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Campingbus-Reise im weit entfernten Japan

Camping-Tour von Tokio nach Osaka

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger 12 Bilder

3000 Kilometer mit dem Campingbus quer durch Japan: Eine Reise zur südlichen Hauptinsel Kyushu durch quirlige Metropolen, einsame Reisfelder und vorbei an rauchenden Vulkanen.

„Arigato Gozaimaaaasu“, sagt die Verkäuferin auf dem Autobahn-Rastplatz und reicht uns die Schale mit den frittierten Fischen über die Theke. Wir stehen mit unserem Camper irgendwo auf der japanischen Hauptinsel Shikoku und wollen zum Fährhafen, ein Schiff soll uns hinüber nach Kyushu bringen. Gestern hatten wir noch auf der Insel Awaji-Shima unterhalb einer ehrwürdigen Burgruine campiert, mit Blick hinab auf das Städtchen Sumoto. Am Abend, als sich der Parkplatz leerte, haben wir auf unseren Campingstühlen die Stille und den Sonnenuntergang genossen. Und darüber gesprochen, wie unkompliziert das Reisen in Japan doch sein kann. „Arigato Gozaimasu“ heißt übrigens „Vielen Dank“ und das letzte „a“ wird dabei gerne lustvoll in die Länge gezogen.

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
Japans verspielte Seite: unser Camper unter einer riesigen Teekanne im Süden von Kyushu.

Unser Abenteuer mit dem Camper durch Japan beginnt in Narita, einer Kleinstadt gut 70 Kilometer östlich von Tokio. Hier befindet sich der Internationale Flughafen und nicht weit davon entfernt unser Autoverleiher. Wir mieten einen Mazda Bongo mit Aufstelldach: Der hintere Teil des Kleinbusses ist umgebaut, so dass Platz für eine Schlaffläche mit zusammenlegbarer Matratze ist. Im Stauraum bekommen wir Campingtisch, Stühle, Kocher, Wasserbehälter, Geschirr und einiges andere unter. Im Fahrerhaus dominiert moderne Technik: Die nächsten drei Wochen werden wir uns mit Hilfe eines Tablets und Google Maps auf den japanischen Straßen zurechtfinden. Und dann der entscheidende Moment: Den Automatikhebel auf „Drive“, und schon geht es hinaus nach rechts auf die Nebenstraße, und zwar auf die linke Seite, denn in Japan herrscht Linksverkehr.

Vor unserer Campingtour durch Japan hatten wir einige Bedenken gewälzt: Wie wird das mit der Sprache klappen? Scheitern wir am Linksverkehr? Wie soll man sich orientieren? Geht man nicht einfach hoffnungslos verloren? Gut, die ersten 35 Kilometer mit unserem Camper sind schon von einer, sagen wir mal, gewissen Anspannung geprägt. Aber um es kurz zu machen: Es gibt kaum eine unkompliziertere Art und Weise, dieses ferne Land auf eigene Faust zu erkunden. An den Linksverkehr gewöhnt man sich nach ein paar Tagen, die Beschilderung ist oft auch auf Englisch und die Stimme aus dem Tablet führt einen – meist – ans Ziel.

Michi-no-eki = Camping an einer Straßenstation

Unser Ziel am ersten Tag ist eine Raststätte an einem See und hier erleben wir zum ersten Mal die Vorzüge von Michi und Eki. Auf Japanisch heißt das ganze Michi-no-eki und bedeutet „Straßenstation“. Man kann hier mit seinem Camper oder auch mit dem Auto übernachten, es gibt blitzsaubere Toiletten, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, ein Telefon. Die Straßenstationen sind über das ganze Land verteilt und über eine eigene App ansteuerbar. Die Japaner machen gerne von dieser kostenlosen Übernachtungsmöglichkeit Gebrauch, sie sind ebenso sicher wie das ganze Land.

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
An der Küste im Norden Kyushus: Autobahnraststätten werden auch von Japanern gerne genutzt, um dort die Nacht mit einem Camper zu verbringen. Die Toiletten sind in der Regel äußerst sauber.

Nach dieser ersten Michi-no-eki-Erfahrung beginnt unser großer Trip, wir wollen nach Kyushu, der südlichsten Hauptinsel. Zuvor müssen wir allerdings noch das Autobahngewirr von Groß-Tokio überstehen, was leidlich gelingt. Und wir machen die Erfahrung, dass zwar Michi-no-Eki und auch die Autobahnraststätten kostenlos sind, was Übernachtungen anbelangt. Aber wer rasch vorankommen will, ist auf die Autobahn angewiesen und diese kostet ordentlich Geld. Umgerechnet 30 bis 40 Euro Maut für 500 Kilometer sind keine Seltenheit.

