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Carthago Chic C-Line XL im Test

Komfort, Wintertauglichkeit und Autarkie

Carthago Chic C-Line XL Foto: Ingolf Pompe 18 Bilder

Auf 8,40 Meter Länge streckt sich der Chic C-Line 5.9 XL LE. Doch XL heißt hier nicht nur extra lang. Das neue Flaggschiff hat auch extra viel Komfort, Wintertauglichkeit und Autarkie zu bieten.

Wenn Carthago eine neue Modell-Generation präsentiert, lässt sich manchmal gar nicht so leicht sagen, was daran eigentlich neu ist. Von Saison zu Saison werden oft Details verbessert, während bewährte Eigenschaften jahrelang unangetastet bleiben. In diesem Sinn ist auch der neue Chic C-Line eher eine Evolutionsstufe als eine neue Art.

Während der Bug mit dem markanten Grill aussieht wie je, ist das GfK-Heck formschöner modelliert als der flache Hintern des Vorgängers. Nicht zu übersehen ist auch das neue „C“ auf den Flanken. Zum Test haben wir mit dem 5.9 XL LE außerdem einen der neuen XL-Grundrisse ausgewählt, der mit besonders großzügigem und schick eingerichtetem Badezimmer glänzt.

Dreiachser mit großer Sitzgruppe

Carthago Chic C-Line XL Foto: Ingolf Pompe
Gediegen, nobel, optional mit Ledersitzen, dank Goldakazie-Dekor aber etwas heller als bisher. Wie viel größer die XL-Modelle sind, zeigt sich besonders am geschwungenen Seitensofa.

Sie suchen noch einen anderen Grund, einen 8,40 Meter langen, eher unhandlichen und trotz des teuren 177-PS-Diesels recht trägen Dreiachser mit behäbiger Halbautomatik durch die Gegend zu fahren? Bitte sehr: Die Sitzgruppe übertrifft die der Modelle ohne „XL“ im Namen um eine fast 50 Zentimeter längere Seitenbank. Hört sich nicht viel an, doch zwei Reisende genießen ein tadelloses Raumgefühl, haben viel Platz, sich auszubreiten, und schauen auf Wunsch Tatort oder Sportschau auf einem riesigen 40’’- Bildschirm, der elektrisch hinter der verbreiterten Rückenlehne des Seitensofas hochfährt. Zum Vergleich: Beim 4.9 sind es nur 32 Zoll. Sollten die Stellplatznachbarn tatsächlich mal zu Besuch reinschneien, passen bei Bedarf bis zu sechs Personen an den Tisch, auch wenn der nicht vergrößerbar ist. Die Platte lässt sich leicht in die richtige Position schieben – auch so weit zur Seite, dass sie beim Durchstieg nach vorn kaum stört.

Schick und Funktion verbindet auch die Küche mit guten Platzverhältnissen. Die geschwungene Arbeitsplatte bietet viel Abstellfläche rund um die große Spüle und den Dreiflammkocher. Eine Elektrozündung assistiert beim Kochen, für größere Töpfe sind die Flammenabstände allerdings zu gering. Die Abdichtung rund um die Arbeitsplatte sollte etwas sorgfältiger sein. An anderer Stelle macht’s Carthago besser: Die Spüle etwa ist von unten verschraubt, so dass von oben keine Schraubenlöcher ins Möbelholz ragen – elegant. Auch sonst lässt sich an der Funktionalität nichts aussetzen. Stauraum ist im Übermaß vorhanden, für alles findet sich ein Platz, von der großen Pfanne über Espressotassen und Küchenrolle bis zum Müll, der säuberlich getrennt in zwei gut erreichbaren Eimern landet. Wer’s mit dem Umweltgewissen vereinbaren kann, bestellt gleich die Kapselkaffeemaschine mit, die per Lift aus dem Oberschrank hinter der Gläservitrine herausfährt.

