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Gebrauchtcheck Knaus Sun Liner

Qualität stimmt noch nach 10 Jahren

Aufmacher Foto: Fotos: Ulrich Kohstall, ArchivFotos: Ulrich Kohstall, Archiv 10 Bilder

Die zweite Generation des Integrierten wirkt auch heute noch erstaunlich modern. Nach über zehn Jahren können Sun-Liner weiterhin ihre Qualitäten als elegantes und geräumiges Reisemobil ausspielen.

29.06.2017 Ulrich Kohstall

Der Knaus Sun-Liner trat vor 14 Jahren kein leichtes Erbe an. Damals ersetzte er den Travel-Liner, der mit seinen extravaganten Formen zuvor für Aufsehen sorgte. Der Sun-Liner wirkt im direkten Vergleich konventioneller. Er zettelte keine Design- oder Technik-Revolution an, sondern wollte in der populären Mittelklasse mit hohem Praxisnutzen punkten. Aus heutiger Sicht ist das ein Vorteil. Die Aufbauform wirkt heute noch gefällig und muss sich gewiss nicht vor moderneren Integrierten verstecken. Das Gleiche gilt für das geradlinige Interieur, das schon seinerzeit jedem Anflug von Gelsenkirchener Barock eine klare Absage erteilte. Modern erscheint der Sun-Liner aber auch in einem anderen Sinne: Er erblickte zu einem Zeitpunkt das Licht der Welt, als zahlreiche Ausstattungsmerkmale auftauchten, die heute in dieser Klasse fast als selbstverständlich empfunden werden.

Direkt zu den einzelnen Kapiteln:

Der Sun-Liner rollt zum Beispiel auf einem Tiefrahmen, der ihm einen stufenlosen Doppelboden ermöglicht, er hat eine L-förmige Sitzgruppe, eine große Heckgarage und einen geräumigen Kühlschrank.

Auf- und Ausbau

Trotz moderner Ideen hieß die Devise von Knaus bei der Neuauflage des Integrierten: Keine unnötigen technischen Experimente. Zu viel Lehrgeld hatte man beim innovativeren Vorgänger gezahlt, dessen aufwendiger Aufbau erst über die Jahre eine gewisse Reife erreichte. Der Sun-Liner verzichtet auf übergroße GfK-Formteile und bevorzugt die damals verbreitete Konstruktion mit hölzernen Kanten und Versteifungen sowie Styropor unter dem Alublech. Diese Bauweise hatte Knaus offenbar im Griff, denn auch rund zehn Jahre später bleiben Undichtigkeiten laut unserer Umfrage unter Sun-Liner-Besitzern die Ausnahme. Wenn doch einmal Feuchtigkeit eindringt, dann vor allem an der Nahtstelle zwischen Bugmaske und Dach sowie in der Heckgarage.

Gut zu wissen, dass Knaus damals robuste Materialien im Bodenbereich einsetzte. Statt dem üblichen Sperrholz verwendete man Siebdruckplatten. Die praktischen Außenfächer hinter den breiten Seitenschürzen bestehen sogar aus verrottungsfestem GfK.

Als Vorreiter präsentierte sich der Sun-Liner außerdem durch Kunststoffteile im Interieur. Sie bescheren ihm eine durchaus automobile Anmutung der Türinnenverkleidungen und des Fahrerhauses. Kehrseite der gelungenen Gestaltung: Die etwas labil wirkenden Teile tragen nicht zur Lärmdämmung bei, sondern werden beim Fahren eher zum Resonanzboden, was zu einem insgesamt erhöhten Innengeräuschpegel führt.

Früher als andere baute Knaus außerdem große Faltverdunkelungen im Bug ein. Sie sind zweifellos praktischer als Vorhänge, doch das filigrane Material unterliegt einem gewissen Verschleiß. Es lohnt sich bei Gebrauchten also zu überprüfen, ob sich die Jalousien noch gut bewegen lassen und lichtdicht sind.

Ebenso empfiehlt sich der Check der von den Besitzern häufig beanstandeten Bordelektrik. Die Ursachen dafür können allerdings vielfältig sein. Vielfach handelt es sich um Kleinigkeiten, doch es kam ebenso zum Totalausfall des Ladegeräts und einem abgerissenen Kabelbaum durch ungünstige Verlegung.

Welche Schäden an Auf- und Ausbau wurden sonst noch aufgelistet? In der Gesamtbetrachtung handelt es sich oft um Einzelfälle, so dass sich insgesamt ein positives Bild ergibt: Die Material- und Verarbeitungsqualität hat mit der zweiten Generation von Knaus-Integrierten einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Ausdrückliches Lob von den Besitzern bekommt die Praxistauglichkeit ebenso wie das optische Erscheinungsbild und das Innenambiente mit großzügiger Verglasung. 88 Prozent der Befragten würden wieder einen Sun-Liner kaufen.

Basisfahrzeug

Zum Fiat Ducato mit dem angeflanschten Alko-Tiefrahmen gab es beim Sun-Liner nie eine Alternative. Warum auch, denn diese Kombination macht hier einen guten Job. Echte Probleme sind die Ausnahme.

Dazu zählt ein Getriebeschaden ebenso wie ein abgefallener Auspuff oder ein undichter Kühler. Wie bei vielen Integrierten liegt der Knackpunkt außerdem immer wieder dort, wo Auto- und Reisemobiltechnik aufeinandertreffen. Da kann es passieren, dass sich die Aufhängung der Scheibenwischer oder der Schlauch am Tankeinfüllstutzen löst.

