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Bullivermietung Oceanvan im Praxistest

Sommerverlängerung südlich der Alpen

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx 31 Bilder

Oceanvan bietet T6-Mietbullis in Vollausstattung ohne Kilometerbegrenzung. Unterwegs in Ligurien und der Toskana haben wir einen Campingbus ausprobiert. Wie gut Service und Ausstattung sind, zeigt der Test.

Volkswagen bietet von seinen T6 California-Ausbauten drei Varianten: Beach, Coast und Ocean. Letztes ist die komfortabelste mit Features wie einem per Knopfdruck aufstellbaren Schlafdach, doppelverglasten Fenstern und einer Schiebetür mit Zuziehhilfe. Genau diese Camper bietet die Bullivermietung Oceanvan bei Augsburg. Ihr Name ist dabei eine Anlehnung an das VW-Modell.

Wohnmobilvermietung Oceanvan

Oceanvan Praxistest Foto: C. Geppert
Bei der Übergabe des Mietbullis erzählt Holger Schalk vom Oceanvan-Konzept.

Die Firma mit ihren 20 Mietcampern ist frisch am deutschen Vermietmarkt, 2019 war die erste Saison der Oceanvan-Köpfe Matthias Rieß und Holger Schalk. Sie beide managen komplett alles: Kunden- und Buchungsservice, Fahrzeugverwaltung und -wartung. Alle ihre Mietfahrzeuge sind mit nötigem Campingequipment wie Geschirr und Töpfe, Stromkabel und Verlängerung oder Wasserkanister zum Tankfüllen und Handfeger ausgestattet. Mit an Bord sind sogar ein Geschirrspülhandtuch, zwei Spannbettlaken und eine Vliesdecke. Mitzubringen brauchen wir nur Schlafsäcke und Zahnbürste.

Kurz nach dem Caravan Salon meinerseits und vieler Geschäftsreisen bei Chris, sind wir beide beim Abholen des Mietbullis in Königsbrunn ohne Plan, wohin es mit dem Van in den Kurzurlaub gehen soll. Die grobe Idee: Gutes Wetter und Meer. Unseren Pkw lassen wir auf einem sicheren Parkplatz von Oceanvan, für die Formalitäten sind Unterschrift, Kreditkarte und Führerscheine nötig. Die Vermietstation besteht aus einem großzügigen Ausstellungsraum, einer Übergabehalle und einer Werkstatt, in der die Camper sauber gemacht und auf Vordermann gebracht werden.

Ziel: Gutes Wetter und Meer

Nach einer kurzen Einweisung sitzen wir im Fahrerhaus des 5-Meter-Bullis mit Automatikgetriebe und Navi. Um richtig in den Urlaub zu starten zu können, machen wir für Wasser, Essen & Co. den obligatorischen Abstecher zum nächsten Supermarkt. Als Campingerprobte holen wir hier außerdem noch Mülltüten, Öl und Gewürze.

Die Wetterapp sagt für den nächsten Tag überall südlich der Alpen mäßiges Wetter an. Wir entscheiden uns als erstes Ziel für Mailand, je nach Wetterentwicklung wollen wir bei Genua dann entweder links nach Frankreich oder rechts runter in Richtung Toskana weiterreisen.

Wir streifen das Ostufer des Bodensees, halten kurz für den Vignettenkauf und fahren durch die Schweizer Alpen in Richtung Mailand. Die Mietcamper von Oceanvan sind mit 150 PS ausgestattet, der Bums unter Haube reicht locker für die Serpentinen über die Alpen. Weiterer Vorteil des kleinen Campingbusses: Wir zahlen nur Pkw-Mautgebühr.

Oceanvan Praxistest Foto: Promobil
Rund 1800 Kilometer in einer Woche sind wir im Oceanvan unterwegs gewesen.

Gegen frühen Abend suchen wir uns einen Campingplatz kurz vor Lugano, in dem Örtchen Mezzovico-Vira werden wir fündig. Das Wetter ist grau, hier in den Bergen außerdem frisch. Doch dank Standheizung im Mietbulli ist dies kein Problem.

Urlaubsmodus an

Oceanvan Praxistest Foto: C. Geppert
Bei der Terrassenbegehung des Mailänder Doms kommt man ganz nah an das architektonische Meisterwerk.

