Report Wohnmobile bedienen Was ist ein BUS-System?

Ein BUS-System ist ein Datenaustauschsystem. Es besteht in einer einfachen Version aus einer zentralen Steuereinheit, auch Master genannt, und verschiedenen Peripheriegeräten, den sogenannten Slaves, die über ein Datenkabel verbunden sind und kommunizieren.

Jedem Peripheriegerät ist daher eine feste Adresse zugeordnet, die auch in der zentralen Steuereinheit hinterlegt ist. Verschickt nun der Master über das Datenkabel einen in Bits und Bytes verschlüsselten Befehl, kann man sich das vorstellen wie bei einer Telefonkonferenz. Alle Slaves hören den Befehl mit, doch nur das Gerät, dessen Adresse mit der im Befehl hinterlegten übereinstimmt, reagiert auf die Anweisung, die zum Beispiel lauten könnte: „Schalte dich ein.“

BUS-Systeme gibt es viele. Während ihre Funktionsweise weitgehend ähnlich ist, unterscheiden sie sich zum Beispiel hinsichtlich der Datenübertragungsgeschwindigkeit. Am bekanntesten ist wohl der sogenannte CAN-BUS, der Anfang der 1990er Jahre von Bosch für die Fahrzeugtechnik entwickelt wurde. CAN steht für Controller Area Network, BUS für Binary Unit System. Dieses BUS-System ist sehr schnell und viel komplexer als oben beschrieben. Es steuert im Pkw die sicherheitsrelevanten Komponenten wie Airbags oder ESP. Seine einzelnen Bauteile sind aber auch vergleichsweise teuer, weshalb für Komfortfeatures im Pkw wie Fensterheber oder elektrische Sitzverstellung ein langsameres, einfacheres, dafür kostengünstigeres BUS-System Verwendung findet - das Local Interconnected Network (LIN). Der Caravaning-Industrie-BUS, der aktuell entwickelt wird, ist hinsichtlich Bauteilen und Übertragungsgeschwindigkeit dem LIN-BUS ähnlich.

Aus der Fahrzeugtechnik sind BUS-Systeme nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Sie sind eine wesentliche Voraussetzung, um der steigenden Zahl elektronischer Funktionen gerecht zu werden. Mit einem BUS-System sinkt der Verdrahtungsaufwand - und damit das Gewicht. Statt jedes Peripheriegerät mit eigener Steuerleitung zu verbinden, nutzen alle das Datenkabel. Jedoch kann eine BUS-Leitung nicht beliebig lang ausgeführt werden, sondern sie unterliegt mit Blick auf die Übertragungsgeschwindigkeit physikalischen Grenzen.

Nachgefragt…

bei Jost Krüger, Leiter Referat Technik und Umwelt beim Caravaning Industrie Verband (CIVD).

Welche Rolle nimmt der CIVD in den aktuellen Bemühungen um den Caravaning-Industrie-BUS (CI-BUS) ein?

Krüger: Der CIVD koordiniert den Arbeitskreis „CI-BUS“, der extra für dieses Thema aus Experten von CIVD-Mitgliedsunternehmen zusammengestellt wurde. Wir haben die besten Erfahrungen damit gemacht, die jeweiligen Experten aus den einzelnen Häusern an einen Tisch zu bringen.

Der Arbeitskreis CI-BUS besteht aus acht Mitgliedern. Wie stellen Sie sicher, dass auch die übrigen interessierten Branchenvertreter daran teilnehmen können?

Krüger: Zunächst einmal hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, Detailarbeiten im kleineren Kreis durchzuführen. Grundsätzlich kann aber jedes CIVD-Mitglied beim CI-BUS mitmachen. Über die monatlich erscheinenden CIVD-Informationen halten wir alle auf dem Laufenden. Im Fall des CI-BUS wird auf dem diesjährigen Caravan-Salon ein spezieller Workshop für alle Verbandsmitglieder angeboten.

Im Pkw-Bereich gibt es BUS-Systeme seit 1992. Fiat hat das CAN-BUS-System beim Ducato 2006 eingeführt. Warum hat das in der Freizeitfahrzeugbranche so lange gedauert?

Krüger: Im Wohnbereich von Freizeitfahrzeugen werden BUS-Systeme zum Teil auch schon seit 2006 eingesetzt. Mit steigendem Interesse bei Herstellern und Zulieferern wurde ab 2011 durch den CIVD ein gemeinsames Vorgehen koordiniert. Frei nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark" war unser Ziel, eine einheitliche Systematik innerhalb der Branche zu etablieren, um parallele und möglicherweise gegenläufige Entwicklungen zu
vermeiden. Es war der erklärte Wunsch der CIVD-Mitglieder hier einen gemeinsamen
Ansatz zu verfolgen.

Werden mit Einführung des CI-BUS Freizeitfahrzeuge oder Zubehörkomponenten teurer?

Krüger: Im Gegenteil. Durch die Einsparung von Entwicklungskosten und den verminderten Einsatz von Bedienpanelen dürften die Kosten sogar eher noch sinken.

Freizeitfahrzeuge und auch Zubehörkomponenten werden europaweit verkauft. Ist es da nicht sinnvoll, eine europäische Lösung anzustreben?

Krüger: Bemühungen um die Einführung eines BUS-Systems in Freizeitfahrzeugen sind mir aus anderen Ländern derzeit nicht bekannt. Wir werden unsere Lösung auch innerhalb der European Caravan Federation (ECF) anbieten. Es bleibt letztlich aber immer die Entscheidung des einzelnen Unternehmens, ob der CI-BUS auch zur Anwendung kommt. Generell beginnen wir Standardisierungsprojekte beim CIVD, also auf deutscher Ebene. Wir kommen so leichter zu guten Ergebnissen. Bei der ECF müssen ungleich mehr Interessen koordiniert werden. Aber: Gute Ergebnisse finden auch Beachtung innerhalb der ECF.

Was muss bis zur Einführung des CI-BUS noch erledigt werden? Wann fällt der endgültige Startschuss?

Krüger: Der Arbeitskreis CI-Bus stellt sicher, dass es zum Beispiel keine Kollisionen von Adressen und stets gleiche Informationsinhalte der Sende- und Empfangspakete zu den angeschlossenen Geräten gibt. Aus unserer Sicht sind alle Schwierigkeiten beseitigt, so dass der Caravan-Salon den offiziellen Start markiert. Der Arbeitskreis wird dann jährlich zweimal tagen, um notwendige Ergänzungen vorzunehmen.

Der Anfang ist gemacht - Kommentar von promobil Testredakteur Jörn Ebberg

Ein Problem zu erkennen, ist das eine. Die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, das andere. Der Freizeitfahrzeugbranche ist beides gelungen. Der CI-BUS eröffnet neue Chancen - technologisch, klar. Gleichzeitig begründet er ein selten erlebtes Miteinander vieler zum Wohle der Kunden. Doch bei aller Euphorie: Es ist erst der Anfang gemacht. Auf den CIVD als Koordinator wird viel Arbeit zukommen. Wenn sich aber alle Beteiligten diszipliniert an das Vereinbarte halten und die Technik halbwegs störungsfrei in die Gänge kommt, kann ein Sog entstehen, der vielleicht auch andere Länder ins Boot holt. Dann wird es ein ganz großer Wurf.

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