Auf Shikoku übernachten wir in Ozu, einem kleinen Städtchen im Westen mit pittoresken Gassen und einer mächtigen Burg. Hier trauen wir uns auch zum ersten Mal in einen Onsen – das traditionelle japanische Bad. Es ist schon ein sehr entspannendes Gefühl, im Freien in einem Heißwasserbecken zu liegen.

Schließlich rollen wir mit unserem Bus auf die Fähre von Shikoku nach Kyushu und landen im Hafen von Saganoseki an. Kyushu ist mit rund 13 Millionen Einwohnern die drittgrößte Insel Japans und landschaftlich geprägt von Palmenstränden im Süden und aktiven Vulkanen im Landesinneren. Einer davon ist der knapp 1600 Meter hohe Aso in der Präfektur Kumamoto. Die Straße dahin führt uns durch eine fruchtbare Landschaft mit viel Ackerbau, am Horizont ist schon der Rauchkegel zu sehen. Über Serpentinen schrauben wir uns mit unserem Mazda langsam in die Höhe, Schilder weisen auch auf Englisch auf Campingplätze in der Nähe hin.

Übernachtung am kältesten Ort von Kyushu

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
Wurstbrater Tzini in seinem Hot-Dog-Auto. Er versorgt am Aso-Vulkan die Touristen mit warmen Snacks.

Immer wieder bleiben wir kurz stehen, um die Sicht auf den Vulkan zu genießen. Dann eine letzte Kurve und wir sind auf dem Hochplateau mit dem Parkplatz, dem Vulkan-Museum und dem Besucherzentrum angelangt. In gut zwei Kilometer Entfernung steigt Rauch aus dem Krater Nakadake. Wir beschließen hier zu übernachten, es ist spät geworden. Die Restaurants sind schon geschlossen und als Abendessen bleibt nur eine Bratwurst, die uns Tzinzi, der Hot-Dog-Verkäufer, aus seiner fahrbaren Wurstbude herausreicht. Er war auch schon mal in München, erzählt er uns. Dann packt auch er seine Sachen zusammen und fährt hinab in die Stadt. Wir bleiben hier und allmählich wird es kalt, sehr kalt sogar.

Mitten in der Nacht werfen wir den Motor für die Heizung an. Als wir am nächsten Morgen etwas verfroren aus dem Mazda klettern, ist auch Tzinzi mit seinem Hot-Dog-Stand wieder zur Stelle. „Aso“, sagt er, „ist der kälteste Ort von ganz Kyushu“. Aha. Nach dem Frühstück steigen wir hinauf zum rauchenden Nakadake und gelangen dabei in eine Mondlandschaft. Giftigblau schimmert das Wasser im Krater. An der Ausssichtsplattform finden sich etliche kleine Betonbunker: Falls der Vulkan zu spucken beginnt, was er öfter macht, findet man hier Zuflucht.

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
Grüne Wiese statt Asphalt: ein Campingplatz am Aso-Krater.

Der Sinn steht uns nach Süden und wir machen uns auf den Weg nach Kagoshima, eine Hafenstadt an der Südwestspitze der Insel. Auch hier dominiert ein Vulkan die Landschaft, der Sakurajima ist ein beliebter Ausflugsort. Allerdings stößt er mit einer gewissen Regelmäßigkeit Aschewolken aus, die auf die Stadt niedergehen. Doch die Bewohner haben sich an den Ascheregen gewöhnt und gehen gegebenenfalls mit Regenschirm aus. In Kagoshima beeindruckt uns vor allem Sengan-en, eine Parkanlage mit klassischen japanischen Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert und wunderschönen Steingärten. Auch kulinarisch hat die Stadt etwas zu bieten, die örtliche Ramen-Spezialität, eine Art Nudelsuppe mit Schweinebraten, schmeckt uns super.

Traumhafte Natur vor dem dem Abschied

Vom freundlichen Kagoshima aus machen wir noch einen Abstecher auf die Insel Tanegashima. Hier wird es tropisch: Wir parken unseren Campingbus am Meer, die langen Sandstrände sind mit Palmen gesäumt. Wuchtig donnernd rollen die schaumgekrönten Wellen des Pazifik heran. Doch auf Tanegashima gibt es nicht nur postkartenhafte Natur: Ganz im Süden der Insel befindet sich der japanische Weltraumbahnhof, von dem aus Satelliten ins All geschossen werden. Touristen können sich diversen interessanten Führungen durch die Anlage anschließen.

