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Mit dem Camper durch die winterlichen Alpen

Mit dem Camper durch die Alpen Stilles Winterglück zum Jahreswechsel

Den Jahreswechsel mal ganz anders verbringen? Dafür muss man keine exotischen Ziele ansteuern. Sybille und Nelson sind zum Jahreswechsel 2019/20 mit ihrem Camper entspannt durch die östlichen Alpen gefahren und haben echten Winter erlebt.

Raus aus dem Alltag, rein ins Vergnügen. Wer wie wir in der Schweiz zu Hause ist, hat die Alpen vor der Haustür. Was liegt also näher als eine Reise durch die Berge – in diesem Fall nach Österreich, Deutschland und Südtirol. Im schweizerischen Grenzdorf Buchs verlassen wir die Autobahn, um über die Nationalstraße nach Österreich zu kommen. Dabei genießen wir die Sicht auf die Appenzeller Alpen, die in dieser Region – dem Rheintal – sehr eindrucksvoll in den Himmel ragen. Wir fahren über eine ebenso kurvige wie hügelige Strecke in Richtung Großes Walsertal. Dort bestaunen wir die hohen Berge, die über die Waldgrenze hinausgehen.

Der Weg zum Parkplatz für die Mittagsrast führt uns weg von der Hauptstraße und bringt uns zum ersten Mal während dieser Tour in den Schnee. Da unser Camper einen Allradantrieb hat, machen wir uns keine Sorgen und fahren immer weiter in das verschneite Nebental hinein. Die Tannen hüllen sich in grauen Winterschleier, der Schnee knirscht immer lauter unter den Rädern. Immer wenn ein Rad durchdreht, steigt unser Adrenalinspiegel. Kurz vor dem Parkplatz liegt so viel Schnee, dass wir gezwungen sind zu wenden. Doch wohin jetzt? Bevor wir von der Hauptstraße abbogen, sahen wir ein Sportgelände mit einem großen Parkplatz. Da unsere Mägen knurren, wird er unser Ziel.

Während die Nudeln im Topf kochen, besprechen wir die Etappe für den Nachmittag, die abends bei den Königsschlössern in Schwangau enden soll. Doch auf der Fahrt dorthin geraten wir auf dem 1.500 Meter hohen Pass Faschinajoch in einen Schneesturm. Die Straßen sind plötzlich weiß, der Wind peitscht über die Passhöhe und lässt den Camper während der Fahrt hin und her schaukeln. Darin wird es still. Konzentriert und angespannt manövriere ich uns über den Pass. Frau Holle scheint schlechte Laune zu haben. Da es mittlerweile schon vier Uhr nachmittags ist, nimmt die Helligkeit im Minutentakt ab. Bald sehen wir nur noch, was von den Laternen und unseren Scheinwerfern angeleuchtet wird. Ermüdet von den Strapazen geht es in der Dunkelheit weiter, bis wir am Etappenziel ankommen.

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Um sechs Uhr stehen wir auf und staunen, wie die Sonne das Schloss Neuschwanstein in Szene setzt.

Schloss Neuschwanstein

Der Wecker klingelt morgens um sechs Uhr. Draußen ist es noch dunkel und still, während es bei uns im Camper dank der Dieselstandheizung kuschelig warm ist. Als wir uns für den anstehenden Ausflug warm anziehen, schwebt schon der feine Duft von Kaffee um unsere Nasen. Gestärkt machen wir uns in der Dunkelheit auf die Suche nach einem Aussichtsplatz, der zum Sonnenaufgang die perfekte Sicht auf die Schlösser verspricht.

Als wir zu Fuß einige Höhenmeter hinter uns lassen und auf eine offene Hangwiese gelangen, erscheint vor uns das beleuchtete Schloss Neuschwanstein. Bis zum Sonnenaufgang kuscheln Sibylle und ich uns aneinander, da es eisig kalt ist. Als der Horizont sich langsam verfärbt, sehen wir am Himmel drei Heißluftballone in die Luft steigen. Wir hören in diesem sehr ruhigen Moment sogar die fauchenden Flam-men der Ballone, die sie hinaufsteigen lassen. Die rosa Färbung am Horizont, der Bodennebel, die Heißluftballone, die neben den Königsschlössern höher und höher in den Himmel steigen, bilden eine wunderschöne Szenerie.