In der Innenstadt von Mailand spielt der Camper seine Pkw-Stärke aus und wir finden schnell einen Parkplatz. Highlight ist die Besichtigung der Dachterasse des Mailänder Doms, von dem wir den Blick über die Stadt genießen. Tipp: Wer wenig Zeit hat oder nicht lange anstehen möchte, der kann ein Fast-Track-Ticket kaufen. Nicht ganz billig, aber die Zeitersparnis ist enorm. Espresso und Gelati sorgen dafür, dass wir schnell in den Urlaubsmodus umschalten.

Gegen späten Nachmittag sind wir auf der A7 in Richtung Ligurien unterwegs. Via Stellplatz-Radar suchen wir uns einen Campingplatz am Meer. Die Wahl fällt auf das Örtchen Sestri Levante, das zu Genua gehört. Hier finden wir einen kleinen Campingplatz am Ortsrand. Die Sonne ist am Untergehen, als wir am fußläufig entfernten Strand unsere Schuhe ausziehen und barfuß im Sand laufen. Etappenziel Meer? Check! Chris flippt Steine über die Wasseroberfläche, ich stehe im Mittelmeer und lass das kühle Wasser um meine Knöchel spülen. Der Wind wird stärker, über dem Meer braut sich ein Unwetter zusammen. Das war angekündigt – danach soll das Wetter besser werden. Wir verziehen uns auf den Campingplatz ins Fahrzeug. Bei monotonem Regenklopfen auf dem Camperdach schlafen wir ein. Das Gewitter hält die ganze Nacht an.

Oceanvan Praxistest Foto: C. Geppert
Etappenziel "Mittelmeer" in Sestri Levante erreicht. Das angekündigte Unwetter ist jedoch auch unübersehbar.

Der Morgen ist kühl, aber der Himmel reißt langsam auf. Unsere Wetterapps sagen voraus, dass das Wetter in Richtung Frankreich schlechter wird als in Richtung Italien. Damit steht fest, dass wir unsere Bullirundreise in Richtung Pisa und Florenz fortsetzen. Vor der Weiterfahrt machen wir noch einen Abstecher in die Innenstadt von Sestri Levante. Neben einer kleinen, sehenswerten Altstadt zeichnet sich das Örtchen durch seine zwei, quasi gegenüberliegenden Buchten aus. Die meisten Strände der sogenannten Bucht der Stille sind übrigens kostenlos zugänglich – eine Seltenheit in diesem Teil Italiens. Vor der Abfahrt stärken wir uns noch mit ligurischer Focaccia.

Mit dem VW-Bus nach Pisa

Oceanvan Praxistest Foto: C. Geppert
Die umgeklappte Schalfsitzbank des T6 California bietet ausreichend Platz zum Schlafen - alleine und zu zweit. Für eine ebene Oberfläche auf der umgeklappten Bank sorgt ein Topper.

Knapp 1,5 Stunden ist die Fahrstrecke nach Pisa. Die Sonne lässt sich immer wieder blicken, grüne Berglandschaft wird von pittoresken Dörfern durchzogen. Uns sticht ein Dorf auf einen Hügel ins Auge und wir beschließen einen Abstecher einzulegen. Schmale Straßen, die teilweise einspurig sind, führen uns vorbei an Weinreben nach Vezzano Ligure. Hier erwarten uns verwinkelte Pflasterstein-Gassen, bunt gestrichene Häuser und ein toller Ausblick vom Torre Pentagonale. Andere Touristen verschlägt es hier Mitte September kaum noch. Für uns geht es weiter und gegen frühen Abend erreichen wir unseren Campingplatz an der toskanischen Mittelmeerküste.

Unterwegs haben wir uns unter anderem mit italienischer Pasta und Parmesan eingedeckt. Auf dem Stellplatz holen wir die Stühle aus der Heckklappe des T6 und den Tisch von der Schiebetür. Nudeln kochen in einem Topf, Soße im anderen. Der Zweiflammkocher des VW T6 California reicht uns für jegliche kulinarische Kreationen in diesem Urlaub. Auch die Geschirrausstattung ist üppig und umfangreich. Ich vermisse lediglich bei dem einen oder anderen Gericht eine Pfanne. Dafür gibt es sogar Gläser aus Echtglas bei Oceanvan.