Besonders opulent fällt im 5.9 XL der Sanitärflügel aus, der sich zwischen Küche und Schlafzimmer auf über drei Quadratmetern Grundfläche ausbreiten darf und auch den raumhohen, großen Kleiderschrank miteinschließt. Sowohl vom vorderen wie vom hinteren Wohnbereich ist das Bad mit Schiebetüren abtrennbar. Linkerhand sind in einer Linie der Waschtisch und die Dusche platziert. Das große Waschbecken steht frei und ist so ausgezeichnet nutzbar. Griffgünstig drum herum gruppieren sich Seifenspender, Handtuchhalter und Zahnputzbecher. Kosmetika finden im beleuchteten Spiegelschrank Platz, Handtücher und Wäsche in drei breiten Schubladen.

Zwei Plexiglas-Rundtüren trennen die Dusche ab, die ausreichend Ellenbogenfreiheit, zwei Ablagen fürs Duschzeug, eine weit verstellbare Brause mit ordentlich Wasserdruck, aber auch eine durch den Radkasten spürbar eingeschränkte Standfläche bereithält. Als separater Raum ist die leicht erhöht eingebaute Toilette gegenüber gut zu nutzen. Um Platz zu schaffen, gibt es für die Füße sogar eine Aussparung, die in den angrenzenden Kleiderschrank hineinragt.

Die zwei großen Einzelbetten im Heck sind über eine breite Treppe sehr gut zugänglich. Der Zugang bleibt selbst dann top, wenn man beide Liegen zu einer in Querrichtung verbindet, weil die Treppe dazu einfach nach vorn gezogen wird. Das Ambiente ist wohnlich, Wände und Decke sind rundum textil verkleidet. Aufstellbare Kopfenden, individuell ausrichtbare Lesespots und große Ablagen zwischen den Hängeschränken erfreuen bei der Bettlektüre. Dicke Matratzen auf Tellerfedern sorgen für hohen Liegekomfort. Deutlich härter ist die – für die Klasse allerdings überdurchschnittlich große – Matratze im Hubbett. Weitere Mankos hier: Die Bedienung, vor allem das Anheben fordert sehr viel Kraft, die Leselampen sind nicht einzeln schaltbar und es fehlt ein Herausfallschutz.

Carthago Chic C-Line XL Foto: Ingolf Pompe
Großes Kellerfach unter der Sitztruhe.

Staumöglichkeiten stehen im C-Line XL reichlich zur Verfügung, was bei der Länge kaum verwundert. Ein raumhoher Kleiderschrank im Bad, ein weiterer unter dem Bettende, zehn Hängeschränke, Stufenfächer und eine Schuhschublade lassen kaum Wünsche offen. Dazu kommen mehrere Doppelbodenfächer, das größte so weit abgesenkt, dass sogar Getränkekisten hineinpassen. An die damit verbundene, große, beleuchtete Durchlade, mit der die Sitzgruppeunterkellert ist, kommt man ebenso durch zwei große Außenklappen. Die zwei Schürzenfächer eignen sich prima für Kleinteile, Kabeltrommel, Keile und so weiter.

So hat man die 1,20 Meter hohe Heckgarage frei für Fahrräder und Campingmöbel. Stühle und Tisch lassen sich mit den praktischen Gummizügen an der Heckwand fixieren. Für Räder nutzt man besser die Bodenschienen samt Zurrösen. Zwei Umstände schränken die Nutzung aber etwas ein: Die Aussparung für die Heckbett-Treppe ragt relativ weit in den Stauraum, und die beiden großen Türen öffnen nur wenig weiter als 120 Grad, was sie etwa für Windböen anfällig macht.

