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Welche Mobile fürchten kein Fahrverbot?

Ratgeber: Schadstoffklassen bis Euro 6d-Temp

Hinweisschild Umweltzone Foto: Archiv 17 Bilder

Die meisten Reisemobile fahren mit Diesel – und die sind in vielen Städten von Fahrverboten bedroht, abhängig von der Abgasnorm. promobil erklärt die Unterschiede zwischen den Normen, welche sauber und welche zukunftssicher sind.

  1. Was ist Euro 6d-Temp?
  2. Schadstoffklassen und Abgastechnik aller Marken
  3. Zulassungsfähigkeit
  4. Abgasnormen und Fahrverbote
  5. Fazit

Seit das Düsseldorfer Oberlandesgericht Fahrverbote von Kommunen oder Städten prinzipiell erlaubt hat, ist die Verunsicherung unter Dieselfahrern groß. Euro-5-Diesel, die teils noch 2018 neu zugelassen werden konnten, dürfen ab 2019 in zahlreiche deutsche Städte nicht mehr einfahren. Zwar gibt es Stand heute keine Fahrverbote für Modelle, die Euro 6 erfüllen. Aber Euro 6 ist nicht gleich Euro 6.

Die Abgasnorm Euro 6 schreibt bei den für Diesel kritischen Stickoxiden (NOx) einen Grenzwert von 80 mg/km vor – für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Gruppe I. Bei den leichten Nutzfahrzeugen gibt es drei Gewichtsklassen. Der Grenzwert liegt ebenso bei 80 mg/km für die leichtesten, für die anderen zwei Gruppen bei 105 bzw. 125 mg/km. Grundsätzlich gilt dieser Schadstoffgrenzwert für alle Euro-6-Normen (6a, b, c, d). Aber die Methoden zur Messung werden verschärft. Wie genau, das kennzeichnen die Buchstaben hinter der 6.

1. Euro 6d-Temp macht den Unterschied

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Unabhängig vom exakten Grenzwert 80 mg/km kommt für Diesel die erste große Hürde mit Euro 6d-Temp. Denn für die Zertifizierung nach 6d-Temp müssen die Fahrzeuge die Abgas-Grenzwerte unter Realbedingungen auf der Straße (RDE, Real Driving Emissions) unterschreiten. Und via RDE ermittelte NOx-Emissionen liegen teils um 1000 Prozent über den früher im praxisfernen NEF-Zyklus gemessenen Werten. Damit überschreiten Fahrzeuge, die beispielsweise Euro 6c (eben auf dem Prüfstand) erfüllen, den nominell gleichen Grenzwert (aber auf der Straße gemessen) teils genauso deutlich.

Die bei Euro 6d-Temp vorgeschriebenen RDE-Messungen kommen daher einer extremen Verschärfung der Grenzwerte gleich. Darum tolerieren die Behörden für eine Übergangsfrist (daher der Zusatz „Temp“ zu Euro 6d) einen höheren Grenzwert: Bei RDE-Messungen dürfen Pkw 2,1 mal so viel NOx emittieren, also 168 statt 80 mg/km (siehe: Konformitätsfaktor). In der Praxis ist ein nach Euro 6d-Temp zertifiziertes Fahrzeug aber oft um den Faktor 3 bis 5 sauberer als ein Euro 6 Fahrzeug.

Konformitätsfaktor & SCR

Beim Schritt von 6d-Temp zu 6d wird der sogenannte Konformitätsfaktor verschärft. Dieser Faktor bestimmt, um wieviel höher die Emissionen im Straßentest (RDE) gegenüber dem Grenzwert sein dürfen. Für alle Euro-Norm-6-Varianten gilt für Diesel-Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ein maximaler Ausstoß von 80 mg an Stickoxiden (NOx) pro Kilometer. Als Konformitätsfaktor für Neufahrzeuge gilt:

  • ab September 2019 der Wert 2,1 (Grenzwert für RDE: 168 mg/km)
  • ab Januar 2021 der Wert 1,5 (Grenzwert für RDE: 120 mg/km)

Bei den schweren Nutzfahrzeugen und Wohnmobilen liegen die Werte höher bzw. werden in den kommenden Monaten definiert.

Abzusehen ist, dass vor allem große und schwere Diesel-Fahrzeuge die niedrigen Werte nur erreichen, wenn sie SCR-Katalysatoren (Selective Catalytic Reduction) und Harnstoffeinspritzung ins Abgas haben, das heißt AdBlue verwenden. Eine Technik, die zuerst bei Lkw Anwendung fand. Selbst bei Pkw gibt es nur sehr wenige (kleinere Modelle), die Euro-6d-Temp ohne SCR-Kat schaffen.

