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Knaus Van TI 550 MD

Aus zwei Welten

Der Knaus Van TI will die Vorzüge von ausgebauten Kastenwagen mit denen aufgebauter Mobile verbinden. Ergebnis: ein kurzer Teilintegrierter, eben ein Van.

Moderne Zeiten sind das, in denen wir leben. Mobilität ist zum Synonym für Freiheit geworden. Beweglich sein, flexibel, das ist höchstes Gut, wahrer Luxus. Reisemobilfahrer dürfen diese Freiheit noch ein bisschen intensiver genießen.

Technische Daten (Stand: Oktober 2006) Hersteller: Knaus Modell: Knaus Van TI 550 MD Basisfahrzeug: Fiat Ducato Typ: Teilintegrierter Preis: ab 38150 EUR Sitze mit Gurt: 4 Schlafplätze: 2 Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg Länge: 5990 mm Basismotor: Turbodiesel PS: 100

Kompakte Teilintegrierte, auch gerne als Van bezeichnet, verbinden Unabhängigkeit und Flexibilität noch enger miteinander. Auf diesen Mythos unbegrenzter Mobilität setzt nun auch Knaus mit dem Van TI.

Aus ästhetischer Sicht hat sich das Warten auf den Van TI allemal gelohnt. Modern steht er da in seinem optionalen Silber-Metallic-Dress mit grau abgesetzten Schürzen, Hecksäulen und der dunkel eingefärbten Haube über dem Fahrerhaus. Diese ist, von außen kaum sichtbar, von einem Panoramafenster à la Sun TI durchbrochen. Dass dieser Lichtblick inzwischen von vielen Herstellern kopiert wird, zeigt, dass Knaus einen guten Riecher hatte. Im Gegensatz zu den ersten Varianten im 2004 vorgestellten Sun TI besteht das breite Fenster aus doppelwandigem Acryl.

Der Van TI ist mit 2,19 Meter etwas breiter als in dieser Klasse üblich. Das kommt dem Raumgefühl umso mehr entgegen, als man in einem typischen Reisevan keine ausufernden Platzverhältnisse hat. Die Außenlänge von sechs Metern wird heute auch von großen, ausgebauten Kastenwagen erreicht, denen der Knaus mit seinen geraden Seitenwänden bei der Raumausnutzung freilich eine Nasenlänge voraus ist.

Mit Campingbussen hat der kleine Knaus noch etwas gemeinsam: Steht so ein Van TI vor der Tür, bekommt man einfach Lust, sich spontan auf die Socken zu machen.
Die Vorfreude fördert dabei der Fiat Ducato, dessen Flachrahmenchassis in Verbindung mit breiter hinterer Spur und den kompakten Abmessungen geradezu sportliche Fahreigenschaften verspricht. Sogar der kleine 100-PS-Serienmotor mag für den Kurztrip übers Wochenende noch genügen.

Auf mehrwöchigen Reisen wird im Van TI ohnehin der Stauraum knapp. Insgesamt vier Hängeschränke, einer davon unter Umständen zur Hälfte vom optional erhältlichen Flachbildschirm belegt, machen das Einladen zu einer kurzen Angelegenheit; auch das fördert die Spontaneität. Fahrräder und Campingmöbel werden in der Garage an den serienmäßigen Schienen und Ösen verzurrt, Jacken wandern in den Kleiderschrank und dann ab auf die Piste.

Vorzugsweise zu zweit. Mehr Schlafplätze gibt‘s nicht. Tagesausflüge sind indes auch zu viert machbar. Die hintere Sitzbank bietet noch zwei Dreipunktgurte für Passagiere. Der Esstisch lässt sich mit einer drehbaren Platte vergrößern. Die bequemen Aguti-Pilotensitze im Knaus-eigenen Design kosten solo 939 Euro extra, sind wahlweise aber auch im Home-Line-Paket (2450 Euro) zu haben – in Verbindung mit weiteren sinnvollen Extras. Remis-Faltjalousien, eine Außenleuchte, die Fliegengittertür sowie Isolation und Beheizung des Grauwassertanks gehören beispielsweise dazu.

Auch die kompakte, farblich abgesetzte Küche lässt sich mit dem Paket aufpeppen. Mit drei statt zwei Kochflammen und einem größeren 97-Liter-Kühlschrank. Die Grundbedürfnisse für Spontanreisen werden schon serienmäßig gestillt.

Zur Freiheit gehört seit Kant ja die Einsicht in die Notwendigkeit. Man muss nicht alle Gedankenspaziergänge des Königsberger Philosophen nachvollziehen können, doch passt diese Erkenntnis auch auf die einerseits handlichen, aber innen knapp geschnittenen Vans. Notwendige Kompromisse bleiben nicht aus, doch der Van TI macht das Beste daraus.

Trotz des Miniformats entsteht durch Vorziehen einer Jalousie eine Art Ankleidezimmer. Frisch geduscht kann der Reisende so vor neugierigen Blicken geschützt vom Sanitärraum aus den Kleiderschrank gegenüber erreichen.

Im Bad selbst gefällt der Van TI ebenfalls mit trickreichen Lösungen. Die Spiegelwand lässt sich um neunzig Grad zur Seite schwenken, wobei das Waschbecken in ein abgeteiltes Fach im Heckstauraum gleitet. So entsteht eine Dusche mit erstaunlicher Bewegungsfreiheit. Weil Wände und Schiebetür aus abwaschbarem Kunststoff bestehen, fällt auch das unkomfortable Hantieren mit einem Duschvorhang flach.

Müde von der ausgedehnten Bergwanderung steht dann am Abend eine letzte harmlose Kletterpartie an: die zwei Stufen hinauf ins Bett quer im Heck. Das nimmt die gesamte Raumbreite von gut zwei Meter ein und verjüngt sich von 1,36 Meter Breite am Kopfende auf moderate 1,25 Meter. Eine Federkernmatratze gibt es allerdings nur gegen Aufpreis.

Der vorerst einzige angebotene Grundriss ist unter den Vans keine Überraschung. Doch im Detail ist Knaus ein pfiffiges Fahrzeug geglückt. Da spielt es keine Rolle, dass der Van TI in der Kompaktklasse ein Nachzügler ist. Weitere Vans anderer Marken folgen sicher bald.
Der Knaus Van TI wird seinen Weg machen. Für 38 150 Euro Grundpreis bringt er auch weniger Betuchten den Traum von Freiheit ein Stück näher.

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