Der solide und sauber verarbeitete Aufbau erfüllt hohe Ansprüche. Die Tür ist zentralverriegelt, dem Trend zu größerer Durchgangsbreite will Carthago aber nicht folgen. Serienmäßig hat der XL doppelt verglaste Seitenscheiben im Cockpit sowie eine Warmwasser-Heizung. Damit macht er auch im Winter eine gute Figur, zumal in Verbindung mit der Fußbodenheizung im Bad und dem extra temperierten Armaturenbrett. Die beiden großen Wassertanks stecken frostsicher im Doppelboden und zwei Bordbatterien decken den Strombedarf. Eine noch bessere Bewertung im Technikkapitel vermasselt dem Chic aber der enge Motorraumzugang.

An der Ausstattung gibt es ansonsten nichts zu bemängeln. Es mag sich kurios anhören, doch die 20.000 Euro für Extras, mit denen der Testwagen nahezu voll ausgestattet ist, sind für die Klasse eine eher geringe Summe. Unterm Strich steht freilich eine dennoch stattliche Zahl. Die muss man sich leisten können und wollen.

Carthago Chic C-Line XL: Alle Infos

  • Länge/Breite/Höhe: 8,40/2,37/2,94 m
  • Zul. Gesamtgewicht: 5.000 kg
  • Gurte/Schlafplätze: 4/4
  • Grundpreis ab 108.750 Euro

Auf- und Ausbau
Sandwich-Bauweise, PU-Verstärkungen, außen und innen Alu, Dach/Boden GfK, Isoliermaterial Wand/Dach/Boden XPS-Schaum, Wandstärke Wand/Dach/Boden 38/38/38 mm, Doppelboden, Höhe 210 mm, 6 Kunststoff-Isolierfenster mit PU-Rahmen, 6 Dachhauben, 1 Panorama-Dachfenster.

Bordtechnik
Gas-Warmwasserheizung/Boiler Alde Compact, 29 Konvektoren (6 x Cockpit, 9 x Sitzgruppe, 3 x Sanitärraum, 3 x Heckbetten, 1 x Toilettenraum, 7 x Doppelboden), Wasseranlage: Frischwasser- und Abwasserrohre.

Basisfahrzeug
Fiat Ducato, Alko-Tiefrahmen, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2.289 cm3, Leistung 130 kW/177 PS bei 3.500/min, Drehmoment 400 Nm bei 1.500/min, automatisiertes Sechsgang-Getriebe (Option).

Fahrleistungen
Beschleunigung 0–50/80/100 km/h 8,8/12,8/23,2 s; Elastizität 60–80/100 km/h (4./5. Gang) 10,0/21,8/11,9/26,3 s, Testverbrauch 12,8 L/100 km.

Carthago C-Tourer I 143 im Dauertest
Der läuft und läuft

Preise
Grundpreis: 108.750 Euro
(Fiat Ducato 35 L, Motor 96 kW/130 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
Testwagenpreis: 128.320 Euro

Preise:
150-/177-PS-Motor: 1.780/4.390 Euro
Superpaket: u.a. inkl. Klimaanlage, Tempomat, Zentralverriegelung, Busspiegel mit Beleuchtung, Kurbelstützen,Truma Duocontrol CS, Glasvitrine, zus. USB-Steckdose, Sat- und Solar-Vorbereitung, Rückfahrkamera (100 kg): 4.790 Euro
Kaffee-Paket inkl. Spannungswandler 1.800 Watt, Krups-Kapselkaffeemaschine (12 kg): 1.620 Euro
Solaranlage 2 x 100 Watt (20 kg): 1.990 Euro
40’’-TV inkl. Receiver u. elektr. Lift (88 kg): 1.795 Euro

Testurteil

  • Wohnen 4,3
  • Beladen 4,0
  • Technik 3,9
  • Fahren 2,9
  • Preis & Service 3,3

Fazit

Die Kunst der stetigen Verfeinerung beherrscht Carthago bravourös. Beim 5.9 XL hilft freilich auch das Längenwachstum, den Wohnkomfort und das Stauraumangebot zu vergrößern. Schwächen? Wirklich wenige. Unhandlich ist der große C-Line – und kostenintensiv.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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