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Camping-Oldtimer VW T2 Bulli

Seit 1973 ist „Volksi“ auf großer Fahrt

Camping Oldie VW Bulli Foto: Andreas Becker 17 Bilder

1973 war er noch ein normaler Bulli – in den 80er Jahren rollte er als Camper durch Afrika. Umgebaut, mit hohem Dach und beladen mit diversen Ersatzteilen. Inzwischen ist „Volksi“ in der Rhön zu Hause. Doch zur Ruhe scheint er nicht zu kommen, der kleine Rumtreiber.

„Schuld war eigentlich der Regen“, beginnt Karin Renner ihre Erzählung, in der es um einen VW T2 von 1973 geht. Ihn hatte Gatte Reinhold ab Dezember 1980 zum Camper modifiziert, die ersten Tests durch Ägypten verliefen positiv. Und auch die Hitze machte keine Probleme, der aus einem Gebrauchtwagen erschaffene Camper hielt sich tapfer.

Camping Oldie VW Bulli Foto: Karin und Reinhold Renner
Die Serengeti – im eigenen Camper! Die Idee zur Afrika-Reise kam Familie Renner bei einer Flugreise nach Kenia im Herbst 1981.

Problematischer war da ein Trip mit dem Bulli nach Nordeuropa im selben Jahr 1981: „Zwei Wochen lang hatten wir nur Regen, das war richtig deprimierend. Als moralischen Ausgleich haben wir uns dann im Herbst 81 noch eine Flugreise nach Kenia gegönnt. Wir waren einfach gierig nach Sonne und Wärme“, versichert Karin. „Tja, und in Kenia sahen wir dann eines Tages diesen deutschen Bulli um die Ecke kurven. Eine Offenbarung: Wenn der das kann – warum dann nicht auch wir?“ Die Idee, mit dem eigenen Camper nach Afrika zu fahren, war geboren. Die Vorbereitung begann, und damit auch der regelmäßige Kontakt mit anderen Globetrottern.

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„Das war alles noch persönlicher und irgendwie auch herzlicher damals“, erinnert sich Reinhold, der fleißig jeden Tipp zur Modifikation des VW notierte und bald darauf auch ein Schlachtfahrzeug mit Hochdach erstand, dessen Hut zwecks Volumenvergrößerung auf den künftigen Afrika-T2 montiert wurde. „Innen bauten wir alles selbst, und zwar ganz nach eigenen Vorstellungen. Nur die Schlafbank, die beließen wir, die war schon da.“ Sogar eine Bordtoilette, ein zeitgenössisches Porta Potti aus den 80ern, wurde montiert: „Die sorgte immer wieder für Staunen, an der Grenze zu Malawi lief einmal die ganze Station zusammen, um das Klo zu bewundern“, meint Karin schmunzelnd.

Camping Oldie VW Bulli Foto: Andreas Becker
Der Wohnbereich wirkt ungemein behaglich, das Holz gediegen. Pfiffig sind die ins Hochdach integrierten Schränke.

Neben großzügigen Stauräumen – vor allem die Schränke im Dach geben beredtes Zeugnis von Reinholds Fertigkeiten –, einem Küchenbereich und einer in der Heckklappe eingebauten Dusche – der Wasserschlauch wurde am Scharnier in die linke Flanke und dort zur Wasserpumpe geführt – rückte vor allem die Technik in den Fokus. Die musste fit gemacht werden für den Trip durch den Schwarzen Kontinent: Vorn und hinten wurde das Fundament des Bulli mit einem Unterfahrschutz gesichert, ein neuer Motor zog ein, Halterungen für sechs Reservekanister an Heck und Flanke kamen ins Spiel sowie ein veritabler Dachträger. Parallel musste gespart und die Bürokratie befriedigt werden: Die Vorbereitungen dauerten mehr als vier Jahre. „1986 haben wir dann unsere Jobs gekündigt – und sind losgerollt“, blickt Karin zurück auf das große Abenteuer, das bis 1988 dauern sollte.

Ohne Probleme bis nach Südafrika

Über Spanien und Marokko ging es zunächst nach Algerien, das freilich viel zu rasch erreicht wurde. „Wir waren erst zehn Tage unterwegs und schon fast auf dem Sprung zur nächsten Grenze, als uns klar wurde, dass wir Zeit haben. So viel Zeit! Und uns nicht hetzen müssen. Da merkten wir erst, wie sehr der Alltag noch in unseren Trip hineinragt.“ Spontan wendeten die beiden, um Algerien zu erkunden – und danach den Rest des Kontinents: „Zaire, Uganda, Ruanda, Kenia, Tansania, Malawi, Sambia, Simbabwe, Botswana, Namibia, Lesotho, Swasiland, Südafrika – am Ende haben wir 19 Länder in Afrika besucht. Ein Traum!

“echnische Probleme gab es kaum, lediglich eine Wasserdurchfahrt in Zaire hatte eine verbogene Spurstange zur Folge. „Na ja, und der Stabilisator an der Vorderachse ging auch zu Bruch – aber schon bei der Anreise, in der Nähe von Barcelona“, meint Reinhold, der offen zugibt, dass die schiere Beladung wohl der Grund für den Defekt war. „Wir sind dann die ganze Strecke ohne Stabi gefahren. Da merkt man, wie solide die Transporter waren.“

Camping Oldie VW Bulli Foto: Andreas Becker
Tipps von anderen Globetrottern: An Front und Heck schützt massives Metall die Technik im Unterboden, selbst das Lenkgetriebe wurde gesichert.