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx
EIn Blick in den Schrank unter der Spüle des VW T6 California Ocean. Hier kommt das Geschirr, das Oceanvan ohne Aufpreis stellt, unter. Dies umfasst sogar ein Spülhandtuch.

Am nächsten Tag kommen uns – wie bereits in Mailland – auch in Pisa die Pkw-Maße des Campingbusses zugute. Nur 5 Minuten Fußweg sind es vom Parkplatz, der westlich vom Dom, dem Schiefen Turm und dem danebenliegenden Baptisterium liegt. Die spätsommerliche Sonne brennt am Mittagshimmel als wir uns zu den Touristenmaßen rund um Pisas Hauptattraktionen gesellen. Weiter in die Innenstadt verläuft es sich und ein Café mit freiem Sitzplatz ist schnell gefunden.

Hochsommer in Florenz im September

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx
In Florenz haben wir bestes Wetter - auch am späten Nachmittag noch, wenn die Sonne bereits tief steht.

Wir erreichen Florenz noch am selben Tag des Pisa-Kurzbesuchs. Hier ist es noch wärmer als in Pisa. Camping Firenze ist der einzige Campingplatz dieser Reise, auf dem wir nur mit Glück noch einen Stellplatz ergattern. Es herrscht Mitte September noch Hochsaison.

Der nächste Tag begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel. Wir nehmen zwei öffentliche Busse zum Piazzale Michelangelo, einem Aussichtsplatz auf einem Hügel mit Blick auf Florenz. Zu Fuß geht es über die berühmte Ponte Vecchio in die Altstadt. Unweit der Brücke kehren wir im Ristorante Il Ricettario ein, einem Restaurant mit toskanischer Küche. Preislich ist Essen in dem authentischen, kleinen Restaurant ein bisschen gehobener, aber es lohnt sich: Mein Highlight ist der toskanische Antipasti-Teller mit regionalen Spezialitäten wie beispielsweise Bruschetta al Nero, Bruschetta mit Olivenöl und Schwarzkohl.

Danach geht es für uns zum Palazzo Vecchio, dem Rathaus von Florenz. Da wir den Menschenmassen entkommen wollen und der Wartezeit auf den Besuch der Kathedrale von Florenz, entscheiden wir uns dazu den Rathausturm zu besteigen – ohne zeitintensives Warten. Danach bummeln wir durch die Innenstadt und lassen den sonnigen Tag im Pool auf dem Campingplatz ausklingen.

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx
Von Florenz aus geht für uns die Reise weiter. Da unser einwöchiger Urlaub sich zu Ende neigt, fahren wir wieder in Richtung Norden.

Camping bei Venedig

Da sich unsere Oceanvan-Woche zu Ende neigt, müssen wir den Weg gen Norden wieder antreten. Wir entscheiden uns für Venedig als letztes Etappenziel. Die rund 270 Kilometer lange Strecke dorthin zieht sich, der Verkehr wird dichter je weiter wir nach Norden kommen. Camping in Venedig heißt entweder Camping vor der Hauptinsel am Festland oder auf der Insel Lido di Venezia dahinter.

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx
Perfekter Ausblick zum Relaxen: Venedig im wolkenlosen Abendlicht.

Damit wir beim übernächsten Tag der Abreise schnell loskommen, fällt die Entscheidung aufs Festland, für den Campingplatz Fusina. Hier erhalten wir einen Stellplatz direkt am Wasser mit Blick auf Venedig. Von unseren Campingstühlen aus beobachten wir im Sonnenuntergang, wie die Stadt am Horizont in warmes Licht getaucht wird. Doch dieser romantische Moment wehrt nicht lange: Da unser Stellplatz sehr nah an der Lagune von Venedig liegt, gibt es viele Mücken, die nach Sonnenuntergang auftauchen. Es sind so viele, dass wir schließlich ins Fahrzeuginnere flüchten.

