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Wohnmobil-Tour in Amerika

Auf der Panamericana in Richtung Süden

Panamericana Foto: Elisabeth Schneider, Gorm Haseloff 18 Bilder

Eine Reise mit einem 43 Jahre alten VW T2 entlang der legendären Panamericana ist auch heute noch ein richtiges Abenteuer. Entdecken Sie atemberaubende Landschaften und neue Kulturen.

17.12.2016 Elisabeth Schneider, Gorm Haseloff

Lass uns mit dem Bulli die Panamericana bereisen! Was anfing wie eine verrückte Träumerei, lässt uns nun schon seit über einem Jahr an türkisfarbenen Gletscherlagunen, an tropischen Stränden, in bunten Kolonialstädtchen oder am Fuß von Vulkanen aufwachen.

Das kann auch schon mal auf 4400 Metern sein, wie zuletzt am weltbekannten Vulkan Chimborazo in Ecuador: Nach einer sternenklaren und frostig kalten Nacht sind wir schon um sechs Uhr am Morgen auf den Beinen. Der niedrige Sauerstoffgehalt in dieser Höhe hat uns nachts nicht nur einmal aufwachen lassen, aber trotzdem sind wir voller Tatendrang. Als wir mit einem heißen Tee in der Hand unser gemütliches Zuhause auf Rädern verlassen, trauen wir fast unseren Augen nicht. War gestern Nachmittag bei unserer Ankunft noch alles in dicken Nebel gehüllt, steht jetzt einer der höchsten Berge der Welt im Sonnenaufgang vor uns. Bis die ersten Tourbusse ankommen, vergeht noch eine Stunde in der Weite der Anden und wir müssen diesen Anblick nur mit ein paar grasenden Vikunjas teilen.

Vikunjas Foto: Elisabeth Schneider, Gorm Haseloff

Eine abenteuerliche Wohnmobil-Tour durch Nord- und Südamerika

Für etwas mehr als ein Jahr unseres Lebens wollten wir, Gorm und Elisabeth, Sicherheit und Komfort gegen ein Leben im aufregend Ungewissen tauschen. Und gibt es dafür eine bessere Möglichkeit, als mit dem eigenen Fahrzeug gleich 16 Länder entlang der berühmt-berüchtigten Traumstraße Panamericana zu entdecken? Dass es sich bei besagtem Fahrzeug um einen campingerprobten VW Bulli von 1973 handelt, somit also um einen Oldtimer, macht das Vorhaben für uns doppelt reizvoll.

Seit mittlerweile 59 000 Kilometern sind wir mit unserem blauen Zuhause auf Rädern auf dem amerikanischen Doppelkontinent unterwegs. Angefangen mit der Verschiffung nach Halifax, Kanada, sind wir während der letzten 16 Monate über die schier endlose Weite der USA, die bunten Märkte Mexikos, die tropischen Strände Mittelamerikas und die andinen Bergwelten Südamerikas bis ins wilde Bolivien vorgedrungen. In dieser ganzen Zeit leben wir zu zweit auf zugegebenermaßen beengten sechs Quadratmetern, die jedoch mit einem bequemen Bett, einer Kochzeile und einer kleinen Sitzecke unser gemütliches Zuhause geworden sind – übertriebener Komfort war ja schon bei den ersten VW-Bus-Fernreisen der 70er Jahre nicht notwendig. Dass uns der T2 auch auf den unwegsamsten Pisten nie ernsthaft im Stich gelassen hat, verwundert uns mitunter genauso wie die vielen interessierten Menschen, die wir unterwegs treffen.

Die einzige Ausnahme stellt da wohl unsere frühmorgendliche Überführungsfahrt von Panama City zum Hafen in Colón dar, wo unser Verschiffungscontainer nach Kolumbien wartete. Der berüchtigte Isthmus von Darién zwischen Panama und Kolumbien kann nämlich nur auf dem Wasserweg überwunden werden, will man sich nicht mit den Guerillas des Dschungels einlassen. Die Rushhour in Panama City nahm auf unseren Termindruck jedoch keine Rücksicht – verstopfte Straßen, wohin man schaute, und auch wir tasteten uns zunächst nur Meter für Meter im Stop-and-Go voran. An einer Ampel inmitten des wilden Verkehrs passierte es dann: Unvermittelt reagierte unser Oldtimer nicht mehr. Die Diagnose war schnell gefunden – Kupplungszug gerissen. Was nun? Das Schiff würde nicht warten, also musste es irgendwie ohne Kupplung weitergehen. Tatsächlich schafften wir es, den Bus ohne Kupplung, dafür mit Zwischengas, die restlichen 100 Kilometer nach Colón zu fahren. Hier bauten wir am vereinbarten Treffpunkt mit dem Hafenagenten schnell den mitgeführten Ersatzzug ein und konnten dann doch noch problemlos auf den eigenen Rädern in den Container rollen.

