das Dach zu klettern (nicht zu empfehlen). Selbst wenn man sich mit 1,83 Metern Körpergröße auf Sitze und den Rahmen des Toyotas stellt, kommt man nicht an alle Stellen. Vor allem wenn man das Zelt abbaut und sicher gehen will, dass sich kein Zeltstoff im Reißverschluss verheddert, fehlen einige Zentimeter. Daher benötigt man auf jeden Fall eine zusätzliche Leiter oder Trittstufen.

Die Leiter, die fest am Dachzelt verbaut ist, dient als Hebel, um den Zeltboden auf- und zuzuklappen, was erstaunlich gut funktioniert. Der erste Tritt auf die Leitersprossen, um ins Zelt zu klettern, fühlt sich erst etwas wackelig an, doch schon beim zweiten Tritt fassen wir vollstes Vertrauen. Aus dem Zelt heraus drehen wir die Zeltstangen fest und befestigen die Klappen mit einer Art übergroßem Hering, um das Zelt zu seiner vollen Größe aufzuspannen. Bei herbstlichen Temperaturen wird uns dabei schön warm.

Toyota Pro Ace Ququq ARB Foto: Andreas Becker
Zeltidylle in luftiger Höhe.

Liegefläche: Die Mühe des Zeltaufbaus lohnt sich: Im Inneren entsteht eine Liegefläche von 2,40 mal 1,40 Meter. Eine dicke Matratze verspricht mehr Komfort als jede Isomatte oder Luftmatratze, die man sonst aus dem Zelturlaub kennt.

Campinggefühl: Zelt-Feeling mit echter Matratze – das Dachzelt vereint Schlafkomfort mit Naturerleben. Der Blick vom Dach auf die Umgebung ist einmalig, wer als Kind Stockbetten mochte, wird das Dachzelt lieben. Unauffällig am Straßenrand übernachten ist mit dem Dachzelt zwar nicht drin, doch wildromantisch ist es allemal.

Zusätzlicher Nutzen: Weit über der Erde können weder Krabbeltiere noch Bodennässe ins Zelt eindringen. Bei Safaris auf dem afrikanischen Kontinent sind Dachzelte daher schon lange beliebt – ob man hierzulande auf dem Fahrzeugdach den Schutz vor wilden Tieren suchen muss, ist eine andere Frage. Leider kann man das Dachzelt im zugeklappten Zustand nicht als Stauraum nutzen. Maximal ein dünnes Kissen und zwei ausgerollte Schlafsäcke kommen darin unter.

Alle Infos zum Toyota Proace Verso

Grundpreis: ab 35.300 Euro
Ausstattungs-Varianten: Shuttle, Shuttle Comfort, Family, Family Comfort, Executive
Länge x Breite x Höhe: 4609/4959/5309 x 1920 x 1905/1890 mm
zulässiges Gesamtgewicht: max. 3.000 kg
Motorisierung: 1,6/2,6 Diesel mit 6-Gang-Schaltgetriebe (116/150 PS), 2,0 Diesel mit 6-Stufen-Automatik (177 PS)
Test: Hier geht's zum Fahrbericht unserer Kollegen von auto-motor-und-sport.de

Fazit

Ob wildromantisch mit Dachzelt oder Bulli-mäßig mit der Campingbox, mit der vorgestellten Ausstattung lässt sich der Toyota Proace mehr oder weniger einfach zum Campervan umfunktionieren.
Die Ququq-Box hat uns schnell überzeugt. Das Bett ist schnell aufgebaut, bequem und im Heck kommt eine praktische Campingküche unter. Das Dachzelt aufzubauen ist ein Zwei-Mann-Job und leider ist der Van so hoch, dass man eigentlich eine zusätzliche Leiter braucht. Nur wo soll die unterkommen?
Da dem Proace die Standheizung fehlt, bleibt er ein Schön-Wetter-Camper. Eine solide Basis zum Campen bietet der Toyota: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Ordnung, ein perfekt ausgestattetes Campingfahrzeug darf man allerdings nicht erwarten.

Neuester Kommentar

Ein direkter 1zu1 Vergleich zwischen Swiss RoomBox und der Ququq Box wäre für den Leser interessant, da die direkten Vor- und Nachteile im Wettbewerb nicht bekannt sind.

Diana van Heide 18. August 2017, 11:10 Uhr
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