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Mercedes James Cook im Gebraucht-Check

Hält der Campingbus-Klassiker auf Langzeit?

Gebrauchtcheck James Cook blau Foto: Ulrich Kohstall, Andreas Weise 10 Bilder

Er war ein echter Star unter den Campingbussen. In Kooperation von Mercedes und Westfalia entstand ab 1995 die zweite Generation des James Cook. Wie gut ist das Ausnahmemobil heute?

12.02.2018 Ulrich Kohstall

Der britische Seefahrer James Cook wurde im 18. Jahrhundert durch seine Entdeckungsreisen weltberühmt. Das gleichnamige Modell von Mercedes betrat in den 1990er Jahren Neuland. Damals arbeiteten die Stuttgarter eng mit Ausbauspezialist Westfalia zusammen, um ein innovatives Reisemobil auf Basis des ebenfalls völlig neuen Sprinter zu entwickeln. 1995 präsentierte man einen großen Campingbus, der sich radikal von den vorhandenen Konzepten absetzte. Das gesamte Design folgte vom Dach bis zur Innenverkleidung automobilen Ansprüchen. Mit Holzkisten im Kastenwagen hatte das nichts mehr zu tun.

Gebrauchtcheck James Cook weiß Foto: Ulrich Kohstall, Andreas Weise
Publikumsliebling: Der James Cook war bei vielen beliebt, dennoch blieb der Verkaufserfolg aus.

Die Idee kam offenbar gut an. Vom Start weg wählten die promobil-Leser den James Cook immer wieder zum Reisemobil des Jahres. In sensationelle Verkaufszahlen konnte der größte Westfalia-Ausbau den Publikumserfolg allerdings nicht ummünzen. Wie der Namensgeber verfolgte der Campingbus beharrlich eigene Wege.

Anders als sonst im Reisemobilbau üblich, gab es für den James Cook nur einen einzigen – und durchaus ungewöhnlichen – Grundriss, ein Möbeldekor und eine Polsterfarbe. Damit ließen sich kaum alle Geschmäcker glücklich machen.

Auf- und Ausbau

James-Cook-Besitzer urteilen überwiegend positiv über den Grundriss, wie Kommentare und Benotungen im Rahmen unserer Umfrage zeigen. Sie schätzen die üppigen Platzverhältnisse in der Küche und die Tatsache, dass ein James Cook auch für Zwei-Meter-Menschen nie beengend wirkt. Selbst für das – gemessen an anderen Grundrissen – knappe Stauraumangebot vergaben die Besitzer vorwiegend gute Noten.

Weniger begeisterte Anmerkungen beziehen sich oft auf das als steril empfundene Innenambiente. Kritik ernteten zudem die unzureichende Isolierung der Karosserie und der Einstieg ins Dachbett. Dort verbesserten viele Besitzer den Schlafkomfort durch nachgerüstete Federelemente und Kaltschaummatratzen.

Gebrauchtcheck James Cook - Sitzgruppe Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Der Wohnraum scheidet die Geister: Was viele Fans als zeitgemäß und Pkw-orientiert empfinden, kritisieren andere als wenig gemütlich.

Die Verarbeitung des Westfalia-Ausbaus erhielt häufig Lob, was jedoch nicht bedeutet, dass bei den mindestens elf Jahre alten Fahrzeugen keine Mängel aufgetreten wären.

So wie in zahlreichen konventionellen Reisemobilen machen die Kunststoffteile im Bad Probleme. Oft bekommt die Duschwanne Risse und muss getauscht werden. Allerdings ist sie nicht mehr als Original-Ersatzteil lieferbar. Das gilt für viele Ausbaukomponenten.

Bei Schäden sind James-Cook-Besitzer insgesamt stark auf Westfalia angewiesen, weil der Hersteller auf Eigenkonstruktionen setzte. Ein Beispiel sind die Rollos, die häufig ihren Dienst versagen. Auch die Fenster, die durch Undichtigkeiten auffallen, wurden eigens für den James Cook entwickelt. Bei der Außeninspektion sollten Gebrauchtwagenkäufer zudem auf eine korrekte Nahtstelle zwischen Karosserie und Dach achten, denn auch hier kann Feuchtigkeit eindringen. Rissig werden mitunter die Kunststoffteile, die anstelle von Fenstern aufgesetzt wurden und nur mit gewissem Aufwand zu ersetzen sind.

Einfacher sind Reparaturen beziehungsweise Ersatz, wenn es um die Eberspächer-Heizung oder die beiden Bordbatterien geht, die altersbedingt ausfallen können. In diesen Fällen wird aber eine dicke Rechnung fällig. Einfach und günstig lässt sich dagegen die oft defekte Tauchpumpe für das Frischwasser auswechseln.

Mercedes Sprinter 2018Hymer wird größter Sprinter-Kunde

Basisfahrzeug

Als der Mercedes Sprinter auf dem Markt auftauchte, galt er als komfortabelstes Basisfahrzeug der 3,5-Tonnen-Klasse. Besonders die Kombination des kräftigen Fünfzylinders mit Automatikgetriebe überzeugte.

