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Frankia Comfort Class 700 FD-VS

Ausklappbare Träume

Wenn das Schlafzimmer zu klein ist, dann baut man an. Wie bewährt sich das erste deutsche Serienmobil mit Wohnauszug, der Frankia Vario-Space?

16.05.2001

Mit ungewöhnlichen Bettenlösungen hat sich Frankia einen Namen gemacht: ein Längshubbett im Teilintegrierten T 60, ein Schrankbett im kürzlich eingestellten KB-Grundriss – und jetzt eine Klappcouch, die sich beim Ausfahren eines Erkers in ein Doppelbett verwandelt. Als erster deutscher Hersteller wagen sich die Franken an die Serienfertigung eines Erkermobils. Ganz in der Frankia-Tradition wird dabei – nicht wie üblich die Sitzgruppe vergrößert – sondern eine komfortversprechende Bettenlösung realisiert. Der fahrerseitige Auszug – von Amerikanern Slide-out genannt – fährt elektrisch heraus und vergrößert so die Grundrissfläche um rund einen Quadratmeter. An wuchtigen Schienen geführt, vermittelt die kastenförmige Sandwichkonstruktion einen soliden Eindruck. Doppelte Dichtungen lassen ein Eindringen von Wind und Wasser – bei entsprechender Wartung und Pflege – nicht befürchten. Um dabei von vornherein auf der sicheren Seite zu sein, verwendet Frankia bewährte, nahezu unverwüstliche Dichtungen aus amerikanischer Herstellung. Ein Rollo über dem Auszug verhindert zusätzlich, dass Wasser oder Schnee auf dem Erkerdach stehen oder liegen bleibt.

Das Betätigen des Vario- Space ist fast kinderleicht – die Kabinenwand bewegt sich wie von Geisterhand per Knopfdruck. Zuvor muss allerdings ein Verriegelungshebel über dem Erker umgelegt werden, der von kleinen Personen schwer zu erreichen ist. Sicherheitshalber ist die Vario-Space- Elektrik mit dem Fahrzeugmotor gekoppelt, während der Fahrt bewegt sich der Erker nicht. Eine solide Slide-out-Konstruktion hat ihren Preis. Das zeigt sich an den Mehrkosten von rund 8000 Mark gegenüber einem vergleichbaren Modell – und ebenso in puncto Gewicht: 150 Kilo gibt Frankia an. Summa summarum macht das beim Testwagen 3450 Kilo im reisefertigen Zustand. Das aufpreispflichtige Maxi-Chassis ist beim I 700 FD-VS also fast obligatorisch. Besser noch wählt man einen Tandemachser mit 4,0 oder 4,5 Tonnen Gesamtgewicht. Das bringt nicht nur mehr Zuladung, sondern auch eine stabilere Straßenlage. Angesichts des Aufwands stellt sich die Frage nach den konkreten Vorteilen des Auszugs. Ein festes Doppelbett und ein großes Bad mit separater Dusche ist auf sieben Meter Außenlänge auch ohne Erker zu verwirklichen, siehe auch Frankia 700 FD und BD. Der besondere Vorzug des Vario-Space besteht in der von zwei Seiten zugänglichen Liegefläche, die jedoch für ein komfortables Doppelbett zu schmal ausfällt. Manche Paare werden das breitere Hubbett vorziehen oder getrennt schlafen. Bleiben als weitere Vario-Vorteile die Funktion des Heckbetts als Sofa vor dem Schrank mit Schminktisch gegenüber. Damit kommt ein Hauch Luxusklasse in den sonst eher bodenständigen Frankia. Nicht zu vergessen ist auch das großzügige Raumgefühl im VS-Grundriss, verstärkt durch das weit geöffnete Bad und dessen großen Spiegel. Der Sanitärbereich erstreckt sich im Heck über die gesamte Breite – Waschtisch, Toilette und Dusche stehen jeweils separat. Ist die große Schiebetüre geschlossen, wird derBewegungsraum am Waschbecken aber knapp.

Etwas mehr Sorgfalt hätte am Becken und in der Dusche die Verfugung verdient. Stauraum für Hygieneartikel gibt es genug. Auch im Wohnbereich dürften dank Hänge- und Unterschränken, großem Kleider- und Wäscheschrank kaum Platzproble- me auftreten. Sperrige Ladegüter bleiben aber außen vor, denn die verwinkelten Staufächer im Doppelboden und im Bettkasten sind schlecht nutzbar. Die faltbare Frankia-Quick- Garage fürs Mobilheck kann hier weiterhelfen. Einladend wirkt die L-Sitzgruppe mit kleiner Seitenbank und gedrehten Cockpitstühlen rund um den verschiebbaren Tisch. Auf der Querbank stehen zwei Dreipunktgurte zur Verfügung. Der Fensterplatz ist aber nur für Kindersitze geeignet. Erwachsene müssten die Beine auf die L-Bank hochlegen. Abhilfe schafft die Klappbank gegen 250 Mark Aufpreis. Mehr Lob als Tadel hat die praxistaugliche Winkelküche verdient. Doppelspüle mit pfiffigen Schneidebrettern, Unterschrank mit vielseitigen Korbfächern und Dreiflammkocher mit Ablauf stehen einem lärmigen Dunstabzug und ein paar scharfen Kanten gegenüber. Bordtechnik und Aufbau sind Frankia-typisch solide und hochwertig. Das reicht von der großen, geräuschgedämmten Motorhaube und den holzfreien GfK-Sandwichwänden mit Styrofoam- Isolierung bis zur aufwendigen Heizungsinstallation mit serienmäßigem Motorwärmetauscher und den großen Wassertanks im Doppelboden. Fazit: Der Vario-Space ermöglicht einen völlig neuen Grundriss, dessen Vorteile jedoch nicht jeden überzeugen werden und durch Mehrgewicht und -preis erkauft werden müssen. Wer aber seine Besonderheiten schätzt, bekommt mit dem Erker-Frankia ab 132 000 Mark einen praxistauglichen Hingucker.

Technische Daten (Stand: Mai 2001) Hersteller: Frankia Modell: Comfort Class 700 FD-VS Basisfahrzeug: Fiat Ducato 15 Typ: Integrierter Preis: ab 59740 EUR Sitze mit Gurt: 4 Schlafplätze: 6 Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg Länge: 7105 mm Breite: 2248 mm Höhe: 3040 mm Basismotor: Diesel KW: 94 PS: 127

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