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Etrusco T 6900 QB im Test

Günstiges Einsteigermodell der Hymer-Gruppe

Etrusco T 6900 QB Foto: Karl-Heinz Augustin 19 Bilder

Die junge italienische Marke Etrusco ist hierzulande noch wenig bekannt. Was ihre Modelle auszeichnet und warum sie manchem gar nicht so fremd vorkommen, klären wir anhand des T 6900 QB.

24.11.2017 Jürgen Bartosch

Die Etrusker lebten vor gut 2000 Jahren in der Region der heutigen Toskana. Soweitman weiß, zeichneten sie sich vor allem durch fortschrittliche Landwirtschaft und Kultur aus – weniger durch kriegerisches Geschick, so dass sie schnell vom aufstrebenden römischen Reich geschluckt wurden. Zu den überlieferten Zeugnissen der etruskischen Kunst zählt auch die Figur eines eleganten, hochbeinigen Pferdes – das Symbol der Marke Etrusco.

Hintergründe für den Ausbau der Marke Etrusco

Etrusco T 6900 QB Foto: Karl-Heinz Augustin
Das Markensymbol findet sich immer wieder.

Bodenständigkeit und Gestaltungsfreude sind auch die beiden Charakterzüge, die den Ausbau der Etrusco-Modelle prägen. Erdige Braun- und Beige-Töne kombinieren sich zu einem eigenständigen Interieurstil. Holzdekor kommt nur sehr sparsam an den Hängeschrankklappen zum Einsatz. Damit heben sich die Etrusco-Modelle auch deutlich von ihren deutschen Halbgeschwistern ab. Ja, es gibt verwandtschaftliche Beziehungen zu Carado und Sunlight, weshalb Kenner der Marken in Aufbautechnik und Grundrissgestaltung einige Übereinstimmungen entdecken werden.

Anders als die beiden deutschen Günstigmarken, die im sächsischen Capron-Werk produziert werden, entstehen die Etrusco-Teil- und neuerdings auch -Vollintegrierten aber im Laika-Werk in San Casciano Val di Pesa, das ebenso zur Erwin-Hymer-Gruppe gehört. Beim Neubau der großzügigen Produktionshallen plante man nicht nur Fertigungskapazitäten für eine zusätzliche neue Marke ein, sondern stieß auch auf Siedlungsrelikte der Etrusker. Die Idee für den Markennamen lag also buchstäblich zu Füßen.

Schlaf- Wohn- und Essbereich

Etrusco T 6900 QB Foto: Karl-Heinz Augustin
Man liegt bequem auf dem 1,50 Meter breiten Queensbett mit kuscheliger Matratze.

Der getestete T 6900 QB teilt sich das Grundrisskonzept mit dem Carado T 339 und dem Sunlight T 69 S: ein komfortables Queensbett-Modell mit separater Dusche, das unter sieben Meter Länge bleibt. Dass das nicht ganz ohne Kompromisse geht, kann auch die Etrusco-Version nicht verhehlen. Das Mittelbett lockt mit einer kuscheligen, 1,50 Meter breiten Matratze, die – zumindest in der oberen Hälfte – auf einem Lattenrost aufliegt. Die Liegelänge ist mit 1,80 Meter aber nur für kleinere Personen ausreichend. Zwar gibt es ein Zusatzpolster, welches das Bett auf 1,92 Meter verlängert, damit wird der ohnehin enge Durchgang an der Badecke (14,5 cm) jedoch ganz unpassierbar – und der Vorteil des gut zugänglichen Queensbetts ein stückweit hinfällig.

Um den Durchgang zu erleichtern, sollte Etrusco zumindest den Vorhang versetzen, der just an dieser Stelle zusammengerafft hängt. Ansonsten weiß das Schlafzimmer durch zwei Seitenfenster und eine Klarglasdachhaube zu gefallen. Zwei einzeln schaltbare Lesespots und eine dezente indirekte Beleuchtung vervollständigen die Ausstattung. Zum Ablegen von Brille und Bettlektüre gibt es lediglich die Absätze vor den beiden Kleiderschränken. Eine Steckdose zum Laden von Smartphones sucht man weit und breit vergeblich.