Ebenfalls nicht untypisch für Integrierte dieser Klasse: der Konflikt mit der 3,5-Tonnen-Grenze. Ein mit üblichen Extras versehener 658 LG bringt inklusive Diesel, Wasser und Gas rund 3,3 Tonnen auf die Waage. Wenn man die Garage also wirklich beladen will, sucht man besser gleich nach Ausführungen mit 3,85 Tonnen Gesamtgewicht, wie im Fall des vorgestellten Exemplars. So oder so ist jedoch die Vorderachse besonders stark belastet. Entsprechend kurz fällt der verbleibende Federweg aus, weshalb einige Besitzer den dürftigen Fahrkomfort bemängeln. Viele von ihnen haben aus diesem Grund Nachrüstfedern montieren lassen. Weil die hier beschriebenen Sun-Liner erst nach dem großen Fiat-Facelift gebaut wurden, ist ihnen die gelbe Umweltplakette sicher – verbunden mit guten Nachrüstmöglichkeiten für einen grünen Aufkleber.

Marktlage

Als der Sun-Liner auf dem Markt auftauchte, war er vielen Wettbewerbern einen halben Schritt voraus. Entsprechend schnell stiegen die Verkaufszahlen. Deshalb kann man heute – trotz der kurzen Bauzeit – auf eine gute Auswahl an Gebrauchten zurückgreifen.

Die Preisspanne beginnt bei etwa 30 000 Euro. Besonders beliebt ist der 650 LG. Steht übrigens statt der 0 eine 5 am Ende des Modellkürzels, handelt es sich um einen 3,5-Tonner, die 8 weist auf das Maxi-Chassis mit 3,85 Tonnen hin. Mit diesem Fahrwerk, gefragten Extras wie der Klimaanlage im Fahrerhaus und geringer Laufleistung kann ein 658 LG deutlich in Richtung 40.000 Euro tendieren. Dafür gibt es einen Gebrauchten ohne Allüren, dessen Konzept und Gestaltung um einige Jahre jünger wirkt, als er tatsächlich ist.

In diesen Bereichen traten Schäden auf

  • Basisfahrzeug: 68,7%
  • Bordelektrik: 62,5%
  • Kühlschrank: 50,1%
  • Aufbautür: 37,8%
  • Wasseranlage: 35,9%
  • Aufbaufenster/-hauben: 31,3%
  • Heizung/Boiler: 30,9%
  • Dichtigkeit Aufbau: 25,2%
  • Möbel: 24,6%
  • Gas-Installation: 12,5%

Eine kurze Karriere

2003 präsentierte Knaus seinen neuen Sun-Liner auf den Frühjahrsmessen. Bis die Serienproduktion im Sommer einsetzte, begann bereits das Modelljahr 2004. Damals standen sechs Grundrisse vom kurzen 600 L mit großer Mittelsitzgruppe bis zum 700 DG mit Viererdinette und Garage bereit. Zur Saison 2005 legte Knaus noch einmal nach. Als Flaggschiff der Marke startete der 800 LEG mit drei Achsen und über acht Meter Länge. Damals noch eine Besonderheit: die Einzelbetten im Heck. Ein weiteres Jahr später drängte das Sondermodell First Class in Richtung Oberklasse. Es entsprach weitgehend dem 800er, hatte aber ein Queensbett und eine erweiterte Ausstattung. In gewisser Weise ersetzte der First Class auch den lange zuvor angekündigten großen Liner, der nie realisiert wurde. Mitte 2006 endete die Karriere dieses Sun-Liner. Sein Nachfolger basierte auf dem damals komplett erneuerten Fiat Ducato.

Darauf müssen sie achten

Heckgarage: Der große Heckstauraum gehört zweifellos zu den Stärken des Sun-Liner. Es gibt ihn aber nur bei den Grundrissen mit einem G am Ende der Modellbezeichnung.

Bodenplatte: Für die damals neue Sun-Liner-Generation konzipierte Knaus einen neuen Doppelboden. Bei einigen Exemplaren knarzt inzwischen die zentrale Innenplatte beim Darüberlaufen.

Elektrik: Ziemlich häufig monieren Besitzer Defekte an der Bordelektrik. Es lohnt sich daher, die wichtigsten Funktionen vor dem Kauf gründlich zu überprüfen.

Fahrerhaus: Die große und vergleichsweise schräg gestellte Frontscheibe verhilft zu bestem Ausblick auf allen Plätzen. Wegen der unvermeidlichen Aufheizung im Sommer sollte man Sun-Liner mit – damals optionaler – Klimaanlage im Fahrerhaus vorziehen.

Geräuschkulisse: In Sachen Motorlärmdämmung konnte der Knaus Sun-Liner keine neuen Maßstäbe setzen. Außerdem treten bei vielen Modellen Klappergeräusche des Innenausbaus störend in den Vordergrund.

Fahrwerk: Je nach Gewichtsverteilung des Grundrisses kommen die vorderen Federn an ihre Belastungsgrenze und bieten deshalb nur noch mäßigen Fahrkomfort. Dagegen können nachrüstbare Federn helfen.

Baureihe

Knaus Sun-Liner (Baujahre 2003 bis 2006)
Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Alko-Tiefrahmen
Bauweise: Integrierter mit Alu-Außen- haut, EPS-Isolierung, Holzverstärkungen
Sitz-/Schlafplätze: 4–6/4–6

Vorgestelltes Modell

Sun-Liner 658 LG
Erstzulassung: 5/2006
Kilometerstand laut Tacho: 167 700
Preis: 34 750 Euro
Zulässiges Gesamtgewicht: 3850 kg
Gesehen bei: Car Center Augsburg 86165 Augsburg

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
pro 06/2017
Heft 07 / 2017 7. Juni 2017 146 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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