Dass Mercedes bei der Neukonstruktion den Rostschutz vernachlässigte, fiel erst Jahre später auf. Von den A-Säulen und Fensterrahmen über die Türen, Radläufe und Schweller bis zum Boden ist der Sprinter korrosionsgefährdet. Ebenfalls überprüfen: Sind die Kunststoffscheinwerfer ermattet und müssen ausgetauscht werden?

Gebrauchtcheck James Cook - Typische Schaeden Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Die häufigsten Schäden am James Cook.

Die Auslegung des eher simplen Blattfeder-Fahrwerks auf gehobenen Komfort führt beim James Cook zu einer unangenehmen Eigenschaft: Ein schaukeliges Kurvenverhalten gepaart mit der indirekten Lenkung erzeugt bei vielen Fahrern mulmige Gefühle. Mercedes besserte die Abstimmung im Lauf der Jahre mehrfach nach, wobei sich James-Cook-Besitzer wegen des großen und schweren Dachs stets auf erhöhte Seitenwindempfindlichkeit einstellen müssen.

Nicht abfinden müssen sich Gebrauchtwagenkäufer mit der Reparaturanfälligkeit des automatisierten Sprintshift-Getriebes, indem sie besser einen Bogen darum machen. Davon abgesehen, darf es nicht zu falschen Schlüssen verleiten, dass Motor und Getriebe oben auf der Mängelliste auftauchen. Der Antrieb ist robust, jedoch haben die meisten Exemplare bereits hohe Kilometerstände.

Der Linie treu geblieben

Gebrauchtcheck James Cook blau Foto: Ulrich Kohstall, Andreas Weise
An dem filigraneren Kühlergrill erkennt man späte Modelle der ersten Sprinter-Generation.

Fast gleichzeitig mit dem Marktstart des ersten Sprinter erscheint 1995 auf dieser Basis die bereits zweite Generation des James Cook. Beliebtester Motor wird der 2,9-Liter-Fünfzylinder mit 122 PS, so dass meist 312 D am Kühlergrill älterer James Cook steht. Im Frühjahr 2000 erhält der Sprinter ein tiefgreifendes Facelift. Auffällig sind der nun weniger kantige Bug und das elegantere Armaturenbrett mit Joystick-Schalthebel. Der neue Fünfzylinder leistet 156 PS, doch auch der Vierzylinder mit

129 PS entpuppt sich als Alternative. 2002 folgt eine kleines Facelift, das dem Sprinter Klarglasscheinwerfer beschert. Ein Jahr später legt Westfalia im Innenraum erstmals sichtbar Hand an. Neben optischen Änderungen fallen Rolloschränke in der Küche und die Matratzenunterfederung auf. Mitte 2006 wird dieser James Cook durch einen Nachfolger auf Basis des nächsten Sprinter abgelöst.

Marktlage

In den Anfangsjahren setzte Mercedes rund 250 James Cook pro Jahr ab, später waren es nicht einmal mehr die Hälfte. Es ist also vor allem der langen Bauzeit von gut zehn Jahren zu verdanken, dass der Gebrauchtmarkt eine größere Auswahl für James-Cook-Interessenten bereithält.

Gebrauchtcheck James Cook - Cockpit Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Praktisch: Mit dem Facelift im Jahr 2000 wanderte der Schalthebel in das komplett erneuerte Armaturenbrett. Für die neuere Version muss man normalerweise aber auch tiefer in die Tasche greifen.

Wer die Reparaturrisiken nach mehr als 200.000 gefahrenen Kilometern nicht scheut, kann günstig einsteigen. Bereits für weniger als 15.000 Euro entdeckt man einzelne Exemplare aus den ersten Baujahren. Für mehr als 20.000 Euro erweitert sich die Auswahl um die nach dem großen Sprinter-Facelift im Jahr 2000 gebauten James Cook. Sucht man dann noch nach einem Modell mit geringer Kilometerleistung, großem Motor und der beliebten Automatik, kann der Preis auch die 30.000-Euro-Grenze überschreiten.

Die gute Nachricht für Käufer: Echte Liebhaberpreise, wie man sie von Westfalia-Ausbauten auf VW-Basis kennt, werden für den James Cook bislang kaum verlangt. Andererseits ist ebenso wenig mit einem künftigen Preisverfall zu rechnen. Seine Sonderstellung und die begrenzte Verfügbarkeit verheißen auch dem James Cook Kultpotenzial. Zumindest die Käufer unverschlissener und rostarmer Exemplare können auf Dauer mit einem guten Werterhalt des eigensinnigen Weltentdeckers kalkulieren.

Daten und Fakten

Baureihe: Mercedes James Cook (Baujahre 1995 bis 2006)
Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter
Bauweise: Kastenwagen mit Blechkarosserie und GfK-Hochdach
Sitz-/Schlafplätze: 5/4

Vorgestelltes Modell: Mercedes James Cook 313 CDI
Erstzulassung: 7/2000
Kilometerstand laut Tacho: 129.800
Preis: 26.900 Euro
Zulässiges Gesamtgewicht: 3500 kg
Gesehen bei: Wohnwagen Vogt, 66115 Saarbrücken

Neuester Kommentar

CHAPEAU Frau van Heide: Dem ist nix hinzuzufügen !

catstom 9. März 2018, 16:12 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 2 / 2018 10. Januar 2018 202 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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