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Hymer B-Klasse im Gebraucht-Check

Was taugt die Hymer B-Klasse als Gebrauchter?

Kein Integrierter ist so häufig auf unseren Straßen zu sehen wie die Hymer B-Klasse. Foto: Ulrich Kohstall, Archiv 10 Bilder

Kein Integrierter ist so häufig auf unseren Straßen zu sehen wie die Hymer B-Klasse. Entsprechend oft taucht der Bestseller als Gebrauchter auf. Ist die 2006 abgelöste Generation empfehlenswert?

29.03.2017 Ulrich Kohstall

Sucht man einen Integrierten in der Preislage zwischen 20.000 und 30.000 Euro, kommt man an der häufig angebotenen B-Klasse kaum vorbei. Das Erfolgsmodell aus dem Hause Hymer dominiert seine Klasse – ebenso wie damals als Neufahrzeug. Gleichermaßen hat sich am Image kaum etwas geändert: Auch eine gebrauchte Hymer B-Klasse steht für Gediegenheit und Innovation.

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promobil 3/2017 Gebrauchtcheck Hymer B-Klasse
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Das Prestige eines Bestsellers schützt beim Gebrauchtkauf jedoch nicht unbedingt vor Überraschungen. Das zeigt die Auswertung unserer Umfrage unter B-Klasse-Besitzern. Um die Flut der B-Klasse-Varianten einzugrenzen, geht es bei der Auswertung ausschließlich um zwischen 1994 und 2006 gebaute Modelle.

Wie beständig ist der Aufbau der B-Klasse?

Womit andere Reisemobile erst jetzt auftrumpfen, war für die B-Klasse schon früh selbstverständlich: ein Aufbau ohne tragende Holzelemente. Die Hymer-typische Konstruktion mit PU-Schaum-Isolierung erfüllt grundsätzlich die hohen Erwartungen. Undichtigkeiten am Aufbau kommen vergleichsweise selten vor. In den wenigen Fällen ist zumeist der Übergang vom Dach zur Frontmaske betroffen, gelegentlich auch die Abdichtung von Frontscheibe und Heckfenster. 

Anders als Dach und Wände besteht jedoch die Bodenplatte der B-Klasse ganz herkömmlich aus Holz und Styropor. Dringt Feuchtigkeit ein, ist also Fäulnis möglich; in der Praxis meist dann, wenn die Klappen von Garage und Unterflurfächern nicht dicht halten, was häufiger vorkommt. Nicht besser als bei der breiten Masse der Reisemobile fällt die Qualität der Anbauteile aus: Die Dachluken und der große Kurbeldachlüfter können undicht werden und die Schlösser der Aufbautüren den Dienst versagen.

Auffällig oft monieren B-Klasse-Besitzer frühzeitig alternde Kunststoff- und Metallteile rund um den Aufbau: Radläufe und Stoßstangen verspröden, werden brüchig und der Lack blättert ab. An den Seitenschürzen nagt mitunter Alufraß. Der einstige Glanz des Hymer-Vorzeigemodells leidet außerdem unter Farbunterschieden zwischen den Alu-Wänden und einer zunehmend matter werdenden GfK-Bugmaske. Penibel gepflegte Exemplare, die nicht dauerhaft im Freien standen, sind hier im Vorteil.

Wo liegt die Halbwertszeit bei Möbelbau und Bordtechnik?

Im Innenraum sind es abermals Kunststoffteile, die keinen guten Eindruck hinterlassen. Die Innenverkleidungen der Türen vergilben ebenso wie die Badeinrichtung. Wirklich unschön wird es, wenn dort Wandteile, Waschbecken und Duschwanne Risse aufweisen.

Ein Blick auf den Boden lohnt sich ebenso in der Küche. Manchmal macht der PVC-Belag hier die Welle. Die Möbel selbst sind von solider Natur, auch wenn manche Besitzer über Klappergeräusche klagen. Für diese ist oft das Hubbett verantwortlich. Selten kommt es hier außerdem zum Ausfall der Gasdruckfedern. 

Ungleich häufiger gibt die Tauchpumpe im Frischwassertank auf. Ebenfalls anfällig und nicht so leicht zu wechseln: der Elektroblock mit Ladegerät und die Wasserhähne. An den erfassten Mängeln zum Thema Kühlschrank war meist dessen Elektrik schuld. Im üblichen Rahmen bewegen sich die Schäden an der übrigen Installation, wie etwa undichte Boiler. Schließlich geht es hier um mindestens zehn Jahre alte Fahrzeuge, die oft intensiv genutzt wurden. 

Wie zuverlässig ist das Basisfahrzeug?

Rund 85 Prozent der Befragten haben eine Hymer B-Klasse auf Basis des Fiat Ducato. Die aufgetretenen Defekte können als typisch gelten: Betroffen sind die Wegfahrsperre sowie Radlager und ausgeschlagene Traggelenke an der Vorderachse. Weil eine B-Klasse schon früher mit teuren Extras versehen wurde, treten folglich auch vermehrt Schäden an der Klimaanlage und am Automatikgetriebe auf. 

