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Arbeiten und Leben im Wohnmobil

Zwei Abenteurer mit fast normalem Alltag

Paar mit Wohnmobil Foto: Sandra Kolb 12 Bilder

Andy und Silvi haben Feierabend. Von der Firma zu ihrem Haus sind es meistens nur wenige Schritte – je nachdem wo sie es abgestellt haben. Das Zuhause des Paares ist ein Wohnmobil.


Ein grüner Frosch aus Stoff schaut aus dem Fenster, die Außenwände sind mit Bildern von Bergpanoramen und Gollum aus Herr der Ringe beklebt. Im Inneren gießt sich Andy einen Kaffee ein. Silvi sitzt neben ihm und isst ein Stück selbst gebackenen Kuchen. Die 53-Jährige ist für die Dekoration zuständig und liebt Frösche. Aus allen Ecken des Wohnmobils schauen sie auf Kissen, auf Bildern, als Figuren oder als Stofftiere hervor.
Andy trinkt einen Schluck und lehnt sich zurück. „Wo wir mit unserem Wohnmobil hinfahren, da bin ich auch zu Hause“, sagt er.

Der 48-Jährige kam durch seine erste Ehe aus dem Westerwald nach Siegen, wo er seitdem als Schweißer in einer Firma für Autokennzeichen arbeitet. Auf der Arbeit lernte er die in Siegen geborene Silvi kennen. Der Startschuss für das mobile Leben des Ehepaars fiel vor rund einem Jahr. Den Gedanken, in einem Wohnmobil zu leben, hatten sie schon lange. Andy und Silvi wären auch bereits in ihr erstes Reisemobil gezogen, allerdings lebte Andys jüngste Tochter noch bei ihnen, und sie konnte sich das Leben auf Rädern nicht vorstellen. „Silvi und ich haben uns in meinem Mietshaus nie wohlgefühlt“, erklärt Andy. Seine Frau fügt hinzu: „Ich kam mir in jeder Wohnung und in jedem Haus wie eingesperrt vor.“

Wohnmobil statt fester Wohnsitz

Als die Tochter ihre Ausbildung beendete, schafften sie das größere Mobil an und starteten nach einigen Hürden beim TÜV in ihr neues Leben. Davon waren allerdings nicht alle begeistert. Silvi erzählt: „Mein Sohn sagte entsetzt: Wie Zigeuner leben, das kannst du nicht machen! Meine Familie hat mich für bekloppt gehalten.“ Auch in der Firma werde über die beiden Wohnmobilisten getuschelt. „Manche Leute lachen über uns“, Silvi wirkt etwas betrübt, als sie davon erzählt, aber dann hellt sich ihre Miene wieder auf: „Aber für uns ist es einfach das Beste, was wir je gemacht haben! Ich fühle mich freier und glücklicher.“

Ein Alltags-Leben im Wohnmobil – Wie geht das?

Ihre Einkäufe erledigen die beiden mit dem Microcar, das in ihrem Anhänger geparkt ist. „Der grasgrüne Wagen mache leider Lärm wie ein Traktor“, sagt Silvi lachend. Große Wäscheberge reinigen sie im lokalen Waschsalon, Strom und Wasser tanken sie auf einem Stellplatz in Siegen, das Abwasser entsorgen sie ebenfalls dort. Andy gießt sich Kaffee nach. Ein Grundstück mit Garten vermissen die beiden nicht. „Wenn ich einen Garten will, fahre ich auf eine Wiese“, sagt Silvi. „Und wenn mich mein Nachbar nervt, dann fahre ich einfach weiter“, schmunzelt Andy. An den Wochenenden sind sie fast immer unterwegs – am liebsten am Rhein. „Unsere Stellplätze sollten immer in der Natur sein und kostenlos“, grinst Andy.

Obwohl sie ständig umherreisen, ist in ihren Ausweisen ein fester Wohnsitz eingetragen. Der 48-Jährige erklärt: „Wir sind bei einem Freund gemeldet.“ Mit Hilfe eines Internetsticks, Mobiltelefons und Postfachs in Siegen sind sie jederzeit erreichbar. Die beiden sind ein eingespieltes Team, aber der Alltag läuft nicht immer reibungslos. „Es ist unser Abenteuermobil. Jeden Morgen fragt man sich: Was ist heute wieder kaputt?“ Silvi schaut ihren Mann lachend an. Sie arbeiten und leben zusammen auf engstem Raum. Da kracht es auch mal. „Ich habe einen Dickkopf!“ „Ja, das stimmt“, schmunzelt Andy, „ich ziehe mich dann in meine kleine Werkstatt im Anhänger zurück.“

Freiheit. Abenteuer. Genießen. So beschreiben sie ihr neues Leben. Doch so ausgefallen ihre Wohnstätte auch sein mag, morgen früh überqueren sie wieder die Straße und gehen ihrem normalen Arbeitsalltag nach.

Andy und Silvis Insider-Tipps: Leben im Wohnmobil

Die beiden haben beim Kauf ihres Wohnmobils darauf geachtet, dass sie neben einer Sitzgruppe auch Platz für ein kleines Wohnzimmer haben. „Es ist wichtig, dass man auch mal die Füße hochlegen kann und nicht alles so eng ist“, erklärt Andy.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Reisemobilen ist in der Küche der beiden ein Herd mit Backofen, ein großer Kühlschrank mit Gefrierfach und eine Mikrowelle. Auch eine kleine Waschmaschine haben sie sich gegönnt. „Sehr wichtig sind Rauchmelder“, betont Andy. Sie wissen wovon sie reden, schließlich ist ihr erstes Wohnmobil nach zwei Monaten abgebrannt.

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