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
Tropisch anmutende Strände auf der Insel Tanegashima.

Für uns steht nun die Rückreise nach Narita an. Sie führt uns hinauf in den Norden Kyushus, in die Hafenstadt Nagasaki. Diese hat traurige Berühmtheit erlangt, als hier am 9. August 1945 die zweite Atombombe über Japan explodierte. Dem schrecklichen Ereignis sind mehrere Denkmäler gewidmet, unter anderem die Nationale Friedensgedenkstätte, die durch ihre moderne Architektur berührt. Heute aber ist Nagasaki eine lebendige Stadt, die man mit einer bunten Trambahn durchqueren kann.

Für die rund 1200 Kilometer Rückfahrt nach Narita gönnen wir uns ein klein wenig Luxus: Wir nehmen die Fähre von Shinmoji nach Osaka und legen so bequem die Hälfte des Weges bei Nacht und schlafend zurück. In Narita angekommen, verabschieden wir uns nach rund 3000 gefahrenen Kilometern von unserem Camper und tags darauf von Japan. Doch wir sind sicher: Wir kommen wieder.

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Reise-Informationen zu Japan

Anreise/Einreisebestimmungen
Eine gute und komfortable Verbindung von Helsinki aus über die kurze Nordroute nach Tokio bietet die finnische Fluggesellschaft Finnair. Geflogen wird mehrmals pro Woche zum Internationalen Flughafen Narita, Zubringerflüge nach Helsinki gibt es von diversen deutschen Flughäfen aus. Zur Einreise in Japan benötigt man einen Reisepass.

Fahren in Japan
Deutsche brauchen neben dem heimischen Führerschein auch eine beglaubigte amtliche japanische Übersetzung desselben sowie einen Reisepass. Der einfachste Weg zur Übersetzung geht über Mietwagenverleiher, zum Beispiel www.japan-experience.de

Es gibt quer durch das Land diverse japanische Vermieter von Wohn- und Campmobilen. Englischsprachigen Service bieten etwa www.japancampers.com, www.japanrv-rental.com und www.mcrent.jp

In Japan herrscht Linksverkehr. Die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen liegt bei 50 km/h, auf der Autobahn bei 100 km/h. Die Autobahnen sind mautpflichtig, an grünen Mautstellen kann bar bezahlt werden. Die meisten Japaner fahren sehr defensiv. Neben dem gut ausgebauten Autobahnnetz sind viele kleinere Straßen nicht für schnelleres Fahren geeignet; wer über Land fährt, sollte wesentlich mehr Zeit als für eine vergleichbare Strecke in Deutschland einrechnen.

Campingbus-Reise Japan Foto: Rudolf Stumberger
Charakteristisch für Japan: das Tor zum Shinto-Schrein.

Kosten
Treibstoff ist in Japan etwas billiger als bei uns, dafür sind die Mautgebühren für die Autobahn sehr hoch. Umgerechnet 50 Euro für 600 Kilometer sind keine Seltenheit. Übernachten auf Raststätten ist kostenlos, Campingplätze kosten je nach Ausstattung zwischen zehn und 40 Euro pro Nacht.

Camping in Japan
Neben den Raststätten gibt es ein weitverzweigtes Netz an Campingplätzen, die aber nicht unbedingt auf Wohnmobile eingestellt sind. Die überwiegende Anzahl der Plätze findet sich in den Bergen oder am Meer. In den Städten selbst gibt es kaum Campingplätze.

Zahlungsmittel/Preise
Das japanische Zahlungsmittel ist der Yen. 1000 Yen entsprechen etwa acht Euro. Die Preise in Japan für Lebenshaltungskosten sind etwas teurer als bei uns. Günstig essen lässt sich in den Suppenküchen.

Einkaufen/Verständigung
Bequem für Touristen sind die praktisch überall vorhandenen kleinen Supermärkte, die 24 Stunden am Tag geöffnet sind. Englischkenntnisse sind nicht überall verbreitet.

Beste Reisezeit
Im April und Mai herrscht in Zentraljapan mildes Klima, ab Mitte Juni beginnt die Regenzeit. Die Sommer können sehr heiß werden. Als Reisezeit empfehlen sich vor allem der Frühling und der Herbst.

Infos
Informationen über Japan im Allgemeinen und über Campingplätze, Autofahren und Wohnmobilverleih findet man auf der Website des Japanischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt am Main: www.jnto.de

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