Eine echte Hymer-B-Klasse-Spezialität scheinen undichte Kühler zu sein. Durch den Schriftzug mit großen Öffnungen an der Front kommt es offenbar vermehrt zu Steinschlag. Ganz sicher hat es nichts mit der Fiat-Technik zu tun, wenn die Höhenverstellung der Scheinwerfer streikt und dort öfter die Glühlampen ausfallen, die überdies nur mit Mühe zu wechseln sind.

Beim B-Starline auf Mercedes Sprinter gilt es, besonders auf Defekte am optionalen Sprintshift-Getriebe und starke Verrostungen am Chassis zu achten. Vor Korrosion sind aber auch die von Hymer montierten Rahmenverlängerungen nicht sicher. Während Sprinter-Besitzer eine weiche Federung bemängeln, ärgert Fiat-Fahrer übertriebene Härte. Speziell die Federn der 3,5-Tonner sind mit Beladung oft am Anschlag. Hier helfen nur nachträglich einbaubare Zusatzfedern. 

Preis und Marktlage der Hymer-B-Klasse-Gebrauchten

Eine B-Klasse der neueren Generation mit niedrigem Kilometerstand für 25.000 Euro? Das klingt nach einem guten Angebot. Im Fall des gezeigten Modells lässt sich der gemäßigte Preis aber nicht zuletzt auf den ebenfalls mäßigen Pflegezustand zurückführen. Eine Hymer B-Klasse ist begehrt und deshalb selten ein echtes Schnäppchen.

Vergleichsweise günstig gelangt man vor allem an die von 1994 bis 1997 gebauten Modelle. Sie basieren bereits auf dem Ducato der zweiten Generation, erinnern aber hinsichtlich Aufbau und Möbel noch an frühere B-Klasse-Modelle. Solche Exemplare kann man bereits ab 15.000 Euro finden. 

Für die rundum moderner wirkende Hymer B-Klasse mit dem Vier-Augen-Gesicht lohnt sich die Suche erst, wenn man mindestens ein Budget von 20.000 Euro einplant. Wer dagegen eine kurz vor dem Modellwechsel 2006 gebaute B-Klasse ins Visier nimmt, legt besser noch einmal 10.000 Euro drauf. Diese Exemplare gelten dafür aber als besonders ausgereift. 

Sucht man die Kombination von Reife und günstigem Preis, wird der Hymer B-Classic zum Geheimtipp. Er ist allerdings ähnlich selten wie die kostspieligeren Starline-Varianten. 

In diesen Bereichen traten Schäden auf

  • Basisfahrzeug (Fiat): 57,3%
  • Basisfahrzeug (Mercedes): 54,2%
  • Wasseranlage: 49,0%
  • Aufbaufenster/-hauben: 38,3%
  • Kühlschrank: 33,2%
  • Bordelektrik: 25,7%
  • Dichtigkeit Aufbau: 24,1%
  • Heizung/Boiler: 23,3%
  • Aufbautür: 17,8%
  • Möbel: 15,4%
  • Gas-Installation: 8,7%

Darauf müssen Sie bei Hymer B-Klasse Gebrauchtmobilen achten

Anbauteile: An den Kunststoffen der Stoßstangen und Radläufe blättert bei älteren Exemplaren der Klarlack ab, was ein rein optischer Mangel ist. An den metallenen Seitenschürzen tritt aber auch Alufraß auf.

Sanitärraum: Die vielen Kunststoffteile im Bad werden dem Qualitätsanspruch der Marke nicht immer gerecht. Weiße Flächen vergilben, an Waschbecken und Duschwanne bilden sich mit höherem Alter immer häufiger Risse. 

Wasseranlage: Ein echtes Verschleißteil ist die leicht zu wechselnde Tauchpumpe. Schwieriger gestaltet sich der Austausch der Wasserhähne, die ebenfalls nicht selten wegen defekter Schalter oder Undichtigkeiten ausfallen. 

Hubbett: Hymer gilt als Erfinder des absenkbaren Betts im Bug. Eigentlich genial, aber früher wohl wenig ausgereift. Viele B-Klasse-Eigner kritisieren das Hubbett wegen des Klapperns beim Fahren. Beim Liegen stören sie Knarzgeräusche und die dünne Matratze. 

Klimaanlage: Obwohl es hinter der großen Frontscheibe im Sommer heiß werden kann, haben nicht alle älteren B-Klasse-Modelle eine Klimaanlage im Fahrerhaus. Falls vorhanden: unbedingt die Funktion überprüfen. 

Fahrwerk: Besitzer bemängeln bei 3,5-Tonnern oft eine – selbst für zwei Personen – zu geringe Zuladung. Störend ist manchmal auch eine unausgewogene Federung und bei Doppelbodenmodellen die knappe Bodenfreiheit. 

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 03/2017
Heft 03 / 2017 15. Februar 2017 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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