Die Harnstoff-Technik ist notwendige Bedingung für sauberes Dieselabgas, aber nicht allein ausreichend. Es gibt viele Fahrzeuge mit SCR-Kat, die noch nicht nach 6d TEMP zertifiziert sind oder bei RDE-Messungen mehr NOx ausstoßen, als es die Grenzwerte erlauben. Ist die SCR-Hardware an Bord, besteht jedoch theoretisch die Möglichkeit, per Software-Update bessere Werte zu erzielen, etwa indem die Motorsteuerung die eingespritzte Harnstoffmenge bei Bedarf erhöht. Herstellerseitig reduzierte damit Mercedes etwa die NOx-Emissionen der V-Klasse. Alle Fragen zum Thema SCR beantworten wir hier.

2. Euro 6d-Temp oder SCR – wer hat was?

Wir haben recherchiert, welche Basisfahrzeuge für Wohnmobile welche Abgasnorm erfüllen und welche Technik zur Abgasreinigung an Bord ist. Wie sich die Abgasnorm an Zulassungsbescheinigung (früher: Fahrzeugschein) ablesen lässt, zeigt das Video in diesem Artikel.

  • Citroën: Der Spacetourer erfüllt bereits die Norm 6d-Temp, der Jumper 6b. Gleiches gilt für die Parallelmodelle Peugeot Traveller und Boxer. Alle Modelle verwenden SCR-Kat.
  • Fiat: Die aktuellen Ducato-Modelle entsprechen der Euro-Norm 6b. Spätestens ab dem 1.9.2019 entsprechen die Transporter der Norm 6d-Temp, die Stufe 6c wird übersprungen. Möglich wird dieser Sprung durch den Einsatz von SCR-Technik.
  • Ford: Die neuesten Motoren sowohl des Transit Custom als auch des Transit erfüllen bereits 6d-Temp, sofern die Fahrzeuge als Pkw zugelassen sind. Mit Nutzfahrzeug-Zulassung erfüllt der Transit Euro 6c. Seit 2016 haben die Modelle den SCR-Kat.
  • Iveco: Der Daily ist derzeit mit 6c eingestuft. Ab Frühjahr 2019 soll er 6d-TEMP erfüllen. Bisher ist der Daily mit und ohne SCR-Technik bestellbar.
  • Mercedes: V-Klasse, Vito und der neue Sprinter haben die Euro-Norm 6c. Alle haben serienmäßig SCR an Bord.
  • Nissan: Der NV300 hat aktuell Euro-Norm 6c. Alle Motorenvarianten haben SCR.
  • Renault: Master und Trafic haben als Kombi (Pkw-Zulassung) die Schadstoffklasse 6c, als Nutzfahrzeug 6b. Ausnahme ist der Master mit Heckantrieb mit Euro-Norm 6c. Die Modelle nutzen bereits SCR.
  • VW: Der T6 erfüllt derzeit 6d-Temp, vorausgesetzt er ist als Pkw oder Wohnmobil zugelassen. Mit Nutzfahrzeug-Zulassung entspricht der T6 der Schadstoffklasse 6b. Auch der Crafter erfüllt 6b. Alle Varianten haben SCR an Bord.

Alle Hersteller haben Motoren mit SCR-Kat im Angebot, bei den meisten gehören sie zur Serienausstattung. Ausnahmen bilden Iveco und Fiat, bei denen diese Technik bei den Pkw-Varianten erhältlich ist, für Nutzfahrzeuge und Wohnmobile nicht.

3. Sind Wohnmobile unter 6d-Temp noch zukunftsfähig?

Leichte Nutzfahrzeuge müssen ab dem 1.9.2019 zur Neuzulassung die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen. Für Pkw gilt das bereits seit 1.9.2018. Ab 1.9. 2019 müssen Nutzfahrzeuge zur Zulassung diese Norm erfüllen. Diese Norm bezieht sich allerdings nur auf neue Typgenehmigungen. Vorher genehmigte Nutzfahrzeug-Modelle (Schwere Nutzfahrzeuge N1 Gruppe II und III) dürfen noch länger zugelassen werden, sofern sie die bis die Normen Euro 6b (bis 1.9.2019) oder 6c (1.9.2020) erfüllen.

Zulassungstechnisch haben Diesel ab Euro 6 kein Problem. Auch Reisemobile mit b oder c hinter der Ziffer 6 sind noch bis mindestens 1.9.2019 zulassungsfähig. Je nach Nutzfahrzeugklasse (abhängig vom Gewicht) können Euro-6c-Fahrzeuge sogar noch bis 31.08.2020 neu zugelassen werden. Und: Sofern wie üblich eine Ausnahmeregelung vereinbart wird, lassen die Behörden sogar noch 12 bis 18 Monate später Fahrzeuge neu zu, die nicht der aktuellen Schadstoffnorm entsprechen.

