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Alkovenmobil Hymer Camp im Gebrauchtcheck

Der jahrelange Beststeller aus Deutschland

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv 8 Bilder

Jahrelang zählte das Alkovenmobil aus dem Hause Hymer zu den meistverkauften Reisemobilen auf dem deutschen Markt. Wie gut ist der Camp heute als Gebrauchter? Wir haben Besitzer danach gefragt.

Seit 2011 baut man bei Hymer keine Alkovenmobile mehr. Damals ging eine Ära zu Ende, denn der Hymer Camp war über Jahrzehnte fast schon ein Urmeter dieser Aufbaugattung.

Im Folgenden beschränken wir uns auf die Baujahre zwischen 1994 und 2006, also jenen Zeitraum, in dem der Fiat Ducato als 230 und später als gelifteter 244 den Hymer motorisierte. In diesen Jahren lief der Camp zur Hochform auf. Es gab ihn als günstigen und einfach ausgestatteten Swing ebenso wie als edlen Camp GT mit doppeltem Boden. Die Grundrissvariationen reichen von unter sechs Meter langen Kompaktmodellen für Paare bis hin zu Familienversionen mit Etagenbetten über sieben Meter Länge.

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
2002 wandelte sich der Ducato vom 230 zum 244 und bekam ein neues Armaturenbrett, hier sehr gepflegt und sogar mit Klimaanlage.

Diese Bandbreite führt zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen der befragten Besitzer. Während sich die einen über gute Fahrleistungen und geringes Leergewicht freuen, stoßen große und gut ausgestattete Modelle, die auch zu sechst benutzt werden können, bei der Motorleistung und Zuladung an Grenzen. Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Kommentare, die sich oft auf eine solide Verarbeitung beziehen. Auch die Verfügbarkeit und Lieferzeit von Ersatzteilen wird lediglich von weniger als zehn Prozent der Besitzer kritisiert.

Dass dennoch nur gut die Hälfte der Befragten angab, sie würden sich ein Modell der gleichen Baureihe heute noch einmal kaufen, überrascht nicht. Schließlich gibt es diese Fahrzeuge nur noch als Gebrauchte, dazu sind Alkovenmodelle insgesamt längst nicht mehr so gefragt wie in den besten Tagen des Hymer Camp.

Auf- und Ausbau

Die hochwertige Aufbaukonstruktion war seinerzeit eines der Verkaufsargumente für den Camp. Zu Recht, wie unser Gebrauchtcheck zeigt: Der Hymer-Alkoven wird deutlich seltener von Undichtigkeiten geplagt wie vergleichbare Fahrzeuge. Sollte doch Feuchtigkeit eindringen, richtet sie keine so großen Schäden an, denn durch die stabile Isolierung aus PU-Schaum spielt Holz keine tragende Rolle.

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Jahrelang zählte das Alkovenmobil aus dem Hause Hymer zu den meistverkauften Reisemobilen auf dem deutschen Markt. Wie gut ist der Camp heute als Gebrauchter?

Mit einer Ausnahme: Die Bodenplatte besteht wie bei damaligen Wettbewerbern aus Sperrholz, hölzernen Latten und Styropor. Sie braucht Pflege durch einen entsprechenden Schutzanstrich und kann sonst etwa beim Eindringen von Spritzwasser verrotten. Oft treten Undichtigkeiten jedoch an Dach und Fenstern auf und haben die gleiche Ursache wie bei praktisch allen Reisemobilen gleichen Alters: Insbesondere die Abdichtungen von Dachhauben verspröden und können ihrer Aufgabe so nicht mehr nachkommen.

Mit vielen damals günstigeren Modellen teilt der Hymer auch einen weiteren Knackpunkt im Innenausbau: Waschbecken und Duschwanne sind aus einfachen Kunststoffen gefertigt, die mit steigendem Alter brüchig werden. Auch so kann Wasser in den Boden dringen. Weniger kritisch sind die andernorts großflächig eingesetzten Kunststoffe. Trotzdem ärgerlich, wenn sich die Innenverkleidung der Aufbautür verfärbt und Risse bekommt oder die Innenverkleidung des kuppelförmigen Alkoven während der Fahrt durch Knarzen auf sich aufmerksam macht.

Nebengeräusche verursacht manchmal auch die faltbare Insektenschutztür der besser ausgestatteten Modelle. Während die Tür selbst selten Probleme bereitet, lohnt es sich, auf die reibungslose Funktion der ausfahrbaren Stufe zu achten – einschließlich Warnsummer. Im unteren Bereich verdienen ebenso die Außenklappen in den Seitenschürzen einen prüfenden Blick. Verschlüsse und Dichtungen sollten sicherstellen, dass weder Staub noch Wasser ins Innere dringen kann. Dicht und funktionsfähig muss auch die Wasseranlage sein, die in der Mängelstatistik einen unrühmlichen zweiten Platz belegt. Hier monieren Besitzer defekte Hähne und insbesondere Tauchpumpen.

Die hohe Qualität, die Käufer von einem Hymer erwarten, bestätigt sich dagegen bei den Möbeln. Trotz vieler unterschiedlicher Ausführungen in den diversen Camp-Modellen bildet eine solide Bauweise den gemeinsamen Nenner.

Basisfahrzeug

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Zum Modelljahr 2003 wurde der Camp innen modernisiert. Die damals innovativen Kunststoffteile der Möbel wirken heute noch recht solide.