Dass Pannen auf einer solch langen und Material zermürbenden Reise nicht auszuschließen sind, liegt auf der Hand. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie man damit umgeht. Das beginnt bereits mit der richtigen Reiseplanung.

VW T3 Foto: Elisabeth Schneider, Gorm Haseloff

Die Liebe zum VW Bulli

Geht es um die Fahrzeugauswahl für eine Abenteuerreise, sollte neben Fragen der Geländegängigkeit, der Größe und des Komforts nicht zuletzt über die Ersatzteilbeschaffung im Ernstfall nachgedacht werden. Nicht selten sind in Europa gängige Modelle auf dem amerikanischen Kontinent völlig unbekannt, so dass Ersatzteile nur umständlich aus Europa geliefert werden können. Im besten Fall bedeutet das einen hohen Kostenaufwand für Fracht und Zoll und wochenlange Wartezeit, im schlechtesten sogar ein Flugticket in die Heimat, um Ersatzteile persönlich zu überführen. Für uns konnte es zum Glück bei der Ankunft in Kolumbien direkt mit dem Erkunden weitergehen. Zugegeben, „direkt“ trifft es nicht ganz, musste doch der Bus zunächst in einem zwei Tage füllenden Prozess wieder aus dem Hafen ausgelöst werden. Mit ein wenig gutem Willen, Humor und Gelassenheit blieb aber auch diese Etappe als eine eindrucksvolle Erfahrung in Erinnerung.

Unser erstes Ziel auf dem südamerikanischen Kontinent war die abgelegene Guajira-Halbinsel in Kolumbien, Heimat der indigenen Wayúu-Kultur und der nördlichste Punkt Südamerikas. Während Trinkwasser in dieser unwirtlichen Wüstenlandschaft merklich knapp bemessen ist, schien es an Benzin für unser Auto nicht zu mangeln – die Nähe zum Treibstoffparadies Venezuela macht es möglich. Mussten wir vorher noch umgerechnet 2,70 Euro pro Gallone (ca. 3,8 Liter) zahlen, lag der Preis nun nur noch bei 1,70 Euro. Und nicht nur das: Die öffentlichen Tankstellen hatten ab sofort mit reger Konkurrenz in Form von halblegalen (also illegalen, aber geduldeten), privaten Benzinverkäufen am Straßenrand zu kämpfen. Drang man weiter in die Einöde der Wüstenhalbinsel vor, waren diese Privatverkäufer sogar die einzigen Quellen für Treibstoff. Ob Colaflasche oder Speiseölkanister – ab sofort wurde alles zum potenziellen Benzinkanister. Das mussten wir auch ausprobieren, außerdem waren unsere Spritreserven nach drei Tagen Fahrerei auf einsamen Schotterpisten und Wüstensand nahezu aufgebraucht. Also hieß es beim nächsten Straßenverkauf ranfahren, den Preis verhandeln und per selbstgebasteltem Trichter rein in den Tank.

Teures Benzin in Bolivien

Wer konnte zu dem Zeitpunkt ahnen, dass es sich hierbei um eine gute Übung für die Benzinbeschaffung in Bolivien handelte. Nicht nur einmal steuerten wir dort die Zapfsäule mit dem Kanister in der Hand an, um günstig auftanken zu können: Während Sprit für die Einheimischen stark subventioniert wird, liegt der offizielle Ausländer-Tarif um ein Dreifaches höher. Der Zwischenschritt über den Kanister bot hier eine willkommene Kostenreduktion – dafür läuft man dann auch schon dreimal zwischen Auto und Tankstelle hin und her.

Vergessen waren diese Komplikationen, sobald wir die ersten paar Meter Salz unter den Rädern spürten. Salz? Richtig gelesen, und zwar vom vermutlich berühmtesten und größten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni in Bolivien. Während gewöhnliche Bolivienreisende dieses Naturphänomen meist nur im Rahmen einer eintägigen, organisierten Tour mit Geländewagen erleben, nahmen wir uns hierfür ganze drei Tage Zeit: strahlend weiße Salzflächen, soweit das Auge reicht, die scheinbare Aufhebung von perspektivischen Gesetzmäßigkeiten und nicht zuletzt zwei unvergessliche Übernachtungen in der einsamen Weite machten diesen Ausflug zu einem echten Highlight unserer Reise.