Einige Minuten später geht es von wärmenden Sonnenstrahlen begleitet zurück zum Camper. Jetzt steuern wir das Tiroler Ötztal an. Auf der Fahrt durchqueren wir schöne Landschaften und sehen die Zugspitze an uns vorüberziehen. In Längenfeld besuchen wir die Aqua-Dome-Therme und lassen im warmen Wasser für einige Stunden die Seele baumeln. Das tut unglaublich gut.

Mit dem sanften Geräusch fallender Schneeflocken auf dem Camperdach starten wir in den nächsten Tag. Auf Grund des Wetters beschließen wir, direkt nach dem Frühstück ins Kaiserbachtal in den Kitzbüheler Alpen weiterzufahren. Erst am nächsten Morgen beruhigt sich das Wetter und wir genießen einen frühmorgendlichen Winterspaziergang. Diesmal können wir die hohen schneebedeckten Berge um uns herum bestaunen und dabei die Ruhe und Schönheit einer frisch verschneiten Landschaft genießen. Auch beobachten wir, wie unzählige Schneelawinen von den schneebeladenen Bäumen herunterdonnern.

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Mit einem Panoramalift gelangt man auf den Mönchsberg und hat von hier aus einen einmaligen Blick auf Salzburg.

Von Salzburg zu den Dolomiten

Nach all den eindrücklichen Berglandschaften machen wir uns auf den Weg nach Salzburg, der Geburtsstadt von Mozart. Dort steht erst einmal ein Bummel durch die architektonisch sehr spannende Altstadt auf dem Programm. In einem Bio-Restaurant serviert man uns zum Abendessen köstlich schmeckende Käsespätzle und hauseigene Limonade. Gut genährt geht es mit dem Panoramalift auf eine Anhöhe, wo wir einen schönen Blick auf die nächtlich erleuchtete Stadt haben.

Da wir es auf dieser Tour noch bis Südtirol schaffen wollen, legen wir in den nächsten Tagen mehr Kilometer zurück, genießen es, wie die Winterlandschaft an uns vorbeizieht, während es drinnen angenehm warm ist. Am letzten Tag des Jahres fahren wir über die italienische Grenze und erreichen die Dolomiten. Wir verbringen den Silvesterabend auf zweitausend Meter Höhe auf einem sehr ruhigen und von Ber-gen umgebenen Wanderparkplatz. Ohne den Countdown ins neue Jahr abzuwarten, gehen wir früh ins Bett, da wir am 1. Januar etwas Besonderes geplant haben.

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In den ersten Stunden des neuen Jahres mitten in den Dolomiten: Vom Parkplatz bei Ponticello führen Wanderwege zur Aussichtsterrasse.

Um fünf Uhr morgens erinnert uns der penetrante Weckton des Smartphones an unser Vorhaben. Nach Kaffee und Frühstück laufen wir mit Fotorucksack und Schneeschuhen in die noch dunkle Landschaft hinaus. Unter einem magischen Sternenhimmel zeigt uns der Lichtkegel unserer Stirnlampen den Weg. Schritt für Schritt geht es im knirschenden Schnee unter den Schuhen bergauf. Als wir nach knapp zwei Stunden und ziemlich ausgepowert beim Aussichtspunkt ankommen, dauert es nicht lange und die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres kommen hinter den Bergketten hervor und wärmen uns auf. Voller Freude genießen wir das Spektakel, bevor wir doch vor der Kälte den Hut ziehen müssen und den Rückweg in Angriff nehmen.

Fasziniert von den Dolomiten fahren wir kreuz und quer, so wie es uns gerade gefällt. Am Fuße des Val Venegia übernachten wir nochmals auf einem Wanderparkplatz, der sich abends bis auf zwei Campingnachbarn komplett geleert hat. Hier knirscht der Schnee am nächsten Morgen besonders laut unter den Schuhen, und die Raureifkristalle, die sich auf allen ungeschützten Oberflächen niedergelegt haben, deuten auf sibirische Nachttemperaturen hin. Wir unternehmen nochmals einen frühmorgendlichen Winterspaziergang, um die Schönheit der Berge im warmen Licht der Sonne zu genießen. Fasziniert von einer zackigen Bergkette, die einem Sägeblatt ähnelt, wandern wir bis ans Ende des Tals. Auf dem Rückweg kommen uns die ersten Skitourengänger mit einem Lächeln entgegen, und für uns ist klar, dass es an der Zeit ist weiterzuziehen, bevor die großen Massen an Wintersporttouristen das Tal unsicher machen. Mit einem Zwischenstopp in Meran geht es für uns nach zehn Tagen durch den Nationalpark im Engadin zurück in die Schweiz und damit in die Heimat.