Da die Camp Starline auf Mercedes Sprinter in unserer Befragung die Ausnahme blieben, beschränken wir uns an dieser Stelle auf den Fiat Ducato. Der zeigt auch in dieser Umfrage seine typischen Stärken und Schwächen. Kapitale Schäden bleiben die völlige Ausnahme. Ungleich häufiger tauchen defekte Radlager und Antriebswellen auf. Vergleichsweise oft bemängeln Besitzer außerdem undichte Einspritzpumpen. Je älter die Ducato-230er-Modelle werden, desto mehr kommt das Thema Rost auf die Tagesordnung. Angesichts eines Fahrzeugalters von mehr als 20 Jahren bleibt die Korrosion am Fahrerhaus aber noch im Rahmen. Nicht gleich sichtbar, aber auf jeden Fall ein Mangel bei der Hauptuntersuchung: die nicht selten defekte Leuchtweitenregulierung.

Marktlage

Besitzer loben den guten Wiederverkaufswert des Hymer Camp, eine klassische Stärke bekannter Marken. Für Käufer ist das erst einmal kein Vorteil. Dennoch sind Schnäppchen im sehr breit gefächerten Angebot gebrauchter Hymer-Alkoven nicht ausgeschlossen. Ein günstiger Einstieg gelingt vor allem dann, wenn man sich auf Swing-Varianten konzentriert und kurze Modelle bevorzugt. In diesem Fall kann man schon für weniger als 15.000 Euro ein solide gebautes Reisemobil bekommen. Üppige Stauräume darf man in den Kompakten jedoch ebenso wenig erwarten wie ein bequem zugängliches festes Bett. Geschlafen wird hier im eher flachen Alkoven.

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Die kuppelartige Alkovenform sorgt für mehr Kopffreiheit.

Unter den regulären Camp-Modellen ist ebenfalls eine Ausführung ohne Garage am stärksten vertreten: der 544 – abhängig vom Baujahr bereits unter 20.000 Euro zu haben. Selbst das noch recht frische und gepflegte Exemplar auf unseren Bildern überschreitet diese Marke nur knapp. Für einen 644 mit Heckquerbett und Garage muss man dagegen mit rund 25.000 Euro kalkulieren. Ein guter Kompromiss könnte der etwas günstigere 524 mit Einzelbett hinten und schmaler Garage sein. Generell teuerer werden die Starline-Modelle gehandelt. Doch muss man überhaupt erst eines finden, denn die Camp auf Mercedes waren schon als Neufahrzeug eine echte Rarität.

Daten & Fakten zur Baureihe

Hymer Camp (Baujahr 1994 bis 2006)
Basisfahrzeuge: Fiat Ducato, Mercedes Sprinter
Bauweise: Aufbau außen Alu, Isolierung PU-Schaum (Dach, Wände) EPS (Boden)
Sitz-/Schlafplätze: 4-7/3-7

Informationen vorgestelltes Modell

Hymer Camp 544 K
Erszulassung: 04/2004
Kilometerstand laut Händler: 89.000
Preis: 21.490 Euro
Zulässiges Gesamtgewicht: 3500 kg
Gesehen bei: Wanner Caravaning, 72144 Dußlingen

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Darauf müssen sie achten

Aufbauboden: Die fortschrittliche Hymer-Bauweise bezieht sich bei den damaligen Hymer Camp nicht auf die Bodenplatte. Hier kommen Sperrholz und Holzverstärkungen zum Einsatz. Wenn der Unterbodenschutz nicht unversehrt ist, kann Feuchtigkeit eindringen.

Kunststoffteile: Speziell im Bad setzte Hymer großflächig Kunststoffe ein, die sich im Lauf der Jahre oft verfärben. Kritisch wird es vor allem, wenn Duschwanne oder Waschbecken Risse haben und undicht geworden sind.

Wasseranlage: Die Tauchpumpe gilt als Verschleißteil und ist leicht auszuwechseln. Nicht ganz so einfach klappt das bei den oft defekten Wasserhähnen. In Einzelfällen berichten Besitzer auch von Undichtigkeiten an Wasserverteiler und Schläuchen.

Betten: Typische Grundrisse des Hymer Camp gelten heute als kompromissbehaftet. Die einzige feste Liegefläche befindet sich oft im Alkoven und muss erklettert werden. Modelle mit Querbett und Garage im Heck sind selten zu finden.

Fahrerhaus: Viele Hymer Camp stammen noch aus den 1990er Jahren. Bei frühen und weniger gepflegten Exemplaren kommt es mitunter zu Durchrostungen an den Türen, den Türschwellern und den Radläufen.

Eine stetige Evolution

Gebrauchtcheck: Hymer Camp Foto: Ulrich Kohstall, Archiv
Die kuppelartige Alkovenform sorgt für mehr Kopffreiheit.

Nach der Erneuerung des Fiat Ducato zum Modelljahr 1995 steht das Alkovenmodell aus dem Hause Hymer mit sechs unterschiedlichen Grundrissen zur Verfügung. Zur Saison 1999 verändert sich die Camp-Baureihe deutlich sichtbar: Der Alkoven besteht nunmehr aus einem kuppelförmigen GfK-Teil. Insgesamt übernimmt der Camp damals viele Merkmale der B-Klasse. Schon zuvor hatte Hymer die Alkovenreihe gesplittet: Für Einsteiger sind die günstigeren Swing-Modelle gedacht, die weiterhin den klassisch-kantigen Schlafplatz über dem Fahrerhaus tragen. In der Saison 2003 entfällt der Swing zugunsten einer erneuerten Camp-Reihe mit grauen Außenwänden. Der Fiat Ducato ist nicht die einzige Basis für den Camp: Ab 1996 ist parallel der Hymercamp Starline auf Mercedes Sprinter lieferbar. Erst nach dem nächsten großen Ducato-Modellwechsel 2006 kommt alternativ auch der Ford Transit in Frage.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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