Dennoch hatten die Renners diverse Ersatzteile mit: Zylinderköpfe, Manschetten, einen Anlasser und natürlich eine Lichtmaschine. „Die wollte ich daheim noch auseinandernehmen, um nicht das Lüfterrad mitschleppen zu müssen“, erinnert sich Reinhold. „Ich bekam den Lüfter aber nicht ab – also fuhr er mit. Und tatsächlich brauchten wir einmal genau dieses Teil.“ Er lacht über diesen seltenen Defekt am tapferen Boxer, der mit seinen 50 PS manchmal an seine Grenzen kam. „Aber er hat durchgehalten. Und er hält bis heute“, freut sich Karin, die während der Reise zuweilen von den vielen Teilen entnervt war. „Unter der Sitzbank, im Schrank – überall nur Teile! Es war zum Verzweifeln.“ Heute lacht sie darüber.

Der Bus reiste am Ende per Schiff aus Südafrika zurück in die oberpfälzische Heimat. „Erst als er wieder in unserer Einfahrt stand, war die Reise wirklich zu Ende“, blicken die Renners zurück auf den Trip über 54.488 Kilometer. „Nur dauerte es eine ganze Weile, bis wir wieder im Alltag angekommen waren. Das war vielleicht der schwerste Teil der Reise.“ Das Reisefieber freilich, das blieb, der Bulli sah im Laufe der Zeit ganz Europa, rollte indes später ein wenig aufs Altenteil, schien doch ein Toyota BJ45 mit festem Kabinenaufbau für den Ritt durch Südamerika geeigneter. „Den VW gaben wir trotzdem nicht her. Der wurde regelmäßig bewegt, stand trocken in einer Scheune – und bestand alle zwei Jahre seine Hauptuntersuchung.“

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Neubesitzer Matthias hatte sich sofort verliebt

Geliebt wurde er vor allem von Alexandra und Philipp, Nichte und Neffe gaben ihm auch seinen Spitznamen. „Die waren ziemlich enttäuscht, als wir Volksi schließlich doch abgaben“, erinnert sich Karin. „Wir konnten den einfach nicht so einsetzen, wie es ihm eigentlich zustand. Also suchten wir einen sympathischen Neubesitzer.“ So trat Matthias Göttenauer ins Leben des VW, der vor allem mit seinen Aufklebern und seiner besonderen Geschichte Eindruck machte. „Ich hab mich sofort verliebt“, meint Matthias, der zunächst seinen Bruder zur Besichtigung schickte. „Der hat mir eigentlich abgeraten, weil das Auto so grundlegend umgebaut ist“, erinnert er sich. „Ich hab dann aber trotzdem zugeschlagen, weil mir eben genau dieser Umbau so gefiel“, versichert Matthias, der sein Geld passenderweise mit Expeditionen verdient, die er für Auftraggeber plant und durchführt. „Ich hab es auch nicht bereut“, versichert Matthias, der nicht aufhören kann, all die Details im Wagen zu bewundern, die er auch nicht verändern möchte. „Das gehört zur Historie, das wird respektiert.“

Camping Oldie VW Bulli Foto: Andreas Becker
Blick zurück, Blick nach vorn: Matthias möchte mit dem Afrika-T2 Island unter die Räder nehmen.

Stolz führt er durch den Camper. „Die Stange am Bett ist so ein Beispiel“, meint Matthias. „Sie sichert die Schiebetür, und auch in den Fenstern wurden Streben angebracht, um gegen Einbrüche geschützt zu sein. Pfiffig finde ich auch die Dusche in der Heckklappe.“ Karin stimmt begeistert zu: „Die war ein Segen bei all dem Staub!“ Der Wassertank fasst 80 Liter, zudem reisten 160 Liter Benzin in acht Blechkanistern mit. „Solche Dinge finde ich einfach nur schön“, versichert Matthias, für den der VW ein Zeitreisemobil ist. „Wir haben damals unsere Camper ja auch auf manchmal wilde Art und Weise fit gemacht. Das musste nicht unbedingt schön, aber unbedingt praktisch sein. Und das sehe ich hier in dem Bus wieder. Es ist alles sympathisch verbastelt und funktional. Ein Fest fürs Auge.“ Er strahlt.

Gleichwohl weiß Matthias um den Sinn des Campers: „Das ist kein Stehzeug!“ Und so denkt er bereits an Island, wohl wissend um die Offroad-Talente des Hecktrieblers. „Es ist erstaunlich, was so ein alter Bulli kann. Der arbeitet sich durch Sand und Geröll, da können manche SUV nur feucht von träumen. Obwohl er nur zwei angetriebene Räder hat.“ Der passende Aufkleber auf dem Motordeckel prangt schon seit dem Afrikatrip am Heck: „Den haben wir, als der Bus im Anschluss an die Reise neu lackiert wurde, extra abgeklebt“, erinnert sich Reinhold, der sich sicher ist, den Bus in die richtigen Hände gegeben zu haben. „Wir haben viel mit ihm erlebt – und möchten nichts davon missen. Jetzt ist eben Matthias mit ihm unterwegs. Und das ist gut so.

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