Etrusco T 6900 QB Foto: Karl-Heinz Augustin
Hell und mit wenig Holzdekor prägt Etrusco einen ganz anderen Ausbaustil als die Schwestermodelle von Carado und Sunlight.

An der Sitzgruppe ist dagegen eine Doppel-USB-Ladebuchse in gut erreichbarer Position eingebaut. Zudem findet sich unterdem Tisch auch noch eine 230-Volt-Dose, um den Laptop einzustecken. Die Halbdinette mit Seitensitz und drehbarem Fahrerhausgestühl bietet prinzipiell fünf Plätze. Allerdings spürt man auch hier den Zwang zum Längesparen, der Tisch ist schmal, der Längssitz gegenüber auch und die Kniefreiheit unter dem Tisch nicht besonders üppig.

Das optionale Hubbett darüber lässt die Stehhöhe auf dem Sitzgruppenpodest auf knappe 1,79 Meter schrumpfen. Das Bett selbst ist im Schulterbereich immerhin 1,42 Meter breit und mit flauschiger Matratze und Tellerfederrost auch recht bequem. Ordert man das Zusatzbett, muss sich die Küche zwar mit einem Hängeschrank begnügen, drei Schubladen und zwei große Fächer lassen aber kaum Stauraumprobleme erwarten.

Allerdings ist der Zugriff auf die tief innen, nahe der Seitenwandgelagerten Vorräte ziemlichmühsam. Ein typisches Winkelküchenproblem – nämlich dass es kaum echte Arbeitsfläche gibt – findet sich auchhier. Der Kocher verwöhnt mit großen Flammen, lässt aber eine Zündhilfe vermissen. Der 113-Liter-Kühlschrank kann dagegen optional auf angenehme 167 Liter aufgestockt werden.

Das Bad des Etrusco T 6900 QB

Bad und Dusche stehen sich vor dem Heckbett gegenüber und lassen sich mittels Tür und Vorhang verbinden. Im Bad fehlt es an nichts Wesentlichem. Im praktischen Einsatz mahnen der weit heruntergezogene Spiegel und die fehlende Verfugung rings um das schlichte, abergroße Kunststoffwaschbeckenaber zum sorgsamen Wassergebrauch.

Unvorteilhaft ist zudem die Beleuchtung direkt über dem Kopf. Gleiches gilt für den Kassettenschacht der Toilette, der den Namen wegen seiner offenen Bauweise kaum verdient. Die separate Duschkabine kann mit viel Ellenbogen- und Kopffreiheit auftrumpfen – die Füße schränkt der Radkasten etwas ein. Trockenstange,feste Duschabtrennung und Holzrost gehören zu einem von drei Paketen – zwei davon sind praktisch obligatorisch.

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Die Aufbau und Bordtechnik

Aufbau- und Bordtechnik zeigen sich überwiegend auf Klassenniveau. Auf dem Dach schützt eine GfK-Bahn vor Hagelschlag, ansonsten bleibt es bei Holzverstärkungen und -boden. Der Abwassertank hängt serienmäßig ohne Frostschutz unterflur. Immerhin heizt stets eine Truma Combi 6 ein, und die 95-Ah-AGM-Batterie ist in dieser Preisliga auch nicht selbstverständlich, ebenso wenig wie die aufpreisfreie Ambientebeleuchtung.

Beim Fahren benimmt sich der Etrusco – auch dank der moderaten Abmessungen – gutmütig und vorhersehbar. Die nur in Frankreich angebotene Citroën-Basis des Testwagens wirkt sich nur in Nuancen aus. Der T 6900 QB kostet 1000 Euro mehr als seine Schwestermodelle – dazu kommen höhere Frachtkosten aus Italien in ähnlicher Höhe. Ob das der modernere Ausbaustil aufwiegt, bleibt Geschmacksache.