Am nächsten Morgen fahren wir mit der Passagierfähre auf die Hauptinsel. Sie legt direkt neben dem Campingplatz an und braucht rund 30 Minuten bis in die Innenstadt. Zu Fuß geht es weiter durch die unzähligen Gassen und über die kleinen Brücken der Innenstadt. Um wieder einmal den langen Warteschlangen zu entgehen, haben wir vorab zu einem festen Zeitfenster 3 Euro teure Skip-The-Line-Tickets für den Markusdom gebucht. Die sind Gold wert und wir können ohne Anstehen die goldene Mosaikdecke der Kirche bewundern.

Ein weiterer Insidertipp ist die Aussichtsplattform des Kaufhauses Fondaco dei Tedeschi an der Rialto-Brücke. Der Blick auf den sich durch die Häuserschluchten schlängelnden Canal Grande ist einzigartig von dort oben. Ebenso hier ist eine vorzeitige Timeslot-Reservierung möglich, um nicht anstehen zu müssen. Unseren letzten Tag in Italien feiern wir nochmals mit ordentlich Gelati.

Oceanvan Praxistest Foto: G. Marx
Das Kaufhaus Fondaco dei Tedeschi an der Rialto-Brücke bietet eine Aussichtsplattform mit Blick auf den Canal Grande.

Rückgabe des Mietbullis

Zurück geht’s nach Deutschland über Österreich. Die letzte Nacht vor der Fahrzeugrückgabe verbringen wir auf dem Campingplatz Landsberg am Lech, gut 30 Minuten von der Mietstation entfernt. Hier packen wir und machen den Campingbus besenrein fertig, ein Besuch der Waschstraße ist nicht nötig. Kurz noch den Camper auf mögliche Schäden durchschauen, schon sind wir unseren Oceanvan wieder los. Die Rückgabe verläuft – wie die Abholung – problemlos. So schnell wie wir mitten im Vanlife waren, sind wir auch wieder raus und für uns geht es zurück in die Heimat.

Überblick: Ausstattung der Mietbullis von Oceanvan

Oceanvan Praxistest Foto: C. Geppert
In jedem Oceanvan an Bord: ein Handfeger, der sehr nützlich ist im Campingalltag in so einem kompakten Campingmobil.
  • Zwei Campingstühle und Tisch (VW-Ausstattung)
  • Gasflasche (Übrigens: Müssen Mieter unterwegs eine neue besorgen, bekommen sie das Geld dafür zurückerstattet.)
  • Stromkabel samt Verlängerung
  • Küchenbox mit Geschirr
  • Handfeger
  • Faltbarer Wasserkanister zum Nachfüllen des Wassertanks
  • Vliesdecke und zwei Spannbettlaken dürfen nach dem Trip behalten werden
  • Keine Kilometerbegrenzung
  • Kaution 800 Euro, Servicepauschale 89 Euro

Auszug: Sonderausstattung (optional)

  • Fahrradträger: 5 Euro pro Tag
  • Porta Potti: 35 Euro
  • Hundmitnahme: 99 Euro
  • Hol- und Bringservice: Preis auf Anfrage
  • Eingezäunter Stellplatz für Pkw an Mietstation: 5 Euro pro Tag
  • Zusatzversicherung: Wahl zwischen zwei Schadenschutzpaketen, die den Selbstbehalt von 1.500 Euro auf 750 bzw. 250 Euro senkt; 11,90 Euro am Tag bzw. 17,90 Euro

Fazit

Mietbullis von Oceanvan sind von Haus aus mit allem Nötigen ausgestattet: Toll sind die Freikilometer, die kostenlose Küchenausstattung oder der optionale Fahrradträger. Die Preise sind in Neben-, Zwischen- und Hauptsaison unterteilt und liegen zwischen 110 und 130 Euro, eine Servicepauschale von 89 Euro kommt dazu. In der Hauptsaison sind die Preise von Oceanvan damit markttypisch. Ab 11 beziehungsweise 22 Miettagen erhält man 5% oder 10% Rabatt.

Gut gefallen hat, dass man bei einer übersichtlichen Mietflotte von 20 Campingbussen merkt, dass es sich bei Oceanvan nicht um Massenabfertigung handelt. Die Betreiber nehmen sich Zeit für ihre Mieter. Durchdacht und praxisgerecht sind Details wie für den T6 passende Spannbettlaken oder auch der im Bulli-Alltag nötige Handfeger. Kundenfreundlich ist auch, dass die Vermietstation für die Gasflasche im Bulli aufkommt.

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