Nicht immer sind Übernachtungsplätze jedoch so einfach zu finden wie hier auf dem einsamen Salar de Uyuni, wo man schlichtweg überall campen kann. Während die Camping-Infrastruktur in Nordamerika unfassbar gut ist und auch in Mexiko noch ausreichend Auswahl bietet, sieht dies weiter südlich deutlich anders aus: Die wenigsten Menschen haben überhaupt die finanziellen Mittel für ein privates Auto, geschweige denn ein Wohnmobil, und auch Zeltcamping fristet meist eher ein Randdasein. Für uns lautete die Devise ab Guatemala dann also: Erfinderisch werden. Ob Tankstelle, Hotelauffahrt, Nationalpark, Restaurantparkplatz, Kirchenvorplatz, Schwimmbad oder gar Privatgrundstück eines freundlichen Nicaraguaners – letztlich gab es immer genügend Auswahl.

Eine Smartphone-App half uns mehr als einmal mit nützlichen Infos zu Übernachtungsplätzen. Speziell für „Overlander“, also Wohnmobilreisende in Übersee, wurde die App iOverlander entwickelt (Infos auf www.iOverlander.com). Konzipiert von ehemaligen Overlandern, können Reisende in dieser interaktiven Weltkarte mögliche Stellplätze mit den genauen GPS-Koordinaten für die Reisegemeinschaft selbst speichern und aufrufen. War hier unerwartet einmal nichts zu finden, half uns dann meist einfach der gesunde Menschenverstand – und ein paar freundliche Worte mit den Einheimischen. Das gleiche Rezept galt im Übrigen auch für die Einschätzung der jeweiligen Sicherheitslage vor Ort, mit der wir nie schlechte Erfahrungen machen mussten. Letztlich lernten wir, dass sich für jedes Problem meist schnell eine unkomplizierte Lösung finden lässt – seien es der leere Gastank, die aufgebrauchten Wasserreserven oder die administrative Achterbahnfahrt zentralamerikanischer Grenzübertritte.

Die täglich neuen Begegnungen, beeindruckenden Naturspektakel, exotischen Gerüche und nicht zuletzt – was wohl – Freiheit und Abenteuer einer solchen Reise entschädigen mehr als genug für solch vergleichsweise unbedeutende Irritationen im Reisealltag. Statt hektischen Verkehrs und Polizeikontrollen bleibt doch am Ende viel eher so etwas in Erinnerung: dieser stille Morgen im Juni, an dem wir die ältesten Bäume der Welt auf über 3000 Höhenmetern im Bristlecone Pine Forest in Kalifornien besuchen. 4000 Jahre haben diese märchenhaften Pinien hier auf uns gewartet, und wir kommen wie schon so oft und wie noch so oft kaum noch aus dem Staunen raus. Warum wir uns auf dieses Abenteuer eingelassen haben? In solchen Momenten fällt die Antwort ganz leicht.

Mehr Infos zu den Reisen der beiden finden Sie auf dem Blog www.bee-individual.de

Gar nicht so schwierig: Die Verschiffung

Wer aus Deutschland kommend die Panamericana mit dem eigenen Wohnmobil bereisen möchte, muss sich mit der Fahrzeugverschiffung beschäftigen. Bei guter Planung ist das nicht viel komplizierter als eine Flugreise. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Für eine Panamericana-Tour sind drei Verschiffungen nötig: Europa–Nordamerika, Zentralamerika– Südamerika (das sogenannte Darién-Gap) sowie Südamerika–Europa.
  • Häufig von Overlandern gewählte Häfen: Nordamerika: Halifax (Kanada), Baltimore (USA), Miami (USA). Zentralamerika: Colón (Panama), Cartagena (Kolumbien). Südamerika: Buenos Aires (Argentinien), Montevideo (Uruguay).
  • Generell können drei Arten der Verschiffung unterschieden werden: Im Container (sicherste Methode, Pauschalpreis pro Container, Achtung: Größenlimit), per Roll-on-Roll-off („RoRo“, weniger sichere Methode, Preis nach Volumen), per Load-on-Load-off („LoLo“, sichere Methode, Pauschalpreis pro Flatrack).
  • Durchschnittliche Verschiffungsdauer: Europa–Nordamerika: ca. 10 Tage, Zentralamerika– Südamerika: ca. 2 Tage, Südamerika–Europa: ca. 30 Tage.
  • Immer kommen zu den reinen Frachtkosten zusätzliche Gebühren hinzu, wie etwa Terminal Handling Charge, Bunker Adjustment Fee, Kosten für Agenten, Zoll etc. Also unbedingt beim Preisvergleich auf versteckte Kosten achten.
  • Unbedingt viele Angebote einholen. Im hier beschriebenen Fall ergaben sich bei acht Anfragen Preisunterschiede von bis zu 2000 Euro. Das günstigste Angebot für die Rückverschiffung von Südamerika nach Europa kam vom deutschsprachigen Vermittler SeaBridge, der sich auf die Bedürfnisse von Overland-Reisenden spezialisiert hat (www.sea-bridge.de).
  • Eine Verschiffung sollte spätestens ein bis zwei Monate im Voraus gebucht werden.
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