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Esterel 21 LD

Anziehend

Esterel 21 LD Foto: Granville/factum, Kohstall

Der schmucke Esterel zieht Blicke auf sich. Doch nicht allein seine Form macht ihn begehrenswert.

Wer sein Reisemobil nach Euro pro laufendem Meter aussucht, braucht gar nicht erst weiterzulesen. Rund 100 000 Euro verlangt Esterel für einen sechseinhalb Meter kurzen Integrierten – das könnten selbst anspruchsvolle Käufer als gewagt empfinden. Besser vergisst man also Daten und Zahlen und begegnet dem wohl nobelsten französischen Serienmobil unvoreingenommen wie bei einem ersten Rendezvous. Gut sieht der Esterel aus, viel mehr nach den Showrooms der Autohersteller als nach Campingfachhandel.

Kaum Nahtstellen oder Klappenrahmen unterbrechen die fließenden Linien – Kompliment. Dahinter oder besser darunter steckt eine aufwendige Gitterrahmenkonstruktion. Umso sympathischer, dass sich der Esterel auch wie ein modernes Auto anfühlt. Eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, stabile Türgriffe – so erreicht man bequem einen Fahrerplatz, der mehr an Großraumlimousinen als an Reisebusse erinnert. Der gesamte Aufbau verjüngt sich zum Bug hin, was Übersichtlichkeit und Handling erleichtert. Nur in einem Punkt ging Schönheit vor Nutzen: Tief unten im Schubfach hinter der Fahrertür versteckt Esterel den Tankdeckel.

Das Mercedes-Fahrgestell trägt seinen Teil zur überraschenden Wendigkeit bei. Weitere Stärke des Sprinter 316 CDI: der kräftige Fünfzylinder-Motor. In der Praxis nutzt der Fahrer die Leistung eher fürs gleichmäßige Dahingleiten als für Vollgasfahrten. Jenseits von 120 km/h steigen Geräuschpegel und Verbrauch stark an.

Auf deutschen Autobahnen hängt das Tempo außerdem vom Gesamtgewicht ab. Eine Zulassung als 3,5-Tonner und damit nur 255 Kilo Zuladung genügen bestenfalls Paaren ohne großes Gepäck. Auf die sichere Seite begibt man sich mit der Auflastung auf 3,8 Tonnen, muss sich aber mit Tempo 80 begnügen. Das passt jedenfalls zu dem im Testwagen montierten Sprint-Shift-Getriebe. Bei ruhiger Fahrweise wechselt die Automatik die sechs Gänge sanft, wird jedoch ruppig, wenn man ihr Beine macht.

Souveräne Gelassenheit entspricht ohnehin dem Naturell des Franzosen. Mögen viele Komponenten aus dem Automobilbau stammen, im Innern gibt der Esterel die Yacht. Tiefblaue Alcantara-Polster harmonieren mit Accessoires im Messing-Look und massivem Ahorn. Den Grundriss des 21 LD kennt man aus meist längeren Teilintegrierten. Die Esterel-Hülle passt dazu wie ein Maßanzug. So darf man von der komfortabel gepolsterten Liegefläche im Heck nicht gerade verschwenderische Abmessungen erwarten. Noch etwas kürzer fällt das Hubbett aus. Auf leichte Einschränkungen muss man sich auch im Bad gefasst machen. Scharfkantige Hängeschränke begrenzen den Bewegungsspielraum im Kopfbereich. Durch einen begehbaren Rost auf der Duschwanne nutzt Esterel die vorhandene Bodenfläche aber gut aus. Sehr stilvoll ist die Komposition aus Chrom, Spiegeln, Nussbaum-Look und Kunststein.

Ansprechende Materialien gepaart mit viel Platz machen die Küche zum Fest für die Sinne. An Ablaufrinnen in der Arbeitsfläche dachte man ebenso wie an Flaschenhalter. Im riesigen Unterschrank könnte der Wein ebenso gleich kistenweise gelagert werden. Wohl dosiert eröffnen sich auch rundherum genügend Stauräume: Schubladen unterhalb des Kleiderschranks, eine (nur nach Abnehmen der Polster zugängliche) Seitenbanktruhe, ein hohes Garagenfach oder eine voluminöse Außenschublade. So vermisst man den in der 100 000-Euro-Klasse üblichen Doppelboden allenfalls im Wintereinsatz. Die sparsam verteilten Warmluftausströmer bevorzugen das Schlafzimmer statt die Sitzgruppe.

Clevere Esterel-Händler wie Staudt bei Mannheim rüsten hier nach und bieten außerdem eine Kraftstoffheizung für den Bugbereich an. Andere Aspekte der Bordtechnik ging Esterel vorbildlich an und installierte übersichtliche Kabelbäume wie im Pkw. Auch die in die Decke eingelassenen Halogenspots verbinden Form und Funktion. Lediglich im Bad und an den vorderen Sesseln wünschte man sich noch etwas mehr Helligkeit. Doch wer dem ganz besonderen Chic und Charme des Esterel erliegt, der kann über derlei schnöde teutonische Krittelei nur lächeln – c’est la vie!

Technische Daten (Stand: Oktober 2004) Hersteller: Esterel Modell: 21 LD Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter 316 CDI Typ: Integrierter Preis: ab 98900 EUR Sitze mit Gurt: 4 Schlafplätze: 4 Zul. Gesamtgewicht: 3800 kg Länge: 6650 mm Breite: 2340 mm Höhe: 2890 mm Basismotor: Turbodiesel KW: 115 PS: 156

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