Basisfahrzeug Citroën Jumper

Bei Kastenwagen und Fahrgestellen drängt Citroën verstärkt auf den Reisemobilmarkt und knabbert am Marktanteil des Fiat Ducato. Bei Etrusco ist es klar getrennt, in Deutschland basieren alle verkauften Fahrzeuge auf Fiat, in Frankreich auf Citroën. Andere Hersteller bieten beide Varianten alternativ an und locken beim Citroën oft mit 1000 bis 2000 Euro Minderpreis und dem Hinweis, beide seien ansonsten praktisch baugleich. Wahr ist, dass Karosserie und Fahrwerk identisch sind – die Motoren haben aber nichts miteinander zu tun.

Etrusco T 6900 QB Foto: Karl-Heinz Augustin
Der Doppelwinkel am Grill macht klar: Hier ist kein Fiat-, sondern der um 300 cm3 kleinere Citroën-Motor am Werk.

Citroën arbeitet ausschließlich mit einem 2,0-Liter-HDi-Aggregat in den Leistungsstufen 110, 130 und 163 PS mit Ad-Blue-Abgasnachbehandlung. Fiat bietet eine 2,0-Liter-Einstiegsmotorisierung mit 115 PS nur für Kastenwagen an, nutzt ansonsten einen 2,3-Liter-Motor mit 130, 150 oder 177 PS. Die Fiat-Aggregate erreichen die Euro-6-Norm alleine durch eine spezielle Abgasrückführung.

Der Citroën-Motor gibt sich – neben dem Fiat-ähnlichen Knurren – durch ein zusätzliches hochtoniges Rasseln in der vergleichbar lauten Geräuschkulisse zu erkennen. Im direkten Vergleich der 130-PS-Varianten fühlt sich der Drehmomentverlauf des Fiat etwas fülliger an – dafür gibt sich der Citroën-Antrieb einen Tick sparsamer. Übrigens arbeiten die aktuellen Motoren beider Hersteller mit Zahnriemen.

Weitere Unterschiede ergeben sich durch die Extras. Nur Fiat offeriert ein automatisiertes Getriebe als Handschaltungsalternative. Bei beiden kann nun der Allradantrieb von Dangel ab Werk mitbestellt werden, bei Fiat aber nur in Kombination mit dem 130-PS-Motor, bei Citroën auch mit dem 163-PS-Top-Aggregat. Größere Unterschiede gibt es zudem im Serviceangebot. Neben einer 24-h-Camper-Hotline bietet Fiat europaweit ein dichtes Netz an Nutzfahrzeug- und sogar rund 1100 spezialisierte Reisemobilwerkstätten. Citroën beginnt gerade erst ähnliche Strukturen aufzubauen.

Etrusco T 6900 QB im Überblick

  • Gurte/Schlafplätze: 4/4
  • Zul. Gesamtgewicht: 3495 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 6,99/2,33/2,91 m
  • Grundpreis: ab 44 899 Euro

Fazit

Ob es neben Carado und Sunlight auch noch die Modelle von Etrusco braucht? Keine Frage – für den, der ihren moderneren Ausbaustil bevorzugt. Ansonsten bedeutet es für Kaufwillige einfach noch mehr Auswahl in der Klasse der Einsteiger-Mobile.

Technische Daten
Etrusco T
AufbauTeilintegriert
Maße (L/B/H)699/233/291 cm
Motor2,3 l MJet
Leistung96 kW / 130 PS
Zul. Gesamtgewicht3495 kg
Sitze mit Gurt4
Schlafplätze2 bis 5
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    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
    promobil Heft 11/2017
    Heft 11 / 2017 18. Oktober 2017 146 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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