Report Stellplatz-Preise für Wohnmobile Preiswert übernachten in ländlichen Regionen

Beispiel Rotenburg an der Fulda: Der früher über viele Jahre von den promobil-Lesern als „Gemeinde des Jahres" gewählte Platz kommt seit den Anfängen des Reisemobiltourismus ohne verordnete Gebühren aus.

Mitfinanziert werden die Flächen in Rotenburg traditionell über einen Spendenstein. Kerstin Schulz, kommissarische Leiterin des Verkehrs- und Kulturamts in Rotenburg, registriert jedoch einen unerfreulichen Trend: „Trotz guter Auslastung sind die Spenden in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen." Von Kostendeckung kann für die Gemeinde keine Rede mehr sein. Kerstin Schulz: „Sobald größere Investitionen für den Stellplatz nötig werden, müssen wir eine Gebühr erheben.“

Steigende Kosten und klamme Kassen machen den Platzbetreibern auch in anderen Landesteilen zu schaffen. Heino Tietjen, zuständig für den Stellplatz in Bremerhaven: „Wir haben die Preise seit der Eröffnung vor fünf Jahren nicht erhöht. Mit 6,50 Euro bewegen wir uns im unteren Drittel der Preisskala. In der Saison 2011 werden wir aber gezwungen sein, die Preise um einen Euro zu erhöhen." Als Hauptgrund nennt Tietjen steigende Nebenkosten, etwa für Wasser. Der Betreiber, eine Tochtergesellschaft der Stadt, muss kostendeckend arbeiten. Tietjen: „Jeder Euro, den wir verdienen, geht in die Erhaltung des Platzes. Wir legen Wert darauf, unsere Gäste zu verwöhnen.“

Ist die Preisspirale nicht mehr zu bremsen?

Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme. Eine promobil-Erhebung zeichnet ein erfreulicheres Bild: Von den gut 2800 Stellplätzen in der promobil-Datenbank sind aktuell fast die Hälfte völlig gebührenfrei (siehe Infografik unten links). 19,6 Prozent bewegen sich im günstigen Bereich unter fünf Euro; weitere 23,8 Prozent bleiben noch unter der Zehn-Euro-Marke. Diese Summe erweist sich nach einer promobil-Leserbefragung als eine gewisse Schmerzgrenze für Reisemobilfahrer. Lediglich eine verschwindende Minderheit von 1,4 Prozent der Befragten gab übrigens an, keinerlei Gebühren für die Übernachtung zu akzeptieren.

Reisemobilfahrer sind ganz sicher keine Geizhälse. Dass ein Nulltarif auf vielen Plätzen überhaupt funktioniert, liegt vielmehr an ihrer Großzügigkeit. So bieten Gaststätten und Restaurants die kostenlose Übernachtungsmöglichkeit aus leicht nachvollziehbaren Gründen nur für zahlende Gäste an.

Letztlich folgen gebührenfreie kommunale Stellflächen dem gleichen Prinzip. Lokale und Geschäfte profitieren von ausgabefreudigen Reisemobilbesatzungen. Wie gut diese Symbiose funktioniert, zeigt das älteste Beispiel: 1983 stellte Viechtach im Bayerischen Wald Parkflächen für die Übernachtung im Reisemobil zur Verfügung. Eine Pioniertat, der dann immer mehr Kommunen folgten. Schon seit den Anfängen verzichtete die Gemeinde auf eine Stellplatzgebühr.

Laut Monika Häuslmeier, Leiterin der Touristik in Viechtach, hat sich der kostenfreie Aufenthalt bestens bewährt. Sie sieht darin eine Marketingmaßnahme: „Viele Reisemobilfahrer übernachten zunächst nur auf der Durchreise, kommen dann aber später für einen längeren Zeitraum." Und sie bleibt für die Zukunft optimistisch: „Aufgrund der positiven Erfahrungen stellt sich die Frage nach Gebühren nicht.“

Dass dieses Beispiel nicht überall Modellfunktion haben kann, liegt allerdings auf der Hand: Gemeinden, die ohnehin vom Tourismus profitieren, sind weniger stark auf die Kaufkraft von Reisemobilfah­rern angewiesen. Außerdem hat sich die reisemobile Welt seit der Stellplatzeröffnung im bayerischen Viechtach auch ein gutes Stück weitergedreht.

Übersicht: Report Stellplatz-Preise für Wohnmobile
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