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Solche Ausnahmen werden vor allem für mehrstufig aufgebaute Fahrzeuge gewährt, zu denen auch Reisemobile zählen. Diese Fahrzeuge benötigen einfach länger in der Produktion. Die Kontingente dieser Fahrzeuge sind begrenzt und mit dem KBA abgestimmt. Damit sind Fahrzeuge mit Schadstoffklassen unter 6d-Temp noch bis maximal Februar 2021 zulassungsfähig.

In ähnlicher Weise wurden vereinzelt bis Februar 2018 Fahrzeuge mit Euro 5 neu zugelassen, obwohl bereits seit 2016 Euro 6 gilt. Käufer brauchen in dieser Hinsicht also keine Schwierigkeiten zu befürchten.

4. Fahrverbote: Saubere Fahrzeuge für Umweltzonen

Die Zulassung allein ist leider kein Garant mehr dafür, dass ich mein Fahrzeug auch uneingeschränkt nutzen kann. Zwar gelten bislang ausgesprochene Fahrverbote, etwa die von 2018 für Stuttgart und Hamburg, „nur“ für Fahrzeuge mit der Norm-Euro 5 und darunter. Alle aktuell angebotenen Reisemobile erfüllen die Euro-Norm 6, sind derzeit also nicht betroffen. Erste Überlegungen, ob Einfahrbeschränkungen auch für Euro 6 wirkungsvoll sein können, gibt es derzeit nur im Berliner Senat.

Doch Vorsicht: Noch im selben Jahr wurden Euro-5-klassifizierte Fahrzeuge neu zugelassen, also genau jene Fahrzeuge für die jetzt Fahrverbote in den Straßenzügen Hamburgs gelten. Die allgemeine Zulassung ist also kein Garant dafür, dass man überall mit dem Fahrzeug hinkommt – weil alle Abgasnormen vor Euro 6d-Temp zwar die Grenzwerte im Labor unterschreiten, aber unter Umständen in der Praxis beispielsweise viel mehr NOx emittieren. Und dafür gelten Grenzwerte in den Städten, zu deren Einhaltung die EU die Kommunen verdonnert hat. Zu diesem Zweck sind Fahrverbote nach einem Gerichtsurteil ausdrücklich erlaubt.

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Euro-5-Autos sind bereits in etlichen Städten ausgesperrt. Welchen Fahrzeugen künftig Einfahrbeschränkungen in Innenstädten drohen, ist derzeit noch unklar. Aber: Je höher die Real-Emissionen, desto eher muss das Fahrzeug mutmaßlich draußen bleiben. Wohnmobil- und Campingbus-Modelle, deren Basisfahrzeuge bereits die Euro-Norm 6d-Temp erfüllen, sind allerdings momentan noch kaum im Angebot – allein schon deshalb, weil die Norm für leichte Nutzfahrzeuge noch nicht ausdefiniert ist.

Wer in einer der betroffenen Großstädte lebt und/oder das Reisemobil als Erstfahrzeug nutzt, sollte sich beim Kauf eines Fahrzeugs daher genau über die technischen Möglichkeiten informieren. Derzeit sieht es so aus, als könnten die NOx-Emissionen vieler Euro-5-Fahrzeug – eventuell auch manche Euro-4-Modelle – durch Hardware-Nachrüstung mit SCR-Kats deutlich reduziert werden. Fahrzeuge, die bereits ein SCR-System an Bord haben, sind potenziell per Software-Update verbesserungsfähig.

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Fazit

Fahrverbote sind höchst ärgerlich, und erst recht eine Zumutung für die betroffenen Anwohner. Stand heute gibt es allerdings keine Einschränkungen für Euro-6-Fahrzeuge, egal ob 6b, c oder 6d-Temp. Aber: Fahrzeuge, die Euro 6d-TEMP erfüllen, sind real erheblich sauberer als alle Abgasnormen darunter, auch als alle anderen Euro-6-Normen.

Das Ziel der Städte ist klar: Sie müssen für bessere Luft sorgen, Fahrverbote sind das Mittel zum Zweck. Je weniger ein Fahrzeug emittiert, desto eher darf es einfahren. Stand heute ist für sauberes Diesel-Abgas ein SCR-Kat notwendige Bedingung.

Daher: Wer mit dem Wohnmobil unbedingt Großstadt-fähig bleiben will, aber aus oben genannten Gründen noch kein Euro 6d-Temp-Fahrzeug findet, könnte das Augenmerk auf den SCR-Kat richten. Erkennbar ist das im Zweifel daran, dass neben dem Diesel-Tankdeckel ein Einfüllstutzen für Adblue mit blauem Deckel zu finden ist.

Liebe Wohnmobilfahrer, lassen Sie sich den Spaß nicht durch die Gesetzgeber vermiesen! Investitionen in Lebensqualität sind noch immer lohnend gewesen. Nur: Kaufen Sie nicht unbedacht irgendwas.

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